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Commentary

Die Tora – Wegweisung für ein Leben mit Gott

Im engeren Sinne bezeichnet das Wort „Tora“ die fünf Mose-Bücher der Bibel. Das hebräische Wort Tora wird in deutschen Bibeln fast überall mit „Gesetz“ übersetzt. Doch die Bibel ist ein orientalisches Buch. Im hebräischen Denken beinhaltet Tora viel mehr als Regeln und gute Ordnungen Gottes für ein gelingendes Miteinander im Bund mit ihm und untereinander.

Foto: Pixabay, Torarolle

Denken in Kreisen

Menschen in der westlichen Welt sind es gewohnt, logische Zusammenhänge herzuleiten, sie folgen meist einem geradlinigen Denkweg mit einer abschließenden Definition. In der orientalischen Kultur werden keine geradlinigen kausalen Zusammenhänge gesucht. Stattdessen wird ein Thema wieder und wieder umkreist, wie bei der Wanderung um einen Berg. Bei jeder Runde wird Neues entdeckt, von jeder Seite zeigen sich andere Perspektiven und Facetten. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine tiefe Beziehung zu diesem „Berg“. In der orientalischen Kultur geht es vor allem um Beziehung. Abstraktes ist der Sprache fremd, die geprägt ist von Beziehungsworten und Beziehungsbildern. Beim Umkreisen eines Themas kann nur gesagt werden, wo man sich im Moment auf dieser Reise befindet. Es ist klar, dass man weiter damit unterwegs sein, damit wachsen wird. Beziehung bleibt immer im Werden. Nie muss es eine endgültige Definition geben.

Das Denken in Kreisen ist kindlich und demütig genug, um das Begrenzte der eigenen Wahrnehmung und weiteres Dazulernen zu akzeptieren, ebenso die unterschiedlichen Sichtweisen anderer Wanderer um den gleichen „Berg“. Und es lässt sich in sehr persönlicher Weise auf Begegnung mit einem Thema ein, es ist keine distanzierte Theorie und braucht kein abschließendes „So ist es!“. Dementsprechend ist auch der Begriff Tora nicht mit einer einmaligen Definition erklärbar, vielmehr lädt er auf eine Entdeckungsreise ein.

Zielgerichtet durchs Leben führen

Sprachlich ist Tora abgeleitet von der hebräischen Wurzel j-r-hin eine Richtung zielen, werfen, verwandt mit den Worten horim – Eltern, und moreh, morah – Lehrer, Lehrerin. Schon hier wird deutlich, dass es nicht nur um Gebote und Verbote gehen kann. Eltern und Lehrer nehmen ein Kind an die Hand, um es ins Leben zu begleiten, und genau dazu hat Gott Tora gegeben. Wir können es besser mit Unterweisung, Lehre übersetzen. Tora ist Offenbarung Gottes, sei es in seinem Handeln an Menschen oder in der Festlegung dessen, was ihm wichtig ist. Die fünf Mose-Bücher erzählen von Gott als Schöpfer, Bundesgott, Erlöser, Versorger und davon, dass Gott Beziehung zu Menschen sucht, von seinen Wegen mit Noah, Abraham, Joseph, Mose und Israel.

Unterwegs sein mit Gott

In seinem Buch „Engel, Propheten und das gute Auge“ führt Horst Krüger aus, dass Tora weniger ein göttliches Gesetz ist als ein göttlicher Weg. Gehen mit Gott ist der älteste Ausdruck von Frömmigkeit, den wir bei Henoch, Noah und Abraham sehen. In 1. Mose 26,5 heißt es von Abraham, dass er Gottes Unterweisung (Tora) folgte, lange bevor das Gesetz am Sinai gegeben wurde. Auch Mose wollte Gottes Wege wissen: „‚Israel, was fordert der Herr … von dir, als … auf allen seinen Wegen zu gehen…‘“ (5. Mose 10,12). In der Apostelgeschichte werden die Gläubigen ‚die des Weges sind‘ genannt.

Geschenk Gottes

Juden feiern jedes Jahr zu Schawu´ot (Pfingsten) Gottes Geschenk der Tora am Sinai. Betrachten wir hier Tora im engeren Sinne als die „Gebote Gottes“, so fällt auf, dass sie nicht als Weg zur Erlösung gegeben wurden, sondern nach der Erlösung aus der Sklaverei in Ägyptens als Ausdruck der Freiheit und als Grundlage des gemeinsamen Weges im Bund mit Gott. Das Herzstück sind die „10 Worte“ (die hebräische Bibel nennt sie nicht die „10 Gebote“). Hier geht es um gelebte Beziehung mit Gott und untereinander. „Menschen brauchen für eine lebenswerte Gemeinschaft sittlich-moralische Regeln, darum lehrt die Tora Harmonie, Höflichkeit, Aufmerksamkeit und Reinheit, Rücksichtnahme auf Frauen, Schwache und Arme, Respekt vor Eltern und Vorgesetzten“, erläutert Horst Krüger. Psalmendichter und Sänger wie David „lobten das Gesetz des Herrn in den höchsten Tönen und wachten nachts auf, um über sein Gesetz nachzudenken und sich darüber zu freuen.“ Noch heute tanzen die Juden am Tora-Freudenfest im Herbst mit den Torarollen und preisen Gottes Tora in ihren täglichen Gebeten.

Grundlage der Bibel

Tora bildet die Grundlage für alles, was danach kommt. Die Propheten rufen das Volk immer neu in ein Leben unter Gottes Tora zurück, die Psalmen singen davon. Auch der Neue Bund in Jesus baut auf dem Boden der Tora auf, geht nicht darüber hinaus, sondern vertieft, erfüllt und macht ein Leben in den Bahnen von Gottes Tora erst richtig möglich. In Jeremia 31,31ff. lesen wir, dass Gott im Neuen Bund seine Tora direkt in Israels Herzen hineinschreibt, dass er Menschen von innen heraus verändert und so befähigt, in seinen Wegen zu laufen. In diesen Bund sind wir aus den Nationen als Quereinsteiger mit eingeladen.

Jesus – Dreh- und Angelpunkt der Tora

Leider wird der Begriff Tora in der Septuaginta und im Neuen Testament mit dem griechischen Wort nómos – Gesetz wiedergegeben, wie Horst Krüger ausführt. Die wohltuende Weite von Tora geht dabei verloren. Zusätzlich verstehen wir nómos automatisch vom Gesetzesbegriff unserer heutigen Kultur her, der anders geprägt ist als die Lebensordnungen Gottes in der Bibel. Eine weitere Herausforderung für Bibelleser ist, dass Paulus mit nómos oft Tora meint, manchmal aber auch das pharisäische Religionsgesetz. Hier müssen wir gut auf den Kontext achten. Jesus sagte von sich, er sei nicht gekommen, die Tora aufzulösen, sondern zu erfüllen (Matthäus 5,17). Die rabbinischen Fachbegriffe „Tora erfüllen“ und „Tora auflösen“ bedeuten „Gottes Wort tun“ bzw. „nicht tun“. Jesus intensiviert die Tora sogar, indem er z.B. Ehebruch schon beim gedanklichen Begehren ansetzt. In der Bergpredigt beschreibt er ein Leben in Gottes Tora (Matthäus 5,3 ff). Und Paulus verkündet in Römer 10,4 den Messias als Ziel und Zweck der Tora, d.h. als ihren Dreh- und Angelpunkt.

In der Tora Gott begegnen

Ich möchte Sie ermutigen, wieder einmal die gesamte Tora zu lesen und dabei mit unserem Gott ins Gespräch zu kommen. Fragen Sie ihn nach seinem Herzschlag und seinen Absichten, um ihn tiefer kennenzulernen und neu ins Staunen zu kommen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dabei auf eine neue Art auch Jesus‘ Herzschlag entdecken und ihm begegnen!

 

 


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Ein Lamm pro Haus

„Das diesjährige Passah wird anders sein als alle bisherigen Passahfeste“, erzählte mir neulich ein israelischer Freund. „Wir werden es alle Haus für Haus und Familie für Familie feiern. Besuche von anderen Verwandten sind nicht erlaubt.“

Die neuen Gesundheitsmaßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus‘ haben viele uralte Passah-Traditionen der jüdischen Bevölkerung in Israel zum ersten Mal verändert. Zu Passah fanden für gewöhnlich große Familientreffen statt, an denen sich alle gemeinsam trafen, um dieses wichtige Fest des Herrn zu feiern. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte neulich in seiner jährlichen Ansprache vor dem Passahfest, dass es dieses Jahr anders verlaufen würde: „[…] wir werden die Feier des Passahfestes wie unsere Vorväter in Ägypten gestalten – Passah zu Hause! Alle Väter und Mütter werden mit den Kindern, die in ihrem Zuhause leben, Passah feiern.“

Während mein Freund mit mir sprach, wurde ich an den ursprünglichen Beginn des Passahfestes erinnert, als Israel in Ägypten war. Gott befahl den Israeliten: „Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus“ (2. Mose 12,3).

Die Errettung von Familien

Das Konzept, dass alle Mitglieder eines Haushaltes erlöst werden, ist das Herzstück des biblischen Passah-Berichts. Das Blut des Passah-Lamms musste an die Türpfosten jedes jüdischen Hauses in Ägypten gestrichen werden. „Denn der HERR wird umhergehen und die Ägypter schlagen. Wenn er aber das Blut sehen wird am Türsturz und an den beiden Pfosten, wird er an der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen, um euch zu schlagen“ (2. Mose 12,23). Das Blut des Passah-Lamms war ein Zeichen vor Gott, dass für den Haushalt, dessen Türpfosten damit bestrichen waren, Blut vergossen worden war, sodass die Bewohner darin verschont wurden. In gewisser Hinsicht haben die Corona-Maßnahmen – zumindest in diesem Jahr – eine zwingende Rückkehr zu den Traditionen bewirkt, wie sie vor rund 3.500 Jahren eingeführt wurden.

Zurück auf Anfang – diesen Eindruck hatte ich auch beim ersten Treffen unserer Gemeinde in Jerusalem nach Einführung der neuen Gesundheitsmaßnahmen. Wir kamen nicht wie sonst in unserem Gemeindesaal zusammen, sondern trafen uns zu Hause. Wir alle waren über die Internetplattform ZOOM verbunden, sangen Lobpreislieder und unser Pastor teilte seine Gedanken zu einem Bibeltext. Dann feierten wir gemeinsam das Abendmahl und ich sah auf dem Bildschirm, wie wir Brot und Wein wie jeden Monat miteinander teilten, nur eben von unseren Häusern aus.

„So haben es die ersten Gemeinden gemacht“, dachte ich mir. „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen“ (Apostelgeschichte 2,46). Vor 2.000 Jahren stellten die verschiedenen Hausgemeinschaften den Kern der damaligen Kirche dar, der so kraftvoll war, dass er die gesamte Welt beeinflusste und veränderte.

Vor kurzem sprach ich mit einem Pastor aus China über die jüngste Welle an Repressalien, die die chinesische Regierung gegen die Gemeinden im Land verhängt hat. Seine Reaktion überraschte mich: „Das ist gut“, sagte er. „Die Freiheit der letzten Jahre hatte aus uns sehr ‚westliche‘ Kirchen gemacht. Wir hielten riesige Treffen ab, die von der Bühne aus gesteuert wurden. Jetzt sind wir dazu gezwungen, zurück in unsere Häuser zu gehen“, fügte er hinzu. „So ist die Erweckung nach China gekommen.“

Heute, inmitten der Coronakrise, ist mein Eindruck, dass Gott auch in unserem Leben den Reset-Knopf gedrückt hat. Wir sind gezwungen, zu dem wirklich Notwendigen zurückzukehren, zum Kern unserer Gesellschaft. Wir werden reduziert auf unsere Beziehungen zum Herrn und zu unseren Familien! Die Krise ist eine schwierige Zeit, die viele Leben kostet und Existenzgrundlagen nimmt, doch sie kann auch eine riesige Chance darstellen, die wir nicht verpassen sollten. An unsere Häuser gebunden zu sein ist wahrscheinlich ein seltener Moment, der sich uns womöglich nicht noch einmal bietet – eine Gelegenheit für Erneuerung und Neustart in unserer Beziehung zu Gott. Diese einzigartige Zeit sollte unser Gebetsleben, unsere Zeiten des Bibellesens und unsere Gemeinschaft in Gottes Gegenwart neu beleben.

Wir haben außerdem die Chance, uns wieder auf unsere Familien zu fokussieren. Sorgen Sie inmitten dieser ungewöhnlichen Zeit dafür, einen Altar in Ihrer Familie zu errichten. Gott beauftragte sein Volk damit: „Das Feuer auf dem Altar soll brennen und nie verlöschen“ (3. Mose 6,5). Lassen Sie mich Ihnen diese Frage stellen: Brennt das Feuer auf Ihrem Familienaltar? Nutzen Sie diese Zeit dazu, als Familie im Gebet zusammenzukommen und Gottes Wort zu studieren?

Denken Sie daran, bei Passah geht es um die Errettung von Familien. Bei der Berufung Noahs trug Gott ihm auf: „Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus; denn dich habe ich für gerecht befunden vor mir zu dieser Zeit“ (1. Mose 7,1). Noah baute die Arche für sich und seine Familie. Jesus starb nicht nur für einzelne Personen, sondern für „dich und dein ganzes Haus“. Abraham wurde verheißen, dass in ihm alle „Familien“ der Erde gesegnet sein würden (1. Mose 12,3).

Auch Josua nahm bei seiner letzten Rede zum Volk Israel eine mutige und prophetische Stellung ein. Er war sich nicht sicher, ob Israel sich dazu entscheiden würde, Gott uneingeschränkt nachzufolgen. Trotzdem erklärte er, egal wie Israel sich entscheiden würde: „Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen“ (Josua 24,15). Nutzen Sie also diese einzigartige Zeit, um dieselbe Entscheidung für Ihr eigenes Haus zu treffen. Jesus ist das Lamm für Ihre Familie!

Unübliche Zeiten in Israel

Hier in Israel ist das diesjährige Passahfest anders als in jedem anderen Jahr, in dem ich es erlebt habe, und sehr wahrscheinlich auch anders als in allen vergangenen Jahren vor meiner Zeit in Jerusalem. Am ersten Tag des Monats Nissan (dieses Jahr der 26. März), in dem das Passahfest gefeiert wird, hat Israels Oberrabbiner zu einer Zeit der nationalen Buße vor den anstehenden Passah-Feiertagen aufgerufen. Er bezog sich darauf, dass nach 2. Mose 12,2 der Monat Nissan den Beginn des biblischen Jahres darstellt, und erklärte, dass diese Zeit wie die zehn Tage der Ehrfurcht von Rosch HaSchana bis Jom Kippur begangen werden sollte – mit Buße, Gebet und Fasten.

Israel zeigt heute als Nation nach außen hin eine Gottesfurcht, die sich von den meisten Nationen der Welt unterscheidet. In einem Fernsehinterview zur Corona-Krise wurde Premierminister Netanjahu kürzlich gefragt, was seine Botschaft an das israelische Volk inmitten dieses weltweiten gesundheitlichen Angstzustands sei. Seine Antwort brachte es auf den Punkt: „Zunächst müssen wir alle zu Gott beten, dass die Corona-Plage bald ein Ende hat.“ Der Journalist unterbrach ihn unhöflich und entgegnete, dass die Nation doch eher zum Weizmann-Institut für Wissenschaften beten solle, wo entscheidende Corona-Forschung betrieben wird. Daraufhin erwiderte Netanjahu: „Ja, aber auch im Weizmann-Institut wird gebetet.“ Ungewöhnliche Worte für einen Premierminister.

Einige Tage später nahm Netanjahu in seiner Ansprache zum Passahfest einen unüblichen Bezug zum Passah-Bericht aus 2. Mose, wo vom Blut auf den Türpfosten die Rede ist: „Wie beim Auszug aus Ägypten ist auch unser Auftrag klar. Und Gott wird an der Tür vorüberziehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen, um euch zu plagen.“

Hier in Israel haben wir alle den Eindruck, dass wir momentan eine besondere Zeit erleben. Als mein Freund erzählte: „Wir werden es alle Haus für Haus feiern, Familie für Familie“, kam mir noch eine andere Stelle aus dem hebräischen Propheten Sacharja in den Sinn:

„Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um das einzige Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. Zu der Zeit wird große Klage sein in Jerusalem, wie die um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo war. Und das Land wird klagen, ein jedes Geschlecht für sich: das Geschlecht des Hauses David für sich und die Frauen für sich, das Geschlecht des Hauses Nathan für sich und die Frauen für sich, das Geschlecht des Hauses Levi für sich und die Frauen für sich, das Geschlecht Schimis für sich und die Frauen für sich; so auch alle andern übrig gebliebenen Geschlechter, ein jedes für sich und die Frauen für sich“ (Sacharja 12,10-14).

Gott zeigte Sacharja, dass die Zeit der geistlichen Erneuerung und Offenbarung von ihm, „den sie durchbohrt haben“, Familie für Familie und Haus für Haus stattfinden würde. Noch nie in der Geschichte Israels gab es eine Zeit, in der das Passahfest auf solche Weise gefeiert wurde wie heute, jedes Haus für sich. Im Talmud wird die spannende Frage gestellt, um wen sie denn „klagen, wie man klagt um das einzige Kind“? Im Traktat Sanhedrin antworten die Weisen, dass es sich dabei um „Mosiach ben Joseph“ handle, der getötet wurde.

Die jüdische Tradition unterscheidet zwischen Mosiach ben David, dem königlichen Messias, der wie David über sein Volk regieren wird, und Mosiach ben Joseph, dem leidenden Messias, der getötet werden muss, um den königlichen Messias auf den Thron zu bringen.

Auch die christliche Tradition sieht Joseph im 1. Buch Mose als den größten Vorboten Jesu Christi. Nachdem er von seinen Brüdern verkauft worden war (und getötet werden sollte), wurde er zum Lebensretter und Erlöser unter den Heiden. Alle Welt reiste nach Ägypten, um bei Joseph Brot zu kaufen (1. Mose 41,57). So wie alle Nationen kamen, um Brot zu kaufen, erreichten ihn auch seine Brüder, die anderen Söhne Jakobs, um sich um seine Gunst zu bemühen. Doch sie erkannten ihren Bruder nicht, denn sein Aussehen, seine Sprache und sein Verhalten glichen dem eines Ägypters, eines Ausländers. Nachdem er seine Identität eine Zeit lang vor seinen Brüdern verborgen hatte, kam der Moment, an dem Joseph nicht mehr an sich halten konnte und sich endlich seinen Brüdern zu erkennen gab (1. Mose 45,1ff). Davor tat er aber etwas Interessantes: „[E]r rief: Lasst jedermann von mir hinausgehen! Und stand kein Mensch bei ihm, als sich Josef seinen Brüdern zu erkennen gab“ (1. Mose 45,1).

Anfang März fing Israel an, seine Grenzen und Einfuhrhäfen für Ausländer zu schließen – nur israelischen Staatsbürgern und Einwohnern mit Daueraufenthaltsgenehmigung wurde die Einreise gestattet. Niemand sonst durfte nach Israel einreisen und alle Besucher, die bereits im Land waren, mussten es verlassen. Auf ähnliche Weise gab sich Joseph seinen Brüdern zu erkennen – es war eine persönliche, intime Angelegenheit innerhalb der Familie ohne die Anwesenheit von Heiden.

Ich hätte mir nie ausmalen können, wie wohl Sacharja 12,14 und 1. Mose 45,1 erfüllt werden können. Ist dies die Zeit, in der sich diese Prophetien erfüllen? Ich weiß es nicht. In jedem Fall ist es aber eine nie dagewesene Generalprobe des glorreichen kommenden Tages. Wir leben wirklich in erstaunlichen Zeiten!

Schlussfolgerung

Zum Abschluss bitte ich Sie darum, in diesen Tagen für Israel zu beten wie nie zuvor. Wir feiern dieses Jahr ein ungewöhnliches Passahfest und wir beten und glauben, dass Gott mächtige und ungewöhnliche Dinge in unserer Mitte tun wird, wie in den Tagen der Bibel.

Darüber hinaus möchte ich Sie daran erinnern: In welchem Teil der Erde Sie diesen Text auch lesen, Jesus ist das Lamm für Ihr und mein Haus. Egal wie groß Ihre Familienprobleme auch sein mögen, Jesus ist es ein Leichtes, Ihnen darin mit seiner Hilfe zu begegnen. Vielleicht haben Sie die Hoffnung für enge Familienmitglieder aufgegeben, die dem Herrn nicht nachfolgen. Jesus ist das Lamm für ihre Familie. Beziehen Sie heute mutig Stellung und erklären Sie wie Josua: „Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen“. Der Herr segne Sie und antworte Ihnen, während Sie dies bezeugen!


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Coronavirus - ein Weckruf!

„Selig ist, wer Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.“Jakobus 1,12

Liebe Botschaftsfreunde,

wir befinden uns inmitten einer Ausnahmesituation mit globaler Gewichtung. Ein mikroskopisch kleiner Coronavirus mit dem Namen Sars-CoV-2 zwingt starke Industrieländer in die Knie, erschüttert die Börse und die Finanzmärkte mit noch nicht absehbaren Folgen, bringt den internationalen Reiseverkehr weitgehend zum Stillstand und verängstigt die Weltbevölkerung mit einer möglichen Ansteckungsgefahr.

Foto: Symbolbild, Pixabay

 

Corona-Pandemie

Der Name dieser Pandemie ist Corona, das lateinische Wort für Krone. Wie gehen wir heute mit dem Coronavirus um? Viele Länder verordnen ihren Bewohnern eine Auszeit. Eine Zeit der Quarantäne. Unter anderem werden Geschäfte, Kinos, Restaurants, Einkaufszentren und Schulen geschlossen. Das sind gute und weise Entscheidungen, um das Coronavirus einzudämmen.

Gott ist König

Die Krone ist ein Symbol der Herrschaft und gilt auch als Synonym eines Königtums. Die Bibel spricht oft vom Königreich Gottes. Gott wollte schon am Berg Horeb - an dem Berg, an dem Gott dem jüdischen Volk die 10 Worte und seine Weisungen offenbarte – Israels König sein. Doch zur Zeit Samuels sehen wir, dass das Volk Israel Gott als seinen König verworfen hat. Um das kostbare Wort Gottes zu schützen, hüllen Juden ihre Torarollen bis heute in Toramäntel. Interessanterweise ziert eine Krone den oberen Teil der Torarolle (Hebräisch: Keter Tora). Das ist ein bemerkenswertes Symbol für Gott, den König, der seine Weisungen durch das jüdische Volk in die Welt brachte – die Grundlage für unsere Ethik und unsere Moral.

Die Lektion der 10 Plagen

Das jüdische Volk steht zurzeit kurz vor dem Passahfest und erinnert sich der 10 Plagen, die über Ägypten kamen. Das damalige Ägypten hatte die Lektionen der 10 Plagen nicht gelernt. Es gab keine Demut, keine Buße, keine Sinnesänderung, keine Hinwendung zum jüdischen Volk und dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Die Bibel spricht immer wieder von Seuchen, Pest, Plagen (Hebräisch: deber). Eine Begebenheit sticht besonders hervor. Als König Salomo während des Laubhüttenfestes in Jerusalem den Tempel einweihte, erschien ihm Gott in der Nacht und sprach zu ihm: „Wenn ich den Himmel verschließe und kein Regen fällt oder wenn ich der Heuschrecke gebiete, das Land abzufressen, und wenn ich eine Pest (Hebräisch: deber) unter mein Volk sende, und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren falschen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.“ (2. Chronik 7,13-14)

Aufruf zur Umkehr

Könnte es sein, dass dieses Reden Gottes vor ca. 3.000 Jahren auch eine wichtige Botschaft für das Volk Gottes in diesen Tagen ist? Eine Standortbestimmung? Ein Aufruf zur Demut und zur Umkehr! Ein Aufruf, Gottes Angesicht zu suchen! Ein Aufruf zum Gebet!Ist vielleicht manches für uns selbstverständlich geworden? Könnte dieses momentane Ereignis eine Mahnung und ein Weckruf des Himmels sein? Eine Bewertung und Neuausrichtung unserer Beziehungen zu Israel und zum jüdischen Volk? Jetzt ist noch Gnadenzeit! Gott ändert sich auch in Zeiten der Erschütterung nicht. Er ist der Herrscher des Himmels und der Erde. Er will und kann unser Land heilen! Beten wir, dass der Name des Vaters geheiligt wird und sein Wille auf Erden geschieht. Lassen Sie uns für unsere Politiker und Mediziner beten, damit die Bedrohung der Gesundheit eingedämmt und ausgetilgt wird. Lassen Sie uns darauf achten, dass Gebet und Fürbitte in unseren Bereichen zu einem Hauptbestandteil wird.

Die richtige Blickrichtung

In diesem Zusammenhang werden wir auch wachgerüttelt, Gottes Wort und seine Weisungen intensiver denn je zu studieren. In seinem Vermächtnis möchte der Apostel Petrus die Gemeinde Jesu förmlich dazu wachrütteln, ständig die Worte der heiligen Propheten und die Worte Jesu vor Augen zu haben (2. Petrus 3,1-2). Die Bibel ist auch in schwierigen Zeiten ein Leuchtturm, auf den wir achten sollten. Ich möchte Sie ermutigen, die Bibel zu Ihrer täglichen Hauptlektüre zu machen. Gottes Wort ist ein großes Geschenk, das uns Weisung und Richtung auch in schwierigen Zeiten gibt. Vor allem gibt es uns die Gewissheit, dass Gott treu ist, ein Helfer in der Not für jeden, der den Namen des Herrn anrufen wird. Die Bibel ist das einzige Buch, das uns eine verlässliche Vorausschau auf die kommenden Ereignisse gibt: „Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch diese Dinge für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern. Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst!“ (Offenbarung 22, 16-17)

Was wir tun können

Als ICEJ möchten wir Sie zum Beten und Bibel lesen ermutigen, denn der Gott Israels ist ein barmherziger, gebetserhörender Gott! Lassen Sie uns in dieser Situation auch praktisch helfen und sicherstellen, dass bedürftigen Familien und älteren Menschen in unserem Land und in Israel geholfen wird. Danke, dass Sie sich ermutigen lassen, ins Gebet zu gehen. Danke, dass Sie an Israel denken, während auch wir gegen die Bedrohung des Coronavirus kämpfen.

In Jesus verbunden

Ihr

Gottfried Bühler

Erster Vorsitzender, ICEJ Deutscher Zweig e.V.

 

Spenden Sie an den ICEJ-Hilfsfonds für Israel

Die ICEJ hat einen Hilfsfonds eingerichtet, durch den wir in Krisenzeiten in Israel drängender Not begegnen können. Jetzt ist solch eine Krisenzeit. Aktuell befinden sich viele israelische Familien in Quarantäne. Auch ältere und andere gefährdete Menschen wurden von den Behörden angewiesen, zu Hause zu bleiben. Jüdische Neueinwanderer dürfen weiterhin Alijah (Einwanderung nach Israel) machen, aber auch sie müssen sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Daher werden wir mit israelischen Hilfsdiensten kooperieren, um Lebensmittel und andere Bedarfsartikel an diejenigen zu liefern, die nun zu Hause bleiben müssen, darunter zahlreiche Holocaustüberlebende.

 Wir verstehen, dass das Coronavirus in vielen Nationen auf der ganzen Welt ein Problem darstellt. Aber wir möchten Ihnen die Gelegenheit geben, Ihre Liebe und Ihre Sorge für Israel in Zeiten dieser weltweiten Notsituation auszudrücken, indem Sie uns helfen, bedürftige Israelis zu versorgen. Dieser Aufruf gründet auf dem Beispiel der nichtjüdischen Gläubigen in Antiochia – die ersten, die man „Christen“ nannte – wie Apostelgeschichte 11 berichtet. In der damals bekannten Welt herrschte zur Zeit des römischen Kaisers Claudius eine große Hungersnot. Und obwohl sie selbst dringende Nöte hatten, „beschloss ein jeder, nach seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Gabe zu senden.“ (Apostelgeschichte 11,26-30)

 Bitte erwägen Sie eine Gabe, damit wir denen helfen und sie versorgen können, die ihr Haus zurzeit nicht verlassen dürfen. Wir wollen sicherstellen, dass diese Familien und ältere Menschen Lebensmittel und andere notwendige Artikel erhalten, während sie darauf warten, dass diese gesundheitliche Bedrohung vorübergeht. Danke, dass Sie an Israel denken, während auch Ihre eigene Nation gegen die Bedrohung des Coronavirus kämpft. Als Verwendungszweck bitte „ICEJ-Hilfsfonds für Israel“ angeben, herzlichen Dank!

 

Zum Spendenportal

ICEJ Deutschland
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Das Coronavirus: Eine Betrachtung aus Jerusalem

Anfang März kehrte ich aus Deutschland nach Israel zurück. In beiden Ländern berichteten die Fernsehsender und Nachrichtenseiten ausgiebig über das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft, das Gesundheitswesen, die Weltwirtschaft und den internationalen Reiseverkehr. Einen Tag nachdem ich wieder zuhause angekommen war, ordnete die israelische Regierung an, dass jeder, der aus bestimmten europäischen Ländern (einschließlich Deutschland) zurückkehrte, sich in 14-tägige häusliche Quarantäne zu begeben hatte. Während der vergangenen Tage hatte ich also die Gelegenheit, zu beten und darüber zu nachzudenken, welche Bedeutung diese globale Bedrohung, deren weltweite Auswirkungen fast täglich neue Höhen erreichen, für die Gemeinde Jesu und Israel haben könnte. Während ich dies schreibe, habe ich die Hälfte meiner Zeit in Quarantäne erreicht.

Foto: Israelische Frau mit Mundmaske am Flughafen in Tel Aviv

Dieses winzige Virus – kleiner als ein Mikrometer – hat die Weltwirtschaft in die Knie gezwungen: die Finanzmärkte stürzen ab, der internationale Reiseverkehr ist praktisch zum Stillstand gekommen und viele Völker und Nationen hat die Angst vor einer möglichen Pandemie gepackt. Einer der wichtigsten Ratschläge, die den Menschen so oft nahegelegt werden, ist, sich die Hände zu waschen. Das wird so ernst genommen, dass Desinfektionsmittel in großen Mengen aus europäischen Krankenhäusern gestohlen werden.

1. Ein Aufruf zur Reinheit

 

In westlichen Kulturen ist die übliche Handhabung des Händewaschens nicht so alt, wie wir vielleicht denken. Es wurde erst vor rund 150 Jahren eingeführt. Bis dahin hatte es keine Erkenntnis über Bakterien und Viren oder deren Rolle bei der Verbreitung von Krankheiten gegeben. Es war der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis (1818-1865), der während seiner Arbeit in einer Entbindungsklinik in Budapest entdeckte, dass wenn Ärzte ihre Hände in einer Chlorlösung wuschen, bevor sie die Frauen behandelten, die durch Infektionen verursachte Sterberate bei Gebärenden drastisch zurückging. Man nannte ihn den „Retter der Mütter“.

Aber die Nation mit der ältesten bekannten Tradition körperlicher Reinlichkeit ist das jüdische Volk. Deshalb waren die Juden im Mittelalter weniger vom „Schwarzen Tod“, der Pest, betroffen. Der Grund war, dass Juden – im Gegensatz zu den übrigen europäischen Kulturen – die biblische Gepflogenheit der Handwaschung praktizierten, bevor sie Speisen zu sich nahmen. Ihre nichtjüdischen Nachbarn verstanden dies nicht, was zu Verschwörungstheorien und gewaltsamen Wellen des Antisemitismus führte, denen tausende europäische Juden zum Opfer fielen.

Diese Tradition der Reinheit lässt sich bis zum Anfang des jüdischen Volkes zurückverfolgen, als Israel das Gesetz Moses erhielt. Darin befiehlt Gott den Priestern, bei ihrer Einsetzung als Priester vollständig in Wasser einzutauchen (2. Mose 29,4). Jedes Mal wenn sie die Stiftshütte betraten, um Gott dort zu dienen, mussten sie ihre Hände und Füße im bronzenen Becken vor dem Zelt der Begegnung waschen (2. Mose 30,17-21).

 Gottes Volk verstand, dass dies nicht einfach ein Ritual körperlicher Reinheit war, sondern eine viel tiefergehende Wahrheit wiederspiegelte: die Notwendigkeit der Reinheit unserer Herzen. In Psalm 24,3-4 fragt König David: „Wer darf auf des HERRN Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug.”

 Durch den Propheten Jesaja warnte Gott auch, dass er die Gottesdienste, Opferungen und Gesänge seines Volkes nicht mehr ertragen konnte, denn „eure Hände sind voll Blut.” (Jesaja 1,15) Diese Schriftstelle verdeutlicht, dass der Prophet nicht über tatsächliches Blut sprach, sondern über die Sünden seines Volkes.

Auch der Prophet Joel befiehlt, die „Posaune zu Zion“ zu blasen, das Volk Gottes zusammenzurufen, um Buße zu tun und ihn zu suchen, denn „wer weiß, ob er nicht umkehrt und es ihn reut und er Segen zurücklässt,...“ (Joel 2,1+14).

 Das Coronavirus sollten wir alle als ein himmlisches Schofar-Blasen verstehen, das uns aufruft, Gott zu suchen und unsere Herzen zu prüfen. Lasst uns Jakobus‘ Rat folgen, des Bruders Jesu: „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen.“ (Jakobus 4,8)

Jesus selbst lehrt, dass ein reines Herz wichtiger ist als körperliche Hygiene und Händewaschen, denn es ist unser Herz, das uns verunreinigt und täuscht (Matthäus 15,16-20)

Natürlich bedeutet dies NICHT, dass wir jeglichen praktischen Rat oder hygienische und gesetzliche Vorschriften hinsichtlich dieses Virus missachten können (wie die Vorschriften in Israel, die meine Familie gerade befolgt). Aber es bedeutet, dass wir mit derselben und sogar mit größerer Entschlossenheit unsere Herzen reinigen sollen, denn das wird sich auf unser geistliches Leben auswirken.

2. Eine Zeit globaler Erschütterung

 

Anfang Februar kamen viele Leiter unseres Dienstes aus der ganzen Welt nach Jerusalem, um an strategischen Besprechungen hinsichtlich des 40. Jubiläums der ICEJ teilzunehmen. In einer der Gebetszeiten berichtete Dag Øyvind Juliussen, ICEJ-Vorstandsmitglied und Nationaler Direktor der ICEJ-Norwegen, wie eindrücklich der Herr in den zurückliegenden Monaten zu ihm aus dem Buch Haggai, Kapitel 2, gesprochen hatte. Dort verkündet der Prophet: „Denn so spricht der HERR Zebaoth: Es ist nur noch eine kleine Weile, dass ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttere. Dann will ich alle Völker erschüttern, dass aller Völker Kostbarkeiten kommen, und ich will dies Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht der HERR Zebaoth.“ (Haggai 2,6-7; siehe auch V. 21-23)

 Diese Prophetie wird auch im Hebräerbrief 12,27-29 zitiert. Himmlische und irdische Mächte und Systeme werden erschüttert werden. Nur wenige Wochen nach unserem Treffen in Jerusalem erlebt die Welt nun wahrhaftig eine Erschütterung, die zu vielen zuvor nie dagewesenen Konsequenzen geführt hat, wie zum Beispiel, dass Israel Touristen die Einreise verwehrt.

Diese prophetischen Beben werden so wirkungsreich sein, dass Jesus selbst warnt, „die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“ (Lukas 21,26)

Die Auswirkungen der derzeitigen Erschütterungen sind vielfältig. Weltweit droht eine unerwartete Wirtschaftskrise. Einigen Medien zufolge bewegt sich der durch das Coronavirus verursachte wirtschaftliche Schaden aufgrund von Flugstornierungen, nicht gelieferter Ware usw. bereits im Bereich von einer Billion US-Dollar. Dies ist nicht einfach eine Zahl – Menschenleben sind davon betroffen. Zum Beispiel hat die israelische Fluggesellschaft El Al die meisten ihrer Mitarbeiter in unbezahlten Urlaub geschickt, große Teile ihrer Flotte befinden sich am Boden. Die Aktien des Computerriesen Apple sind im Januar und Februar deutlich abgestürzt, da Teile seiner Smartphones in der chinesischen Region Wuhan produziert werden und nicht mehr lieferbar sind. Die britische Wochenzeitung Spectator schätzt, dass all dies zu einem – zumindest vorübergehenden – Zusammenbruch der Globalisierung führen wird.

 Die Corona-Krise verdeutlicht auf jeden Fall, wie zerbrechlich das Welthandelssystem ist. Es ist möglicherweise ein Vorgeschmack auf den großen Tag, der in der Offenbarung beschrieben wird, wenn das Weltsystem zu einem plötzlichen Ende kommt, denn „sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die Große“ (Offenbarung 14,8).

Zugleich beschreibt der Prophet Haggai, wie dieses Erschüttern ein neues Maß an Herrlichkeit in Gottes Tempel freisetzt. Mit anderen Worten: während die Welt in Aufruhr ist, nimmt sein Reich auf der Erde an Stärke zu. Eine der eher positiven Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs im Iran ist, das rund 70.000 Gefangene – viele von ihnen verfolgte Christen – angeblich aus dem Gefängnis entlassen wurden.

 Diese Erschütterungen können einen Hunger nach Gott freisetzen - und die Gemeinde Jesu muss dafür vorbereitet sein. Was diese Stelle im Buch Haggai verdeutlicht, wird in einer anderen Weise in Hebräer 12 ausgedrückt. Hier werden die kommenden Erschütterungen das erschüttern, was erschüttert werden kann, damit die Dinge offenbar werden, die nicht erschüttert werden können (Hebräer 12,27ff).

 Die Schriftstelle endet mit einer Aufforderung an uns alle: „Darum, weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt; denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“ (Hebräer 12,28-29)

3. Nur ein Vorschatten

 

Während ich das Wort Gottes lese und die Nachrichten höre, komme ich nicht umhin zu denken, dass dies nur ein kleiner Vorschatten dessen ist, was kommen wird. Die hebräischen Propheten und das Neue Testament sprechen von einer Zeit, in der Gott mit der Welt hart ins Gericht gehen wird - wegen ihrer Ungerechtigkeit und Rebellion gegen Gott.

Wenn jemand Anfang Januar 2020 das Wort „Corona“ gegoogelt hätte, hätten die Suchergebnisse entweder zu einem mexikanischen Bier oder zu Bildern der Sonnenkorona geführt, die während einer Sonnenfinsternis zu sehen ist. Dies geschieht, wenn der Mond die Sonne vollkommen verdeckt und dabei eine helle Korona (eine Krone) in Gestalt eines Feuerrings um den Mond herum bildet. Nur der äußerste Kranz der Sonne ist zu sehen, nicht aber die Sonne selbst. Im Gebet kam mir der Gedanke, dass dies genau das ist, was wir heute sehen. Die Coronavirus-Pandemie ist nicht das eigentliche Gericht Gottes, sondern ein Vorbote dessen, was in noch größerem Ausmaß kommen wird, sollte die Welt keine Buße tun. In diesem Sinne ist das Coronavirus ein Zeichen der künftigen Dinge, wenn bestimmte Plagen die Erde zerstören werden und die Menschheit dennoch nicht Buße tun wird (Offenbarung 9,18-21). Aber es ist auch eine Mahnung, dass jetzt noch Gnadenzeit ist, in der gilt: „Wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden.“ (Joel 3,5; Apostelgeschichte 2,21) Es ist Weckruf an die Gemeinde, die Zeit, in der wir leben, zu erkennen und entsprechend zu handeln.

 Erlauben Sie mir, Ihnen den folgenden Rat zu geben. Diese Vorschläge sollen in keiner Weise die sehr vernünftigen Maßnahmen und Vorschriften Ihrer jeweiliger Gesundheitsbehörden ersetzen. Aber wir sollten diese Situation als eine Gelegenheit sehen:

a)      Nähern wir uns Gott, überdenken wir unsere Handlungen und reinigen wir unsere Hände, wo immer das nötig ist. Lassen Sie uns unsere Herzen prüfen und unsere Beziehung zu Gott erneuern, der in der Tat „ein verzehrendes Feuer“ ist (Hebräer 12,29; Jakobus 4,8). Der Apostel Petrus ermahnt uns in Hinblick auf diese letzten Tage: „Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, wenn die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen.“ (2. Petrus 3,11-12)

b)      Erinnern wir uns in dieser Zeit der Erschütterung, dass Gott sich nicht ändert. Unser Leben ist in seinen Händen. Er sagt uns, „fürchtet euch nicht, denn ich bin bei euch.“ Gerade in diesen dunklen und herausfordernden Zeiten kann unser Licht noch heller leuchten. Andere Menschen werden uns beobachten. Lassen Sie uns Strahlen des Lichts und der Hoffnung in Jesus, dem vom Tod Auferstandenen, sein.

c)       Erkennen wir, dass wir in Zeiten leben, in denen wir mit weiteren Erschütterungen rechnen sollten. Und darum lassen Sie uns ein sicheres Fundament legen. Im Lukasevangelium erinnert Jesus uns: „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28) In der Tat, Jesus kommt bald!

d)      Jesus ermutigt seine Jünger, das Gebet als unabdingbar zu betrachten, um diese herausfordernde Zeit bestehen zu können: „Wachet aber allezeit und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.“ (Lukas 21,36) Legen Sie sich heute fest, mehr Zeit im Gebet zu verbringen und Gott zu suchen, wie nie zuvor.

e)      Der Apostel Petrus erinnert uns daran, dass das prophetische Reden Gottes als Licht in Zeiten der Finsternis dienen soll. „Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“ (2. Petrus 1,19) Das Wort Gottes wird uns in diesen unsicheren Zeiten als ein Leuchtfeuer und ein Kompass dienen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre tägliche Portion von seinem lebendigen Wort zu sich nehmen.

f)        Es ist eine großartige Gelegenheit, sich Gottes Plänen für Israel anzuschließen. Aufgrund des Coronavirus wurden dieser Nation strenge Einschränkungen auferlegt, die in erster Linie dazu dienen, Menschenleben zu retten. Insbesondere ältere Menschen (darunter viele Holocaustüberlebende) sind von den Quarantänemaßnahmen und Einschränkungen stark beeinträchtigt. Jüdische Neueinwanderer dürfen weiterhin Alijah (Einwanderung nach Israel) machen, aber auch sie müssen sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Die ICEJ-Sozialabteilung hat bereits Anfragen von Hilfsdiensten hier im Land erhalten, verschiedene Projekte zu unterstützen, um denjenigen, die von der aktuellen Situation am meisten betroffen sind, beizustehen. Bitte helfen Sie uns, diese dringende Not zu lindern.

Aufruf zum Gebet

In den letzten Wochen wurde der weltweite Reiseverkehr, einschließlich des Tourismus nach Israel, stark von der Bedrohung durch das Coronavirus beeinträchtigt. Israel hat strengere Maßnahmen ergriffen als die meisten anderen Nationen, einschließlich einer 14-tägigen Quarantäne für alle Einreisenden und die Absage großer öffentlicher Veranstaltungen, wie z.B. der Jerusalem-Marathon. Wir gehen davon aus, dass diese Einschränkungen bis zur Zeit des ICEJ-Laubhüttenfests Anfang Oktober wieder aufgehoben werden und wir bis dahin zum normalen Leben zurückgefunden haben. Und ganz gleich was passieren mag, wir beabsichtigen „das Fest zu halten“, wie Sacharja 14,16 uns aufträgt! Aber wir bitten Sie, ernsthaft mit uns für das diesjährige Laubhüttenfest zu beten, und dafür, dass die Bedrohung durch das Coronavirus so bald wie möglich eingedämmt und beseitigt wird.

 Das diesjährige Laubhüttenfest ist ein besonderes für die ICEJ, da wir das 40-jährige Bestehen unseres Dienstes hier in Israel feiern. Aus diesem Grund benötigen wir zusätzliche Weisheit und Voraussicht, um dieses besondere Fest zu planen und den Ablauf den Herausforderungen anzupassen, die sich durch die aktuelle Situation ergeben. Bitte beten Sie, dass wir „den Sinn Christi“ haben, während wir das diesjährige Fest planen (1. Korinther 2,16). Beten wir, dass die richtigen Sprecher und Lobpreisleiter dieses Jahr zu Sukkot in Jerusalem dienen. Beten wir, dass Israelis besonders gesegnet werden durch die Christen, die kommen und ihre Solidarität mit Israel während des Laubhüttenfests zum Ausdruck bringen.

 Zudem bitten wir Sie zu beten, dass der Herr sich mächtig erweist und Menschenleben verschont und das Leid und die Furcht, die das Coronavirus verursacht, beseitigt. Beten wir, dass Gottes Wille auf Erden geschieht, inmitten dieser globalen Krise. Beten wir, dass Mediziner und Regierungen diese weltweite Bedrohung der Gesundheit eindämmen und austilgen können. Und beten wir, dass Israel die Nation sein wird, die die Lösung zur Beseitigung dieser Bedrohung hat.

 


Spenden Sie an den ICEJ-Hilfsfonds für Israel

Die ICEJ hat einen Hilfsfonds eingerichtet, durch den wir in Krisenzeiten in Israel drängender Not begegnen können. Jetzt ist solch eine Krisenzeit. Aktuell befinden sich viele israelische Familien in Quarantäne. Auch ältere und andere gefährdete Menschen wurden von den Behörden angewiesen, zu Hause zu bleiben. Jüdische Neueinwanderer dürfen weiterhin Alijah (Einwanderung nach Israel) machen, aber auch sie müssen sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Daher werden wir mit israelischen Hilfsdiensten kooperieren, um Lebensmittel und andere Bedarfsartikel an diejenigen zu liefern, die nun zu Hause bleiben müssen, darunter zahlreiche Holocaustüberlebende.

 Wir verstehen, dass das Coronavirus in vielen Nationen auf der ganzen Welt ein Problem darstellt. Aber wir möchten Ihnen die Gelegenheit geben, Ihre Liebe und Ihre Sorge für Israel in Zeiten dieser weltweiten Notsituation auszudrücken, indem Sie uns helfen, bedürftige Israelis zu versorgen. Dieser Aufruf gründet auf dem Beispiel der nichtjüdischen Gläubigen in Antiochia – die ersten, die man „Christen“ nannte – wie Apostelgeschichte 11 berichtet. In der damals bekannten Welt herrschte zur Zeit des römischen Kaisers Claudius eine große Hungersnot. Und obwohl sie selbst dringende Nöte hatten, „beschloss ein jeder, nach seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Gabe zu senden.“ (Apostelgeschichte 11,26-30)

 Bitte erwägen Sie eine Gabe, damit wir denen helfen und sie versorgen können, die ihr Haus zurzeit nicht verlassen dürfen. Wir wollen sicherstellen, dass diese Familien und ältere Menschen Lebensmittel und andere notwendige Artikel erhalten, während sie darauf warten, dass diese gesundheitliche Bedrohung vorübergeht. Danke, dass Sie an Israel denken, während auch Ihre eigene Nation gegen die Bedrohung des Coronavirus kämpft. Als Verwendungszweck bitte „ICEJ-Hilfsfonds für Israel“ angeben, herzlichen Dank!

 

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Israel feiert Purim und Passah

Hier in Israel erleben wir gerade einen sehr nass-kalten Winter, aber die ersten Zeichen des Frühlings werden langsam sichtbar und die Mandelbäume haben bereits im Januar angefangen zu blühen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, stehen die jüdischen Feiertage des Frühjahrs, Purim (10. März) und Passah (8. April) kurz bevor. Beide Feiertage gedenken der wunderbaren Befreiung des Volkes Israel, jedoch in sehr verschiedener Weise.

In der jüdischen Geschichte ist das Passahfest ein grundlegendes Ereignis: Gott führte die Kinder Israels mit starker Hand und ausgestrecktem Arm aus der Sklaverei. Er demonstrierte seine gewaltige Macht als er vernichtende Plagen über Ägypten sandte und das Rote Meer teilte. Der Feind war besiegt und die Israeliten waren frei, den lebendigen Gott anzubeten und weiterzuziehen ins Gelobte Land.

Der verborgene Retter

In der Geschichte von Purim ist das Mittel zur Befreiung ein ganz anderes. Die „Esther-Rolle“ ist das einzige Buch der Bibel, in dem Gott nicht erwähnt wird. In dieser Geschichte agierte Gott als der verborgene Befreier, der unauffällig demütige und treue Menschen gebrauchte, um sein Volk vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Die Lehre, die wir daraus ziehen, ist: Sei es „durch viel oder wenig“, der Herr wird sein Volk immer aus der Gefahr retten (1. Samuel 14,6). An Purim gebrauchte Gott die Gewinnerin eines Schönheitswettbewerbs, um das jüdische Volk vor dem Völkermord zu retten. Esther mag schön und zierlich gewesen sein, aber sie war auch stark im Glauben – und dieser Glaube brachte die Rettung.

Die Kraft des Gebets und Fastens

Wir lernen auch etwas über die Kraft des Gebets und Fastens. Wie im Buch Esther ist Gott manchmal nicht zu sehen; er hält sich im Hintergrund und schaut zu – aber er wird antworten, wenn wir ihn ernsthaft suchen.

Letztlich wurde das jüdische Volk gerettet, weil man ihm gestattete, sich gegen die Helfershelfer Hamans zu verteidigen. Ironischerweise muss das Volk Israel heute immer noch um sein Selbstverteidigungsrecht gegen seine heutigen Feinde kämpfen. Mögen wir immer an Israels Seite stehen!

Ich wünsche Ihnen gesegnete Purim- und Passah-Feiertage!

 

Segnen Sie Israel zum Passahfest!

Auch dieses Jahr wird die ICEJ zum Passahfest, das am 8. April beginnt, Pakete und Geschenkkörbe mit Lebensmitteln, nützlichen Utensilien und Gutscheinen an bedürftige israelische Familien verteilen, damit sie das Passahfest mit Freude feiern können. Zudem sponsern wir gemeinschaftliche Sederabende für äthiopische und russische Einwanderer, Alleinerziehende mit ihren Kindern und Behinderte. Für viele Israelis ist es ein großer Trost zu wissen, dass Christen auf der ganzen Welt an sie denken. Bitte beten Sie mit uns, dass diese Sederfeiern trotz des Coronavirus stattfinden können!

Bitte helfen Sie uns, das jüdische Volk zu segnen, indem wir ihnen Gottes Liebe auf praktische Weise zeigen! Als Verwendungszweck bitte „Passahfest“ angeben, herzlichen Dank!

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Bileam am Rand des Lagers Israels

Eine der wohl tragischsten Figuren in der Bibel ist der Prophet Bileam. Er war ein „gemieteter“ Prophet, der mit Ruhm, Ehre und Geld gelockt wurde, das Volk Gottes zu verfluchen. Drei Mal nennt das Neue Testament ihn als Warnung und Beispiel für einen ähnlichen Schlag böser Propheten, die in der Gemeinde der Endzeit in Erscheinung treten werden (2. Peter 2,13; Judas 1,11; Offenbarung 2,14). In vieler Hinsicht ist die Geschichte Bileams ein Beispiel dafür, wie Satan heute noch versucht das Volk Gottes anzugreifen – sowohl Israel als auch die Gemeinde Jesu. Dieselbe Strategie wiederholt sich im Laufe der Geschichte in der Art und Weise, wie Nationen und Einzelpersonen das jüdische Volk behandeln. Sie wird auch von Satan gegen die Gemeinde eingesetzt – mittels Angriffen von innen und von außen.

Foto: "Bileam und die Eselin", Rembrandt van Rijn, gemeinfrei

 

 

Die Geschichte beginnt als Israels 40-jährige Wüstenwanderung endet. Die Nationen in und um Kanaan herum nahmen das Volk Israel zunehmend als eine große Bedrohung war. Nachdem sie erfolgreich Angriffe des kanaanäischen Königs von Arad (4. Mose 21,1-3) und der Amoriter (4. Mose 21,21-31) abgewehrt hatten, stand Israel nun am Jordanufer gegenüber von Jericho, kurz davor, in seine Bestimmung – das Land Israel – hineinzukommen. Dann sagt uns die Bibel: „Und Balak, der Sohn Zippors, sah alles, was Israel den Amoritern angetan hatte. Und die Moabiter fürchteten sich sehr vor dem Volk, weil es groß war, und den Moabitern graute vor den Israeliten.“ (4. Mose 22,2-3)

Der Name des moabitischen Königs Balak lässt sich am besten mit „Verwüster“ übersetzen. Balak sah seinen Einfluss schwinden und traf eine denkwürdige Entscheidung. Anders als der König der Kanaaniter und die Amoriter griff er nicht auf seine Armee und Kampferfahrung zurück, sondern suchte nach einer geistlichen Lösung – einem Fluch. Er ließ Bileam rufen, einen erfahrenen Propheten, der bekannt dafür war, mit Jahwe, dem allmächtigen Gott, in Verbindung zu stehen. Jüdischer Tradition zufolge war Bileam unter den Heidenvölkern ebenso angesehen wie Mose in Israel.

Obwohl Gott ihn wiederholt warnte, Balaks Einladung nicht zu folgen, bestand Bileam darauf, ein geistliches Schlupfloch zu finden, um das Volk Israel zu verfluchen. Selbst ein sprechender Esel konnte ihn nicht davon abbringen. Als Bileam in Moab eintraf, bereit seine Mission zu erfüllen, geschah etwas, das einer Lehrstunde über Satans Taktik gegen Gottes Volk gleichkommt.

 

Satans Standpunkt

Unmittelbar nach Bileams Ankunft brachte Balak ihn zu einem Ort, von dem er das Volk Israel überblicken konnte. „Und am Morgen nahm Balak den Bileam und führte ihn hinauf nach Bamot-Baal, dass er von dort den äußersten Teil des Volkes überblicken konnte.“(4. Mose 22,41)

Aber Balaks Plan ging nicht auf: Bileam wurde von Gott angewiesen Israel zu segnen, was er auch tat. „Wie soll ich verfluchen, den Gott nicht verflucht? Siehe, ein Volk, das abgesondert wohnt ... mein Ende werde wie ihr Ende!“ (4. Mose 23,8-10)

Balak, wütend über Bileams Segensspruch, wiederholte seine Vorgehensweise, änderte aber den Blickwinkel: „Komm doch mit mir an einen andern Ort, von wo aus du gerade sein äußerstes Ende siehst, aber nicht ganz Israel, und verfluche es mir von dort.“ (4. Mose 23,13) Aber auch dort konnte Bileam Israel nur segnen: „Gott ist nicht ein Mensch, ... dass ihn etwas gereue ... er hat gesegnet, und ich kann's nicht wenden.Man sieht kein Unheil in Jakob ...Daher hilft kein Zaubern gegen Jakob ...“(4. Mose 23,19-23)

Man beachte, was Balak tat: Er zeigte Bileam nie das ganze Bild, sondern nur „den äußersten Teil“ Israels. Er erlaubte Bileam nur den äußersten Rand Israels zu sehen, nie das gesamte Lager. Die Frage ist: Was genau sah Bileam dort? Es mag überraschen, aber die Bibel sagt uns, was er wahrscheinlich gesehen hat.

 

Der äußerste Rand des Lagers

Das Wort Gottes gibt uns detaillierte Informationen über das, was am Rande, dem Außenbereich des Lagers, vor sich ging. In 3. Mose 13,46 befahl Gott, dass Aussätzige „außerhalb des Lagers“ wohnen sollten. Dort wurden auch Kriminelle und Gotteslästerer zu Tode gesteinigt (3. Mose 24,14; 4. Mose 15,35). Dort wohnten die Unreinen (4. Mose 5,3) und im Falle eines Kriegs diente der Außenbereich des Lagers der Armee als Latrine. Man stelle sich vor, was Bileam sah, als er auf das „äußerste Ende des Lagers“ blickte: unreine Menschen, Aussätzige, Steinigungen und höchstwahrscheinlich permanent Toilettengänge. Es muss unangenehm ausgesehen haben und war daher leicht zu verfluchen.

Für Bileam muss es sogar noch erstaunlicher gewesen sein, dass Gott nicht gewillt war ein so unangenehm aussehendes Volk zu verfluchen. Als Bileam durch den Heiligen Geist prophezeite „man sieht kein Unheil in Jakob und keine Mühsal in Israel“, mag er sich gewundert haben, über wen Gott spricht: „Ist das wirklich das Volk, das ich hier sehe?“

 

Das Gesamtbild

Als Bileam sich anschickte ein drittes Mal zu prophezeien, hatte er verstanden, dass es ein aussichtsloses Unterfangen war, Israel zu verfluchen. Gott war ganz offensichtlich entschlossen Israel zu segnen. Das Volk Gottes musste etwas an sich haben, das er nicht sehen konnte. Also versuchte Bileam das Gesamtbild zu sehen. „Als nun Bileam sah, dass es dem HERRN gefiel, Israel zu segnen, ging er nicht wie bisher auf Zeichen aus, sondern ... hob seine Augen auf und sah Israel, wie sie lagerten nach ihren Stämmen. Und der Geist Gottes kam auf ihn.“(4. Mose 24,1-2)

Was für ein wunderbarer Anblick muss sich ihm geboten haben. Die zwölf Stämme Israels lagerten in perfekter Ordnung: jeweils drei Stämme Richtung Osten, Süden, Westen und Norden, das Banner jedes Stammes ausgerichtet auf die Mitte des Lagers. Ein innerer Kreis von Zelten blieb den levitischen Sippen Kehat, Gershon und Merari vorbehalten und in der Mitte des Lagers stand die Stiftshütte: bedeckt von der Wolkensäule bei Tag und der Feuersäule bei Nacht. Als Bileam dies sah, kam der Geist Gottes auf ihn und er rief aus: „Wie fein sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel!“ Nun verstand er Gottes Plan mit Israel und erklärte: „Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dich verflucht!“ (4. Mose 24,5+9)

 

Ein geistliches Schlachtfeld

Diese Geschichte hat ein enormes Anwendungspotential für uns, da Satan dieselbe Vorgehensweise heute verfolgt. Kleine Vorkommnisse in Israel schaffen es mit unglaublicher Leichtigkeit in die Weltmedien. Vor wenigen Wochen blickten die Vereinten Nationen wieder einmal auf Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, eine Nation mit einer freieren und vielfältigeren Medienlandschaft als die meisten anderen Nationen der Welt, eine Nation, die in globalen Krisensituationen mehr Hilfe leistet als die meisten anderen Länder und die die Wüste in einen Garten Eden verwandelt hat.

Aber an diesem Tag wurde Israel von den UN nicht für seine Führungsrolle gelobt, sondern acht Mal verurteilt. In einem ganzen Jahr wurde gegen Länder wie Nordkorea, Syrien, Iran und andere insgesamt nur eine Resolution verabschiedet. Gegen Israel richteten sich acht an einem Tag! Sicherlich ist Israel kein perfektes Land; viele Probleme müssen noch gelöst werden. Aber Angesichts der Tatsache, dass er von Staaten und Gruppen umgeben ist, die rund um die Uhr seine Vernichtung planen, geht es dem jüdischen Staat erstaunlich gut, besser sogar als vielen westlichen Demokratien. 

Warum ist die Welt so besessen von Israel? Welche andere Erklärung könnte es geben als die, dass tatsächlich finstere geistliche Mächte die Gemüter dazu bringen, so wie Bileam nur auf den „Außenbereich des Lagers“ zu blicken. Das Wort Gottes lehrt uns, dass geistliche Mächte über Nationen und Regionen herrschen. Der Prophet Daniel erlebte dies als während seiner Gebetszeit Engel mobilisiert wurden und er eine Offenbarung erhielt über einen „Fürsten von Persien“ und einen „Fürsten von Griechenland“, die über mächtige Reiche herrschten (Daniel 10,13+20). Auch Paulus schreibt: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“(Epheser 6,12)

So wie Balak (der Zerstörer) Bileam lenkte und manipulierte, nur auf den „Außenbereich“ des Lagers zu blicken und das Volk Gottes zu verfluchen, lenken auch diese bösen, zerstörerischen Mächte die Gedanken von Entscheidungsträgern heutzutage (Epheser 2,1-3). Unlogische Entscheidungen werden getroffen, entgegen den gesunden Menschenverstand, aber erstaunlicherweise werden sie von der Mehrheit der Nationen begrüßt. Die „Siedlungen“, die vielerorts echte Orte der Koexistenz von Juden und Arabern geworden sind, in denen palästinensische Arbeitskräfte dasselbe verdienen wie ihre israelischen Kollegen und davon oft ganze Familien ernähren, werden als „Hindernisse für den Frieden“ bezeichnet. Wenn Israel sich gegen Raketensalven aus dem Gazastreifen verteidigt, wird es als Aggressor verurteilt. Warum? Weil das Gesamtbild den Entscheidungsträgern oft vorenthalten wird.

Auf diese Weise geht auch Satan in der Gemeinde und unter Gläubigen vor. Wir alle haben unsere „Randprobleme“: Bereiche unseres Lebens, die unvollkommen sind. Das ist der Fall für jeden Einzelnen und auch für die Gemeinde insgesamt. Keiner von uns ist perfekt, und es gibt auch keine perfekte Gemeinde. Im Gegenteil: Johannes sagt, wenn wir vorgeben perfekt zu sein, betrügen wir uns selbst und machen Gott zum Lügner (1. Johannes 1,8-10). Aber diese „Randprobleme“ in unserem Leben und im Leben anderer sind genau die Bereiche, die Satan uns gerne in Erinnerung ruft. Er hebt die Mängel unserer Gemeinde, die Mängel unserer Pastoren und unserer Brüder und Schwestern hervor. Er deutet mit dem Finger auf die „Randprobleme“ unseres Ehepartners und unserer Kinder und ermutigt uns dazu, sie aufgrund dessen zu verurteilen. Bei diesen „Randproblemen“ zu verweilen und ihnen in unserem Denken und Urteilen Raum zu geben, kann zu Gemeindespaltungen oder Familienzerwürfnissen führen. Statt zu segnen, verfluchen wir und verursachen Spaltungen.

 

Gottes Sichtweise

Mich fasziniert wie Gott seine Sichtweise durch den Heiligen Geist und durch Bileam erklärt: „Man sieht kein Unheil in Jakob und keine Mühsal in Israel. Der HERR, sein Gott, ist bei ihm, und es jauchzt dem König zu.“ (4. Mose 23,21) Das ist eine sehr erstaunliche Aussage, wenn man bedenkt, dass Bileam auf den Ort blickte, an dem Aussatz, Unreinheit und Sünde zu finden war. Noch erstaunlicher ist es, dass die vorangehenden Kapitel kein Volk beschreiben, in dem es keine Ungerechtigkeit oder Boshaftigkeit gegeben hätte, sondern ein Bild von einem murrenden Volk zeichnen (4. Mose 11). Die Bibel berichtet von Familienoberhäuptern, die Mose angreifen (4. Mose 16) und sogar von Aaron und Miriams Angriff auf ihren Bruder (4. Mose 12). Sie zeigt ein Volk, das sich weigert ins Gelobte Land zu ziehen (4. Mose 13-14) und das ungeduldig gegenüber Gott und Mose ist. Bileam hätte genügend Anlass gefunden, um Israel zu verfluchen. Aber trotz allem erklärt Gott: „Man sieht kein Unheil in Jakob“ und „wie fein sind deine... Wohnungen, Israel!“

Diese göttliche Sichtweise übersteigt menschliche Logik. Ich kann es mir nur mit dem erklären, was Tag für Tag in der Stiftshütte geschah, inmitten des Zeltlagers. Zweimal täglich opferten die Priester ein makelloses Lamm (2. Mose 29,38-45). Es heiligte das Heiligtum und ermöglichte es Gott „unter seinem Volk zu wohnen“. Es ist das Blut, das für unsere Sünden sühnt und sie vor Gottes Blick zudeckt (3. Mose 17,11; Hebräer 9,12). Wenn du also gläubig bist und dein Vertrauen auf Jesus setzt, erklärt das Wort Gottes, dass Jesus dein Lamm ist. Wir sind gerecht gemacht durch sein Blut. So sieht der Himmel uns und so sollten wir einander sehen. Mit dem Wissen, dass wir selbst in Jesus Vergebung für all unsere Mängel erhalten haben, müssen wir auch unsere Brüder und Schwestern ebenso sehen.

 

Den Segen suchen

Bileams Geschichte wird im Neuen Testament wiederholt als Beispiel dafür verwendet, was in den letzten Tagen passieren wird. Wir tun gut daran, diese Warnungen zu Herzen zu nehmen und entsprechend zu handeln. Das mag nicht nur großen Schaden abwenden, sondern kann, sofern wir richtig handeln, auch neuen Segen über unser Leben, unseren Gemeinden und Nationen freisetzen – auch über Israel. Wenn wir auf einander und auf Israel blicken bete ich, dass wir die Perspektive des Himmels wählen und mit Gott bekennen: „Wie lieblich sind deine Zelte, Jakob!“

 

Praktische Anleitungen, um die Pläne des „Verwüsters” zu bekämpfen:

1.       Gebet

Eins unserer mächtigsten Werkzeuge ist das Gebet. Leidenschaftliches Gebet kann die Atmosphäre in einer Familie, Gemeinde und sogar einer Nation verändern. Daniels dreiwöchiges Gebet und Fasten beeinflussten zu seiner Zeit die Himmelswelt (Daniel 10). Zielgerichtetes und beharrliches Gebet der Gläubigen kann die feindliche Atmosphäre eines Landes, das auf die Fehler und Mängel Israels (und der Gemeinde) blickt und sie hervorhebt, verändern. Beharrliches Gebet kann den Geist des Antisemitismus und des Antiisraelismus brechen.

2.       Wahrheit

Wenn Israels Feinde seine Fehler und strittige Themen hervorheben, müssen wir umso mehr mutig die Wahrheit verkünden. In der Offenbarung lesen wir, dass sie den Teufel „...durch das Wort ihres Zeugnisses...“ überwanden (Offenbarung 12,11). Wenn Sie einen unausgewogenen, einseitigen Zeitungsartikel über Israel lesen, kontaktieren Sie die Zeitung und zeigen Sie das Gesamtbild auf, das „ganze Lager“. Berichten Sie von Israels wunderbarem Beitrag für die Welt und den Nahen Osten und bitten Sie die Zeitung, beim nächsten Mal ausgewogener zu berichten. Dasselbe gilt für die politische Einstellung Ihrer Nation. Wenn Sie in einem Land leben, das politischen Dialog ermutigt, schreiben Sie Ihre Volksvertreter an und teilen Sie ihnen Ihre Meinung mit. Schließen Sie sich einer Solidaritätsaktion in Ihrer Stadt an oder organisieren Sie eine.

3.       Liebe

Dies gilt insbesondere für den Umgang innerhalb der Gemeinde. Petrus trifft eine erstaunliche Aussage: „Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn ‚Liebe deckt der Sünden Menge zu‘“ (1. Petrus 4,8). Eine Atmosphäre der Liebe und Vergebung wird Gottes wohlwollenden Blick auf seine Gemeinde lenken und so seinen Segen anziehen. Natürlich müssen Sünden beim Namen genannt werden und wir werden ermutigt, unsere Brüder und Schwestern zu warnen. Aber das muss in Liebe und mit Erbarmen geschehen, genau wie auch Gott jedem Einzelnen von uns Barmherzigkeit zeigt.

Gott wacht über uns!

Der jüdische Feiertag Tu Bischwat, das Neujahrsfest der Bäume, fällt dieses Jahr auf den 10. Februar. Er gilt auch traditionell als der Tag, an dem der Mandelbaum zu blühen beginnt. In kürzester Zeit ziert er bald das ganze Land mit seinen wunderschönen weiß-rosa Blüten. Der Mandelbaum blüht immer als erster, trägt jedoch als letzter Baum Früchte.

Der Mandelbaum erinnert uns an eine der ersten Prophezeiungen, die ein junger Prophet mit Namen Jeremia empfing. „Und das Wort des HERRN geschah zu mir: Was siehst du, Jeremia? Und ich sagte: Ich sehe einen Mandelzweig. Und der HERR sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich werde über meinem Wort wachen, es auszuführen.“ (Jeremia 1,11-12) Gott benutzt in dieser Prophetie in Wortspiel, das eine wichtige Botschaft für Israel und für uns enthält. Das hebräische Wort für Mandel (Schaket) ist dasselbe Wort, das mit „wachen über“ oder „etwas sehen“ übersetzt wird. Beim Anblick das Mandelzweiges versicherte Gott Jeremia, dass er über sein Wort wachte und kurz davor stand zu handeln.

Foto: Mandelbaumblüte, Pixabay

Kontext: Erschütterung

Die Bedeutungsschwere dieses zunächst ermutigend wirkenden Bildes nimmt noch zu, wenn man den Kontext betrachtet, in dem Jeremia es sieht. Kurz vorher hat Gott den Propheten darüber informiert, dass er ihn gebrauchen wird, um durch ihn zu reden und folglich Israel und die gesamte Region drum herum zu erschüttern. „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich habe dich an diesem Tag über die Nationen und über die Königreiche bestellt, um auszureißen und niederzureißen, zugrunde zu richten und abzubrechen, um zu bauen und zu pflanzen.“ (Jeremia 1,9+10) Und direkt nach dem Mandelbaum zeigt Gott ihm ein weiteres Bild. Er sieht einen siedenden Topf kurz vor dem Ausgießen, der Jerusalem von Norden her zugeneigt ist. „Da sprach der HERR zu mir: Von Norden her wird das Unglück losbrechen über alle Bewohner des Landes.“ (Jeremia 1, 13+14) Während der Mandelzweig hauptsächlich als hoffnungsvolles Zeichen gesehen wird, dass Gott schlussendlich alle wunderbaren Verheißungen für Israel (oder uns) erfüllen wird, lässt uns der Kontext einen viel ernsteren Ton spüren.

Warnung und Gericht

Die Botschaft an Jeremia lautete nicht, „freue dich und sei fröhlich, da der Herr seinen Segen auf Israel ausgießen wird”, es war vielmehr eine unbequeme Warnbotschaft. Eine Warnung, die Gott später durch Jeremia wiederholte. „Siehe, ich wache über sie zum Bösen und nicht zum Guten. …” (Jeremia 44,27). Gott sagte zu Israel: „Glaubt nicht, dass euer sündiges Leben und eure Rebellion gegen mich keine Konsequenzen haben werden. Ich habe Acht auf Euch und auf mein Wort, und bald kommt die Stunde der Abrechnung.“ Die Zerstörung Jerusalems und die Gefangenschaft Israels waren die schlimme Folge. Jahre später betete Daniel auf ähnliche Weise, in vollem Bewusstsein der Sünden seiner Nation: „Und so wachte (shaket) der HERR über dem Unglück und ließ es über uns kommen. Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Taten, die er tut. Aber wir haben nicht auf seine Stimme gehört.” (Daniel 9,14)

Segen oder Fluch

Die Lektion des Mandelbaumes besteht folglich darin, dass es einen Gott im Himmel gibt, der sieht, wie eine sündige Nation sich von ihrem Gott entfernt und der vorhersagt, dass dies Konsequenzen haben wird. Gottes Botschaft an die Menschheit ist heute noch dieselbe. Gott sieht es und wacht darüber! Er wird über sein Wort wachen, entweder zum Fluch oder zum Segen. Während wir sehen, wie sich Sünde und moralische Verfehlungen in unseren Nationen und selbst in der Kirche verbreiten, sollten wir uns daran erinnern: Gott sieht es, er wacht darüber! Während die Nationen gegen Israel aufmarschieren und es deligitimieren, teilen oder sogar vernichten wollen, können wir sicher sein: Gott sieht es und wacht!

Saat und Ernte

Paulus warnt die Gemeinde in Galatien, sich nicht täuschen zu lassen und zu glauben, dass Sünde und eine weltliche Haltung ohne Konsequenzen bleiben werden. „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.” (Galater 6,7) Wir werden ernten, was wir säen. Wenn wir Sünde und „Weltlichkeit” säen, werden wir Gericht und schließlich den Tod ernten. Wenn wir auf den Geist Samen der Gerechtigkeit säen, werden wir Segen und ewiges Leben ernten.

Der gute Hirte

Und hier enthält der Text eine starke Ermutigung. Jeremia sieht eine mächtige Wiederherstellung Israels voraus. „Und es wird geschehen, wie ich über sie gewacht habe, um auszureißen, abzubrechen, niederzureißen, zugrunde zu richten und zu vernichten, ebenso werde ich über sie wachen, um zu bauen und zu pflanzen, spricht der HERR.“ (Jeremia 31,28) Gott wacht nicht nur über dem Sünder zum kommenden Gericht, sondern er sieht umso mehr auf den, der ihn anruft. Für diejenigen, die zu ihm gehören, wird er ein guter Hirte sein. Er wird über jedem einzelnen wachen und ihn beschützen. Wir können immer noch, sogar heute, die Früchte bestimmen, die wir ernten werden. Wenn wir uns entschließen, auf Gottes Seite zu stehen und unser Leben ihm zu weihen, dann verspricht uns Gott, über uns zum Guten zu wachen. Und selbst inmitten unserer Schwachheiten und Fehler wird Gott über uns wachen. „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.“ (Philipper 1,6). Gott wacht über uns!

ICEJ begrüßt Trumps Friedensinitiative, warnt vor Teilung des Landes

In Reaktion auf die Veröffentlichung des langerwarteten Friedensplans von US-Präsident Donald Trump am Dienstag, 28. Januar 2020, hat die ICEJ die Bemühungen des US-Präsidenten in den letzten Jahren um einen anhaltenden Frieden zwischen Israel und den Palästinensern begrüßt, warnte zugleich aber das israelische Volk davor, das ihnen verheißene Land dauerhaft zu teilen.

Foto: US-Präsident Donald Trump, Shealah Craighead/gemeinfrei

„Präsident Trump ist ein großer Freund Israels und hat, dank seiner bahnbrechenden Entscheidungen zu Jerusalem und den Golanhöhen, die Dynamik des erfolglosen Nahostfriedensprozesses bereits enorm verändert“, sagte ICEJ-Präsident Dr. Jürgen Bühler. „Sein Plan ist es nun einen Weg nach vorne zu finden, um den beiden Völkern, die in diesem umstrittenen Land leben, eine bessere Zukunft zu ermöglichen.“

Die ICEJ begrüßte, dass der Trump-Plan den Trend der vergangenen Jahrzehnte, in denen die internationale Gemeinschaft nach und nach Israels Rechte und Standpunkte aushöhlte ohne Zugeständnisse seitens der Palästinenser einzufordern, endlich umkehrt. Dies war kein hilfreicher Weg und er führte schließlich zur extrem unausgewogenen Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrats (im Dezember 2016).

Dr. Bühler fügte hinzu, zwar „ist Trumps Vorschlag bei weitem besser als die vergangenen Friedenspläne und enthält viele Elemente, die sowohl Israel als auch den Palästinensern zugute kommen werden. Dennoch sieht der Plan weiterhin vor, das Land, das Gott Abraham, Isaak und Jakob und ihren Nachkommen versprochen hat, dauerhaft zu teilen.”

Er gab auch zu bedenken, dass der Plan einer korrupten Palästinenserführung, die in ihrer Ablehnung gegenüber Israel fest verwurzelt ist und die Hoffnung und Zukunft der Palästinenser fortwährend verspielt, einen eigenen Staat in Aussicht stellt.

„Die Bekanntgabe der Friedensinitiative von Präsident Trump bedeutet nun, dass das israelische Volk in den anstehenden Parlamentswahlen eine sogar noch folgenreichere Entscheidung treffen muss. Aus Respekt vor der israelischen Demokratie fordern wir alle Christen auf zu beten, dass sich die Israelis vereint hinter einen weisen Kurs für ihre Nation stellen”, sagte Dr. Bühler.

Der Schlag gegen „Bibi“

Am Donnerstag, 21. November, betrat Israel Neuland: zum ersten Mal in der Geschichte des Staates wurde ein amtierender Premierminister strafrechtlich angeklagt. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, an dem die Nation – ebenfalls erstmalig – in einen 21-tägigen Zeitraum eintritt, der entweder zu einer neuen Regierung durch einen beliebigen Knesset-Abgeordneten oder zu einer vorher nie dagewesenen dritten Parlamentswahl innerhalb eines Jahres führen wird.

Foto: GPO/Amos Ben Gershom, Archivbild

 

Benjamin „Bibi“ Netanjahu – der seit November letzten Jahres vorläufig an der Macht ist – verurteilte noch am selben Abend die Anklage wegen Betrugs, Untreue und Bestechung, die Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit gegen ihn erhoben hatte. Netanjahu bezeichnete die Vorwürfe als „Putsch“ der politischen Linken, voreingenommener Medien und korrupter polizeilicher Ermittler und kritisierte den Zeitpunkt der Anklageerhebung. In der Tat erfolgte die Anklageerhebung gerade als die Knesset einen vorher nie dagewesenen dreiwöchigen Prozess antrat: er ermöglicht es jedem Knesset-Abgeordneten dem israelischen Staatspräsidenten eine Liste von 61 Abgeordneten, die bereit sind seiner Koalition anzugehören, vorzulegen und damit Neuwahlen zu verhindern.

Bis zuletzt hielt Netanjahu an der Hoffnung fest, sein vereinigter Block von 55 konservativen und religiösen Abgeordneten könnte ihm Immunität vor Strafverfolgung ermöglichen und einen Weg bieten, im Amt zu bleiben. Nun aber scheint es, als neige sich Benjamin Netanjahus zehnjährige Regierungszeit als Premierminister Israels dem Ende zu. Er hat gute Chancen die Anklagpunkte gegen ihn abzuwehren und könnte eines Tages sogar ein weiteres politisches Comeback feiern. Aber in seiner eigenen Likud-Partei hat schon das Gerangel um seine Nachfolge begonnen.

 

Der Fluch schlechter Berichterstattung

Wie konnte es nur soweit kommen? In drei verschiedenen Fällen wird ‚Bibi‘ strafrechtlich angeklagt. Ein Fall beinhaltet ‚unangemessene Geschenke‘ (teure Zigarren, Rosé-Champagner), die er von wohlhabenden Freunden als Gegenleistung zu Begünstigungen erhalten haben soll. Die anderen beiden Fälle drehen sich um sein Bemühen, eine positivere Berichterstattung zu erhalten: die Yediot/Israel Hayom-Affäre und der Fall mit Bezeq/Walla, der die gravierendere Beschuldigung der Bestechung mit sich bringt und die größte Herausforderung für Netanjahu darstellt.

Eine positivere Medienberichterstattung zu bekommen ist schwer. Die Presse wird nicht gewählt, ist niemandem Rechenschaft schuldig, ist elitär, zunehmend parteiisch und kann ihre Macht leicht missbrauchen. Allzu oft sind es die Medien, die „Zugang” gegen Bezahlung anbieten. Es ist klar, dass Netanjahu (und seine Familie) extrem frustriert war durch den andauernden Beschuss der israelischen Presse und nach Wegen suchte dies zu ändern. Dafür muss er sich nun vor Gericht verantworten.

Die aktuellen Skandale spitzten sich inmitten einer Atmosphäre zu, in der Netanjahu als durch seine lange Regierungszeit korrumpiert dargestellt wurde, als jemand, der sich Privilegien anmaße als sei er ein König. Die politische Linke in Israel taumelte durch das vergangene Jahrzehnt ohne eine Führungsperson, die die politische Mitte gewonnen und der Öffentlichkeit einen umsetzbaren Friedensplan mit den Palästinensern vorgeschlagen hätte. Stattdessen gewann die Anti-Bibi-Tagesordnung an Fahrt und führte zum Aufstieg des Blau-Weiß-Bündnisses und zum gegenwärtigen Dilemma. Die Medien spielten in den Vorwürfen gegen Netanjahu eine wichtige Rolle.

Rückblickend ist Benjamin Netanjahu immer schon mit bestimmter ungerechter Kritik und Fehleinschätzungen konfrontiert gewesen, die er während seines Aufstiegs an die Spitze und seines langen Bleibens an der Macht überwinden musste. Hier einige der bedeutungsvollsten (und oft weniger bekannten) Beispiele, die zur vergifteten Atmosphäre gegen ihn beigetragen haben.


Yonis Schatten

In ihrer Kindheit zählten Benjamin und sein Bruder Jonathan (Yoni) zu den  „jungen Prinzen” des Likud – die Söhne der Gründergeneration der Partei, die für man für nationale Führungspositionen vorgesehen hatte (zusammen mit Benny Begin, Dan und Sallai Meridor und Ehud und Yossi Olmert). Aber Yoni Netanjahus Rendezvous mit dem Schicksal wurde abgekürzt, als er als Kommandeur bei der legendären Befreiungsaktion in Entebbe 1976 im Kampf fiel.

Yoni wurde umgehend zum Nationalhelden. Er hatte bereits seine Fähigkeit als Führungsperson unter Beweis gestellt. Intelligent, gutaussehend und mutig – ein Philosoph und Kämpfer, dessen Männer ihm überallhin folgten. Dieses romantische Bild von Yoni Netanjahu blieb über Jahre hinweg unverändert, wie auch der Netflix-Film „Follow Me: The Yoni Netanyahu Story“ zeigt. Und das Feiern Yoni Netanjahus ist auf jeden Fall angebracht.


Allerdings führte dies dazu, dass sein jüngerer Bruder Benjamin immer unter der immens unfairen Wahrnehmung litt, er sei ein geringerer Mann als sein Bruder. Seit Beginn seiner öffentlichen Karriere als junger, begabter israelischer Diplomat bei den UN, musste Bibi den „Schlag“ hinnehmen, dass Yoni ein wahrhaftig großartiger Anführer geworden wäre und dass die Nation sich nun mit dem Zweitbesten zufrieden geben müsse.

Natürlich hat Benjamin Netanjahu über die Zeit bewiesen, dass er wunderbar artikuliert und hochkompetent in geo-strategischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten ist – bis hin zu dem Punkt, dass er von vielen als der Staatsmann seiner Generation und repräsentativ für die gesamte westlich-demokratische Welt bewundert wird. In Israel jedoch steht er für viele weiterhin im Schatten seines Bruders oder sogar schlimmer noch: ihm wird vorgeworfen, er habe sich Yonis Beliebtheit und seinen tragischen Tod für seine eigene Karriere zu Nutze gemacht. Dies war ein enorm ungerechtes und persönlich schmerzhaftes Hindernis, das er überwinden musste.


Rabins Schatten

Nachdem Netanjahu rasch innerhalb des Likuds aufstieg, wurde er Parteivorsitzender und 1995 Führer der Opposition, gerade als das Oslo-Abkommen die israelische Gesellschaft verbitterte und spaltete. Als Premierminister Jitzchak Rabin brutal von einem nationalistischen Extremisten ermordet wurde, beschuldigte die politische Linke Bibi, den Hass befeuert zu haben, der zur Ermordung führte. Sie verwiesen auf die „Verräter“-Rufe und die Poster, die Rabin mit Yassir Arafats Kefije (Palästinenser-Tuch) zeigten, die bei den anti-Oslo-Protesten des Mitte-Rechts-Lagers zu hören und zu sehen gewesen waren. Die Anschuldigungen waren unfair und Netanjahu musste sie viele Jahre lang von sich weisen. Aber bei der politischen Linken dauert die Verabscheuung Netanjahus aufgrund Rabins Ermordung bis heute an.

Bei der jüngsten offiziellen Gedenkfeier zum Jahrestag von Rabins Tod zeigte Netanjahu sich so entgegenkommend und reuig wie noch nie in dieser Angelegenheit. Er gab zu, dass die hasserfüllte Hetze gegen Rabin tatsächlich sehr stark gewesen war und dass er mehr dagegen hätte unternehmen müssen. Aber er bestand darauf, Rabin nie einen „Verräter“ genannt zu haben, und dass er die Einschätzung, das Oslo-Abkommen sei Landesverrat gewesen, immer abgelehnt habe.

Trotzdem lauert im Hintergrund des gegenwärtigen Versuchs, Bibi aus dem Amt zu drängen, diese scheußliche Behauptung, an seinen Händen klebe das Blut Jitzchak Rabins – ein weiteres enorm ungerechtes und persönliches Hindernis, das er überwinden musste.

 

Ben Gurions Schatten

Die Linke hatte es bereits im Jahr 1999 geschafft, Netanjahu aus dem Amt zu drängen, mittels sehr hinterhältiger Taktiken. Gedemütigt, nahm er eine Auszeit von der Politik und feierte 2005 sein Comeback, als Ariel Sharon den Likud verließ, um die neue Kadima-Fraktion zu bilden, kurz vor dem Abzug Israels aus dem Gazastreifen. Es dauerte ein paar weitere Jahre, aber 2009 wurde Netanjahu erneut Premierminister und ist nun seit mehr als einem Jahrzehnt im Amt. Diese außergewöhnliche Leistung bedeutet, dass er nun den Staatsgründer David Ben Gurion als den am längsten amtierenden Premierminister Israels abgelöst hat. Die Linke hatte ihm dies verübelt und versucht, ihn noch vor der zehn-Jahres-Marke aus dem Amt zu drängen. Ihr Bemühen scheiterte, aber es scheint, dass sie nun ihr Ziel erreicht hat.

Dieser besondere „Schlag“ gegen Bibi geht tiefer, als den meisten bewusst ist. Ben Gurion formte Israel wie kein anderer zu einer Nation, die auf dem europäischen Sozialismus gegründet ist. Die Kibbuzim sind Zeugen des utopischen Idealismus der Gründergeneration, die sich Israel als egalitäre Gesellschaft ausmalte, in der jeder an ihrem Erfolg teilhaben kann und in der persönlicher Reichtum ein Tabu ist. Ben Gurion lebte selbst sehr genügsam und trug niemals eine Krawatte.

In den letzten Jahrzehnten hat Israel sich zu einer Start-up-Nation gewandelt, die sich am amerikanischen Kapitalismus orientiert. Israelische Unternehmer erfinden innovative Paywalls und Verkehrs-Apps und kassieren dafür Milliarden – das ist etwas, was im Israel der 50er und 60er Jahre missbilligt worden wäre. Netanjahu hat diese sozio-ökonomische Wandlung als Verfechter der freien Marktwirtschaft und der israelischen Hi-Tech-Industrie wie kein anderer beaufsichtigt. 

Mit dem Verschwinden des Traums von einem Israel als Modell des Sozialismus‘ versuchen viele der politischen Linken und auch der Mitte, das Empfinden zu wahren, Israel sei das Modell einer reinen und aufrichtigen Demokratie. Das ist ein ehrwürdiges Ziel! Aber sie glauben, Bibi habe Israels Demokratie mit seiner Korruption und seinem fortwährenden Manövrieren, sich an der Macht zu halten, beschmutzt. Ob diese Kritik treffend ist wird nun vor Gericht untersucht werden. Aber wenn man das Gesamtbild ansieht, hat Netanjahu nicht ganz Unrecht, wenn er sagt, er werde auf unfaire Weise aus dem Amt gedrängt.
 

Netanjahus politisches Erbe
Das politische Erbe Benjamin Netanjahus wird weiterhin geschrieben. Aber es kann nicht abgestritten werden, dass er ein außergewöhnlicher Redner und Staatsmann ist, tiefgründig kompetent in geo-strategischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, der auch den rauen Alltag der israelischen Politik gemeistert hat. Die Tatsache, dass er am Amt des Premierministers im Verlauf des turbulenten letzten Jahres festhalten konnte, zeugt von seinen vielen außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Aber wenn das israelische Volk die Politik hier im Land verändern und der Welt ein reineres Modell der Demokratie bieten will, dann ist eine weitreichendere Veränderung nötig als allein die Absetzung Netanjahus. Und die Nation muss prüfen, ob der gegenwärtige Versuch, ihn aus dem Amt zu drängen, vielleicht doch auf kleinlicher Eifersucht und unberechtigten „Schlägen“ gegen einen wahrhaftig großartigen Staatsmann gründet.

ICEJ begrüßt US-Haltung zu Siedlungen, verurteilt EU-Kennzeichnungspflicht

Die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem begrüßt die Klarstellung der US-Regierung vom 18. November 2019, jüdische Gemeinschaften im Westjordanland seien nicht als illegal anzusehen. Gleichzeitig verurteilt die ICEJ die gegensätzliche Positionierung der Europäischen Union, die am 12. November 2019 die Kennzeichnungspflicht für Waren aus den ‚Siedlungsgebieten‘‚ beschloss. (Foto: EuGH, Pixabay)

„Wir sprechen der Regierung von Donald Trump unser Lob dafür aus, dass die Vereinigten Staaten wieder eine vernünftigen Haltung zur Rechtmäßigkeit jüdischer Gemeinschaften in Judäa und Samaria eingenommen haben“, sagte ICEJ-Präsident Dr. Jürgen Bühler. „Diese Einstellung steht in größerem Einklang mit internationalem Recht sowie den historischen Anrechten des jüdischen Volkes in diesen Gebieten und trägt mehr zum Frieden bei. Zugleich hat die Europäische Union mit ihrem jüngsten Beschluss zur Kennzeichnungspflicht für Waren aus israelischen Siedlungen einen sehr besorgniserregenden Kurs eingeschlagen. Diese Haltung untergräbt nicht nur Bemühungen um Frieden und Zusammenleben in der Region, sondern kommt auch dem Boykott jüdischer Geschäfte in den 1930er Jahren in Deutschland gefährlich nahe.“

Die ICEJ weist darauf hin, dass das Westjordanland nach internationalem Recht als umstrittenes Gebiet gilt, dessen endgültiger Status in direkten Gesprächen zwischen Israel und den Palästinensern geklärt werden soll. Bis dahin ist es legal, dass jüdische Gemeinschaften aus freien Stücken in diesen Gebieten ansässig sind, nicht zuletzt aufgrund folgender historischer Tatsachen:

1)      Der historische Anspruch der Juden auf diese Gebiete wurde 1922 vom Völkerbund als bestehendes Recht anerkannt und besitzt nach Artikel 80 der Charta der Vereinten Nationen noch heute Gültigkeit.

2)      In einem Akt der Selbstverteidigung erlangte Israel 1967 diese Territorien, um einem Eindringen aus eben diesen Gebieten entgegenzuwirken.

3)      Die Palästinensische Autonomiebehörde selbst akzeptierte in den Osloer Verträgen den Fortbestand der Siedlungen bis ein finales Friedensabkommen erreicht ist.

Die ICEJ stellt des Weiteren fest, dass die rechtliche Positionierung der USA zu den Siedlungsgebieten vernünftiger ist als die Haltung der EU, da sie nicht im Voraus über die endgültige Souveränität über diese Gebiete urteilt. Durch ihre Haltung, den israelischen Anspruch auf die umstrittenen Gebiete, einschließlich Ost-Jerusalems, abzulehnen, hat die EU nur dazu beigetragen, dass palästinensische Führer ihre Positionen und Forderungen in den Verhandlungen der vielen vergangenen Jahrzehnte verschärften.

 

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