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Commentary

Auf einen Kaffee mit Jesus

„Mama, Mama, morgen bin ich Sabbatkönigin“, ruft meine kleine Tochter Yael begeistert, als ich sie vom Kindergarten abhole. „Ich muss ein schickes Kleid anziehen und auch einen Kuchen mitbringen.“ Wie alle unsere Kinder, so besucht(e) auch unsere Jüngste einen messianisch-jüdischen Kindergarten. Zum Wochenende feiert man in den meisten jüdischen Familien und schulischen Einrichtungen traditionell als Wochenausklang eine kleine Sabbat-Willkommens-Zeremonie, („Kiddusch“ – deutsch „Heiligung“). Unsere Tochter Yael darf als sogenannte „Sabbatkönigin“ dazu zwei Kerzen anzünden, einen Segen sprechen und Kuchen an die Kinder verteilen, während sie alle zusammen Sabbat-Begrüßungslieder singen.

Bild: Die Kaffeeträgerin, Orientalisches Gemälde von John Frederick Lewis (1857)| Foto: Omar Sayed Mohamed [Wikipedia, gemeinfrei]

Ruhe- und Familientag
Der Sabbat, der schon in der Schöpfungsgeschichte von Gott eingesetzt (1 Mo 2,2) und später sogar als Teil der zehn Gebote bekräftigt wurde (2 Mo 20,8), gilt in allen jüdischen Haushalten als Höhepunkt der Woche. Die Tatsache, dass er als siebter Tag der Woche einen eigenen Namen trägt, gibt ihm eine ganz besondere Bedeutung. „Sabbat“ (hebräisch Schabbat) kommt aus der Wortwurzel „schevet“ und bedeutet „sitzen“ oder „Familienstamm“. Er ist also ein Ruhe- und Familientag. Da der Sonntag in Israel der erste Arbeitstag ist, feiern auch wir als Christen den Samstag als Ruhetag.

Frühmorgens auf dem Wohnzimmerteppich
Als Mutter von vier Kindern, die in Israel lebt, mit einem Mann, der viel im Ausland unterwegs ist, hatte ich mich anfangs oft gefragt, wie es sich wohl der Herr mit dem Gebot des Ruhetags für die Mütter gedacht hat. Oft wollte ich ausschlafen, habe aber stattdessen mit einem kleinen Kind um sechs Uhr morgens auf dem Wohnzimmerteppich gespielt, Mahlzeiten vorbereitet und auch sonst war wenig Ruhe zu spüren, da ich allein für den Tagesablauf zuständig war. Ich wünschte mir sehnlichst einmal eine ganz reale Kaffeestunde mit Jesus, um ihm genau diese Frage zu stellen.

Fleiß und Seelenfrieden
Der Gedanke, dass Jesus den geschäftigen Alltag der Mütter sehr gut kannte, wurde mir zum Trost, da er doch selbst der Älteste von zahlreichen Geschwistern war (Mt 12,47). Außerdem berichtet die Bibel auch, dass er die vielbeschäftigte Martha, die sich um sein leibliches Wohl mit allem Fleiß kümmerte, liebte (Joh 11,5). Fleiß gilt jedoch nur solange als göttliche Tugend, wie sie Prioritäten erkennt. Durch das Sabbatgebot z. B. ist uns eine göttliche Priorität gesetzt, die überlebenswichtig für unsere Seele ist. Gott sehnt sich nach der regelmäßigen ungeteilten Gemeinschaft mit ihm, bei der wir die ursprünglich gedachte Ruhe / den Sabbat für unsere Seele finden. „Also bleibt dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe vorbehalten, denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch selbst von seinen Werken, gleichwie Gott von den seinen“ (Hbr 4,9). Sein Plan für jeden Menschen ist, dass wir Seelenfrieden finden. „Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben“ (Jer 9,11).

Jesu Zeiteinteilung

Im Laufe der Zeit durfte ich von Jesus persönliche Zeiteinteilung lernen, indem ich las, wie er bewusst die stillen Morgenstunden, während es noch dunkel war, nutzte, um Gemeinschaft mit dem Vater zu haben. Jesus wurde von tausenden Leuten aufgesucht und musste sich selbst einer disziplinierten Zeiteinteilung unterziehen, um dem Stress des Alltags gewachsen zu sein (Mk 1,35). So wurden mir meine Andachten um fünf Uhr morgens oder die Schlafstunden meiner Kinder zu kostbaren „Kaffeezeiten“ mit dem Herrn, in denen ich den Geschmack von wahrer Ruhe / Sabbat im Herrn erleben durfte.

Gemeinschaft mit Ihm
Das Gleichnis von Maria und Martha (Lk 10,38-42) ist für mich außerdem ein interessantes Bild für den Sabbat geworden. Als Jesus persönlich im Hause der zwei Schwestern erschien, verstand Maria, was Jesus heute wichtig war: Die ungeteilte Aufmerksamkeit und Gemeinschaft mit ihm. Maria konnte nicht anders, denn ihr Herz war erfüllt mit Liebe zu Jesus. Sie war es auch, die kurz zuvor Jesu Füße mit kostbarstem Nardenöl gesalbt hatte - aus Dankbarkeit und tiefster Liebe ihres Herzens. So setzte sie sich auch jetzt zu seinen Füßen (Sabbat = sitzen) und hörte ihm wie gebannt zu.

Jesus als Gastgeber
Martha stattdessen war darauf bedacht, ihm mit ihrer Gabe der Gastfreundschaft und aufwändigem Kochen zu dienen. Als sich Martha bei Jesus über Marias Nichtstun beklagte, sagte Jesus, dass Maria verstanden hätte, worauf es heute ankäme - sie hatte die bessere Wahl getroffen und war am Ziel angelangt! Jesus liebte Martha und unterschätzte keineswegs ihre Bemühungen, doch machte er ihr deutlich, dass sie durch die Sorgen um alltägliche Dinge gerade diese besondere Stunde nicht erkannt hatte. Jesus selbst wollte diesmal Gastgeber sein, er verteilte geistliche Speise, diese wollte er weder Maria noch Martha vorenthalten. Jesus lobte Marias Entschluss, ihm zuzuhören. Als ihn seine Jünger einmal zum Essen drängten, antwortete er: „Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe“ (Joh 4,34).

An Gottes Festtafel

Ich will lernen, neben meinen geschäftlichen oder häuslichen Pflichten Marias Herzenshaltung einzunehmen, mich von der Liebe Jesu erfüllen zu lassen und die besondere Gemeinschaft mit Ihm als Priorität zu sehen. Aus Gottes Sicht werden solche ausgewählten Stunden nicht nur zu einer „Kaffeepause“, sondern zu einer regelrechten Festtafel, gleich einem Sabbatmahl- einer ganz besonderen Verabredung mit Ihm! „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir’’ (Offb 3,20).

Überarbeitete Auszüge eines Artikels, der erstmalig in der Zeitschrift LYDIA erschien. Ausgabe 4/15. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.

Alle Völkerfamilien der Erde

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter (Familien/Sippen) der Erde! (1. Mose 12,1-3)

Als Gott Abraham berief, erteilte er ihm einen höchst wagemutigen Auftrag: Alle Völkerfamilien dieser Erde zu beeinflussen, jeden Stamm, jede ethnische Gruppe und Gemeinschaft auf unserem Planeten – einfach alle! Ein umfassenderes Mandat gibt es nicht! Nur sehr wenige Menschen würden eine solche Mission überhaupt annehmen.

Die Welt Abrahams

Die Bibel berichtet, dass Abraham zirka 1000 Jahre nach der Erschaffung Adams, des ersten Menschen, geboren wurde. Er gehörte zur zehnten Generation nach der Flut zur Zeit Noahs. Die Völkerfamilien der Erde befanden sich damals in einer Krise. Im ersten Buch Mose Kapitel 10 heißt es, dass Noah und seine drei Söhne, Sem, Ham und Jafet mit ihren Frauen die einzigen Überlebenden der Flut waren. Nachdem sie die Arche verlassen hatten, gründeten sie ihre Familien und bevölkerten erneut die Erde (1. Mose 10,32).

Laut dem biblischen Bericht waren Noah und Sem noch am Leben, als Abraham geboren wurde. Noah starb, als Abraham 58 Jahre alt war (1. Mose 9,28), Sem überlebte ihn sogar (1. Mose 11,11). Abraham war als der älteste Sohn seines Vaters der Hauptpatriarch der Sippe Sems. Möglicherweise hatte er die Berichte seine Urahns Sem von diesem persönlich gehört, vielleicht sogar von Noah. Geschichten über die Rebellion der Menschheit gegen Gott und die vernichtende Flut, weniger als 300 Jahre vor seiner Geburt.

Das verlorene Paradies

Sowohl Noah als auch Sem waren Zeitzeugen des Lebens vor der Sintflut. Vor diesem Gericht Gottes lebten die Menschen viel länger (fast 1000 Jahre). Die allerersten Menschen, Adam und Eva, standen in persönlichem und regelmäßigem Kontakt mit ihrem Schöpfer – ein Privileg, das zu Lebzeiten Abrahams schon längst verlorengegangen war. Es war eine perfekte Welt: Ein kristallklarer Strom floss aus dem Garten Eden, in dessen Mitte sich zwei geheimnisvolle Bäume befanden: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Der Mann und die Frau durften nicht von diesen beiden Bäumen essen, doch die Früchte aller anderen konnten sie genießen, so viel sie wollten.

Diese perfekte Welt veränderte sich, als eine böse Macht den Garten betrat. Satan täuschte die Frau und sowohl sie als auch ihr Mann aßen vom Baum der Erkenntnis. Als Folge ihres Ungehorsams verloren sie den direkten Draht zu Gott und wurden für immer aus dem Garten Eden vertrieben. Ein dunkler Schatten bedeckte die Erde. Er beeinflusste alles, und der zerstörerische Einfluss Satans machte sich sehr eindrücklich in der ersten Familie auf Erden bemerkbar.

Die Riesen der Vorzeit

Adam und Eva wurden bald zur ersten dysfunktionalen Familie, als ihr ältester Sohn, Kain, seinen jüngeren Bruder, Abel, erschlug. Kurz darauf verließen die „Söhne Gottes“ (gefallene Engel) ihre Himmelswelt und gründeten pervertierte Familien mit den „Töchtern der Menschen“. Sie brachten eine neue Form von „Supermenschen“ hervor, die die Bibel die „Riesen der Vorzeit“ nennt (1. Mose 6,4). Ohne eine direkte Beziehung zu ihrem Schöpfergott wurde die Menschheit immer tiefer in einen zerstörerischen Lebensstil hineingezogen. Gott bereute es, dass er die Menschen geschaffen hatte und wollte sie zerstören (1. Mose 6,7). Doch Gott fand Noah, einen gerechten Mann, der „mit Gott lebte“. So fanden er und seine Familie Gnade in den Augen Gottes und wurden verschont.

Der Turmbau zu Babel

Dennoch wusste Abraham, dass selbst die Nachkommen der drei überlebenden Sippen nicht aus ihrer Geschichte gelernt hatten, sondern bald darauf den Turmbau zu Babel begannen. Eine jüdische Überlieferung besagt, dass Abraham sogar persönlich miterlebte, wie seine Zeitgenossen ihre Unabhängigkeit von Gott etablieren wollten und versuchten, einen neuen Garten Eden zu erschaffen. Getrieben von Selbstsucht versuchten sie, ihr eigenes Reich aufzubauen, so dass Gott die Sippen und Familien schließlich über die ganze Welt zerstreute. Einige von Abrahams Vorfahren verloren den Kontakt mit ihren verwandten Sippen, weil die Kommunikation gestört wurde. Aus diesem göttlichen Eingreifen heraus entstanden die verschiedenen Sprachen der Erde.

Hoffnung für eine hoffnungslose Welt

Als Abrahams Geschichte begann, hatten die Sippen und Familien der Erde keine Hoffnung und keine Zukunft. Abraham wusste, dass er von sündigen und zerbrochenen Familien abstammte, die den Kontakt zu Gott verloren hatten und sogar in offener Rebellion gegen ihn lebten. Als Gott in Abrahams Leben eingriff, veränderte sich alles. Gott beschloss, mit Abraham eine neue Sippe, eine neue Familie zu schaffen, ihr ein Land zum Leben zu geben und sie auf besondere Art und Weise zu beschützen. „Wenn Menschen dich in deinem Umfeld segnen, werde auch ich sie segnen“, sagte Gott. „Und wenn sie dich angreifen, haben sie mich zum Feind.“ Und dann kam diese großartige Zusage: „Abraham, in dir und deinen Nachkommen sollen alle Völkerfamilien der Erde gesegnet werden.“

Wendepunkt der Menschheitsgeschichte

Es war in jeder Hinsicht ein radikaler Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Der Apostel Paulus betrachtet diese Aussage als erste Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi: „Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: ‚In dir werden gesegnet werden alle Nationen‘“ (Galater 3,8). Mit der Berufung Abrahams sprach Gott die ewige Berufung des jüdischen Volkes aus. Doch die Hauptnutznießer dieser Berufung waren nicht die Juden selbst. Ganz im Gegenteil, diese Berufung bedeutete Feindschaft und Verfolgung durch die gesamte Geschichte hindurch. Der Hauptfokus des Segens waren „alle Völkerfamilien der Erde.“ Abraham und seine Nachkommen wurden zu Gottes Werkzeug, durch das er sein Licht in eine Welt zurückbrachte, die immer dunkler geworden war.

„Flut der Erlösung“

Von Anfang an war Israel ein Leitkanal der Erlösung für die gesamte Menschheit und ein Licht für die Nationen. Statt einer weiteren Flut, die die Erde mit Gericht überziehen würde, stellte Gott sich eine Flut der Erlösung vor, die so stark sein würde, dass die Erde erfüllt werde „von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken“ (Habakuk 2,14). Der frühere ICEJ-Direktor Malcolm Hedding formulierte es ganz wunderbar in seinem Buch „The Covenants of God“ (Gottes Bundesschlüsse): „Der Bund mit Abraham ist der Bund der Entscheidung Gottes, die Welt zu retten. Daher ist er der grundlegendste aller Bundesschlüsse.“

Dieser Bund hat einen Prozess in Gang gesetzt, der bis heute andauert. Die Nachkommen Abrahams haben uns die Bibel geschenkt (Röm 3,1) und den größten Segen aller Zeiten: Gottes einzigen Sohn, den Erlöser der Welt, der für die Sünden der Welt starb. Aus diesem Grunde beginnt Matthäus sein Evangelium mit dem „Geschlechtsregister Jesu Christi … des Sohnes Abrahams“ (Matthäus 1,1). Das Land, das Abraham verheißen wurde, und Jerusalem als Stadt wurden zu dem Zentrum, in dem alle Segnungen des Bundes mit Abraham freigesetzt wurden. Hier wurde unser Erlöser Jesus Christus gekreuzigt, hier ist er auferstanden und in den Himmel gefahren. Hier hat er seinen Heiligen Geist ausgegossen. Von Jerusalem schickte er seine Jünger los, um alle Völkerfamilien der Erde zu segnen. Und nach Jerusalem wird Christus eines Tages zurückkehren.

Das himmlische Jerusalem

Die finale Umsetzung der Berufung Abrahams besteht darin, die gefallene Menschheit in die Gegenwart Gottes zurückzubringen, ihnen wieder den Zugang zum Paradies zu verschaffen. Genau wie Adam werden wir eines Tages wieder in einer Gartenstadt Jerusalem leben. Genau wie im Garten Eden wird ein Strom aus der Stadt hinausfließen, mit dem Baum des Lebens in der Mitte. Die Früchte der Bäume werden die Nationen und die zerbrochenen Völkerfamilien der Erde heilen, und Gott selbst wird dort immer präsent sein (Offenbarung 22). Interessanterweise war es genau diese Vision des himmlischen Jerusalems, die Abraham durchhalten ließ und ihm zu einer Quelle ständiger Kraft wurde: Denn er wartete auf die Stadt, die feste Fundamente hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ (Hebräer 11,10)

Abrahams Blickwinkel seiner eigenen Berufung war unglaublich weit. Obwohl im sehr bewusst war, dass das Paradies für die Völkerfamilien der Erde verloren war, sah er eine Vision dieser wiederhergestellten Familien, genauso wie Johannes 2000 Jahre später: „Nach diesem sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Kleidern, und Palmzweige waren in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Das Heil ist bei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!“ (Offenbarung 7,9-10)

Ein Vorgeschmack auf den Himmel

Diese große Berufung für „alle Völkerfamilien auf Erden“ betrifft das Schicksal jedes einzelnen Menschen. Sie und Ihre Familienmitglieder sind perfekte Kandidaten für die Segnungen Gottes, unabhängig von Ihrer Vergangenheit! Der Preis dafür, zu Gott zurückkehren zu können, wurde vom größten Sohn Abrahams, von Jesus Christus bezahlt. Nehmen Sie es im Glauben an.

„Alle Völkerfamilien der Erde“ erinnern uns auch in alle Ewigkeit daran, dass es die physischen Nachkommen Abrahams, das Volk Israel war, das uns diese Segnungen gebracht hat. Sie wurden dafür wie keine andere Nation verfolgt und gehasst. Daher bezeichnet uns Paulus als Schuldner der Juden und beauftragt uns, sie nun ihrerseits zu segnen.

Das Laubhüttenfest

Das Laubhüttenfest in Jerusalem weist uns auf faszinierende Art und Weise auf unsere gegenwärtige und künftige Erlösung hin. Das Motto dieses Jahres „Alle Völkerfamilien der Erde“ ist eine zeitgemäße Erinnerung an die Segnungen Abrahams. Der Prophet Sacharja sah voraus, dass alle Völker der Erde nach Jerusalem kommen würden, um das Laubhüttenfest zu feiern (siehe Sacharja 14,16ff). Unzählige Male haben mir Teilnehmer des ICEJ-Laubhüttenfestes hinterher erzählt: „Es war wie ein Vorgeschmack auf den Himmel!“ Nach Jerusalem zu kommen bedeutet nach Hause zu kommen. Jerusalem verbindet uns alle wie kein anderer Ort auf dieser Welt, sowohl mit unserer Geschichte als auch, noch viel wichtiger, mit unserer Zukunft.

Mögen Sie mit dem Segen Abrahams gesegnet werden! Ich freue mich schon darauf, Sie beim Laubhüttenfest begrüßen zu dürfen, zu dem alle Völkerfamilien der Erde nach Jerusalem eingeladen sind, um dort ihren Schöpfer zu feiern.

DER EXODUS

Als der Gott Israels sein Volk aus Ägypten herausführte, befreite er eine ganze Nation von der Herrschaft und Kontrolle der damals größten Supermacht. Dieser massive Exodus ereignete sich vor knapp 3500 Jahre. Etwas Vergleichbares ist in der gesamten Menschheitsgeschichte weder vorher noch nachher jemals wieder geschehen – bis heute.

Es war ein ganz und gar beispielloses Ereignis! Sogar der Herr selbst beschrieb es so: „Denn frage doch nach den früheren Tagen, die vor dir gewesen sind, von dem Tag an, als Gott den Menschen auf der Erde geschaffen hat, und von einem Ende des Himmels bis zum anderen Ende des Himmels, ob je eine solch große Sache geschehen oder ob dergleichen gehört worden sei.“ (5. Mose 4,32) Dadurch sollten ganz Israel und all nichtjüdischen Nationen erkennen, dass der Herr selbst Gott ist und dass es niemanden gibt, der ihm gleichkommt. Er würde seinen Bundesverheißungen immer treu bleiben, die er seinem Volk gegeben hatte, und er würde und wird sie erfüllen. (5. Mose 4,35;37).

DER GROSSE AUSZUG
Dieser große Auszug (griechisch „Exodus“) erschütterte Ägypten bis ins Innerste – vom Pharao angefangen bis zum einfachen Volk. Niemand konnte sich ihm entgegenstellen; keine militärische Macht, kein politischer Führer, kein geschickter Verhandlungskünstler und auch kein Zauberer konnte ihn stoppen! Die Götzen Ägyptens wurden von ihren Thronen gestoßen, die Macht der Menschen und der bösen Geister wurde gebrochen und durch den Herrn aufgelöst, und sein Volk konnte in Freiheit von Unterdrückung, Gebundenheit und Sklaverei ausziehen.

Sie befanden sich jetzt an der Schwelle einer langen Wanderung, die der Herr nutzen würde, um aus dieser unorganisierten Gruppe früherer Sklaven eine gut funktionierende Nation zu formen, die seiner Weisheit und Autorität unter stand – als Ausdruck seines Königreiches und seiner Herrschaft auf Erden. Heute, nach so vielen tausenden von Jahren können wir, erleuchtet durch das Wissen um die Menschheitsgeschichte, erkennen, wie diese Ereignisse und die nachfolgende Geschichte alles für alle Menschen verändert haben – zum Besseren! Israel ist zum Segen geworden für alle Nationen und Familien der Erde!

OFFENBARUNG AM BERG SINAI
Nachdem Israel Ägypten verlassen hatte, empfing es göttliche Offenbarung aus der Hand des Schöpfers selbst. Dem Volk Israel wurden Weisheit und Erkenntnis anvertraut, die über alles hinausgingen, was sie jemals erfahren hatten. Unter der Leitung des Mose erhielten die Israeliten ein tieferes Verständnis darüber, wer Gott als ihr Schöpfer wirklich war und wer sie selbst als Menschen waren. Dann offenbarte er ihnen den wahren Wert jedes Individuums, die Anfänge und den Sinn und Zweck der Schöpfung, und schließlich segnete er sie mit den Zehn Geboten.

Vor dieser Begegnung hatte die Menschheit die Sonne, den Mond und die Sterne angebetet, ebenso wie Tiere und alle möglichen Arten nutzloser Traumwelten und Götzen. Die Menschen hatten bis dahin auch noch nicht begriffen, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind als Gottes Ebenbild geschaffen waren und daher einen unfassbaren Wert besaßen.

Ganze Nationen befanden sich in hoffnungsloser Dunkelheit und entbehrten der Weisheit, zwischen Gutem und Sinnvollem auf der einen Seite und Zerstörerischem, Chaotischem und Verwirrenden zu unterscheiden. Dank der Wüstenwanderung Israels wurden wir jedoch in die Lage versetzt, diese Dinge zu erkennen und zu verstehen.

Die Menschheit erhielt Anleitung, wie sie sinnloses Leiden, Not und Kummer verhindern konnte. Als Folge ihres Auszugs aus Ägypten wurde Israel zur ersten Nation unter vielen anderen, die diese Weisheit und Erkenntnis empfing, um sie dem Rest der Menschheit weiter zu vermitteln (2. Mose 19,6; 5. Mose 4, 6; Johannes 4,22; Römer 9,1-5). Israel war und ist Gottes Instrument in seinem göttlichen und ewigen Plan.

DAS UNHEIL GEHT VORÜBER
Am Passahfest erinnern wir uns sowohl an den Auszug der Israeliten aus Ägypten als auch an die Lektionen dieses Ereignisses. Der Herr stellte dem Volk das Konzept der Gerechtigkeit, der Sünde und der Vergebung dar, an die das Fest erinnert. Das Blutopfer, das die Übertretung der Gebote des Herrn sühnt, wurde in dieser Nacht dem Volk Gottes in dramatischer Art und Weise vorgestellt, kurz vor seinem Aufbruch aus Ägypten. Der Herr setzte das Passah, das die Botschaft der Vergebung in sich trug, als Ausweg aus der Bedrückung seines Volkes ein. Heute wissen wir, dass der Herr Jesus Christus selbst die ultimative Erfüllung aller dieser Tieropfer darstellt – er ist die Sühne für unsere Sünden.

Direkt vor dem ersten, historischen Exodus musste jede hebräische Familie ein Lamm ohne Fehler nehmen und es zur Zeit der Abenddämmerung töten (2. Mose 12). Das Blut des unschuldigen Lammes wurde dann an die beiden Türpfosten und den Oberbalken jedes Hauses gestrichen, weil der Herr verheißen hatte: „Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen.“ (2. Mose 12,13)

DAS OPFERLAMM
Jede Familie, die im Land Ägypten lebte – sowohl die ägyptischen als auch die israelitischen - sah sich mit dem Tod konfrontiert, der in jedes Haus kommen würde, um ihren erstgeborenen Sohn zu holen. Das Gericht Gottes würde auf das Land fallen, weil dort Götzen angebetet wurden. Das Buch Hesekiel berichtet uns, dass auch die Familien der Israeliten in Ägypten unter diesem Todesfluch standen, da sie in dieselbe Falle des Götzendientest getappt waren wie die Ägypter (Hesekiel 20,7-10). Doch Gott stellte seinem Volk einen Ausweg zur Verfügung, und alle Familien der Israeliten wurden verschont.

Die Todesstrafe und das Gericht Gottes konnten von diesen Familien auf ein unschuldiges Lamm übertragen werden, das an ihrer Stelle geschlachtet wurde. Ihre Sünden konnten nur durch ein Opfer gesühnt werden. Doch dieses Opfer war nicht ein Mitglied ihrer eigenen Familie, weder der Erstgeborene, noch Vater oder Mutter, sondern ein männliches Lamm. Die Sünden jedes Israeliten – genauso wie die Todesstrafe selbst – wurden auf das Lamm übertragen und im Gegenzug wurde die Familie der Unschuld des Lammes und seines Lebenswillens teilhaftig. Das Lamm musste sterben, damit die ganze Familie, einschließlich des Erstgeborenen, leben konnte!

DIE KRAFT DES BLUTES
Später in derselben Nacht ging der Todesengel durch das Land Ägypten und tötete die Erstgeborenen der ägyptischen Familien. Doch überall dort, wo er das Blut des Lammes an den Türpfosten und dem Oberbalken der hebräischen Häuser sah, ging er vorüber. Ein Opfer war bereits erbracht worden, daher schlug der Zerstörer nicht noch ein weiteres Mal zu – die Familien in den Häusern befanden sich in absoluter Sicherheit!

In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde das Blut unschuldiger Tiere immer wieder auf dem Altar vergossen, gemäß der göttlichen Anweisungen am Berg Sinai. Der Herr hatte gesagt: „Denn des Leibes Leben ist im Blut und ich habe es euch für den Altar gegeben, dass ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut ist die Entsühnung, weil das Leben in ihm ist“ (3. Mose 17,11). Für Gott war das Blut das Zeichen, dass seine gerechten Anforderungen erfüllt waren, der Gerechtigkeit war Genüge getan und der Preis für die Sünden war bezahlt. Gott hatte nun das Recht und die Freiheit, seinen Segen und seinen Schutz auf seine Gerechten zu legen!

DAS HÖCHSTE OPFER
Der Apostel Paulus erklärt dieses Prinzip im Neuen Testament und betont dann: „Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet” (1. Korinther 5,7).

Die Strafe für unsere Sünden wurde auf Jesus am Kreuz übertragen, im Austausch dafür wurden sein Leben und seine Gerechtigkeit uns durch seine Auferstehung geschenkt. Wenn wir glauben, dass sein Leben in uns ist, dann gehört unser Leben ihm und wir werden niemals sterben! (Galater 2,20, Johannes 11,26)

Doch dieses letztgültige Opfer Jesu ist mehr als nur eine Decke aus Blut, die unsere Sünden bedeck. Es ist mehr als eine Erinnerung an die Vergebung der Sünden – sein Tod und seine Auferstehung haben unsere Sünden hinweg genommen, und unser Sündenbewusstsein ist ersetzt worden durch das Bewusstsein der Gerechtigkeit (Johannes 1,29; Psalm 40,6-8; Hebräer 10,1-22). Jesu höchstes und letztes Opfer ist die Erfüllung aller Opfer im Gesetz des Mose. Er hat sich ein für alle Mal geopfert, und dieses Opfer kann von allen Nationen und Familien der Erde in Anspruch genommen werden! (1. Mose 12,3; Galater 3,8)

DAS JÜDISCHE VOLK
Nach Jahrhunderten des Exils grünt und blüht Israel erneut als Nation, inmitten ungünstiger Bedingungen im Nahen Osten. Doch genau wie zu Zeiten des Mose geht die „Mission Exodus“ auch heute noch weiter. Das jüdische Volk kehrt immer noch in sein verheißenes Land zurück. Genauso, wie der große Auszug aus Ägypten vor Jahrtausenden ein unvergesslicher Anblick war, hat der moderne Exodus aus Dutzenden von Ländern auf der ganzen Welt die Nationen erschüttert, insbesondere die muslimischen Nationen!

Wieder fragen wir uns: „Ist so etwas Großartiges schon einmal geschehen oder hat man so etwas je gehört?” Welche Nation oder welche Sprachgruppe ist in der Menschheitsgeschichte nach zweitausend Jahren des Exils wieder an denselben Ort zurück gekehrt, während sie immer noch dieselbe Sprache spricht und denselben Gott anbetet wie zur Zeit ihrer Zerstreuung? Gläubige genauso wie Agnostiker müssen zugeben, dass es dafür nur ein einziges Beispiel gibt: die Juden. Nur den Juden ist dies geschehen, Gottes auserwähltem und geliebtem Volk.

DER NEUE EXODUS
Genau wie zu Zeiten des Mose kann keine Militärmacht, kein politischer Führer, kein Verhandlungskünstler und kein Zauberer die Rückkehr der Juden in ihr Land stoppen. Niemand kann sie von ihrem Exodus abhalten – vom Auszug aus den Nationen und der Rückkehr in ihr Verheißenes Land! Der Gott Israels hat einen Bund mit seinem Volk geschlossen, und er bleibt seinen Verheißungen treu, sie wieder in ihr Land zurück zu bringen. Er trägt uns auf, es zu verkünden: „Hört das Wort des HERRN, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sagt: Der Israel zerstreut hat, wird es wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde!“ (Jer. 31:10)

Das Wort Gottes sagt voraus, wie dieser neue Exodus von den Enden der Erde erneut die Menschheitsgeschichte verändern wird. Die erneute Sammlung des jüdischen Volkes wird schließlich in seiner Errettung münden und allen Nationen Gerechtigkeit und Frieden bringen (Hesekiel 36, 24-28; Römer 11,26-27; Jesaja 2,1-4). Das Königreich der Himmel wird nicht nur in beispielloser Art und Weise seinen Ausdruck hier auf Erden finden, sondern der König selbst wird zurückkehren und von seinen Söhnen und Töchtern in Empfang genommen werden (Matthäus 23,29; Apostelg. 1,11; Sprüche 8,30+31). Durch sein Handeln an Israel wird Gott, der Schöpfer und unser Erlöser wirklich alle Nationen und Familien der Erde segnen!

AUFSTIEG INS HEILIGE LAND
Aufgrund unseres Glaubens an Gottes Wort machen wir uns bei der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem seit Jahrzehnten mit Gottes Plänen eins. Wir wissen genug, um davon überzeugt zu sein: Gott steht treu zu seinen Bündnissen! Wir helfen dem jüdischen Volk bei der Heimkehr nach Israel. Danke ihrer treuen Spenden konnten wir zirka 120 000 Olim Chadaschim (Neueinwanderern) bei der Alijah (Rückkehr, oder wörtlich: Aufstieg) in das verheißene Land helfen.

Wir feiern bereits seit 1980 das Laubhüttenfest hier in Jerusalem, gemeinsam mit unseren jüdischen Freunden und allen Nationen und Familien der Erde. Dadurch stellen wir uns öffentlich zu Gottes Wort und bekennen unseren Glauben, dass der Gott Israels selbst das moderne Israel zurück gebracht hat! Es ist eine Erfüllung seiner Bundesverheißungen, und er bleibt seinem eigenen Volk in seiner beständigen Liebe treu – so viel haben wir verstanden!

Bitte helfen Sie uns, das jüdische Volk zurück nach Hause zu bringen! Bringen Sie auch Ihre ganze Familie mit nach Jerusalem, um dieses Jahr mit uns das Laubhüttenfest zu feiern, das unter dem Motto steht: „Alle Nationen/Familien der Erde“ (1. Mose 12,3). Tragen Sie es in Ihrem Kalender ein: 16. bis 21. Oktober 2016. Vertrauen Sie dem Herrn, dass er es tun wird – Er wird alle Familien dieser Erde nach Jerusalem bringen!

Und vergessen Sie nicht: Ihre Familie ist sicher, geschützt und gesegnet durch das Blut des Lammes Gottes, unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus!

Auf den Hirtenfeldern bei Bethlehem

Eine der gewaltigsten Aussagen in der biblischen Weihnachtsgeschichte sind die Worte des Engels, gerichtet an die Hirten auf den Feldern von Bethlehem:

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“(Lukas 2,10-12)

Es war die erste Verkündigung der guten Nachricht, des Erlösungswerkes Jesu Christi durch die Engel. Es ist bemerkenswert, dass diese erste Verkündigung nicht an die religiösen oder politischen Führer Israels gerichtet war, sondern an die Hirten auf den Feldern um Bethlehem. Diese Hirtenfelder spielen bis heute eine zentrale Rolle bei den Weihnachtsfeierlichkeiten im Heiligen Land. Unzählige Touristen haben diese Felder zwischen Bethlehem und Jerusalem besucht. Der Kirchenhistoriker Eusebius sieht eine Verbindung zwischen ihnen und einer einzigartigen biblischen Stätte, genannt Migdal Eder, zu Deutsch „Herdenturm“.

Geweihter Umkreis

Dieses Gebiet am Stadtrand von Bethlehem finden wir auch in den Schriften des Talmud. Dort heißt es, dass alles Vieh in der Umgebung Jerusalems „bis nach Migdal Eder“ als heilig und geweiht angesehen wurde und nur zur Opferung im Tempel genutzt werden konnte, insbesondere für die Friedens- und Passahopfer. Es gab also einen besonderen geweihten Umkreis um die Stadt Jerusalem bis hin nach Bethlehem. Das bedeutet, dass die Hirten auf den Feldern von Bethlehem, die erstmals die gute Nachricht hörten, keine gewöhnlichen Hirten waren, sondern dem Opfersystem des Tempels dienten. Diese Männer dienten im Kontext des mosaischen Bundes, einem Vorschatten des Neuen Bundes. Genau diese Männer wurden nun mit der Realität der guten Nachricht konfrontiert. Es war tatsächlich die Verkündigung einer neuen Ära der Errettung!

 

Migdal Eder

Der hebräische Prophet Micha bezieht sich ebenfalls auf den Migdal Eder: „Und du, Turm der Herde, du Feste der Tochter Zion, zu dir wird kommen und wiederkehren die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem.“ (Micha 4,8) Auf Grundlage dieser Prophetie schlossen bekannte jüdische Gelehrte im Midrasch, dass es unter allen Orten in Israel der Migdal Eder sein würde, von dem aus die Ankunft des Messias zuerst verkündet würde. Daher handelte es sich nicht nur um die Verkündigung der guten Nachricht gegenüber einfachen Hirten, als die Engel auf den Hirtenfeldern bei Bethlehem erschienen. Es war auch ein gewaltiges prophetisches Zeichen für ganz Israel. Die Nachricht dieser Nacht muss sich wie ein Lauffeuer in den umliegenden Dörfern verbreitet haben.

Lukas berichtet: „Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.“(Lukas 2,17-18)

Jüdischer Kontext

Es ist für uns Christen wichtig zu erkennen, dass Jesus nicht in ein Vakuum kam, sondern in einen vollkommen jüdischen Kontext hinein geboren wurde. Als Christus im Fleisch kam, wurde er zuallererst dem jüdischen Volk geboren. Erst seine jüdischen Freunde, die Jünger, trugen dann die freudige Botschaft der Erlösung zu allen Menschen. Dem jüdischen Mädchen Maria wurde die Bestimmung Jesu durch den Engel Gabriel so mitgeteilt:

Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und wird 'Sohn des Höchsten' genannt werden. Gott, der Herr, wird ihn auf den Thron seines Ahnherrn David erheben, und er wird für immer über die Nachkommen Jakobs regieren. Seine Herrschaft wird nie zu Ende gehen. (Lukas 1,31-33)

Auch wenn die Feier der Geburt Christi fast ausschließlich von der nichtjüdischen Gemeinde begangen wird, ist es wichtig für uns, sie in ihrem historischen und biblischen Kontext zu betrachten – als eine Botschaft, die zuerst Israel und dem jüdischen Volk Hoffnung geben sollte.

Bund mit Abraham

Zacharias prophezeite über Jesus in der gleichen Weise: damit er „Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham.“ (Lukas 1,72 ff)

Auch Maria bezeugt in dem berühmten Magnificat den ewigen Bund, den Gott mit Israel und dem jüdischen Volk gemacht hat. Diese Prophetien sind für uns als Christen von besonderer Bedeutung. Der heilige ewige Bund mit Abraham, von dem Zacharias und Maria hier sprechen, schließt auch die ewige Landverheißung für das jüdische Volk ein: Eretz Israel. Gott hat sein Versprechen gehalten und seinen ewigen Bund mit dem jüdischen Volk nicht aufgelöst. Er steht zu seinem Wort. Darum hat der Hüter Israels weder geschlafen noch geschlummert und seine Hand Jahrtausende lang über das jüdische Volk gehalten, um es wieder in sein Land zu bringen.

Jesus als Opferlamm

Die Engel erschienen den Hirten, die sich um die Schafe und das Vieh kümmerten, die im Tempel geopfert wurden, insbesondere zum Passahfest. Gerade diese Hirten wurden mit der Nachricht konfrontiert, dass das höchste Opfer geboren war, das nicht nur die Sünden Israels, sondern die der ganzen Welt tragen würde. Nur 33 Jahre später war kein weiteres Opfer mehr notwendig, denn alle, die an ihn glauben, sind seitdem „geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.“ (Hebräer 10,10) Das war tatsächlich eine frohe Botschaft, welche die Engel vor langer Zeit verkündeten. Doch genau wie bei den Hirten reicht auch bei uns das reine Wissen um diese Botschaft nicht aus. Sie mussten darauf reagieren, und das taten sie auch. Sie gingen selbst hin, um das Kind zu sehen und erzählten dann von seiner Geburt, wo immer sie konnten.

Lassen Sie uns dem Beispiel der Hirten von Bethlehem folgen und unser Leben ganz neu diesem wunderbaren Erlöser weihen, der in Bethlehem geboren wurde. Er ist der Hirte unserer Seelen (1. Petrus 2,25), der für unsere Sünden gestorben ist und der uns erlöst hat. Das ist die gute Nachricht von Weihnachten!

Der Beginn einer neuen Intifada?

Der israelische Rechtsanwalt Caleb Myers vom Jerusalem Institute of Justice ist der Überzeugung, dass die aktuelle palästinensische Gewaltwelle hätte verhindert werden können. In seinem Beitrag „Israel in Crisis“ schreibt er Folgendes:

„Diese Angriffe sind keine zufälligen und spontanen Akte frustrierter Menschen. Sie sind das Resultat jahrelanger systematischer palästinensischer Erziehung in Schulen der UNWRA, die durch die USA und die EU finanziert werden. An diesen Schulen wurde einer ganzen Generation von Palästinensern beigebracht, dass allein die Existenz des Staate Israel im Dar al Islam (im Haus des Islam) nicht zu rechtfertigen sein, und nur durch einen koordinierten gewaltsamen Dschihad (heiligen Krieg) zerstört werden könne.“ Der Rechtsanwalt fordert den Westen dazu auf, diese Dynamik zu beachten und seine massiven Finanzhilfen an die Palästinenser endlich unter die Bedingung ernsthafter Reformen im Bildungswesen zu stellen.

 

Myers weist darauf hin, dass es eine permanente explosive Mischung radikal-islamischer Indoktrinierung gebe, die in den Palästinensergebieten unter der Oberfläche gäre. Sie werde nur von den Sicherheitskräften des Mahmoud Abbas zurückgehalten. "Alles, was es zur Zündung der Explosion braucht, ist ein ‚grünes Licht‘, ein ‚Kopfnicken‘ des Präsidenten und seines diktatorischen Regimes”, schreibt Myers weiter. Er betont, dass jede Intifada, jeder Palästinenseraufstand mehr mit der inneren palästinensischen Politik zu tun habe als mit dem israelisch-arabischen Konflikt.

Abbas sei in den letzten Monaten in den lokalen Medien als alter, ineffektiver und illegitimer Präsident porträtiert worden, über dessen Nachfolge eifrig spekuliert wurde. Seine wohlkalkulierte Reaktion bestand, so Myers, darin, vor den Vereinten Nationen zu erklären, dass die Palästinenser „nicht weiterhin an ihre politischen und sicherheitsrelevanten Vereinbarungen mit Israel gebunden“ sein könnten.

„Der Großteil der Welt hat nicht verstanden, was an dieser Erklärung hätte Neues sein sollen. Die palästinensische Bevölkerung hat es jedoch sehr gut verstanden“, schreibt Myers. „Die Beschränkungen sind aufgehoben worden. Ihr könnt Eurem lodernden Hass freien Lauf lassen, ohne Vergeltung von den Sicherheitskräften der PLO fürchten zu müssen.“ Leider sei es nach wie vor sehr einfach, in der palästinensischen Gesellschaft durch die Ermordung von Juden Pluspunkte zu gewinnen.

Abbas Schweigen angesichts der Gewaltwelle, die seiner Erklärung folgte, sei dementsprechend ohrenbetäubend, so Myers. Ob es sich um eine wirkliche dritte Intifada handle, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Später werde man dann versuchen zu erklären, wer diese „Runde“ des Konflikts gewonnen habe. „Wenn Menschen sterben, gewinnt niemand. Die Zerstörung jedes menschlichen Lebens, israelischen oder palästinensischen, ist die Zerstörung einer ganzen Welt”, sagt Myers. Auf beiden Seiten müssten das Leben und die Lebensumstände der Menschen geschützt werden. „Ich bin überzeugt, dass dies mit einer Bildungsreform, wie bereits erwähnt, beginnen kann.“

Israel segnen - jetzt erst recht!

Im Sommer 2015 musste Israel zwei große diplomatische Schlappen einstecken. Der UN-Menschenrechtsrat verurteilte das israelische Verhalten während der Gaza-Krise im Vorjahr und stellte das israelische Militär mit der Hamas-Terrororganisation auf dieselbe Stufe. Leider stimmte auch Deutschland für den kritischen Bericht der Vereinten Nationen, wider besseres Wissen. Kurz darauf wurde das Iran-Abkommen zwischen den 5+1-Mächten (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) und Teheran abgeschlossen, ohne auf eine totalen Einstellung des Atomprogramms zu bestehen. Israel warnte schon lange vor diesem Deal, stieß jedoch auf taube Ohren. Auch nach Abschluss des Abkommens setzte der Iran seine Vernichtungsdrohungen gegen den Judenstaat unverhohlen fort.

Fatalismus oder Engagement?

Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen nun für uns Christen? Stecken wir den Kopf in den Sand oder legen wir die Hände in den Schoß und ergeben uns düsteren Endzeitphantasien, nach dem Motto: „Es muss ja sowieso so kommen“? Was sagt uns die Bibel zu diesem Thema? So verworren uns manche (oft menschlich konstruierte)  „Endzeitfahrpläne“ erscheinen mögen, so klar und eindeutig ist doch Gottes Wort zur Frage unserer Herzenshaltung gegenüber Israel. „Ich will segnen, die dich segnen“ (1. Mose 12,3), „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott“ (Jesaja 40,1), „Betet für den Frieden Jerusalems“ (Psalm 122), „Um Zions willen werde ich nicht schweigen“ (Jesaja 62). Das alles gilt nach wie vor und gibt uns Halt und Orientierung in den immer unsicherer werdenden Zeiten.

Präsenz zeigen und nicht schweigen

Es gibt viele Möglichkeiten, zugunsten Israels und des jüdischen Volkes aktiv zu werden und ein Zeichen des Segens zu setzen. Im Juni nahmen mehrere Gruppen der ICEJ beispielsweise an einer Demonstration gegen den Bericht des Menschenrechtsrates in Genf teil. Leider verhinderte nur ein Veto der USA die Verabschiedung des Berichtes, doch unsere Demo-Teilnehmer, insbesondere aus Deutschland, zeigte den israelischen Veranstaltern, dass sie nicht allein dastehen, wofür sie sich nachher ausdrücklich bedankten. 

Durch eine Petition gegen den Iran-Deal mit 80 000 Unterschriften, die wir bei den Vereinten Nationen, der EU und dem deutschen Außenminister einreichten, verschafften wir uns als Christen ebenfalls Gehör. Auf Vorträgen und Konferenzen genauso wie in unserem Freundes- und Bekanntenkreis können wir immer wieder darauf hinweisen, dass viel Gutes aus Israel kommt: Erfindungen in der Medizin, Landwirtschaft und der Computertechnologie beispielsweise, die unser aller Leben bereichern und verbessern. Diese gute Nachrichten müssen hinaus ins Land bzw. über die Nachrichtenkanäle und sozialen Netzwerke verbreitet werden. Durch die Unterstützung sozialer Projekte in Israel setzen wir ein praktisches Zeichen der Nächstenliebe und des Trostet.

Beten und handeln

Werden wir nicht müde oder fatalistisch, sondern schenken wir den Verheißungen der Bibel Glauben, dass Gott sein Volk im Land Israel wiederherstellt, um es schließlich zu erlösen und der ganzen Menschheit Frieden zu bringen (siehe Jeremia 31; Jesaja 2,2-4). Auch wenn unsere Politiker falsche Wege einschlagen, Gott schaut auf das Herz seiner Kinder und beachtet ihre Gebete und ihr Handeln. Lasst uns für Israel und unsere deutsche Regierung beten wie nie zuvor, unsere Stimme erheben und Israel und das jüdische Volk segnen – jetzt erst recht!

 

 

Frieden für unsere Zeit?

Angesichts der wachsenden Bedrohung durch den radikalen Islam und der schwachen westlichen Reaktion darauf fragen sich heute viele Menschen, ob wir die kostspieligen Fehler einer vergangenen Ära wiederholen.

(Bild: Der britische Premier Chamberlain trifft Adolf Hilter 1938 in München)

Zweifellos leben wir in gefährlichen Zeiten. Die cleveren Massenmörder von Al-Kaida haben sich in die sadistischen Exekutoren des Islamischen Staates verwandelt. Der Iran exportiert seine eigene erbitterte Variante islamischer Militanz. Er destabilisiert und verschlingt dabei ganze Nationen im Nahen Osten und arbeitet gleichzeitig weiter an seinem umstrittenen Atomwaffenprogramm, um die eigenen Expansionspläne voranzubringen. Jede dieser radikal-islamistischen Bewegungen sieht sich als Vorreiter der finalen dschihadistischen Brandungswelle, die schließlich Israel zerstören, sich auf der ganzen Welt verbreiten und die Menschheit dem vorhergesagten “goldenen Zeitalter” islamischer Herrschaft unterwerfen wird.  Unterdessen drängen viele westliche Staats- und Regierungschefs die kleine demokratische Nation Israel dazu, das Herzstück ihres uralten und angestammten Heimatlandes zu opfern, um einen illusorischen Frieden zu erreichen und die gefräßigen Bestien zu beruhigen. 
 

Rückblick auf München 1938

Befinden wir uns also wirklich wieder im Jahr 1938? Sehen wir erneut den Versuch,  Unheil durch Beschwichtigung abzuwenden, so wie Neville Chamberlain es in München probierte?

Der Vergleich is nicht unbegründet. Im September 1938 verhandelte der britische Premierminister mit Adolf Hitler. Er hoffte dabei, die Bedrohung durch den Nationalsozialismus einzudämmen und “Frieden für unsere Zeit!” zu erkaufen. Der Preis dafür bestand in einem Landstreifen entlang der Grenze zwischen Deutschland und der kleinen demokratischen tschechischen Republik, dem Sudetenland. Die tschechische Regierung in Prag, die sich zu einer Krisensitzung versammelte hatte, musste hilflos stundenlang auf Nachricht aus München warten, ohne jegliches Mitspracherecht in den eigenen Angelegenheiten. Am Ende wurde Hitlers Appetit nach Eroberung nur noch weiter angeregt, statt gezügelt zu werden. Chamberlains diplomatische Mission wurde zu einem Negativbeispiel für politische Führungsschwäche.  

Weltweites Versagen

Doch bevor wir den britischen Premier zu sehr tadeln, sollten wir uns daran erinnern, dass es sich um eine ganze Ära politischer Führungsschwäche handelte. Der Westen fällte eine Entscheidung nach der anderen, die den Nazis signalisierte, dass sie kaum mit Widerstand zu rechnen hatten.

Nur zwei Monate vor dem Münchener Abkommen versammelten sich Vertreter von 32 Nationen zur Evian-Konferenz, um über die Aufnahme weiterer gefährdeter Juden aus Deutschland zu beraten. Hitler spottete öffentlich über die “tiefe Sympathie für diese Kriminellen”. Doch einzig und allein die Dominikanische Republik war bereit, ein größeres Kontingent jüdischer Flüchtling aufzunehmen. Nazi-Beobachter der Konferenz berichteten Hitler: “Sie können mit den Juden machen, was sie wollen, niemand ist an ihnen interessiert.” 

Im darauffolgenden Sommer machte die tragische Reise der St. Louis Schlagzeilen, eines überfüllten Schiffes mit 900 jüdischen Kindern an Bord. Die jungen Passagiere konnten schon die Lichter  Miamis erkennen, als die Regierung Roosevelts beschloss, das Schiff nicht anlegen zu lassen, sondern es nach Europa zurückzuschicken, in den Untergang. 

Im selben Jahr, 1939, gab Großbritannien das schändliche “White Paper”, heraus, das die Anzahl jüdischer Flüchtlinge, die in das Mandatsgebiet Palästina einreisen durften, sehr stark begrenzte. Diese Entscheidung überantwortete Millionen von Juden den Gaskammern der Nazis.  Dann kam die Reichskristallnacht im November 1938 – die ganze Welt schaute zu, als die Nazis über 30 000 Juden verhafteten und mehr als tausend Synagogen in Deutschland und Österreich niederbrannten. Am nächsten Morgen war das Sudentenland, das Hitler nur fünf Wochen zuvor ausgeliefert worden war, als erster Landstrich unter Nazi-Herrschaft “judenrein”. Der Holocaust hatte begonnen!

Täuschung und Verführung

Es handelte sich folglich um eine ganze Ära missglückter Politik, von Seiten nicht nur eines sondern vieler Staats- und Regierungschefs. Sie irrten sich gewaltig, sowohl in Charakter- als auch in Absichtsfragen – und das mit katastrophalen Folgen. Der Grund für dieses kollektive Versagen, das die Weltgemeinschaft befiel, lag darin, dass große Verführungen und Täuschungen die Weltbühne beherrschten. Die Menschen wurden einerseits von anderen getäuscht, doch sie täuschten sich andererseits auch selbst.

Die Deutschen wurden von einer faszinierenden Figur verführt, die versprach, die ramponierte Ehre und das Ansehen der Nation wiederherzustellen – stattdessen ruinierte Hitler das ganze Land. Chamberlain täuschte sich selbst mit der Annahme, dass es in München nur um einen schmalen Streifen Grenzlandes ginge, während tatsächlich der ganze Kontinent Europa auf dem Spiel stand.

In Evian kalkulierte ein amerikanischer Präsident sehr nüchtern, dass 30 000 jüdische Einwanderer genug seien, völlig blind für die Tatsache, dass bald 55 Millionen Menschen aller Rassen und Religionen in der darauffolgenden Katastrophe des Krieges ihr Leben verlieren würden.  Die ganze Welt belog sich damit, dass Hitler sich in seinem Buch Mein Kampf nur literarisch “austobte”, während er tatsächlich jedes Wort so meinte, wie er es geschrieben hatte. 

Alle diese Fehltritte trugen dazu bei, einen beispiellosen globalen Konflikt auszulösen, der sieben Jahre später mit dem unvorstellbaren Anblick von Atompilzen endete, die über eingeäscherten japanischen Städten aufstiegen.

Churchills Durchblick

Daher müssen wir für einen Politiker wie Winston Churchill dankbar sein, der klar denken konnte und über einen eisernen Willen verfügte. Er kam gerade rechtzeitig an die Macht, um die Bedrohung durch die Nazis als das zu entlarven, was sie war und ihr standzuhalten. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte Hitler als erster Atomwaffen in die Hände bekommen.

Eine solch aufmerksame und beharrliche Führungsstärke wird heute erneut dringend gebraucht, da die Verführungen unserer heutigen Zeit noch finsterer und raffinierter sind. Tatsächlich warnt uns die Bibel vor Geistern der Täuschungen in der Endzeit, wie der Apostel Paulus schreibt:  “Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden; ... Böse Menschen und Betrüger aber werden zu Schlimmerem fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden. “ (2. Timoteus 3,1;13)

Darüberhinaus ist im Atomzeitalter der Spielraum, der uns für eine Fehleinschätzung von Charakteren und Intentionen bleibt, gefährlich schmal geworden. Eine mächtig wirkende Täuschung sieht in Israels Aufgabe des Westjordanlandes ein kleines Opfer für “Frieden in unsere Zeit” - während es tatsächlich den Appetit des globalen Dschihads nur weiter anregen würde.

Aktuelle Fehleinschätzungen

Wir lassen uns zudem dazu verführen, weniger wachsam zu sein, weil die Menschen seit 70 Jahren keine Atomwaffen mehr gegeneinander eingesetzt haben. Die Filmaufnahmen aus Hiroshima und Nagasaki, wirken, ebenso wie die Testfilme auf dem Bikini-Atoll, so alt und unscharf, da sie lange vor dem digitalen Zeitalter entstanden sind. Gleichermaßen lullen uns die Experten mit dem Argument ein, dass der Iran, genauso wie Nordkorea, sein Atomprogramm nur als Garantie gegen einen Regimewechsel initiiert habe, während es sich eigentlich um ein furchterregendes Instrument islamischer Eroberung handelt.

So streiten sich die 5+1 Mächte mit Teheran über die Kontrolle von Zentrifugen herum, während sie sich tatsächlich darum kümmern müssten, die Einäscherung weiterer Städte zu verhindern.
Und genauso wie damals glauben westliche Regierungschefs auch heute, dass die Ajatollahs sich nur verbal austoben, wenn sie “Tod Israel! Tod Amerika” rufen, während sie tatsächlich jedes ihrer Worte ernst meinen!


 

Die kommende „Israel-Reformation“ der Gemeinde

Dramatische Zeiten der Reformation haben den Charakter der Kirche in den letzten Jahrhunderten grundlegend verändert. Eine solche Phase historischer Veränderungen wurde sogar als „die Reformation“ bekannt – initiiert von Martin Luther. Luthers Einfluss auf die Kirche ist kaum zu unterschätzen. Nicht nur seine theologischen Reformen veränderten das Christentum im Mittelalter dramatisch. Noch viel substanzieller war die Tatsache, dass er den einfachen Gläubigen die Bibel in ihrer eigenen Sprache zurückgab.


Dank Luthers Übersetzung der Bibel in ihre eigene Umgangssprache konnten einfache deutsche Christen nun wieder selbst etwas über Gott lesen und erfahren. Zuvor galt es als Sakrileg (Entweihung, Frevel), wenn ungebildete Laien das Heilige Buch lasen. Doch die nun einsetzende weite Verbreitung und Verfügbarkeit der Bibel sollte alles verändern. Bald darauf übersetzten auch andere Nationen die Bibel in ihre eigenen Sprachen. König James I. autorisierte eine offizielle Übersetzung ins Englische vor ein wenig mehr als 400 Jahren. Eine französische Übersetzung folgte. In den nachfolgenden Jahrhunderten entdeckte die Kirche weitere biblische Wahrheiten durch sich anschließende Wellen der Reform.

Heute sehe ich eine weitere Welle der Reformation auf die Gemeinde zukommen; sie hat mit Israel zu tun. Das Verständnis der frühen Christenheit für Gottes ewige Pläne mit Israel und unsere Verbindung zum jüdischen Volk muss wieder zurück in die Hauptströmungen des Christentums gebracht werden.

Die Reformation der Weltmission

Die Mission unerreichter Nationen ist ein beeindruckendes Beispiel für die Wiederentdeckung ursprünglicher apostolischer Lehrsätze, die dann die Kirche reformierten. Die reformierten protestantischen Kirchen in Europa zeigten wenig Eifer dafür, heidnische Nationen zu erreichen. Sie konzentrierten sich vielmehr darauf, die Kirchen in Europa zu verändern. Als Leiter der pietistischen Erweckungsbewegung wie Philip Jacob Spener und Graf Nikolaus von Zinzendorf die ersten Missionare aussandten, stieß dies bei vielen lutherischen Geistlichen auf Widerstand.

David J. Bosch berichtet in seinem Buch Transforming Mission, dass die Gegner der Mission behaupteten „das Amt des Apostels war verschwunden; dass Gottes Gnade nicht mehr so mächtig wirkte, wie am Anfang; dass die Heiden unter einem Fluch stünden; dass Gott, sollte er sie retten wollen, dies ohne menschliche Anstrengungen tun könnte.“

Doch diese Haltung änderte sich. Am Ende des 18. Jahrhunderts machten sich Missionare wie Willam Carey auf den Weg nach Indien, Hudson Taylor etablierte die „China Inland Mission“ und David Livingstone brachte das Christentum in das Herz des bisher unerreichten Afrika. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Weltmission zu einem Teil des rechten Glaubens, der Orthodoxie der Kirche geworden. Heute gibt es kaum eine Gemeinde, die kein Budget für Mission hat oder nicht wenigsten einen Missionar irgendwo auf der Welt unterstützt.

Die Israel-Reformation

Heute steht eine neue Phase der Reformation bevor. Sie hat mit der Beziehung der Gemeinde zu Israel zu tun. Ich glaube, dass es in den kommenden Jahrzehnten kaum eine Gemeinde ohne Beziehung zu Israel geben wird. Ein Budget um „Israel zu segnen“ wird genauso natürlich sein, wie ein Missions-Budget.

Mit wenigen Ausnahmen hatten die meisten Kirchen und Gemeinden in der Vergangenheit nur ein sehr begrenztes Verständnis von Israel oder dem jüdischen Volk. Wenn sie sich für die Juden interessierten, stießen sie oft auf Widerstand, ähnlich wie diejenigen, die versuchten, das Erreichen heidnischer Nationen voran zu bringen.

Viele Theologen lehrten, dass Gott die Juden verstoßen hätte, die jetzt ein verfluchtes Volk seien. Sie bestanden darauf, dass die Gemeinde Israel ersetzt hätte und dass es kein nationales Schicksal mehr für die Juden gäbe. Jahrhunderte lang war dies die vorherrschende Sichtweise der meisten etablierten Kirchen in Europa. Jede gegenläufige Äußerung wurde brutal zum Schweigen gebracht. 1589 wurde der erste Geistliche, der öffentlich über die verheißene Wiederherstellung Israels schrieb, auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sein Name war Francis Kett.

Ein Paradigmenwechsel für Israel und die Gemeinde

Doch in unseren Tagen geschieht ein großer Paradigmenwechsel zum Thema Israel. Gott hat seine Handlungsweise gegenüber Israel auf dramatische Art und Weise verändert, der Prophet Sacharja beschreibt es am besten: „So spricht der HERR Zebaoth: Gleichwie ich euch zu plagen gedachte, als mich eure Väter erzürnten, spricht der HERR Zebaoth, und es mich nicht gereute, so gedenke ich nun wiederum in diesen Tagen wohlzutun Jerusalem und dem Hause Juda. Fürchtet euch nur nicht!“ (Sacharja 8, 14+15)

Mit anderen Worten, Gott legt einen anderen Gang ein in seinem Umgang mit seinem auserwählten Volk. In den letzten 100 Jahren hat Gott vom Rückwärtsgang in den Vorwärtsgang umgeschaltet. Israel wird genauso wiederhergestellt, wie es die Propheten voraussagt haben. Niemand kann die dramatische Angleichung aktueller Ereignisse an biblische Prophetien im heutigen Nahen Osten übersehen.

Das bedeutet, dass die Realitäten im Nahen Osten die Lehre der Ersatztheologie (die dieser Tage auch als „Erfüllungstheologie“ maskiert wird) eindeutig widerlegen. Der wiedergeborene Staat Israel ist eine prophetische vollendete Tatsache, die beweist, dass Gott an seinen Bündnissen festhält. Das seinerseits bedeutet, dass die Kirche und Gemeinde sich mit einer vollkommen neuen Realität auseinandersetzen muss. 1900 Jahre lang hat niemand gefragt: „Wie gehen wir mit der Rückkehr der Juden in ihre angestammtes Heimatland um?“ Doch heute muss diese Frage gestellt werden.

Die Auflösung dieses Dilemmas hat keine Parallele in der bisherigen Kirchengeschichte. Keine vorhergehende Generation musste sich damit auseinandersetzen. Das bedeutet, dass die kommenden Jahre zu den spannendsten der Kirchengeschichte überhaupt gehören werden, da wir uns in einer Phase der beispiellosen Wiederherstellung zugunsten des jüdischen Volkes befinden.

Zurück zu den Wurzeln

Die gute Nachricht ist: Wir müssen keine neue Theologie erfinden. Es stimmt, dass es Jahrhunderte lang in der Kirchengeschichte keinen Staat Israel gab und die Juden in aller Welt zerstreut lebten. Doch zu der Zeit, als der Großteil des Neuen Testaments geschrieben wurde, gab es noch ein politisches jüdisches Staatsgebilde im Lande Israel. Zwar befand es sich unter römischer Besatzung, doch die meisten Juden der damaligen Zeit lebten noch in ihrer angestammten Heimat und genossen ein gewisses Maß religiöser Autonomie. Daher findenwir, wenn wir betrachten, wie die Apostel die heidnischen Gemeinden auf der ganzen Welt über ihre Beziehung zum jüdischen Volk unterrichteten, sehr klare Aussagen darüber, wie sich die Gemeinde auch heute gegenüber Israel verhalten sollte.


1. Erinnert Euch an eure heidnische Vergangenheit
Der Apostel Paulus erinnerte die heidnischen Gläubigen in Ephesus und Rom als erstes an ihre vorher hoffnungslose Lage. Heute, nach über 2000 Jahren des Christentums, das sich selbst bis auf die entferntesten Inseln der Welt verbreitet hat, fühlt es sich für uns merkwürdig an, uns als „Heiden“ zu sehen. Doch Paulus musste die Gemeindeglieder in Rom daran erinnern, dass sie als Nichtjuden mit den Zweigen eines wilden Ölbaumes zu vergleichen waren. Solche wilden Olivenbäume bringen nur ungenießbare Früchte hervor und sind kaum mehr als ein unnützer Busch.

An die Gemeinde in Ephesus appellierte Paulus: Darum denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind, dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt.“(Epheser 2,11-12)

Paulus erinnert beide Gemeinden auch daran, dass sie nur mit Gott versöhnt werden und Teil seines Volkes werden konnten, wenn sie ihren Glauben in einen jüdischen Messias setzten. Nur das Buch der Juden, die Bibel, gibt uns die Hoffnung, einen liebenden Gott kennen lernen zu dürfen.

Das bedeutet, dass jede heidnische Gemeinde sich in aller Demut sehr bewusst an ihre eigene Vergangenheit erinnern muss.


2. Ehrt die hebräischen Wurzeln eures Glaubens
Paulus verkündet der Gemeinde in Rom: „so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich“ (Römer 11,18).

Das bedeutet, dass nichtjüdische Gläubige die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens weder zurückweisen noch lächerlich machen, sondern sie pflegen sollten, wie man die Wurzeln eines Baumes hegt und pflegt. Adam Clark formuliert es so wunderschön, dass nämlich durch das jüdische Volk „aller Segen und alles Herausragende, das ihr genießt, euch geschenkt worden ist.“

Oder zitieren wir den presbyterianischen Theologen Marvin Vincent in seinem Buch „Word studies in the New Testament“ (Wortstudien im Neuen Testament): „Die Lebenskraft und der Segen werden vom Heiden durch den Juden empfangen, und nicht vom Juden durch den Heiden. Der geistliche Plan bewegt sich vom Bund mit Abraham abwärts und von der israelitischen Nation nach außen.“ Oder, wie Jesus es selbst formulierte: „Das Heil kommt von den Juden!“ (Johannes 4,22)

Das bedeutet, dass jede Gemeinde des Neuen Testaments die Rolle Israels als Quelle des „Segens für alle Familien der Erde“ anerkennen und die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens respektieren muss.


3. Schätzt die unwiderrufliche Berufung Israels
Die Briefe des Neuen Testaments betonen sehr stark die ewige Berufung Israels. Selbst wenn das jüdische Volk Jesus als seinen Messias nicht erkennt und sogar zu „Feinden des Evangeliums“ geworden ist, nennt Paulus sie immer noch „Geliebte um der Väter willen“ (Römer 11,28).

Das heißt, wenn Gott Israel immer noch liebt, so wie es ist, dann sollte die Gemeinde dasselbe tun. Paulus widerspricht jedem Vertreter der Ersatztheologie ganz direkt: „Dass aber einige nicht treu waren, was liegt daran? Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben? Das sei ferne! Es bleibe vielmehr so: Gott ist wahrhaftig und alle Menschen sind Lügner;“ (Römer 3,3+4)

Selbst wenn sie untreu sind, Gott steht immer noch treu zu seinen Bundesschlüssen, Er kann sich nicht verleugnen. Alles andere wäre eine Lüge.

Das bedeutet, dass jede neutestamentliche Gemeinde die ewige Berufung Israels bestätigen und verkündigen muss.


4. Erkennt eure geistlichen Schulden gegenüber Israel
Paulus machte es nichtjüdischen Gläubigen sehr deutlich, dass das jüdische Volk bereits alles bereitgestellt hatte, was für unsere Beziehung zu Gott nötig war. Die Bibel ist ein jüdisches Buch, wir dienen einem jüdischen Messias, und es waren die jüdischen Apostel, die das Evangelium in der heidnischen Welt verbreiteten. Paulus sagt daher, dass wir heidnische Gläubige Schuldner Israels sind.

„Denn die in Mazedonien und Achaja haben willig eine gemeinsame Gabe zusammengelegt für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem. Sie haben's willig getan und sind auch ihre Schuldner. Denn wenn die Heiden an ihren geistlichen Gütern Anteil bekommen haben, ist es recht und billig, dass sie ihnen auch mit leiblichen Gütern Dienst erweisen.“ (Römer 15,26+27).

Das bedeutet, dass jede neutestamentliche Gemeinde sehr bewusst und zielgerichtet darauf achten muss, wie sie die durch das jüdische Volk empfangenen Segnungen zurückgibt.


5. Erwartet die Wiederherstellung Israels
Im Neuen Testament bestätigen die Apostel die ewige Berufung Israels und hoffen und vertrauen fest darauf, dass Israel wiederhergestellt wird. Dies zeigt sich in der letzten Frage, die die Apostel Jesus vor seiner Himmelfahrt stellten: „Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her?“ (Apostelgeschichte 1,6)

Paulus vermittelt diese Hoffnung auch der Gemeinde in Rom: „Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten?“ (Römer 11,15) Mit anderen Worten, er betont, dass auf Israel noch eine wunderbare Berufung und ein ebensolcher Segen warten.

Das bedeutet, dass jede Gemeinde eine Theologie der Hoffnung für Israel annehmen und seine volle Wiederherstellung erwarten sollte.


6. Verbindet Euch mit Israel!
Genauso wie die Vision der Weltmission innerhalb der Gemeinde erneuert wurde, braucht es auch eine Reformationen, die die Kirche wieder mit ihren jüdischen Wurzeln verbindet. In der Zukunft kann sich eine gesunde Gemeinde es nicht mehr länger leisten, Israel zu ignorieren. Das muss von jeder Kanzel gepredigt und integraler Bestandteil der Aktivitäten, der Gebete und der Opfer jeder Gemeinde werden. Wir sehen, dass dies auf der ganzen Welt bereits geschieht. Die Zeit der Reformation ist da! Schließt euch Pastoren und Gläubigen auf der ganzen Welt auf dieser spannenden und historischen Reise an!

 



 

Luthers Schreibtisch

Der Traum wiederholt sich oft. Darin sehe ich einen Mann, der tagelang wie ein Getriebener schreibt. Die Tage werden zu Wochen und Monaten, schließlich zu Jahren. Die Nächte kommen und gehen, und er schreibt immer weiter. Dabei ist er konzentriert und still, doch die Intensität und Bedeutungsschwere der Worte, die er niederschreibt, sind fast körperlich spürbar; ein Gefühl großer Dringlichkeit liegt in der Luft. Seine Feder schreibt Geschichte. Er weiß, dass die Welt diese Botschaft braucht, um das Licht zu erkennen; nach Jahren akribischer Übersetzungsarbeit ist sein Meisterwerk endlich fertig. Voller Stolz schlägt er sein Buch zu. Diese Botschaft wird Nationen verändern, und er weiß das. Müde und zufrieden zugleich erhebt der Mann sich von seinem alten, schweren und mit Tintenflecken übersäten Schreibtisch, ergreift sein dickes Buch und verlässt den Raum. Plötzlich erfüllt eine fürchterliche Ahnung den Raum. Ist etwas Wichtiges vergessen worden? Der Mann hat den Raum verlassen und kommt nicht wieder. Doch auf seinem Tisch schimmert etwas auf – ein kleiner, glänzender Davidsstern liegt verlassen auf der schweren Tischplatte.

 

Vor fast 500 Jahren nagelte Martin Luther 1517 seine 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche zu Wittenberg. Obwohl diese Handlung historisch nicht belegt ist, wissen wir heute, dass seine Thesen, die die katholische Glaubenspraxis kritisierten, tatsächlich existierten. Gemeinsam mit seiner Bibelübersetzung in die Volkssprache haben sie die Welt auf dramatische Art und Weise verändert.



Luthers Antisemitismus


In seinen frühen Jahren war Luther einer der schärfsten Kritiker des Papsttums gerade wegen dessen Misshandlung der Juden. Doch seine große Enttäuschung darüber, dass die Juden seine Lehren nicht annahmen, ließ in ihm eine tiefe Feindschaft gegenüber dem jüdischen Volk entstehen.


Luthers Antisemitismus machte ihn blind für eine der großen Wahrheiten, die unter der Reformation begraben blieb: Dass Gott für die Juden immer noch eine zentrale Rolle in seinem Plan zur Welterlösung reserviert hatte; Israels Wiederherstellung lag vergessen auf Luthers Schreibtisch. Das führte zu einem Riss im Fundament der Reformation, der viele Christen bis heute daran hindert, den vollen Umfang des Erlösungsplanes Gottes zu erkennen.

 

Gottes Treue zu Israel


Wir wollen nicht blind sein für diese Wahrheit. Gott hält heute immer noch an seinem Bund mit Israel fest, und daran erkennen wir, dass wir einem treuen Gott dienen. Unsere Generation hat diese Treue am Beispiel der Rückkehr des jüdischen Volkes in sein altes Heimatland und an der Wiedergeburt der Nation Israel erkennen dürfen. Luther lebte nicht lang genug, um die Erfüllung dieser Prophezeiungen zu sehen, doch wir sind ihre Zeugen. Lasst uns Israel und das jüdische Volk nicht auf dem Schreibtisch unseres alltäglichen Lebens vergessen!

Reformation

.. bis Gott die neue Ordnung (engl. Reformation) in Kraft setzte.“ (Hebräer 9,10)

Das evangelikale Christentum kann man sich heute ohne die als „Reformation“ benannte historische Zeitspanne kaum vorstellen. Große Reformatoren der Vergangenheit wie Martin Luther, Johannes Calvin, John Wesley und viele andere brachten Veränderung und Wandel in das Christentum, die für das Überleben der Kirche notwendig waren. Die oben erwähnte Schriftstelle aus dem Hebräerbrief spricht von eine künftigen Zeitspanne der messianischen Reformation, die insbesondere für das Volk Israel anbrechen wird. Nach einer solchen Reformation werden alte Traditionen des Tempel-Gottesdienstes überflüssig und eine neue Zeit der Gottesverehrung für das Volk Gottes anbrechen.


Reformation in Israel

 

Das Wort Gottes berichtet über verschiedene Reformationszeiten in der Geschichte des Volkes Israels. Männer Gottes wurde in der Bibel immer wieder von Gott gebraucht, um Gottes Volk wichtige Reformen zu bringen. Asa (2. Chronik 15), Hiskia (2 . Chronik 30-31), Josia (2. Chronik 34) und Nehemia sind nur einige Beispiele großer reformatorischer Leiter, welche den geistlichen Zustand Israels erneuerten. Reformen wurden notwendig, als die Israeliten sich von Gott entfernten. Durch die Generationen hindurch wurden Bräuche und Traditionen angenommen, die dem offenbarten Willen Gottes widersprachen. Diese Traditionen beinhalteten entweder Tempeldienst, der dem Wort Gottes widersprach, eine Aufweichung verbindlicher Regeln für das Zusammenleben in der Familie, Götzendienst oder allgemeinen moralischen Verfall in der Gesellschaft. Während solcher Zeitabschnitte waren die geistlichen Leiter der Nation (die Priester und die Propheten) oft gleichgültig gegenüber dem moralischen Niedergang des Volkes oder sie spielten sogar eine entscheidende Rolle dabei.

Herzensveränderung

 

Doch wenn die Reformatoren dem Volk den Willen Gottes neu verdeutlichten, veränderte dies nicht nur sein Verständnis, sondern viel wichtiger noch, sein Herz und sein Verhalten. Die ganze Nation fing an, Gott zu suchen (2. Chronik 15, 12). Infolgedessen begann Gott wieder, sein Volk zu segnen, und Israel erlebte Zeiten des Friedens, der Sicherheit und des Wohlstandes. Manchmal führten Zeiten der Reformation zur Wiederentdeckung alter Wahrheiten und Lehrsätze, die schon die ganze Zeit im Wort Gottes enthalten waren, aber nie wirklich einen Teil der geistlichen Traditionen des Volkes bildeten. Hiskia beispielsweise entdeckte das Passahfest wieder neu. Jahrhunderte lang hatte Israel es nicht mehr gefeiert - „seit den Tagen Davids“, um genau zu sein.

Wiederentdeckung alter Feste

Wahrscheinlich hatten die Theologen der damaligen Zeit viele Begründungen parat, warum dieser einzigartige Ausdruck des Glaubens Israels, das Passahfest, nicht mehr als relevant angesehen wurde. Doch nur so lange, bis Hiskia die mutige Entscheidung traf, dieses heilige biblische Fest wieder einzuführen. Noch bemerkenswerter war die “Wiederentdeckung” der ordnungsgemäßen Feier des Laubhüttenfestes zur Zeit Nehemias. Das ist beachtenswert, da dieses Fest in der Geschichte Israels bis zur Zeit Nehemias nie eine besondere Rolle gespielt zu haben schien...

Und die ganze Versammlung, alle, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, machten Laubhütten und wohnten in den Hütten. Denn die Söhne Israel hatten es nicht mehr so gehalten seit den Tagen Josuas, des Sohnes Nuns, bis auf jenen Tag. Und es war eine sehr große Freude.“ (Nehemia 8,17)

Nach fast 1000 Jahren jüdischer Geschichte wurde dieses Fest endlich gefeiert, in einer Reform, die das jüdische Volk sogar noch bis heute beeinflusst.

 

Reformation des Christentums

 

Die christliche Gemeinde ist auch durch verschiedene Phasen der Reformation und der Wiederentdeckung alter Wahrheiten gegangen. Eine von ihnen war beispielsweise die Wiederentdeckung des Aufrufs zur Weltmission. Die meisten Gemeinden hatten keine große Vision für die verlorenen und oft „unzivilisierten“ Volksstämme dieser Erde. Das änderte sich, als die Herrenhuter Brüder und später Männer wie Hudson Taylor und William Carey ihre Heimatländer verließen, um als Missionare in weit entfernten Gegenden zu wirken. Sie wurden zu Reformatoren, als sie der Kirche die Vision zur Weltmission zurückgaben. Heute kann man sich kaum eine Ortsgemeinde ohne ein Budget für Mission und Evangelisation vorstellen.

Die Notwendigkeit der Reformation

Während verschiedener Zeitabschnitte in der Geschichte Israels riefen die Propheten zur Erneuerung, zur Reformation auf. Es war insbesondere Jeremia, der die kurz bevorstehende Zerstörung Israels vorhersah und die Nation wiederholt zur Buße und Erneuerung aufrief.

So spricht der HERR: Siehe, ich bereite ein Unglück gegen euch vor und plane einen Anschlag gegen euch! Kehrt doch um, jeder von seinem bösen Weg, und bessert eure Wege und eure Taten!“ (Jeremia 18,11)

Wenn sie diese Erneuerung ablehnte, würde Israel als Nation von Gott gerichtet. Bereits durch Mose hatte Gott Israel gewarnt: Wenn sie einen Wandel ihres Verhaltens ablehnten, würde er sich Israels Rebellion annehmen. „Und wenn ihr euch dadurch nicht von mir zurechtweisen lasst und euch mir entgegenstellt, dann werde ich meinerseits mich euch entgegenstellen.“ (3. Mose 26, 23). Ebenso sind die sieben Sendschreiben an die Gemeinden in der Offenbarung im Kapitel 2 und 3 dringende Aufforderungen zur Reform. Von den sieben erwähnten Gemeinden brauchten fünf ganz dringend Veränderung.


Veränderung der Gesellschaft

Reformation ist nicht nur eine Zeit der individuellen Buße. Sie beeinflusst immer das gesamte Volk Gottes. Gesetze ändern sich, neue und von Gott inspirierte Gesellschaftsordnungen werden eingeführt, und die Nation als ganze kommt unter den Segen Gottes.

Genau das erreichte auch die Reformation Martin Luthers und Johannes Calvins, ebenso wie der Dienst John Wesleys in England. Ein Großteil unseres Wertekatalogs und unserer Kultur in der westlichen Welt gründet sich auf die reformatorischen Kräfte, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert Europa erfassten. Sie beeinflussten in einem noch größeren Maße auch die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Viele der Reformatoren, die in Europa verfolgt wurden, fanden in der neuen Welt ihre Heimat und waren aktiv daran beteiligt, ein frühe amerikanische Kultur zu schaffen, die auf biblischen Wahrheiten beruhte. Die Reformen begannen immer innerhalb der Gemeinde und hatten dann auch einen Einfluss auf die Gesellschaft als Ganze.


Reformation der westlichen Welt

 

Eine neue Zeit der Reformation ist in der heutigen Gemeinde dringend erforderlich. In unseren westlichen Gemeinden in Europa und Nordamerika sorgt man sich über den wachsenden Einfluss der Säkularisierung in unseren Gesellschaften. Europa hat schon seit langem seine christlichen Wurzeln aufgegeben, und viele amerikanische Christen befürchten, dass ihr ursprüngliches Erbe als „eine Nation unter Gott“ (a nation under God) bedroht ist. Eine weitere Reformation in der Gemeinde der westlichen Welt ist nötig, da die Gemeinde nicht nur ihren Einfluss auf die Gesellschaft verloren hat, sondern die Welt mittlerweile die Gemeinde beeinflusst.

Viele Christen erwarten eine Lösung von ihrer Regierung. „Wenn wir nur eine andere Regierung hätten, sähe die Lage besser aus“, höre ich oft. Ja, die Gemeinde ist dazu berufen, für die Regierung zu beten und diese Berufung muss ernst genommen werden. Doch Gott sieht die nationale Veränderung weniger von der Regierung, sondern vielmehr vom Volk Gottes ausgehen.

„..
.und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.“ (2. Chronik 7,14)

Gottes Volk ist gefragt

 

Der Schlüssel für nationale Wiederherstellung und Heilung liegt beim Volk Gottes. Wenn das Volk Gottes sein Angesicht sucht, sein Verhalten verändert und seine Glaubenskultur wieder ihren apostolischen Wurzeln anpasst, dann verheißt Gott eine Zeit der nationalen Heilung. Lassen Sie uns gemeinsam im Jahr 2015 für Reformation beten und Reformation anstreben, damit die Gemeinde des lebendigen Gottes erneuert wird.

 

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