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Commentary

Opfer der Hamas-Propaganda

In den Medien kursieren Zahlen von Todesopfern im Gazastreifen. Mehr als 11.000 palästinensische Zivilisten sollen seit Beginn des Angriffskriegs der Hamas ums Leben gekommen sein. Die hohen Opferzahlen werden gegen Israel verwendet und dienen als Argument für einen Waffenstillstand, der Israel schaden und die Position der Hamas stärken würde.

Das sollten Sie wissen: Die Opferzahlen stammen vom „Gesundheitsministerium“ der Terrororganisation Hamas und werden von vielen Medien unreflektiert übernommen. Wie viele Palästinenser tatsächlich zu Tode gekommen sind, ist unbekannt und nicht überprüfbar. Es muss aber von einer deutlich niedrigeren Zahl ausgegangen werden, wie Erfahrungen der Vergangenheit lehren, denn die Hamas nutzt Opferzahlen als Propaganda-Waffe. Zur psychologischen Kriegsführung der Terrororganisation gehört es, möglichst viele Tote vorzuweisen, um Israel in der Weltöffentlichkeit zu diskreditieren. Unbekannt ist außerdem, wie viele tote Zivilisten im Gazastreifen durch die Terroristen selbst getötet wurden – durch fehlgeleitete Hamas-Raketen, die Explosion eines Munitionslagers oder als menschliche Schutzschilde.

Dazu gehört auch der Einschlag einer Hamas-Rakete auf dem Parkplatz einer Klinik am 17. Oktober. Die Hamas behauptete damals, das Krankenhaus sei von einer israelischen Rakete getroffen worden und meldete 500 Tote. Später wurden 20 Tote gemeldet. Die israelische Armee ist die humanitärste Armee der Welt – und die einzige, die Fluchtkorridore offenhält und vorab über Angriffsziele informiert, damit Zivilisten evakuiert werden können.

 

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Israel als Prüfstein

Seit den Massakern der Hamas am 7. Oktober steht Israel wieder besonders im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Die Nachrichten über den Krieg erreichen jeden Tag ein internationales Publikum. Das ist kein Zufall. Die Bibel sagt uns, dass Gott Israel als Mittel benutzt, um seine Botschaft zu vermitteln, wenn er zu den Völkern sprechen will. Denken Sie an Jeremia 6,18-19 oder Jesaja 1,2-3, wo Gott das Gericht über Israel anordnet. Offensichtlich will Gott, dass alle Völker aufhorchen und zuhören, wenn es um das Schicksal Israels geht – und Gott achtet darauf, wie sich die Völker der Welt gegenüber seinem auserwählten Volk verhalten.

In Sacharja 1,14-15 gibt es einen aufschlussreichen Vers: „So spricht der HERR Zebaoth: Ich eifere für Jerusalem und Zion mit großem Eifer und bin sehr zornig über die stolzen Völker; denn ich war nur ein wenig zornig, sie aber halfen zum Verderben.“ Noch einmal: Gott achtet darauf, wie sich die Völker gegenüber dem jüdischen Volk verhalten. Wenn sie zu Israels Unglück beitragen, helfen sie Gott nicht, sondern zeigen ihre eigenen bösen Absichten und ziehen seinen Zorn auf sich.

Hass wird offenbar

Dies ist ein wichtiger Grundsatz! Im Umgang mit Israel in Zeiten der Not werden die Motive unserer Herzen offenbart. Das zeigt sich heute, wenn Tausende weltweit auf die Straße gehen, um ihrem ungezügelten Hass auf Juden Luft zu machen. Sicherlich war dieser Hass schon vorher da, aber die aktuelle Krise bringt ihn zum Vorschein.

Zudem befinden wir uns in einer anderen Situation als der, die Jesaja und Jeremia oben beschrieben haben. Gott straft Israel nicht, er erweckt es wieder zum Leben. Wie Jesaja 40 verkündet, hat es bereits das Doppelte für alle seine Sünden erhalten. Gott tut etwas Neues und will, dass die Völker darauf hören. Deshalb ruft Jeremia aus: „Höret, ihr Völker, des HERRN Wort und verkündet’s fern auf den Inseln und sprecht: Der Israel zerstreut hat, der wird’s auch wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde.“ (Jeremia 31,10)

Wir leben in dieser Zeit der Wiederherstellung Israels und Gott möchte, dass die Völker anerkennen, dass dies das Werk seiner Hand ist.

Gott prüft die Nationen

Gott prüft die Nationen erneut anhand ihrer Haltung gegenüber Israel. Und er warnt, dass er sie wegen des jüdischen Volkes und seines Landes richten wird. Der Prophet Joel versichert: „Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit, da ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, will ich alle Völker zusammenbringen und will sie ins Tal Joschafat hinabführen und will dort mit ihnen rechten wegen meines Volks und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Völker zerstreut und sich mein Land geteilt haben". (Joel 4,1-2)

Da wir wissen, dass Gott das jüdische Volk in seine angestammte Heimat zurückführt, können wir auch damit rechnen, dass er die Völker richten wird. Hier müssen wir zwischen der individuellen Rettung und dem Schicksal der Nationen unterscheiden. Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

Aber die Bibel sagt auch, dass Gott die Nationen richten wird, und er wird Israel als Messlatte benutzen. Deshalb obliegt es uns als Christen, in dieser Zeit der Prüfung für unsere Nationen zu beten. Beten Sie für die Regierung und andere Führer und Meinungsmacher, dass sie die Wahrheit erkennen und den Mut finden, für die Wahrheit einzustehen.

Shalom aus Jerusalem!

Mojmir Kallus, Vizepräsident der ICEJ

Foto: Von Hamas-Terroristen überfallenes Kibbuz (GPO/Maayan Toaf)

 

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Terror als Geschäftsmodell

Die Armut und Perspektivlosigkeit der Gaza-Bevölkerung gilt als Terror-Brandbeschleuniger. In vielen Medien wird Israel für die seit Jahrzehnten desolate Wirtschaft und Infrastruktur im Gazastreifen verantwortlich gemacht. Zu Unrecht. 

In vielen Medien wird hartnäckig ignoriert, dass für die Verwaltung des Küstenstreifens seit fast 20 Jahren allein die Hamas zuständig ist. Israel hat sich bereist 2005 vollständig aus dem Gazastreifen zurückgezogen. Mit den immensen Zahlungen aus aller Welt, die seither in den Gazastreifen geflossen sind, hätte längst ein zweites Singapur entstehen können. Tatsächlich gibt es in Gaza aber nicht einmal eine eigenständige Wasser- und Strom-Versorgung. Eine Entsalzungsanlage, die mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft gebaut wurde, ließ die Hamas verrotten. Ein Elektrizitätswerk, ebenfalls mit Hilfsgeldern erbaut, wurde von der Hamas versehentlich in die Luft gejagt. So blieb der Gazastreifen über all die Jahrzehnte von Strom und Wasser aus Israel abhängig. Die Hamas zahlte absichtlich die Rechnungen nicht – und wenn Israel die Lieferungen zeitweise einstellte, stand wieder der jüdische Staat am Pranger.

Der Terror lohnt sich für die Verantwortlichen: Die Hamas gilt als eine der reichsten Terrororganisationen. Sie verfügt über ein weltweites Firmengeflecht und Immobilien. Noch größer als das Vermögen der Terrororganisation ist das private Vermögen der Hamas-Führer. Im Gazastreifen waren bisher mehrere hundert Millionäre gemeldet – auf einem Gebiet, das nur halb so groß ist wie Hamburg und eine Arbeitslosenquote von 39 Prozent aufweist. Die Millionäre der Hamas besitzen luxuriöse Villen mit Marmor, eigenen Schwimmbädern und Fuhrpark außerhalb der Elendsviertel. Das Familienvermögen von Ismail Haniyeh, dem in Katar lebenden Chef des Politbüros der Hamas, wird auf über 2,3 Milliarden Euro geschätzt.

(Foto: Gaza/pixabay)

 

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Mörder als Hüter der Menschenrechte

Wer wacht über die Menschenrechte? Der Iran! Das ist leider kein schlechter Witz. Das mörderische Mullah-Regime hat seit 1. November 2023 den Vorsitz im Sozialforum des UN-Menschenrechtsrats inne. Ein Regime, das Menschenrechte verletzt wie kaum ein anderes Land dieser Welt – und als Drahtzieher hinter dem Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober steht. 

Mörder wachen bei den Vereinten Nationen über Menschenrechte, Diese Mörder propagieren weiter ganz offen die Auslöschung Israels. Das ist nicht die einzige Absurdität, die bei den Vereinten Nationen zu finden ist. Und das sollte man wissen, wenn die nächste UN-Resolution gegen Israel verabschiedet wird.    

„Die Vereinten Nationen taugen nicht als Gewissen der Welt“, kommentierte der Tagesspiegel. Dem ist nichts hinzuzufügen.


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Die christlichen Zionisten des 19. Jahrhunderts

Infolge der protestantischen Reformbewegungen des 16. und 17. Jahrhunderts spielte das persönliche Bibelstudium eine zentrale Rolle im Leben der Gläubigen. Es bestärkte viele Christen in Deutschland und England in ihrer glaubensvollen Erwartung der bevorstehenden Wiederherstellung Israels im Heiligen Land. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs ihre Überzeugung, dass Christen berufen waren, dieses Ereignis vorzubereiten. (Foto: Boston Public Library, Michael Solomon Alexander, CC BY 2.0)

Ein protestantisches Bistum in Jerusalem

1841 regte Friedrich Wilhelm IV., der vom Pietismus geprägte König von Preußen, ein preußisch-britisches protestantisches Bistum in Jerusalem an, das sich damals unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches befand. Großbritannien hatte zwei Jahre zuvor auf Anregung evangelikaler Anglikaner ein Konsulat in Jerusalem eröffnet und übernahm die Führungsrolle. Der erste protestantische Bischof von Jerusalem wurde Michael Salomo Alexander, ein in Preußen geborener anglikanischer Priester mit jüdischen Wurzeln. Er ließ eine Handwerksschule, eine hebräische Schule und das erste Krankenhaus im Heiligen Land errichten. Sein Nachfolger, der Schweizer Samuel Gobat, führte diese Pionierarbeit fort und weitete sie auch auf die christlich-arabische Bevölkerung aus.

Gegenreaktion

Neben ihrer karitativen Arbeit waren die Protestanten sehr missionarisch aktiv – insbesondere unter den Juden. Dies rief jüdische Philanthropen wie James Mayer de Rothschild und Moses Montefiore auf den Plan, sich der Bedürfnisse der armen Juden Jerusalems anzunehmen und sie aus den „Fängen“ der christlichen Missionare zu „retten“. Sie ließen Krankenhäuser, ein Armenhaus und neue jüdische Stadtteile erbauen.

Jüdische Landwirtschaft

1855 initiierten der britische Konsul James Finn und seine Frau, beide überzeugte christliche Zionisten, den ersten modernen jüdischen Landwirtschaftsbetrieb. Neben dem Wunsch, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, hofften die Finns, europäische Juden vom landwirtschaftlichen Potenzial des Landes zu überzeugen und sie zu ermutigen, ins Land ihrer Vorväter zurückzukehren – zu einem Zeitpunkt, zu dem Europas Juden noch nicht von der Urbarmachung des Landes überzeugt waren.

Conrad Schick: Ein Deutscher prägt Jerusalem

Ein deutscher christlicher Zionist, der Jerusalem wohl am meisten geprägt hat, war Conrad Schick. Der Direktor der Handwerksschule für jüdische Jugendliche war, ohne formelle Ausbildung, ein begeisterter Architekt. Er entwarf den Bau zahlreicher Gebäude in Jerusalem. Sein berühmtestes Werk ist das Stadtviertel Mea Schearim, geplant als neues Zuhause für die bedürftigen orthodoxen Juden Jerusalems. Weitere Bauten sind u.a. das Leprakrankenhaus Jesus-Hilfe, die arabisch-anglikanische St. Pauluskirche und die arabische Mädchenschule Talitha Kumi. Mit Erlaubnis der islamischen Behörden erforschte Schick den Tempelberg, einschließlich der Moscheen und unterirdischen Anlagen. Er schuf detailgetreue Modelle, die einen einzigartigen Einblick in die sonst kaum zugänglichen Stätten ermöglichten. Schick wurde zu einem bedeutenden Topographen und Archäologen Jerusalems und entdeckte u.a. die Siloah-Inschrift sowie den Teich Bethesda.

Das christlich-zionistische Erbe

Die Mehrheit der Juden stand den christlichen Zionisten des 19. Jahrhunderts wegen ihrer Missionsbemühungen sehr kritisch gegenüber. Dennoch gehörten diese Christen zu den ersten, die das Land Israel für die Heimkehr des jüdischen Volkes im großen Umfang vorbereiteten. Die erste große Alijah-Welle, mit der rund 30.000 Juden zurückkehrten, setzte ab 1882 ein. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits erste Infrastruktur wie Schulen, Handwerksbetriebe und Krankenhäuser, initiiert von Christen. Viele ihrer Projekte gingen im Laufe der Jahre ein, dennoch hatten sie wie erhofft etwas Größeres in Gang gesetzt: Die Vorbereitung der Rückkehr des jüdischen Volkes.

 

Zur Themenseite 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland


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Der verheißene Geist

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen... Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. (Jeremia 31, 31+33)

An diesem Wochenende feiern wir das biblische Fest Schawuot. In christlichen Kreisen ist es als Pfingstfest bekannt und wird oft als die Geburtsstunde der Kirche bezeichnet. Über viele Jahrhunderte betrachtete man Pfingsten als den Beginn einer neuen Institution, die das Volk Israel ersetzt oder abgelöst hatte. Das war das Verständnis der meisten traditionellen Kirchen im Verlauf der Kirchengeschichte. Die Annahme war, dass Gott mit Israel als seinem Volk abgeschlossen hatte und wir, die Kirche, das neue und bessere Volk Gottes seien. Viele Christen waren der Ansicht, dass Gott sein Volk enterbt und dementsprechend ein „Neues Testament“ geschrieben hatte, indem er den Segen von Israel nahm und ihn auf die neue Heiden-Kirche regnen ließ.

Eine neue Realität

Als Paulus seine Briefe an die Gemeinden in Kleinasien, Griechenland und Rom schrieb, betrachtete er sein Schreiben jedoch nicht als die Kapitel eines neuen Buches namens „Neues Testament“. Für die Gläubigen der ersten Gemeinde war der Begriff „Neues Testament“ nicht der Titel eines Buchs oder der Name einer neuen religiösen Bewegung. Für sie beschrieb er vielmehr eine neue geistliche Realität, die ihr Leben auf dramatische Weise formte und veränderte. Der „Neue Bund“ beschreibt eine Erfahrung, auf die das jüdische Volk seit vielen Jahrhunderten gewartet und gehofft hatte. Es war eine wesentliche Erfüllung der prophetisch angekündigten Erlösung, die Israel seit Generationen erwartete. Die Person, die den Begriff „Neuer Bund“ ursprünglich prägte, war nicht Jesus oder die ersten Apostel, sondern einer der großen hebräischen Propheten – Jeremia.

Die Wiederherstellung Israels

Jeremia kündigte nicht nur die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und das babylonische Exil an, er war auch einer der größten Verkünder einer herrlichen, zukünftigen Wiederherstellung Israels. Die bekannteste Schriftstelle zu dieser Wiederherstellung findet sich in Jeremia, Kapitel 30-33, wo Gott seine „ewige Liebe“ zu Israel bestätigt (31,3) und verspricht, es wieder aus dem „Norden“ und von den „Enden der Erde“ in ihr Land zurückzubringen (31,8). Dieser Prozess der Wiederherstellung Israels ist eine Botschaft, die den Nationen verkündet werden muss, ja, sogar den entlegensten Regionen der Erde: „Der Israel zerstreut hat, der wird's auch wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde“ (31,10). Gott bekräftigt sogar durch Jeremia, dass er mit derselben Entschlossenheit, mit der er Israel zerstreut hatte, es wieder sammeln, aufbauen und in das Land pflanzen würde (31,28).

Als Höhepunkt dieses Wiederherstellungsprozesses kündigt Gott durch Jeremia etwas Brandneues an, das über die bloße Wiederherstellung der vergangenen Herrlichkeit Israels hinausgehen wird. Gott verkündet, dass ein herrlicher Neuer Bund bevorsteht!

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“ (Jeremia 31, 31-33)

Der „Neue Bund”

Der Begriff „Neues Testament” kommt aus der Vulgata, der lateinischen Übersetzung der Bibel, die vom Kirchenvater Hieronymus in Bethlehem zusammengestellt wurde. Er übersetzte „neuer Bund“ mit „neues Testament“ und dieser Ausdruck hat sich seitdem im Christentum gehalten.

Allerdings ist der Ausdruck „Neuer Bund” in vielerlei Hinsicht besser als „Neues Testament”, da er viel mehr eine Beziehung und weniger ein rechtliches Dokument beschreibt. Jeremia sieht für sein Volk eine neue Art der Beziehung voraus, die wie ein „Upgrade“ des Bundes vom Berg Sinai sein würde. Auf dem Berg Sinai gab Gott der Herr Israel ein Gesetz, das im Grundsatz makellos und geistlich war. Das Problem war aber nicht so sehr das Gesetz, sondern die Menschen. Israel – und mit ihnen die ganze Menschheit – tat sich schwer damit, Gottes Gebote zu erfüllen, so dass König David ausrief: „Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Psalm 14,3). Und dieser verheißene Neue Bund würde sich des größten Problems der Menschheit annehmen – des menschlichen Herzes.

Es ist der Heilige Geist, der diesen neuen Bund umsetzt. Hesekiel beschreibt es auf diese Weise: „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hesekiel 36,26-27)

Eine Herzensumwandlung

Dieser angekündigte Neue Bund würde eine tiefgreifende Veränderung des Herzens sein. Gott würde seine Thora („Gesetz“) nicht wie auf dem Berg Sinai auf Steintafeln, sondern auf Menschenherzen schreiben. Und gemäß Hesekiel würde diese Umwandlung von „steinernen Herzen“ in „fleischerne Herzen“ dadurch geschehen, dass der Heilige Geist auf Gottes Volk kommt.

Im Lichte genau dieses verheißenen Neuen Bundes muss Pfingsten verstanden werden.

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apostelgeschichte 2, 1-4)

Anders als auf dem Berg Sinai, als Gott im Feuer auf den Berg herabkam und Mose das auf Steintafeln geschriebene Gesetz gab, ließen sich im Obergemach Feuerflammen auf menschlichen Gefäßen nieder. Das Ergebnis war die Herzensumwandlung der ersten jüdischen Jünger. Ihr Leben änderte sich radikal.

Jesus lehrte, dass diese Umwandlung durch den Heiligen Geist so tiefgreifend ist, dass es sich anfühlen würde, als sei man „von neuem geboren“. Jesus machte diese berühmte Aussage gegenüber Nikodemus, einem der führenden Thora-Gelehrten seiner Zeit: „Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Johannes 3,3) Der Thora-Gelehrte war verwirrt: „Wie kann das sein? Kann ein Mensch wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?“ (vgl. Johannes 3,4+9). Jesus antwortete erstaunt: „Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht?“ (Johannes 3,10). Mit anderen Worten, als erfahrender Gelehrter der hebräischen Schriften hätte Nikodemus darüber Bescheid wissen müssen. Die Propheten waren erfüllt mit Verheißungen einer göttlichen Herzensumwandlung. Bereits Mose sehnte sich nach einer nationalen Ausgießung des Heiligen Geistes (4. Mose 11,29). Er sah eine Zeit voraus, in der Gott das Herz des Volkes beschneiden würde (5. Mose 30,6-8), so dass Israel infolgedessen seine Gebote befolgen würde.

Erfüllte Verheißung

Kurzum, das Kommen des Heiligen Geistes an jenem Pfingsttag war nichts unerwartet Neues, das jeden überrascht hätte. Es war verheißen, wurde erwartet und vorausgeahnt. Darum befahl Jesus seinen Jüngern, in Jerusalem zu bleiben und auf die „Verheißung des Vaters“ zu warten.

Als der Heilige Geist an Pfingsten endlich ausgegossen wurde, stand Petrus im Hof des Tempels auf und verkündete seinen jüdischen Zuhörern, dass dies die Verheißung war, die Gott ihnen und ihren Kindern gegeben hatte (Apostelgeschichte 2,39). Der Apostel Paulus bezeichnete den Heiligen Geist später als „verheißenen Geist“ (Galater 3,14; Epheser 1,13).

Den Juden zuerst

Das bedeutet, dass der Neue Bund und die Geburtsstunde der Kirche nicht die Enterbung Israels und die Übertragung eines Neuen Testaments auf die Heidenkirche waren – ganz im Gegenteil! Es war die Bundestreue Gottes zu seinem Volk Israel, alles, was er ihnen verheißen hatte, zu erfüllen. Als Gläubige aus den Heidenvölkern sollten wir darum nicht auf Israel herabsehen, sondern vielmehr dankbar sein, dass wir in diesen unglaublichen Segen des Heiligen Geistes mit eingeschlossen wurden, der zuallererst Israel und weniger den Heidenvölkern verheißen war. Paulus erklärte, dass das Evangelium Jesu Christi „den Juden zuerst und ebenso den Griechen“ gelte (Römer 1,16). Dasselbe trifft auch auf die Ausgießung des Heiligen Geistes zu, die zuerst den Juden verheißen war.

Wir müssen auch verstehen, dass die große Mehrheit der biblischen Verheißungen des Heiligen Geistes im Zusammenhang einer endzeitlichen Wiederherstellung Israels in seinem Land gegeben werden (Jesaja 44,3; Jeremia 31,31; Hesekiel 36 und 37, Joel 2,28; Sacharja 12,10-14 u.a.). Heute sehen wir wie Israel nach 2000 Jahren des Exils in einer unglaublichen Geschwindigkeit wiederhergestellt wird. Israel übertrifft sogar die Erwartungen vieler Christen, die an seine Wiederherstellung glauben. Wir können daher erwarten, dass Gott auch alle Verheißungen, die er Israel hinsichtlich der Ausgießung des Heiligen Geistes gemacht hat, erfüllen wird. Dies sollte an diesem Pfingstfest, bzw. Schawuot, unser Gebet sein.

Ein neues Wirken Gottes

Lasst uns das diesjährige Pfingstfest nicht einfach wie jedes Jahr begehen, sondern lasst uns Gott vertrauen, Neues zu wirken – insbesondere für Israel. Lasst uns erwarten, dass Gott uns in diesem Jahr neu begegnet. Lasst uns auch dankbar sein, dass wir Teilhaber der wunderbaren Verheißungen Gottes sein dürfen, die er Israel gegeben hat, und dass er uns mit einbezogen hat, am unbeschreiblichen Segen des Geistes teilzuhaben.

Lasst uns den Heiligen Geist einladen, sein Werk in unserem Herzen zu tun. Erlauben Sie ihm, Ihr Herz zu verändern und umzugestalten. Wenn Sie es noch nie zuvor getan haben, laden Sie Jesus an diesem Pfingstfest ein und bitten Sie ihn, Ihr Herz mit seinem Heiligen Geist zu füllen. Sie werden nie wieder der- oder dieselbe sein!


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Warum Christen das Laubhüttenfest feiern

Warum kommen Christen jedes Jahr nach Jerusalem, um das Laubhüttenfest zu feiern? Weil dieses biblische Fest eine weitreichende Bedeutung hat – nicht nur für Israel, sondern für alle Nationen! Foto: ICEJ, Christen aus Deutschland in einer Laubhütte

Ein Fest für alle Völker

Das Laubhüttenfest, auch Sukkot genannt, ist einzigartig, denn auch die Nationen sind eingeladen, nach Jerusalem hinaufzuziehen, um den Herrn zu dieser „festgesetzten Zeit“ anzubeten. Diese Tradition gründet in der Anweisung an Israel beim Laubhüttenfest, 70 Stiere für die 70 Nationen zu opfern, die von Noah abstammen (4. Mose 29,12-35). Salomo weihte später den Tempel während des Laubhüttenfests ein und ermutigte Fremde, zum Gebet dorthin zu kommen (2. Chronik 6,32-33). Jerusalem war schon immer dazu bestimmt, eine „Gebetsstätte für alle Nationen“ zu sein (Jesaja 56,7 + Matthäus 21,13).

Gottes Versorgung feiern

Das sichtbarste Symbol des Sukkot-Festes sind die kleinen Hütten, in denen jüdische Familien während der acht Festtage wohnen sollen (3. Mose 23,33-43). Diese unsoliden Behausungen sollen an die 40 Jahre erinnern, in denen Israel in vollkommener Abhängigkeit vom Herrn in der Wüste gelebt hat. Dort hat Gott ihnen seine Treue erwiesen, indem er sie mit allem versorgte, was sie brauchten. Auf die gleiche Weise können Christen sich an einem Gott erfreuen, der alles dafür getan hat, dass wir aufrecht vor ihm leben können.

Zu Sukkot wird hier in Israel auch die so wichtige Ernte im Herbst eingebracht. Heute können Christen über die großartige Ernte für das Reich Gottes jubeln, die weltweit eingebracht wird.

Die Freude des kommenden Zeitalters

Der Prophet Sacharja sieht eine Zeit kommen, in der alle Nationen jedes Jahr nach Jerusalem hinaufziehen werden, um „anzubeten den König, den HERRN Zebaoth, und um das Laubhüttenfest zu halten.“ (Sacharja 14,16). Das Laubhüttenfest enthält auch die wundervolle prophetische Zusage, dass während des messianischen Zeitalters die ganze Welt nach Israel kommen wird, um dieses Fest zu feiern. Es wird den herrlichen Augenblick kennzeichnen, in dem Jesus wiederkommt, um den Thron Davids in Jerusalem einzunehmen. Was für ein Freudenfest, ein Vorbote des wunderbaren Tages, an dem wir „in die Freude des Herrn eingehen“ werden.

 

Der Rat des Rabbis

Als Merv und Merla Watson 1979 die erste christliche Laubhüttenfestfeier in Jerusalem planten, waren sie unsicher, wie die Völker dieses biblische Fest feiern sollten. Deshalb baten sie einen israelischen Rabbi um Rat. Als sie gerade gehen wollten, rief der Rabbi sie zurück: „Mr. und Mrs. Watson, dass Sie als Nichtjuden mich um Vorschläge für Ihre Sukkotfeier bitten, ist sehr ungewöhnlich. Unsere Propheten verkünden, dass in der messianischen Zeit alle Völker nach Jerusalem kommen werden, um dieses Fest mit uns zu feiern. Als Sie mich heute fragten, wie Sie Sukkot feiern sollen, hörte ich die Schritte des Messias näherkommen.“

Den Weg bereiten

Die ICEJ hat das Vorrecht, diese einzigartige Feier des Laubhüttenfestes nun schon seit 40 Jahren zu organisieren. Es ist nicht einfach eine weitere christliche Konferenz, sondern eine prophetische Proklamation für Israel und die Kirche, dass der Messias bald kommt. Letztendlich geht es um Jesus – nicht um uns, nicht einmal um Israel, sondern um den König, der wiederkommt!

Weitere Informationen zum ICEJ-Laubhüttenfest


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Die messianische Gemeinde: Ein Zeichen unserer Zeit

„Ihr Christen wart Zionisten – noch vor uns Juden. Es ist wichtig, das anzuerkennen.“ Das sagte der ehemalige israelische Premierminister Benjamin Netanjahu im Juni beim Jerusalemer Gebetsfrühstück in der Knesset. (Foto: Unsplash, Mosaik mit jüdischen Symbolen, Symbolbild)

Christlicher Zionismus

In der Tat waren es vor allem protestantische und evangelikale Theologen und Pastoren, die nach der Reformation erstmals öffentlich für eine nationale Wiederherstellung Israels eintraten. Puritaner, böhmische Brüder, Methodisten, Pietisten, die Pfingstbewegung und andere Erweckungsbewegungen – sie alle glaubten an die künftige Rückkehr des jüdischen Volkes in sein uraltes Heimatland. Infolge der Reformation erhielten selbst gewöhnliche Christen Zugang zur Heiligen Schrift in ihrer eigenen Sprache. Auf diese Weise wurden grundlegende biblische Wahrheiten wiederentdeckt, darunter die verheißene Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land seiner Vorväter. (Siehe auch unsere Themenseite "Christlicher Zionismus")

Zurück zu den jüdischen Wurzeln

Mit der zunehmenden Verbreitung des Wortes Gottes wuchs v.a. in Europa und Nordamerika die Erkenntnis der zentralen und andauernden Rolle Israels in der Heilsgeschichte. Parallel dazu entstand ein neues Interesse an den jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens. An vielen theologischen Fakultäten Europas beschäftigte sich die Forschung mit dem Alten Testament und dem Talmud. In Großbritannien hatten die Werke von John Gill (1697-1771) und Bischof J.B. Lightfoot (1828-1889) großen Einfluss: Ihre Bibelkommentare enthielten zahlreiche rabbinische Lehren und wurden von vielen Christen gelesen.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde an mehreren deutschen Universitäten ein „Institutum Judaicum” eingerichtet. Das bekannteste befand sich in Leipzig, gegründet unter dem Einfluss von Franz Delitzsch (1813-1890), dessen Kommentar zum Alten Testament heute noch gelesen wird. Delitzsch ist auch dafür bekannt, dass er das Neue Testament erstmals ins Hebräische übersetzte – und dies Jahrzehnte bevor Elieser Ben Jehuda die hebräische Sprache neu belebte.

Der Oxford-Gelehrte Alfred Edersheim trug ebenfalls zum wachsenden Verständnis der hebräischen Wurzeln des Christentums bei. Edersheim war Sohn einer Rabbiner-Familie und wurde im Talmud unterwiesen, konvertierte aber später und trat einer reformierten schottischen Kirche bei. Sein wegweisendes Werk „The Life and Times of Jesus the Messiah“ (Das Leben und die Zeit Jesu, des Messias) bereicherte das christliche Verständnis der jüdischen Identität Jesu und der Evangelien.

Ein neues Phänomen

Es war diese wiederentdeckte jüdische Identität Jesu und der Urgemeinde, die dazu führte, dass in christlichen Kreisen ein weiteres Phänomen auftrat: Viele Juden glaubten, dass Jeschua (Jesus) ihr lang erwarteter Messias war, behielten ihre jüdischen Traditionen aber bei. In den vorangegangenen Jahrhunderten hatte man die wenigen Juden, die zum Glauben an Jesus kamen, in der Regel gezwungen, ihre jüdische Identität aufzugeben. Seit den frühen ökumenischen Konzilen war es ihnen untersagt, eine Synagoge zu besuchen, jüdische Traditionen zu wahren oder jüdische Feiertage zu feiern – einschließlich des Schabbats.

Mit der Wiederentdeckung der jüdischen Identität Jesu und der Apostel wuchs auch die Erkenntnis, dass die Gläubigen des ersten Jahrhunderts nicht einer „christlichen Religion“ beigetreten waren, sondern dass sie vielmehr Juden waren, die glaubten, dass Jeschua der Messias ist. Einer der ersten, der dies zum Ausdruck brachte, war 1882 Joseph Rabinowitz, Sohn einer jüdisch-orthodoxen Familie, der zum Glauben an Jeschua als seinen Messias kam. Er lehnte es ab, einer christlichen Religionsgemeinschaft beizutreten, und legte auch seine Traditionen nicht ab, sondern behielt vielmehr einen jüdischen Gottesdienststil bei und gründete ein einzigartiges jüdisches Gebetshaus in Kischinew (Moldau), in dem er Gottesdienste auf Jiddisch feierte. Für viele gilt dies heute als der Anfang der modernen messianisch-jüdischen Bewegung. Wie zu erwarten, erlebte Rabinowitz deutlichen Widerstand – sowohl von jüdischer als auch von christlicher Seite. Aber er fand auch enthusiastische Unterstützer, u.a. protestantische Leiter wie Franz Delitzsch, der in Rabinowitz‘ Überzeugung einen neuen Ausdruck des ursprünglichen Christentums sah. Unter den Protestanten und Evangelikalen fand der Gedanke, dass es „hebräische Christen“ gibt, zunehmend Anklang.

Dem Kirchenhistoriker Prof. Donald M. Lewis zufolge beeinflusste die wachsende Zahl der an Jesus gläubig gewordenen Juden die Entwicklung und Theologie einer neuen Bewegung, die sich besonders in England für die Wiederherstellung Israels einsetzte. Sogar in der Wortwahl der Balfour-Erklärung von 1917 meinte Lewis die Lehren dieser jüdischen Gläubigen, die die Wiederherstellung einer jüdischen Heimstätte in Erez Israel, im Land Israel, entschieden unterstützten, wiederzuerkennen.

Die noch junge messianische Bewegung erlebte in Osteuropa ein bedeutsames Wachstum, insbesondere um die Jahrhundertwende (ca. 1900). Der bekannte lutherische Pfarrer Richard Wurmbrand berichtete von mehreren zehntausend Anhängern allein in Rumänien. In seiner Doktorarbeit schätzt Mitch Glaser, Leiter der messianischen Bewegung Chosen People Ministries, dass vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem in Osteuropa zwischen 200.000 und 300.000 messianische Juden lebten. Nur wenige von ihnen schlossen sich einer etablierten Kirche an.

Es ist tragisch, dass ihr Glaube an Jeschua ihr Leben im Land der Reformation nicht rettete, denn während des Holocausts wurden die meisten messianischen Juden Europas zusammen mit ihren jüdischen Brüdern und Schwestern in Auschwitz und anderen Todeslagern der Nazis ermordet. Eine evangelikale Kirche in Deutschland nahm in ihre Satzung sogar den Zusatz auf, dass „Juden in ihren Versammlungen nicht zugelassen sind“, da sie „Christusmörder“ seien. Traurigerweise wurde das Land, das die christlich-zionistische Bewegung mit auf den Weg gebracht hatte, zu der Nation, die das dunkelste Kapitel jüdisch-christlicher Geschichte schrieb.

Ein Blick auf die Anfänge

Heute erlebt die messianisch-jüdische Bewegung erneutes Wachstum. Schätzungen zufolge leben zwischen 7.000 und 20.000 messianische Juden in Israel. Für viele Theologen und Gemeindeleiter stellt die messianisch-jüdische Bewegung ein kleines, jedoch prophetisches Wirken Gottes in unserer Zeit dar. Selbst im Vatikan kam es in den letzten Jahren zu Gesprächen zwischen katholischen Geistlichen und messianisch-jüdischen Leitern. Die Tatsache, dass es nach 1800 Jahren wieder eine jüdische Strömung im Christentum gibt, ist nicht nur faszinierend, sondern lenkt auch den Blick auf die Anfänge der Kirche. Für viele christliche Zionisten stellt diese kleine, aber wachsende messianische Gemeinde die ursprünglichste Form ihres Glaubens dar. Im Laufe der Jahrhunderte vergaßen viele Christen, dass Jesus Jude war und von seinen Anhängern „Rabbi“ genannt wurde. Seine Jünger und die Verfasser des Neuen Testaments waren allesamt Juden. Bis in die Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. befolgte die Kirche weiterhin jüdische Traditionen. Die ersten Jünger versammelten sich im Tempel in Jerusalem, befolgten jüdische Speisegesetze und dachten im Traum nicht daran, eine neue Weltreligion zu gründen. Ursprünglich wurden Heidenchristen nur unter Vorbehalt aufgenommen und die Taufe des ersten Nichtjuden, Kornelius, geschah nur auf eine eindeutige Führung des Heiligen Geistes hin (vgl. Apostelgeschichte 10). Als Paulus, der „Apostel der Heiden“, seine Missionsreisen nach Kleinasien, Griechenland und Rom unternahm, besuchte er immer zuerst die Synagogen vor Ort. Er wusste, dass Gott die Frohe Botschaft vom Kommen des Messias zuerst den Juden und erst dann den Völkern verheißen hatte (Römer 1,16ff).

Rasante Veränderungen

Nachdem jedoch die ersten Heidenchristen aufgenommen worden waren, veränderte sich die Struktur der Kirche rasant. Bereits Ende des ersten Jahrhunderts waren die meisten Nachfolger Jesu Nichtjuden. Infolgedessen ging die Leitung der Gemeinde bald von jüdischen in nichtjüdische Hände über. Zwei wichtige Faktoren trugen zu dieser Veränderung bei. Zum einen waren die Heidenchristen rasch in der Überzahl. Viele der Gemeinden im Römischen Reich, die anfangs überwiegend jüdisch gewesen waren, wurden durch den großen Zustrom nichtjüdischer Gläubiger bereits zu Paulus‘ Zeiten verändert. Zum anderen dezimierten die römischen Eroberungen Judäas unter Vespasian und Titus (69/70 n. Chr.) und später Hadrian (134 n. Chr.) die jüdische Bevölkerung im Land Israel – rund zwei Drittel von ihnen wurden getötet, die meisten Überlebenden gingen ins Exil. Entsprechend verlor Jerusalem seine Stellung als Zentrum des geistlichen, jüdischen Lebens.

Die Bedeutung, die Jerusalem für die ersten Gläubigen hatte, kann nicht überschätzt werden. Das erste Kirchenkonzil fand in Jerusalem statt und Paulus besuchte die Heilige Stadt immer wieder, um den leitenden Aposteln von seinen sich ausweitenden Missionsreisen zu berichten. Anlässlich biblischer Feiertage besuchte er auch den Tempel und immer überbrachte er Spenden der neuen Gemeinden, die er gegründet hatte, für die „Armen unter den Heiligen“ in Jerusalem (Römer 15,26). Außerdem reiste Paulus nie allein, immer brachte er eine Delegation gläubig gewordener Nichtjuden mit (Apostelgeschichte 20,4), anscheinend um sicherzustellen, dass sie gute Beziehungen nach Jerusalem unterhalten würden.

Als der Tempel 70 n. Chr. zerstört wurde, war dies nicht nur eine politische, sondern auch eine geistliche Erschütterung. Im Jahr 134 n. Chr. verbot Kaiser Hadrian den Juden, Jerusalem zu betreten. Als Zeichen der Demütigung wurde die Provinz Judäa in Palästina umbenannt, nach Israels Erzfeinden, und Jerusalem in Aelia Capitolina. So ging auch das Bistum Jerusalem in die Hände der Nichtjuden über. Judas Kyriakos, ein Urenkel Judas‘, des Bruders Jesu, war der letzte Jude, der in der Antike Bischof in Jerusalem war. Doch er wurde 135 n. Chr. durch den ersten nichtjüdischen Bischof ersetzt – Marcus, der übrigens nicht mehr „Bischof von Jerusalem“, sondern „Bischof von Aelia Capitolina“ genannt wurde. Von da an war Rom das neue geistliche Zentrum der Christenheit. In den folgenden 200 Jahren nahm nicht nur der jüdische Einfluss in der Kirche ab, die Kirche trennte sich auch mehr und mehr von Israel und den Juden. Diese nichtjüdische Kirche betrachtete sich selbst als das „neue Israel“, das die Juden als Gottes auserwähltes Volk ersetzt hatte.

Zeichen der Hoffnung

Dass es wieder eine messianische Gemeinde in Israel gibt, ist für viele Christen nicht nur Teil der heutigen Wiederherstellung Israels, sondern ein wirksames „Gegengift“ gegen Ersatztheologie und Anti-Israelismus. Schon Paulus hatte der Gemeinde anhand seiner Identität als Israelit vom Stamm Benjamin verdeutlicht, dass Gott sein Volk nicht verstoßen hat (Römer 11,1). Die Frage, die viele Theologen heute stellen, lautet: Wie sieht das Neue Testament die messianischen Juden? Diese Fragestellung mag für die jüdische Urgemeinde beleidigend geklungen haben. Für die späteren, nichtjüdischen Gemeinden, wie z.B. die Lutherische Kirche in Deutschland, die messianische Juden vehement von ihren Kirchentagen ausschließt, kommt sie einem Ärgernis gleich. Ihnen fällt es schwer zu akzeptieren, dass der Glaube der frühen Kirche die Erfüllung der uralten Hoffnung des jüdischen Volkes war.

Für die ersten Apostel wie Paulus und Petrus war ihre jüdische Identität kein Hindernis, auch dann nicht, als sie sich für die Aufnahme nichtjüdischer Gläubiger in den Leib des Messias (den Leib Christi) einsetzten. Paulus verglich die Heilsgeschichte mit einem alten Ölbaum. Dieser edle Ölbaum wuchs aus der Wurzel von Abrahams Glauben zu einer messianischen Hoffnung vor allem jüdischer Männer und Frauen. Einige der edlen Zweige (Juden) wurden teilweise ausgerissen, damit wilde Zweige (Nichtjuden) eingepfropft werden und Stärke und Hoffnung aus dem nährenden Saft dieses alten Baums messianischen Glaubens ziehen konnten. Paulus sah darin die Erfüllung von Gottes Verheißung an Abraham: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1. Mose 12,3; Galater 3,8).

Die „Ersetzung“ der herausgerissenen Zweige war jedoch nicht dauerhaft. Paulus verstand, dass Gott eines Tages die edlen Zweige wieder in den Ölbaum zurückpflanzen würde. Dieser Rückkehr der Zweige maß er sogar die größte Bedeutung bei. In Römer 11,12-15 weist er auf eine wunderbare Wahrheit hin: Wenn der Fall des jüdischen Volkes bereits zum Segen für die Heiden geworden ist, wie viel größer wird der Segen ihrer Annahme sein. Das Wiedereinpfropfen der ursprünglichen Zweige bedeutet die Freisetzung der Auferstehungskraft Gottes. Daher sahen Prediger wie John Wesley darin den Katalysator für die größte Erweckung, die es je geben wird.

Wir sollten uns überlegen, wie die Kirche, die Gemeinde Jesu, diesem neuen und noch zarten Zweig jüdisch-messianischer Gläubiger mehr Raum geben und mehr Bedeutung zumessen kann. Die Gemeinde muss ihnen zur Seite stehen, im Gebet, in Freundschaft, in Unterstützung und zugleich die Einzigartigkeit der Zeit erkennen, in der wir leben. Aus diesem Grund stehen wir unerschütterlich an der Seite Israels und des jüdischen Volkes und erkennen zugleich unsere untrennbare Verbindung und Freundschaft mit unseren messianischen Brüdern und Schwestern an, besonders in Israel. Auf diese Weise wehren wir der Ersatztheologie und bezeugen, dass Gottes ewige Verheißungen tatsächlich „Ja und Amen“ im Messias sind (2. Korinther 1,20). Wir leben in wirklich erstaunlichen Zeiten!

 


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Die Bedeutung des Gebets im jüdisch-orthodoxen Alltag

Der Alltag eines orthodoxen Juden wird von vielen Gebeten bestimmt – zusätzlich zu den drei langen Hauptgebeten am Morgen, am Mittag/Nachmittag und am Abend. So beginnt bereits jeder Tag mit einem kurzen Segensspruch unmittelbar nach dem Erwachen, denn noch ehe ein anderes Wort gesprochen wird, soll der Mund des Gläubigen dem HERRN die Ehre erweisen. (Foto: Unsplash, Jüdischer Beter an der Klagemauer, Symbolbild)

Regelmäßige Gebete

Über den Tag verteilt folgen Gebete vor und nach dem Essen und Trinken, Reisegebete, Gebete zum Händewaschen und Gebete bei glücklichen oder unglücklichen Ereignissen, Gebete bei guten Nachrichten und bei schlechten Nachrichten. Es gibt sogar ein Gebet, das nach jedem Gang zur Toilette gesprochen wird.

Auch im Judentum kennt man das freie Gebet. Doch gerade die vielen über den Tag verteilten vorgeschriebenen Gebete sollen den Beter immer wieder neu auf Gottes Gegenwart hinweisen. Denn nicht nur der Sabbat, sondern auch der Alltag soll mit Gott gelebt und erlebt werden. Die festen Gebete erinnern daran: ER ist gegenwärtig – in jedem Moment, bei jedem Ereignis, an jedem Ort.

Die Aufgabe des orthodoxen Beters ist es, sich auf jedes einzelne Wort der vorgeschriebenen Verse zu konzentrieren, um es zum eigenen, innigen Reden mit Gott zu machen. Die rituellen Gebete enthalten Lob, Dank und Bitten und helfen dem Beter, sich während der Gebetszeit ganz auf die Ehrfurcht und Liebe zu Gott zu fokussieren, ohne inhaltlich etwas zu vergessen.

Die festen Gebete bieten außerdem die Möglichkeit, Gott zu preisen und zu danken, selbst wenn der Beter einmal schwere Zeiten durchlebt und vielleicht keine eigenen Worte für Lobpreis und Dank finden kann.

Das Kaddisch-Gebet

Besonders deutlich wird dies im Kaddisch. Obwohl Kaddisch als Gebet der Trauernden bekannt ist und von Juden vor allem für ihre verstorbenen Eltern gesprochen wird, handelt es sich inhaltlich um ein reines Lobpreisgebet. Kaddisch ist eine innige, ja beinahe trotzige Demonstration des Vertrauens, ein öffentliches Bekenntnis zum Glauben an IHN, den Heiligen, trotz Kummer und Schmerz. So wie Hiob angesichts seines Unglücks sprach: „Der Herr hat gegeben, der HERR hat genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ (Hiob 1,21; SLT)

Kaddisch-Gebet

Erhoben und geheiligt ist SEIN großer Name!

ER ist erhoben und geheiligt in der Welt, die von ihm erschaffen wurde nach seinem Willen.

SEIN Königreich soll herrschen in Eurem Leben, in Euren Tagen und im Leben des ganzen Volkes Israel. SEIN Königreich soll in Bälde schon über uns herrschen. Sprecht dazu: Amen!

SEIN großer Name sei gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit, für alle Zeit.

Gepriesen sei ER. ER sei gerühmt. ER sei verherrlicht. ER sei erhoben und erhöht.

Der Name des Heiligen sei gefeiert, hoch erhoben und gepriesen.

Der Name des Heiligen sei hoch gelobt über jedem Lobpreis und Gesang, über alle Verherrlichung und Trostverheißung, die je in der Welt gesprochen wurde.

Sprecht dazu: Amen!

Möge die Fülle des himmlischen Friedens und Leben auf uns liegen und auf ganz Israel.

Sprecht dazu: Amen!

Der Friede schafft in seinem Himmelreich, der schaffe auch Frieden für uns und für ganz Israel.

Sprecht dazu: Amen!

Gebete und Musik

Immer schon wurde Gott in der Geschichte Israels auch mit Musik und Liedern angebetet, von Männern ebenso wie von Frauen. So griff beispielsweise Moses Schwester Mirjam zur Pauke und stimmte ein Loblied an zur Ehre Gottes, nachdem das Volk Israel den Ägyptern entkommen war (2. Mose 15.20). Auch am Sabbat wird viel gesungen. Musikinstrumente zu spielen ist an diesem Tag jedoch verboten.

Minjan

Mindestens zehn Beter sollen für die drei täglichen jüdischen Hauptgebete versammelt sein. Damit bilden sie ein Minjan, eine Betgemeinde. Warum sollen es ausgerechnet zehn Beter sein? Diese Zahl basiert auf der Erzählung im 1. Buch Mose 18. Als Gott gegenüber Abraham die Vernichtung der gewalttätigen, sündhaften Städte Sodom und Gomorra ankündigt, ringt Abraham Gott die Zusage ab, die Städte zu verschonen, wenn 50 Gerechte darin gefunden werden. Ermutigt von Gottes Entgegenkommen, beginnt Abraham zu handeln: Ob nicht auch 45 Gerechte ausreichen? Vielleicht schon 40, 30 oder gar nur 20? Bis auf zehn Gerechte „handelt“ Abraham schließlich die Grenze für Gottes Gerichtshandeln an Sodom in seiner Fürbitte „herunter“.  Und Gott willigt ein: Zehn Gerechte reichen aus, um eine ganze Stadt voller Bosheit und Gewalt vor dem Untergang zu bewahren. Die zehn Beter – ein Minjan – stehen mit ihrer Gebetsgemeinschaft symbolisch für ihre Stadt ein und sollen Gott an seine Zusage erinnern.

Tischgebete

Vor dem Genuss von Speisen oder Getränken wird ein kurzer Segen gesprochen. Je nach Art der Speise oder des Getränks gibt es unterschiedliche Segensverse. Dabei gilt nicht etwa Fleisch, sondern Brot als wichtigstes Nahrungsmittel im Judentum. Eine Mahlzeit gilt nur dann als vollwertig, wenn Brot dazu gereicht wird. Der Segen, der über dem Brot nach einer rituellen Handwaschung gesprochen wird, lechem min ha-arez, gilt als höchster und wichtigster Speisesegen. Im Judentum findet das eigentliche Tischgebet, der Dank für die Speise, allerdings nicht vor, sondern erst nach dem Essen statt – weil es im 5. Buch Mose heißt: „Und wenn du gegessen hast und satt geworden bist, dann sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.“  (5. Mose 8,10; SLT)

Auch hier variiert die Art des Dankgebets, abhängig davon, welche Lebensmittel man gegessen hat. Das aufwendigste Dankgebet steht an, wenn bei der Mahlzeit auch Brot verzehrt wird. Dann wird birkat hamason gesprochen, ein sehr langes Gebet, nach einer weiteren rituellen Handwaschung. Der Esstisch hat im Judentum übrigens einen hohen Stellenwert, denn er gilt als Symbol für den Altar, der früher im Tempel stand. Ein orthodoxer Jude setzt sich deshalb niemals auf einen Esstisch.

Der Brot-Segen lechem min ha-arez

Baruch ata Adonai, Elohejnu melech ha-olam, ha-mozi lechem min ha-arez.

Gepriesen bist du, Adonai, unser Gott, König der Welt, der hervorbringt Brot aus der Erde.

 

 

Zur Themenseite: Schätze des Hebräischen Denkens


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Gott wacht über uns!

Der jüdische Feiertag Tu Bischwat, das Neujahrsfest der Bäume, fällt dieses Jahr auf den 6. Februar. Er gilt auch traditionell als der Tag, an dem der Mandelbaum zu blühen beginnt. In kürzester Zeit ziert er bald das ganze Land mit seinen wunderschönen weiß-rosa Blüten. Der Mandelbaum blüht immer als erster, trägt jedoch als letzter Baum Früchte.

Der Mandelbaum erinnert uns an eine der ersten Prophezeiungen, die ein junger Prophet mit Namen Jeremia empfing. „Und das Wort des HERRN geschah zu mir: Was siehst du, Jeremia? Und ich sagte: Ich sehe einen Mandelzweig. Und der HERR sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich werde über meinem Wort wachen, es auszuführen.“ (Jeremia 1,11-12) Gott benutzt in dieser Prophetie in Wortspiel, das eine wichtige Botschaft für Israel und für uns enthält. Das hebräische Wort für Mandel (Schaket) ist dasselbe Wort, das mit „wachen über“ oder „etwas sehen“ übersetzt wird. Beim Anblick das Mandelzweiges versicherte Gott Jeremia, dass er über sein Wort wachte und kurz davor stand zu handeln.

Foto: Mandelbaumblüte, Pixabay

Kontext: Erschütterung

Die Bedeutungsschwere dieses zunächst ermutigend wirkenden Bildes nimmt noch zu, wenn man den Kontext betrachtet, in dem Jeremia es sieht. Kurz vorher hat Gott den Propheten darüber informiert, dass er ihn gebrauchen wird, um durch ihn zu reden und folglich Israel und die gesamte Region drum herum zu erschüttern. „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich habe dich an diesem Tag über die Nationen und über die Königreiche bestellt, um auszureißen und niederzureißen, zugrunde zu richten und abzubrechen, um zu bauen und zu pflanzen.“ (Jeremia 1,9+10) Und direkt nach dem Mandelbaum zeigt Gott ihm ein weiteres Bild. Er sieht einen siedenden Topf kurz vor dem Ausgießen, der Jerusalem von Norden her zugeneigt ist. „Da sprach der HERR zu mir: Von Norden her wird das Unglück losbrechen über alle Bewohner des Landes.“ (Jeremia 1, 13+14) Während der Mandelzweig hauptsächlich als hoffnungsvolles Zeichen gesehen wird, dass Gott schlussendlich alle wunderbaren Verheißungen für Israel (oder uns) erfüllen wird, lässt uns der Kontext einen viel ernsteren Ton spüren.

Warnung und Gericht

Die Botschaft an Jeremia lautete nicht, „freue dich und sei fröhlich, da der Herr seinen Segen auf Israel ausgießen wird”, es war vielmehr eine unbequeme Warnbotschaft. Eine Warnung, die Gott später durch Jeremia wiederholte. „Siehe, ich wache über sie zum Bösen und nicht zum Guten. …” (Jeremia 44,27). Gott sagte zu Israel: „Glaubt nicht, dass euer sündiges Leben und eure Rebellion gegen mich keine Konsequenzen haben werden. Ich habe Acht auf Euch und auf mein Wort, und bald kommt die Stunde der Abrechnung.“ Die Zerstörung Jerusalems und die Gefangenschaft Israels waren die schlimme Folge. Jahre später betete Daniel auf ähnliche Weise, in vollem Bewusstsein der Sünden seiner Nation: „Und so wachte (shaket) der HERR über dem Unglück und ließ es über uns kommen. Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Taten, die er tut. Aber wir haben nicht auf seine Stimme gehört.” (Daniel 9,14)

Segen oder Fluch

Die Lektion des Mandelbaumes besteht folglich darin, dass es einen Gott im Himmel gibt, der sieht, wie eine sündige Nation sich von ihrem Gott entfernt und der vorhersagt, dass dies Konsequenzen haben wird. Gottes Botschaft an die Menschheit ist heute noch dieselbe. Gott sieht es und wacht darüber! Er wird über sein Wort wachen, entweder zum Fluch oder zum Segen. Während wir sehen, wie sich Sünde und moralische Verfehlungen in unseren Nationen und selbst in der Kirche verbreiten, sollten wir uns daran erinnern: Gott sieht es, er wacht darüber! Während die Nationen gegen Israel aufmarschieren und es deligitimieren, teilen oder sogar vernichten wollen, können wir sicher sein: Gott sieht es und wacht!

Saat und Ernte

Paulus warnt die Gemeinde in Galatien, sich nicht täuschen zu lassen und zu glauben, dass Sünde und eine weltliche Haltung ohne Konsequenzen bleiben werden. „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.” (Galater 6,7) Wir werden ernten, was wir säen. Wenn wir Sünde und „Weltlichkeit” säen, werden wir Gericht und schließlich den Tod ernten. Wenn wir auf den Geist Samen der Gerechtigkeit säen, werden wir Segen und ewiges Leben ernten.

Der gute Hirte

Und hier enthält der Text eine starke Ermutigung. Jeremia sieht eine mächtige Wiederherstellung Israels voraus. „Und es wird geschehen, wie ich über sie gewacht habe, um auszureißen, abzubrechen, niederzureißen, zugrunde zu richten und zu vernichten, ebenso werde ich über sie wachen, um zu bauen und zu pflanzen, spricht der HERR.“ (Jeremia 31,28) Gott wacht nicht nur über dem Sünder zum kommenden Gericht, sondern er sieht umso mehr auf den, der ihn anruft. Für diejenigen, die zu ihm gehören, wird er ein guter Hirte sein. Er wird über jedem einzelnen wachen und ihn beschützen. Wir können immer noch, sogar heute, die Früchte bestimmen, die wir ernten werden. Wenn wir uns entschließen, auf Gottes Seite zu stehen und unser Leben ihm zu weihen, dann verspricht uns Gott, über uns zum Guten zu wachen. Und selbst inmitten unserer Schwachheiten und Fehler wird Gott über uns wachen. „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.“ (Philipper 1,6). Gott wacht über uns!


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