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Commentary

Die Weihnachtsbotschaft und unsere herrliche Berufung

Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“ (1. Mose 1,27)

Einer der wichtigsten Grundsätze des christlichen Glaubens ist „der Adel des Menschen“, wie es der Theologe Erich Sauer formuliert. Wir sind alle nach dem Bild Gottes geschaffen, ihm ähnlich. Genau dieser Umstand unterscheidet die Menschheit vom Rest der Schöpfung.

Ebenbild des Schöpfers

Wir Menschen komponieren Symphonien, schreiben Bücher, erfinden komplexe Werkzeuge und untersuchen die bisher verborgenen Zusammenhänge des Universums. Wir zeigen göttliche Kreativität in jedem Lebensbereich. Selbst die am weitesten entwickelten Menschenaffen sind Lichtjahre von der Herrlichkeit entfernt, die Gott in die Menschheit hinein gelegt hat. Alle Frauen und Männer sind nach dem Bilde Gottes geschaffen. Diese Wahrheit bildet die Grundlage der westlichen Zivilisation. Sie verleiht jedem Menschen Wert und Würde und verlangt, dass wir mit Respekt und gerecht behandelt werden, unabhängig von unserer Rasse, unserer Religion oder unserem Geschlecht. Diese grundlegende Wahrheit unterscheidet den biblischen Glauben und das biblische Weltbild von jeder anderen Religion.

Beziehungswesen
Noch erstaunlicher ist es allerdings, dass Gott uns zu einem sehr speziellen Zweck erschaffen hat. Jeden Abend, „als der Tag kühl geworden war“, kam Gott, um sich mit dem gerade erschaffenen Paar im Garten Eden zu unterhalten. Gott sprach mit ihnen über ihren Alltag und erfreute sich an ihrer Gesellschaft, weil sie ihm ähnlich waren. In seinem Wort nennt Gott uns oft seine Kinder. Kein anderer Glaube bietet eine so persönliche Beziehung zu einem Gott, der gerne Zeit mit seiner Schöpfung verbringt.

Tragödie des freien Willens

Trauriger Weise wurde diese ursprüngliche Bestimmung in demselben Garten verspielt. Eine der Eigenschaften, die Gott in die Menschheit als Teil unserer göttlichen Natur hinein legte, war unser freier Wille. Wir können uns entscheiden, ob wir Gott folgen wollen oder nicht. Wir können selbst bestimmen, ob wir ihm glauben und gehorchen oder gegen seinen Willen rebellieren wollen. Der Fall im Garten Eden wurde so zur Tragödie der Schöpfung, der Geschichte und der Menschheit.

Rückkehr zum Vater

Doch Gott wusste von Anfang an genau, dass diese Möglichkeit bestand. Daher sorgte er vor, noch bevor irgendetwas geschaffen wurde, und stellte einen Weg für den Menschen bereit, um zum himmlischen Vater zurückzukehren. Aus diesem Grund beschreibt das Buch der Offenbarung Jesus als das Lamm, das „geschlachtet worden ist, von Grundlegung der Welt an“ (Offenbarung 13,8).Das bedeutet, dass Gott bereits vor der Schöpfung wusste, dass er der Menschheit eine Möglichkeit der Erlösung bieten musste.

Die Art und Weise, wie diese Errettung geschenkt wurde, unterstreicht auf wunderbare Weise den Adel des Menschen. David, der König Israels, erfasste bereits, dass die Opfer von Böcken und Stieren nicht ausreichen würde, um diejenigen wiederherzustellen, die der Herr nach seinem eigenen Bild erschaffen hatte. Um diese Wiederherstellung zu erreichen, musste Gott selbst in der Person seines eingeborenen Sohnes auf die Erde kommen. Daher bestätigt die Geburt Christi die herrliche Berufung des Menschen.

Gott kommt selbst

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1,14)

Bereits die hebräischen Propheten hatten vorhergesagt, dass der Erlöser seines Volkes „Immanuel“, „der allmächtige Gott“ und der Gott „von Ewigkeit her“ genannt würde. Daher stellt Weihnachten eine göttliche Bestätigung für diejenigen dar, die „nach dem Bild Gottes“ geschaffen worden sind. Es ist wie ein Kuss Gottes, der unsere edle Herkunft, unseren Adel wiederherstellt. Durch die Geburt, den Tod und die Auferstehung Christi werden wir wieder in die Familie des Himmels aufgenommen. Darum schämt sich Jesus auch nicht, uns seine Geschwister zu nennen.

Frieden und Wohlgefallen

Was für eine wunderbare Wahrheit! Gott kam, um unter uns zu wohnen. Die Engel stimmten einen Lobgesang an: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“ (Lukas 2,14) Als Christus zur vorbestimmten Zeit auf die Erde kam, stellte er den Frieden zwischen Gott und der Menschheit wieder her und zeigte denen sein Wohlgefallen, die nach seinem Bild geschaffen waren.

Wir wollen daher Gott für diese unermessliche Berufung danken, Teil seiner Familie zu sein. Lassen Sie uns heute die Entscheidung treffen, dieser hohen Berufung würdig zu leben. 

Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi als eines Lammes ohne Fehler und ohne Flecken. Er ist zwar im Voraus vor Grundlegung der Welt erkannt, aber am Ende der Zeiten offenbart worden um euretwillen (1. Petrus 1,18-20).

Im Namen der ICEJ-Leitung und aller Mitarbeiter in Jerusalem, Stuttgart und auf der ganzen Welt wünschen wir Ihnen und Ihren Familien ein sehr gesegnetes und frohes Weihnachtfest. Möge Gott uns im kommenden Jahr mächtig dazu gebrauchen, sein auserwähltes Volk Israel zu segnen!

Befindet sich Israel in einer dritten Intifada?

Spannungen und Aufruhr in und um Jerusalem eskalierten Mitte November in dem brutalen Massaker an vier jüdischen Rabbinern während ihrer Morgengebete in einer Synagoge im Jerusalemer Stadtteil Har Nof. Bewaffnet mit einer Pistole, einer Axt und einem Schlachtermesser griffen zwei arabische Terroristen aus dem Osten Jerusalems die Gebetsgemeinschaft jüdischer Männer am frühen Morgen des 18. November in der Synagoge Kehilat Bnei Torah an. Sie befindet sich in einem friedlichen ultra-orthodoxen Stadtteil am westlichen Stadtrand. Der Amoklauf kostete  vier Torah-Gelehrte aus umliegenden religiösen Hochschulen das Leben, während 18 weitere Personen bei dem Blutbad verletzt wurden. Ein israelischer Polizist drusischer Herkunft wurde ebenfalls erschossen, als er zum Tatort eilte. (Bild: AP)

Der drusische Polizist gehörte zu einem aufgestockten Kontingent von Sicherheitskräften  in der Hauptstadt, das als Antwort auf eine Serie von Ausschreitungen, Steinwürfen, Messerattacken, Autoattacken und anderen Terrorangriffen in Jerusalem eingesetzt wurde, einschließlich des fast tödlichen Angriffs auf den Tempelberg-Aktivisten Jehuda Glick Ende Oktober.

Palästinensische Hetze
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu führt die aktuelle Gewaltwelle und den Terror auf die Hetze zurück, die nicht nur von der Hamas, sondern auch von Mahmoud Abbas und der Palästinensischen Autonomiebehörde ausgehe. Unter starkem amerikanischen Druck verurteilte Abbas das Synagogen-Attentat. Doch im selben Atemzug beschuldigte er Israel fälschlicherweise sowohl der “Aggression” gegen die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg als auch der Brandanschläge auf Moscheen und Kirchen. Der Pegel palästinensischer Gewalt und Hetze steigt zweifellos an. In den letzten Wochen sind elf Israelis durch Terroranschläge getötet worden, mehr als die Gesamtzahl der Opfer der letzten zwei Jahre.

Einzeltäter oder Intifada?
Folglich fragen sich viele israelische Analytiker, ob es sich nur um Einzeltäter handelt, die vorige Anschläge nachahmen oder ob wir es mit einem großangelegten Volksaufstand gegen Israel zu tun haben, d.h. mit der allseits befürchtete dritte palästinensische Intifada. Für die Familien, die zu Opfern der aktuelle Terrorwelle geworden sind, ist die Debatte um die “dritte Intifada” eine bedeutungslose akademische Denkübung. Sie trauern um ihre getöteten Familienmitglieder und hoffen und bangen um verletzte und verstümmelte Verwandte. Doch für die politische Führung ist es eine Frage von entscheidener Wichtigkeit, ob nämlich die palästinensischen Gruppen vorsätzlich versuchen, einen weiteren langwierigen und blutigen Aufstand gegen den jüdischen Staat anzufachen, dazu noch im Herzen der Nation, in Jerusalem.

 Al-Aksa-Verschwörung
Zuallererst bleibt festzuhalten, dass es immer einen bizarren Wettbewerb zwischen verschiedenen palästinensischen Gruppen zu geben scheint – einen Wettbewerb darum, wer den intensivsten Hass gegen Israel mobilisieren kann. Niemand will darin überboten werden, insbesondere, wenn es um die “Verteidigung von Al-Aksa” geht. Daher müssen alle mitmachen, wenn eine Gruppe damit beginnt, den “Kampf” um den Tempelberg heraufzubeschwören. 

Die Al-Aksa-Verschwörungstheorie ist Jahrzehnte alt und das einfachste Mittel, den Konflikt mit Israel anzuheizen. Dieses palästinensische Märchen behauptet, dass Israel plane, die Al-Aksa-Moschee zu unterhöhlen oder abzureißen, um den dritten Tempel zu bauen. Diese “Theorie” wurde immer wieder benutzt, um Gewalt und Blutvergießen zu provozieren, auch durch Hadsch Amin al-Husseini, den Mufti von Jerusalem, der sie 1929 unrühmlichst dazu nutzte, Dutzende von Juden in Hebron umbringen zu  und die uralte jüdische Gemeinschaft gewaltsam aus dieser Stadt vertreiben zu lassen.

Kriegserklärung an den Islam?
Ob er sie diesmal selbst ins Spiel brachte oder sich einfach mit ins Getümmel stürzte, Abbas ist in letzter Zeit mit der Al-Aksa-Falschmeldung tatsächlich hausieren gegangen. Als Israel den Tempelberg einen Tag im Oktober für alle Besucher absperren ließ, nach Wochen gutorganisierter Steinwürfe auf jüdische Beter an der Westmauer, bezeichnete Abbas diese israelische Sicherheitsmaßnahme als “Kriegserklärung” an den Islam.  Die offiziellen Medien der Palästinensischen Autonomiebehörde verherrlichten zudem die Täter der letzten Terroranschläge als Helden und Märtyrer. Als die amerikanische Regierung dann schließlich Abbas aufforderte, seine Rhetorik abzukühlen, rief er immer noch zu “Tagen des Zorns” auf, um gegen die israelischen Bemühungen, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen zu protestieren. Diesem zornigen Aufruf folgte schließlich das Blutbad in der Synagoge von Har Nof. 

Begrenzter Aufstand
Doch Abbas ist momentan an einer ausgewachsenen Intifada nicht wirklich interessiert. Angesichts der Aufstände des Arabischen Frühlings befürchtet er, dass das Auslösen von zu viel Chaos auf den palästinensischen Straßen zu seinem eigenen Sturz führen könnte – eine sehr berechtigte Befürchtung.  Daher hat sich der Palästinenserführer um einen “kontrollierten” Aufstand bemüht, der sich auf das Anfachen der Spannungen in Jerusalem beschränkt, während es in Ramallah ruhig bleiben soll.
Es scheint, dass die palästinensische Öffentlichkeit ebenfalls nicht so sehr an einer weiteren Intifada interessiert ist. Während sie die Attentäter anfeuert, scheint es dennoch keine weitverbreitete Unterstützung für einen jetzigen Massenaufstand zu geben. Es ist wohlbekannt, dass der zu zahlende Preis in Reisebeschränkungen, wirtschaftlichen Verlusten u.ä. bestehen würde.

Selbstschädigung
Dennoch spielen die Palästinenser mit dem Feuer. Es ist ein wahrhaft gefährliches Spiel, die Flammen eines religiösen Kampfes um die Al-Aksa-Moschee in einer Region anzufachen, die bereits von Konflikt und Aufruhr zerrissen ist. Unterdessen wird Jerusalem langsam aber sicher durch Sicherheitsvorkehrungen geteilt, die Israel einführen muss, um die Ruhe und das Sicherheitsgefühl seiner Bewohner wieder herzustellen. Straßensperren werden in arabischen Wohngegenden errichtet, einige Araber verlieren ihre Arbeitsplätze im Westen Jerusalems. Folglich schadet die aktuelle Welle der Hetze und der Gewalt den in Jerusalem lebenden Arabern am allermeisten.

Internationale Christliche Botschaft verurteilt Massaker in Synagoge in Jerusalem

Der mörderische Angriff auf unschuldige jüdische Beter in der Har Nof Synagoge in Jerusalem gestern Morgen ist einer der blutigsten und verwerflichsten Terroranschläge, den Israel in den letzten Jahren hat erdulden müssen. Die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem verurteilt diese grausame und unmenschliche Tat aufs Schärfste. Die Tatsache, dass Gläubige bei ihren Morgengebeten überfallen wurden, zeugt von unfassbarer Verachtung und Härte.
 

Die aktuelle Gewaltwelle und die steigenden Spannungen in und um Jerusalem herum sind zweifellos durch antiisraelische und antisemitische Hetze offizieller palästinensischer Stellen auf allen Ebenen entzündet worden. Die Regierenden der Welt müssen verlangen, dass diese Hetze sofort aufhört. Solche vorsätzlichen Aufrufe zu Gewalt und Mord müssen verurteilt werden, statt sie durch Abstimmungen zugunsten eines Palästinenserstaates noch zu ermutigen.

Wir rufen Christen aus der ganzen Welt eindringlich zum Gebet für das Volk Israel auf. Die ganze Nation ist zutiefst geschockt von diesem Angriff. Die Bewohner Jerusalems befinden sich in tiefer Trauer und müssen ihr Sicherheitsgefühl wiedererlangen. Bitte beten Sie, dass der Herr die von diesem Massaker betroffenen Familien tröstet, dass die israelische Regierung mit Weisheit und moralischer Standhaftigkeit auf dieses Attentat reagieren kann und dass es den Sicherheitsbehörden gelingt, die Lage in Jerusalem zu befrieden.

Paradigmenwechsel für Israel und die Gemeinde

„Nun aber will ich mich zu dem Überrest dieses Volkes nicht mehr stellen wie in den vorigen Tagen, spricht der Herr der Heerscharen ...wie ihr ein Fluch gewesen seid unter den Heidenvölkern, o Haus Juda und Haus Israel, so will ich euch erretten, daß ihr ein Segen werden sollt... Gleichwie ich mir vornahm, Unheil über euch zu bringen, als eure Väter mich erzürnten, spricht der Herr der Heerscharen, und es mich nicht reute, so habe ich mir jetzt in diesen Tagen vorgenommen, Jerusalem und dem Haus Juda Gutes zu tun.“ (Sacharja 8,11-15)

1) Der Paradigmenwechsel
Ein Paradigma beschreibt die Gesetzmäßigkeiten, die bestimmte geschichtliche Abschnitte charakterisieren. Wenn ein Paradigmenwechsel passiert, bedeutet es, dass die alten „Binsenweisheiten“ nicht mehr gelten, sondern dass neue Denk- und Handlungsweisen  etabliert worden sind. Um effektiv zu sein, muss man sich dieses Wechsels bewusst sein und auf Grundlage der neuen Realität handeln.

Gott verkündet durch den Propheten Sacharja, dass er eines Tages seine Handlungsweise gegenüber Israel radikal verändern werde. Und das ist tatsächlich geschehen! Was für Israel früher galt, gilt heute nicht mehr. Dieser Wechsel ist so radikal, dass er eine 180-Gradwende im Verhalten Gottes darstellt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Gott sich verändert. Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Er weiß von Anfang an, was kommen wird. Doch er ist auch der Gott der Geschichte, der Gott bestimmter Zeiten und Zeitabschnitte. Das heißt, dass Gott eine neue Zeit für Israel festgesetzt hat (siehe Jesaja 43,19 und 48,6). Die Dinge verändern sich.

Nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer 70 n.Chr. wurde die jüdische Geschichte Jahrhunderte lang durch folgende Themen bestimmt:

·       Zerstörung: Der Tempel, Jerusalem und große Teile Israels bestanden nur noch aus Ruinen;

·       Verlassenheit: das Land Israel war fast 2000 Jahre verlassen und wüst;

·       Zerstreuung: Die Mehrheit der Juden war unter die Nationen zerstreut;

·       Verfolgung: Die Juden wurden überall verfolgt;

·       Fluch: Sie wurden als verfluchtes Volk betrachtet.

Doch heute kann man Israel am besten als ein Land das Wiederaufbaus beschreiben, nicht der Verwüstung. Uralte Ruinen sind wieder in moderne und lebendige Städte verwandelt worden. „Dieses Land da, das verwüstete, ist wie der Garten Eden geworden, und die verödeten und verwüsteten und niedergerissenen Städte sind befestigt und bewohnt.“(Hesekiel 36,35).

Israel ist nicht länger verwüstet und verlassen, sondern das einzige Land auf der ganzen Welt, in dem die Wüsten rückläufig sind, es blüht und grünt. Heute werden israelische Blumen und Früchte in viele Länder der Welt exportiert. In den kommenden Tagen wird Jakob Wurzeln schlagen, Israel blühen und knospen; und sie werden mit Früchten füllen die Fläche des Erdkreises“(Jesaja 27,6).

Statt Zerstreuung findet eine riesige Sammlung statt: Fast die Hälfte aller Juden weltweit lebt wieder in Israel. Seit den 1990er Jahre sind über eine Million Juden in ihr angestammtes Heimatland zurückgekehrt. Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen“ (Hesekiel 36,24).

Während Israel sich immer noch Feindseligkeiten gegenüber sieht, wird es doch von vielen Nationen und in vielen Gemeinden auf der ganzen Welt unterstützt. Keine Nation auf der Welt verfügt über eine stärkere Unterstützung innerhalb der wachsenden evangelikalen Bewegung als Israel. Und die Söhne der Fremde werden deine Mauern bauen und ihre Könige dich bedienen; denn in meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Huld habe ich mich über dich erbarmt“ (Jesaja 60,10).

Israel ist nicht länger verflucht, sondern gesegnet: Israelische Erfindungen gibt es heute auf der ganzen Welt, sie segnen täglich unser Alltagsleben. „Und es soll geschehen: Wie ihr vom Hause Juda und vom Hause Israel ein Fluch gewesen seid unter den Heiden, so will ich euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt” (Sacharja  8,13).

Man braucht kein großer Theologe zu sein, um zu erkennen, dass Gottes Handeln mit Israel heute in einer erstaunlichen Übereinstimmung zu seinem prophetischen Wort steht. Der Schweizer Theologe Karl Barth hat einmal gesagt: „Jetzt können wirs in der Zeitung lesen: Gott hält seine Verheißungen (für Israel)!“ Gott hat einen dramatischen Wechsel vom Gericht zu Wiederherstellung vollzogen. Genauso, wie er nicht davon abgelassen hat, Israel „zu bestrafen“, wird er jetzt nicht nachgeben und tatsächlich all das Gute über Israel bringen, was er ihm versprochen hat.

2) Anwendung
Wenn wir diesen Paradigmenwechsel in Gottes Handeln an Israel erkennen, stellt sich die Frage: Wie sollte er uns beeinflussen? Was bedeutet er für die christliche Gemeinde heute? Wenn Gott die Art und Weise ändert, wie er Israel behandelt, dann muss auch die christliche Gemeinde ihren Ansatz zu Israel verändern. Es muss einen Paradigmenwechsel in der Beziehung der Gemeinde zum jüdischen Staat geben.

Das bedeutet, dass die Gemeinde es sich schlichtweg nicht mehr leisten kann, Gottes Pläne mit Israel zu ignorieren. Das Thema Israel sollte nicht mehr länger den „Israel-Experten“ überlassen bleiben, sondern muss auf der Agenda jedes Gemeindeleiters stehen. Der walisische Evangelist Jessie Penn Lewis erklärte in den 1920er Jahren, dass Gott eines Tages Israel vom Abstellgleis wieder auf das Hauptgleis stellen würden. Israel befindet sich tatsächlich wieder auf dem Hauptgleis der Geschichte. Es ist für die christliche Gemeinde an der Zeit, auch ihre Weichen umzustellen und Israel ganz direkt auf ihre Agenda zu setzen.

Das Apostelkonzil in Jerusalem
Es gab schon einmal einen massiven Paradigmenwechsel in der Gemeinde. Er war so radikal, dass er nicht nur die Gemeinde dramatisch veränderte, sondern auch die ganze Welt. Er brachte das Christentum hervor, so, wie wir es heute kennen. Er hat Nationen transformiert und hunderte Millionen in das Königreich Gottes gebracht.

Diese Veränderung ereignete sich um 50 n.Chr. und wird in Apostelgeschichte 15 erzählt. Um vollständig zu erfassen, was damals geschah, müssen wir verstehen, dass die frühe Gemeinde ausschließlich aus Juden bestand. Nichtjuden wurden nicht aufgenommen, und es gab auch keine Vision für sie. Es gab keinerlei Gebetstreffen für die Römer, Griechen oder Barbaren. Das Christentum war eine jüdische Sekte, die daran glaubte, dass der Messias Israels in der Person Jeschuas gekommen war. Die große Frage der damaligen Zeit war nicht: „Wie können wir der Welt Erweckung bringen?“, sondern „Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her?“ (Apostelgeschichte 1,6)

Als Kornelius aus Caesarea und andere Nichtjuden durch den Dienst des Petrus gerettet wurden (Apostelgeschichte 10 und 11), wiesen ihn die Gläubigen in Jerusalem zurecht. Doch bald erkannten die Apostel, dass mehr und mehr Heiden zum  Glauben an Jeschua kamen, und dass Gott mächtig an ihnen wirkte. Schließlich beriefen Sie ein Apostelkonzil in Jerusalem ein, um über diese neue Realität zu beraten. Es war kein prophetisches Konzil, das voraussah, dass Gott etwas Neues unter den Heiden tat. Vielmehr reagierten die Apostel nur auf das Handeln Gottes, das mit Kornelius begonnen hatte und sich weiterhin mächtig durch ganz Kleinasien ausbreitete – durch den Dienst des Paulus‘ und anderer.
Die Apostel begriffen schnell, dass diese neue Realität damit übereinstimmte, was Propheten wie Amos und Jesaja bereits über die Heiden vorausgesagt hatten. Sie erkannten einen Paradigmenwechsel in Gottes Handeln an der gesamten Menschheit. Die Apostel begrüßten folglich dieses neue Handeln Gottes und öffneten den Nationen Tür und Tor.

Sie hatten das Ausmaß und die Auswirkung dieser neuen Realität noch nicht vollumfänglich verstanden. Paulus bezeichnete es als Geheimnis: Die Nationen sollen nämlich Miterben und Mit-Glieder am gleichen Leib sein und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium“ (Epheser 3,6)

Gleichzeitig kam dieses „geheimnisvolle“ Handeln Gottes an den Heiden nicht völlig überraschend. Paulus und die anderen Apostel erkannten, dass dieses Geheimnis ewige Zeiten hindurch verschwiegen war, jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekannt gemacht worden ist“(Römer 16,25+26). Mit anderen Worten, sie sahen, dass Gottes Handeln unter den Nationen in voller Übereinstimmung mit biblischen Prophetien stand.

3) Aufruf zum Handeln
Die Gemeinde muss begreifen, dass Gott etwas Neues an und mit Israel tut. Sie muss erkennen, dass das, was in Israel und den umliegenden Nationen passiert, schon in der Bibel vorausgesagt wurde – und dass wir das Privileg haben, die Erfüllung dieser Verheißungen mit unseren eigenen Augen zu sehen. Diese Passagen über die künftige „Fülle und Wiederherstellung Israels“ sind so klar und eindeutig, dass John Wesley einmal sagte: „So viele Prophezeiungen beziehen sich auf dieses große Ereignis, dass es einen überrascht, dass überhaupt ein Christ daran zweifeln könnte.“ 

Heute, genau wie in der Urgemeinde, brauchen wir apostolische Leiter, welche die Zeichen der Zeit erkennen und den Leib Christi mit Gottes Plänen für Israel in Einklang bringen. Dieser Ruf ergeht an die christliche Gemeinde, und er kann nicht mehr ignoriert werden. Gott hat seine Gangart mit Israel verändert, und genau das sollten wir auch tun. Israel sollte heute auf dem Tisch jedes Pastors und geistlichen Leiters liegen – einschließlich ganzer Denominationen und Kirchennetzwerke.

Die doppelte Berufung
Dies hat vielerlei Konsequenzen. Die biblischen Propheten, die Gottes Erlösungswerk unter den Nationen vorhersahen, sprachen auch über die Wiederherstellung und Erlösung Israels. Sie sahen einen zweifachen Dienst, der das wiederhergestellt Israel betrifft. Einer richtet sich an Israel, der andere an die Nationen. 

Der Prophet Jesaja ruft aus: „Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.

Redet zum Herzen Jerusalems, und ruft ihm zu, dass sein Frondienst vollendet, dass seine Schuld abgetragen ist! Denn es hat von der Hand des HERRN das Doppelte empfangen für all seine Sünden“ (Jesaja 40,1+2).

Ein Ruf muss heute von jeder Gemeinde ausgehen, Israel zu trösten. Es ist eine Stimme der Hoffnung und Ermutigung, die Zion verkündet, dass ein neues Kapitel in seiner Geschichte begonnen hat, eine Zeit der Wiederherstellung. Nach zweitausend Jahren der Verfolgung trachtet Israel verzweifelt danach, diese Stimme des Trostes zu hören. Diese prophetische Botschaft muss auch durch Taten bestätigt werden, andernfalls wird sie nicht gehört. Der Apostel Paulus bezeichnet dies als „Israel zur Eifersucht zu reizen.“
Gleichzeitig richtet sich eine Botschaft an die Nationen: Hört das Wort des HERRN, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sagt: Der Israel zerstreut hat, wird es wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde!“ (Jeremia 31,10)

Israels Sammlung ist nicht nur eine Privatinitiative zwischen Gott und seinem auserwählten Volk. Gott will, dass diese Botschaft bis an die Enden der Erde verkündet wird (Jesaja 48,20). Tatsächlich ist dies eine sehr ermutigende Botschaft für die Gemeinde, dass Gott seinem Volk und seinen Bundesverheißungen treu bleibt – einschließlich der Verheißungen an uns aus dem Neuen Bund!

Schließlich müssen wir verstehen, dass Gott große Leidenschaft für diese neue Zeit empfindet. Sie ist nicht nur ein „nettes Hobby“ neben seiner „eigentlichen Arbeit“ unter den Nationen. Der Prophet Sacharja erklärt, dass Gott für Zion mit großem Eifer“ eifert, „und mit großem Zorn“ eifert er dafür (Sacharja 8,2).

Genauso, wie Gott leidenschaftlich an der Errettung der Nationen arbeitet, so ist er auch sehr leidenschaftlich in die Wiederherstellung Israels involviert (Sacharja 8,1), sowohl in die physische als auch in die geistliche. Jede Gemeinde, die das Herz Gottes berühren möchte, muss eine Gemeinde sein, die Leidenschaft für Israel empfindet. Dabei geht es nicht darum, die ursprüngliche Vision für Ihre Gemeinde zu verlieren, sondern ein weiteres Element hinzuzufügen. Das wird noch größeren Segen Gottes auf Ihren Dienst bringen. 

Gott hat seine Gangart mit Israel verändert. Sie auch?

Sicherheits-Update zum Laubhüttenfest

Liebe Freunde,

ich möchte Sie alle, die planen, dieses Jahr im Oktober nach Jerusalem zum Laubhüttenfest zu kommen, sehr ermutigen, an Ihren Reiseplänen festzuhalten. Die ICEJ-Laubhüttenfestfeier findet in zirka drei Monaten statt.

Ich verstehe, dass Sie sich möglicherweise Sorgen um die Sicherheitslage hier in Israel machen. Die Nachrichten berichten ja ständig von den Raketenabschüssen auf Israel. Doch ich versichere Ihnen, dass es sehr sicher ist, Israel zu besuchen. Unsere Mitarbeiter sind wie jedes Jahr um diese Zeit sehr beschäftigt damit, eine wunderbare Laubhüttenfestfeier vorzubereiten. Die ICEJ-Deutschland bietet wieder eine inspirierende Reise an.

Effektive Raketenabwehr
Das israelische Raketenabwehrsystem "Eisenkuppel" schützt die bewohnten Stadtgebiete von Jerusalem, Tel-Aviv oder Tiberias effektiv. Das sind die Gebiete, die die meisten Touristen besuchen. Es sind die Ortschaften in unmittelbarer Nähe zum Gazastreifen, die durch das Raketenfeuer wirklich verwundbar sind. Alle anderen Teile Israels werden auf erstaunliche Art und Weise durch das neue und höchst effektive Abwehrsystem Eisenkuppel geschützt.

Daher geht das tägliche Leben in Jerusalem und Tel-Aviv weiter. Die Menschen gehen immer noch Kaffee trinken, auf den Markt, in die Parks und andere öffentliche Anlagen. Unsere Mitarbeiter mit ihren Familien und Kindern fühlen sich hier in Jerusalem sehr sicher.

Zeitlich begrenzter Konflikt
Ich möchte hinzufügen, dass wir erwarten, dass der aktuelle Konflikt lange vor dem Laubhüttenfest in diesem Herbst vorbei sein wird. Wir haben entsprechende Zusicherungen sowohl vom Tourismusminister als auch von führenden israelischen Sicherheitsexperten erhalten.

Bitte machen Sie daher Ihre persönliche Entscheidung, zum Laubhüttenfest zu kommen, nicht allein von der geopolitischen Lage abhängig. Bedenken Sie bitte auch, dass wir gerade in Zeiten wie diesen unsere Freundschaft und Solidarität mit Israel noch viel besser zeigen können. Die folgenden Bibelverse haben mich sehr ermutigt (Sacharja 8,20-22):

So spricht der HERR Zebaoth: Es werden noch viele Völker kommen und Bürger vieler Städte,

und die Bürger einer Stadt werden zur andern gehen und sagen: Lasst uns gehen, den HERRN anzuflehen und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir selber wollen hingehen.

So werden viele Völker, Heiden in Scharen, kommen, den HERRN Zebaoth in Jerusalem zu suchen und den HERRN anzuflehen.


Ich freue mich sehr, Ihnen berichten zu können, dass die Anmeldezahlen zum Laubhüttenfest gerade fast doppelt so hoch sind wie im Vorjahr. Wenn Sie bereits beschlossen hatten, dieses Jahr zum Fest nach Jerusalem zu kommen, bleiben Sie stark und laden Sie auch Freunde dazu ein. Sagen Sie ihnen: „Ich selber will hingehen. Warum kommst Du nicht mit, um das Laubhüttenfest in Jerusalem zu feiern?“ Ermutigen Sie einander. Ich bin sicher, Gott wird uns alle überreich segnen.

Einweihung der Arena in Jerusalem
Wir erwarten dieses Jahr ein großartiges und historisches Fest in der Gegenwart Gottes. Wir haben das Vorrecht, die nagelneue Arena in Jerusalem mit unserer christlichen Feier des Laubhüttenfestes einzuweihen. Wir freuen uns darauf, Gott bei der herrlichen Wüstenfeier in Ein Gedi zu begegnen. Wir erwarten, dass der Herr uns bei der Abendmahlsfeier im Gartengrab berühren wird. Wir werden gemeinsam für Erweckung in unseren Herkunftsländern beten, auf dem südlichen Treppen zum Tempelberg. Es wird eine einzigartige und siegreiche Feier werden, verpassen Sie sie nicht.

Sein Sie stark und mutig, weil Gott mit uns ist. Sie werden in Jerusalem gesegnet werden und Israel wird erkennen, dass es nicht allein dasteht.

Mit Segenswünschen aus Jerusalem!

Ihr Dr. Jürgen Bühler

Geschäftsführender Direktor der ICEJ in Jerusalem

Leid und Bewahrung

Die aktuelle Eskalation in Gaza ist der vierte Raketenkrieg in den letzten acht Jahren, den wir hier in Israel erleben. Der erste begann im Sommer 2006 mit noch lückenhaften Nachrichten am frühen Morgen: Es hatte einen grenzüberschreitenden Angriff der Hisbollah aus dem Libanon gegeben. Bereits um die Mittagszeit rannten eine Millionen Israelis in die Luftschutzbunker, um den tödlichen Angriffen durch syrische Grad-Raketen zu entgehen, die zusätzlich mit kleinen, scharfkantigen Metallteilen bestückt waren, um maximalen Schaden anzurichten.

Der nächste Angriff ereignete sich an einem ruhigen Sabbatmorgen 2008, als Hamas-Raketen aus dem Gazastreifen plötzlich auf den Süden Israels einhämmerten. Sie lösten die israelische Militäroperation „gegossenes Blei“ aus, die zu einer sehr angespannten Pattsituation in den Außenbezirken von Gaza-Stadt führte.

Raketenkrieg mit und ohne Bodeninvasion
Im November 2012 brach der zweite Raketenkrieg mit der Hamas im Gazastreifen ebenso schnell aus. Die israelische Armee reagierte mit der Operation „Wolkensäule“, die ohne Bodeninvasion endete – dank der erfolgreichen Einführung des Raketenabwehrsystems Eisenkuppel. In dieser neusten Eskalation regnete es über eine Woche lang Kassam-Raketen auf südisraelische Städte, bevor das israelische Militär schließlich mit dem Militäreinsatz „Schutzrand“ antwortete. Dieses Mal muss die gesamte Bevölkerung in die Luftschutzräume rennen. Und erneut schwankte das Land sorgenvoll zwischen einer möglichen Waffenruhe und einer riskanten Bodeninvasion hin und her, zu der sie sich schließlich doch durchrang.

Sorgen um die Sicherheit
Ich selbst hatte meine eigenen ganz privaten Sorgen während der letzten Tage. Letzten Mittwoch schickten wir unseren vierzehnjährigen Sohn Jonathan in ein Sommerferienlager im Norden Israels. Wir nahmen an, er wäre dort sicher. Doch auch dort sind mittlerweile drei Raketensalven niedergegangen, sie zielten auf die nahegelegene Küstenstadt Naharia ab. Eine Rakete landete in weniger als einem Kilometer Entfernung von dem Ferienlager. Der Einschlag war so stark, dass er einige der Jugendlichen von den Füßen holte, als sie in die Schutzräume rannten.

Hier in Jerusalem, wo wir leben, hat man zirka 90 Sekunden Vorwarnzeit, um sich vor Raketen in Sicherheit zu bringen. Das Raketenabwehrsystem Eisenkuppel, das die Hauptstadt bewacht, hat die Ängste der Bevölkerung etwas beschwichtigt. Doch im Ferienlager meines Sohnes, nur wenige Kilometer südlich der libanesischen Grenze, gibt es keine Eisenkuppel. Bei Raketenalarm hat man dort gerade mal 15 bis 20 Sekunden.


Bewahrung im Ferienlager
Als besorgter Vater war ich drauf und dran, meinen Sohn diese Woche nach Hause zu holen. Doch die Verantwortlichen für das Ferienlager versicherten allen Eltern, dass es genügend Luftschutzräume gebe und dass sie in ständigem Kontakt zu den örtlichen Einheiten der Armee stünden. Abgesehen davon entwickelte sich zwischen den insgesamt 80 Jugendlichen eine ganz besondere Verbundenheit aufgrund dieser Erfahrung. Sie hatten trotzdem noch Spaß am Strand und konnten Bergwanderungen unternehmen. Gleichzeitig hatten die gemeinsamen Gebetszeiten und das Bibelstudium für diese jungen Christen auf einmal eine viel größere Bedeutung.

Wacht Gott über Israel?
Leider gab es drei israelische Jugendliche, die es diesen Sommer zu keinem Ferienlager mehr schafften. Sie wurden an einem Juniabend von einer Hamas-Terrorzelle entführt und grausam ermordet, als sie per Anhalter von der Schule nach Hause fahren wollten. Ihr Verschwinden bewirkte einen massiven landesweiten Gebetseinsatz. Doch die 18tägige Suche nach ihnen endete mit der tragischen Nachricht, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nur Momente nach ihrer Entführung erschossen worden waren.

Dieser Umstand führte zu der Frage, warum Gott die Gebete der Nation nicht so beantwortet hatte, wie alle es sich wünschten. Doch trotz aller Zweifel, die sich aufgrund dieser Tragödie verbreiteten – die niedrige Zahl der israelischen Todesopfer im aktuellen Konflikt scheint das Gefühl wiederhergestellt zu haben, dass Gott tatsächlich über Israel wacht.

Leben zwischen Extremen
In Sprüche 30,8+9 finden wir ein einzigartiges Gebet, das Gott im Kern um Folgendes bittet: „Herr, mach mich nicht so reich, dass ich dich vergessen, und nicht so arm, dass ich dich verfluche.“

Der jüdische Staat lebt in vielerlei Hinsicht zwischen ähnlichen Extremen des Leides und des Erfolgs. Manchmal gelingt es den Feinden Israels, durch seinen Schutzwall hindurch zu schlüpfen und Schmerz und Leid zu verursachen. Doch Gott erlaubt niemals, dass es so schlimm wird, dass sie ihn verfluchen. Zu anderen Zeiten können die Menschen wirklich die Vorsehung und den Segen Gottes über diesem umkämpften und doch blühenden Staat spüren. Seine Errungenschaften weisen gleichzeitig immer wieder auf Gott hin.

Zeit der Gnade
Zweifelsohne leben wir in einer Zeit der Gnade Gottes über Zion. Israel ist gegen alle Wahrscheinlichkeit wieder hergestellt worden. Es tritt auf die Weltbühne als eine widerstandsfähige und innovative Start-Up Nation mit einem unverhofften Glücksfund von Öl- und Gasreserven, die auf noch größeren zukünftigen Segen hinweisen. Israels Feinde sind neidisch auf seine Erfolge und frustriert, dass sie sie nicht stoppen können. Sie werden versuchen, Israel bluten zu lassen, wo immer sie nur können. Doch schließlich und letztendlich werden diese Bemühungen scheitern, und der treue Gott Israels wird das letzte Wort haben.


Der Autor, David Parsons, Mediendirektor der ICEJ, lebt mit seiner Frau Josepha und ihrem gemeinsamen Sohn Jonathan in Jerusalem. Die ICEJ hat rund 45 Mitarbeiter in Israel, viele mit Ehepartnern und Familien.

Jesus und die Palästinenser

Jahrzehnte lang schien die Unterstützung Israels durch evangelikale Christen unerschütterlich. Heute zögern jedoch viele Christen der jüngeren Generation in der westlichen Welt, Israel dieselbe bedingungslose Unterstützung zukommen zu lassen wie ihre Eltern.


Was würde Jesus tun?
Palästinensische Leidensgeschichten erzeugen mehr Sympathien bei jungen Evangelikalen als die Kämpfe und Triumphe Israels. Sie scheinen mehr durch soziale Gerechtigkeit für die „unterdrückten“ Palästinenser bewegt zu werden als durch eine prophetisch motivierte Unterstützung des wiedererstandenen jüdischen Staates. Viele junge Christen stehen auf Seiten der Palästinenser als scheinbar Unterlegene. Sowieso scheint Jesus in den Evangelien sehr wenig zur aktuellen Lage zu sagen zu haben. Für eine Generation, die bekanntermaßen viel weniger im Alten Testament liest als vorangegangene Generationen, macht dieses vermeintliche „Schweigen“ des Neuen Testaments einen großen Unterschied in ihrer Betrachtung des israelisch-palästinensischen Konflikts. Sie fragen heute einfach: „Was würde Jesus tun?“

Würde Jesus die nationale Berufung Israels gemäß der Verheißungen an die hebräischen Patriarchen und Propheten bestätigen? Würde er Israels Recht, im Land zu leben, bekräftigen? Oder würde er sich vielmehr auf die Seite der Palästinenser als schwache und unterdrückte Minderheit stellen? Eine starke Orientierungshilfe zur Beantwortung dieser Fragen bietet Jesu‘ Verhalten gegenüber der bekanntesten einheimischen Minderheit, die zu seiner Zeit in Israel lebte. Wie wir sehen werden, gibt es viele verblüffende Parallelen zwischen den Samaritern zu Jesu Zeiten und den heutigen Palästinensern. Wer waren also die Samariter und wie behandelte Jesus sie?

„Ein Ersatzvolk“
Die Bibel erwähnt die Samariter das erste Mal in 2. Könige 17,22-41; dort erfahren wir etwas über ihren geschichtlichen Hintergrund. Es wird beschrieben, wie das nördliche Königreich Israel „aus seinem Lande weggeführt“ (V. 23) und 722 v. Chr. von Assyrien ins Exil gebracht wurde. Der assyrische König Sargon II. folgte einer zur damaligen Zeit üblichen Praxis. Er ersetzte die vertriebenen Israeliten mit Völkern aus anderen Regionen seines Imperiums. Er ließ „Leute von Babel kommen, von Kuta, von Awa, von Hamat und Sefarwajim und ließ sie wohnen in den Städten von Samarien an Israels statt. Und sie nahmen Samarien ein und wohnten in seinen Städten“(V. 24).Diese „Zugezogenen“, die von da an Samariter genannt wurden, begannen sich mit einigen der im Land übriggebliebenen Israeliten zu vermischen und nahmen schnell einige ihrer religiösen Bräuche an. Zusätzlich zu ihren eigenen Göttern und Traditionen beteten sie auch den Gott Israels an und „fürchteten ihn“. Als in den Jahren 586-582 v. Chr. eine zweite Entwurzelung stattfand und das südliche Königreich Juda ins babylonische Exil geschickt wurde, gab dies den Samaritern noch mehr Raum, ihre Präsenz im Lande Israel zu erweitern und zu festigen.

Widerstand gegen die Wiederherstellung
Zirka 70 Jahre später begann das jüdische Volk in sein Land zurückzukehren und den Tempel sowie Jerusalem wieder aufzubauen. Doch die Samariter gehörten zu den stärksten Gegnern dieser jüdischen Wiederherstellung. Sie leisteten religiösen und politischen Widerstand (Esra 4; Nehemia 4,1-3). Dennoch wurden Jerusalem und der Tempel wiederaufgebaut, und die Juden etablierten erneut ihre Präsenz in ihrem verheißenen Heimatland, weil der Herr mit ihnen war (Haggai 1,13).

Die Samariter stellten sich jedoch weiterhin gegen die jüdische Rückkehr und entwickelten ihre eigene, rivalisierende Kultur und nationale Identität. Mit der Zeit kultivierten sie sogar ihre eigene Form des Pseudo-Judaismus. Die Propheten und die anderen Schriften des Tanach wurden zurückgewiesen. Sie sahen nur die fünf Bücher Mose als für sie verbindlich an. Aus diesem Grunde lehnten sie die Idee eines verheißenen Messias aus der Nachkommenschaft Davids ab, der das Königreich Israels wiederherstellen würde. Vielmehr erwarteten sie eine Messias- Figur, die ein „Prophet wie Mose“ sein würde, wie das 5. Buch Mose voraussagte. Dieser sollte eine moralische und geistliche Erweckung bringen, jedoch keine Wiederherstellung der jüdischen Nation.

Gespannte Beziehung
Als Jesus dann auftrat, hatten die Samariter bereits mehr als 700 Jahre im Land gelebt. Sie entwickelten ihre eigene Narration der Geschichte der Region und sahen sich selbst als das wahre Israel und die wahren Erben des Landes an. Sie behaupteten, von Ephraim und Manasse abzustammen. Den Tempel in Jerusalem betrachteten sie als einen abtrünnigen Schrein und die dortige Anbetung als gotteslästerlich. Zurzeit Alexanders des Großen bauten die Samariter einen alternativen Tempel auf ihrem heiligen Berg Garizim – dem biblischen „Berg des Segens“, der Schechem, das heutige Nablus, überblickt. Unterdessen erkannten die Juden die Samariter nicht als Teil ihres eigenen Volkes an und erlaubten ihnen auch nicht, den Tempel in Jerusalem zu betreten. Doch als Jesus noch ein Kind war, zwischen den Jahren 6 und 9 n. Chr., erzwangen Berichten zufolge Samariter während des Passahfestes den Zugang zum Tempel und entweihten ihn dadurch, dass sie Steine ins Heiligtum warfen. Tatsächlich war diese Beziehung Jahrhunderte lang durch Spannungen und Abneigung gekennzeichnet. Jüdische Schriften aus dem Jahr 200 v. Chr. bezeichneten die Samariter als „das törichte Volk“. So kam es, dass zu Jesu Zeiten Juden und Samariter keinen Umgang miteinander pflegten (Johannes 4,9). Jüdische Pilger auf dem Weg nach Jerusalem wurden belästigt (Lukas 9,51-55). Der jüdische Historiker Josephus berichtet, dass im Jahr 52 n.Chr. Samariter sogar eine Gruppe Juden massakrierten, die nach Jerusalem pilgerten. Für die Juden wurde der Name „Samariter“ zum Schimpfwort (John 8,48). Sogar die Jünger Jesu‘ mochten die Samariter nicht und wollten Feuer auf sie herunterregnen lassen (Lukas 9,54).

Jesus überschreitet Grenzen
Inmitten dieses feindlichen und komplexen Beziehungsgeflechts schlägt Jesus einen erfrischend anderen Ton gegenüber den Samaritern an. Die Evangelien berichten überraschenderweise, dass Jesus sie heilte (Lukas 17,16) und auf sie zuging, sowohl auf Individuen als auch auf die ganze Gemeinschaft (Johannes 4). Tatsächlich teilte Jesus selten so tiefgründige Gedanken über Anbetung, seine eigene messianische Identität und den Geist Gottes wie mit der Frau aus Samaria an Jakobs Brunnen. Diese Begegnung führte schließlich zur Erweckung im gesamten Dorf. Genau dort sprach Jesus darüber, dass die Felder weiß seien zur Ernte (Johannes 4,35ff). Dann gibt es noch das berühmte Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ (Lukas 10,30-37). Sicherlich war es anstößig für jüdische Zuhörer, als Jesus den Samariter und nicht die jüdischen Priester als den wahren Nächsten des Mannes in Not beschrieb.

Jesus ließ sich somit nicht in die negativen Bewertungsmuster seiner Zeit hineinziehen. Als seine Jünger Feuer auf ein Dorf der Samariter herabregnen lassen wollten, weil es ihrem Meister nicht erlaubt hatte, hindurchzuziehen, schalt Jesus sie: „Wisst ihr nicht, welchen Geistes ihr seid? Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, Menschenseelen zu verderben, sondern zu retten“ (Lukas 9,56). Jesus sah sie also nicht als Feinde an, sondern ging auf sie mit Liebe und Erbarmen zu. Er heilte sie, diente ihnen, nutzte sie als Beispiel für seine jüdischen Brüder und sah sie sogar als Teil der Ernte an.

Jesus und die Geschichte der Samariter
Doch während Jesus eine ungewöhnlich freundliche Haltung gegenüber den Samaritern an den Tag legte, nahm er ihnen ihre Version der Geschichte nicht ab. Als Jesus die zehn Aussätzigen heilte, war der einzige, der zu ihm zurückkehrte, um sich zu bedanken, ein Samariter, zu dem Jesus sagte: „Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling?“ (Lukas 17,18) Jesus war mit Erbarmen und Heilung auf ihn zugegangen, doch er betrachtete ihn immer noch als „Fremdling“. Das griechische Wort, das hier benutzt wird, ist „Allogenes“. Es wird in der Übersetzung der Septuaginta für den „Fremden“ benutzt, der im Land lebte. Diese Fremden hatten viele Rechte, waren aber immer noch von den Bundesverheißungen und Privilegien Israels ausgeschlossen. Es war dasselbe griechische Wort, das auf den Inschriften zu finden war, welche die Tempelhöfe umgaben und nur Juden den Zutritt gestatteten, nicht den „Allogenes“ – den Fremdlingen.

Jesus ging also auf die Samariter zu, doch er behielt gleichzeitig eine klare Unterscheidung zwischen ihnen und den Juden bei. Er instruierte einmal seine Jünger, die Städte der Samariter nicht zu betreten, sondern sich vielmehr auf „die verlorenen Schafe des Hauses Israel“ zu konzentrieren (Matthäus 10,5+6). Schließlich, als Jesus der Samariterin am Brunnen diente, konfrontierte sie ihn mit der Geschichtsversion ihres eigenen Volkes: „Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse“ (Johannes 4,20).Mit anderen Worten, sie wollte wissen, wessen Narration richtig war. Und Jesus antwortete ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden. Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden.“ (Johannes 4,20–23)

Das Heil kommt von den Juden
Jesus weist darauf hin, dass bald eine neue Zeit der Erlösungsgeschichte anbrechen würde, in welcher der Ort der Anbetung von sekundärer Bedeutung sei. Jeder Gläubige würde zu einem Heiligtum für den Heiligen Geist. Doch Jesus zog daraus nicht die Schlussfolgerung, dass die jüdische Tradition irrelevant sei. Im Gegenteil, er forderte ihr samaritisches Glaubenssystem sehr heraus, indem er sagte: „Ihr betet an, was ihr nicht kennt.“ Gleichzeitig identifizierte er sich mit der jüdischen Tradition in einer Art und Weise wie sie sonst kaum in den Evangelien zu finden ist: „Wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden.“ Auf gewisse Weise unterstreicht Jesus bei der Frau aus Samaria, was er auch schon dem geheilten Aussätzigen sagte, nämlich dass sie „Fremdlinge“ der Bündnisse Gottes mit Israel waren. Den einzigen Weg, Teil der Familie Gottes zu werden, gab es für sie durch die Bündnisse und Offenbarungen, die der jüdischen Nation geschenkt wurden.

Jesus sagte nicht, dass man dadurch errettet würde, dass man Jude würde, sondern vielmehr, dass sie ihre theologische und persönliche Haltung gegenüber den Juden überdenken mussten. Jahrzehnte später brachte es der Apostel Paulus genauso auf den Punkt: „Was ist nun der Vorzug des Juden oder was der Nutzen der Beschneidung?

Viel in jeder Hinsicht. Denn zuerst sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut“ (Römer 3,1+2). Jesus bestätigt daher gegenüber der Samariterin die uralte Berufung Israels durch Abraham, dass durch Israel „alle Geschlechter der Erde“ gesegnet werden sollten (1. Mose 12,3). Diese Bundesbeziehung mit Abrahams Nachkommen bleibt bestehen, selbst wenn sie Jesus als ihren Messias ablehnen (Römer 11,28).

Die Samariter unserer Tage
Es gibt immer noch eine kleine Gemeinschaft von Samaritern, die heute in Israel lebt. Es sind weniger als tausend Personen, die hauptsächlich auf dem Berg Garizim leben, nahe der heutigen Stadt Nablus. Sie sind jedoch zu klein, um eine bedeutende Rolle im heutigen Geschehen zu spielen. Stattdessen spiegeln die Palästinenser heute viel stärker die Dynamik wieder, die zwischen Juden und Samaritern zur Zeit Jesu‘ herrschte. Als die Juden im Jahr 70 n.Chr. von den Römern unter Titus und später im Jahr 120 n.Chr. unter Hadrian ins Exil geschickt wurden, verbreiteten sich schnell andere Volksgruppen auf ihrem Gebiet. Jeder nachfolgende Eroberer, der die Kontrolle über dieses zentrale Stück Land an der Kreuzung der Haupthandelsrouten der damals bekannten Welt übernahm, brachte seine eigene ethnische Gruppe mit, seien es Römer, Byzantiner, arabisch-muslimische Eindringlinge, die Kreuzfahrer, die Mamelukken oder die ottomanischen Türken. Das Resultat ist eine einheimische Bevölkerung mit einer sehr bunten Mischung ethnischer Hintergründe. Einige palästinensische Christen mögen heute behaupten, sie seien die Nachkommen der ersten messianisch-jüdischen Gemeinschaft in Israel, doch dies wäre äußerst schwer zu beweisen nach der so turbulenten Geschichte dieser Region.
 

Muslime und Christen
Es ist historisch gut dokumentiert, dass viele Araber aus benachbarten Ländern im 19. Jahrhundert ins Land Israel zogen, um Arbeit zu finden, welche durch die zionistische Bewegung geschaffen wurde, als die Juden zurückkehrten und begannen, das Land zu kultivieren. Die meisten dieser Leute würden sich heute Palästinenser nennen. Ihre überwältigende Mehrheit sind Muslime. Sie lehnen nicht nur die Lehre der Bibel ab, sondern behaupten auch, dass die Juden weder ein Recht auf das Land noch eine historische Verbindung zum Land hätten. Unterstützt von der weltweiten Ummah (der Gemeinschaft der Muslime), widerstehen sie mit allen Mitteln der Wiederherstellung Israels, genauso wie die Samariter in der Zeit Nehemias und Esras.


Auf der anderen Seite gibt es die kleine palästinensisch-christliche Gemeinschaft, die mit uns ihren Glauben an Christus und die Bibel teilt. Doch sie haben ihre eigene verzerrte Version der Geschichte und Theologie entwickelt. Viele der palästinensischen Christen lehnen die Wiederherstellung eines jüdischen Staates sowohl politisch als auch theologisch ab. In ihrer eigenen nationalistischen Version der Ersatztheologie betrachten sie das jüdische Volk nicht nur als ersetzt durch die Gemeinde, sondern für sie ist Jesus zu einem Palästinenser geworden – als einer der wahren Hüter des Heiligen Landes. Die Verheißungen Gottes an Israel sind entweder durch Jesus erfüllt worden oder fallen nun den Palästinensern zu. Wie in biblischen Zeiten haben beide Seiten kaum Umgang miteinander. Diese angespannte Beziehung hat sogar noch einen höheren Blutzoll gefordert als in den Zeiten Nehemias, Esras und Jesu’.


Unsere Herausforderung heute
Diese einzigartige Haltung Jesu’ gegenüber den Samaritern kann uns helfen, uns den Herausforderungen des israelisch-palästinensischen Konflikts heute zu stellen. Jesus zeigte den Samaritern, die von den meisten seiner Landsleute nicht akzeptiert wurden, Barmherzigkeit. In seinem Dienst waren sie die einzigen, die neben den Juden eine persönliche Berührung des Messias erleben durften. Nach seiner Auferstehung instruierte Jesus seine Jünger, die Samariter als die ersten Nichtjuden zu sehen, die das Evangelium empfangen sollten. Philippus, Petrus und Johannes folgten dieser Aufforderung und brachten ihnen eine mächtige Erweckung. Genauso ist die Gemeinde heute aufgefordert, mit der gleichen Barmherzigkeit auf die Palästinenser zuzugehen, insbesondere auf die Gläubigen unter ihnen. Sie fühlen sich oft von vielen Evangelikalen aus dem Ausland vergessen, die Israel zwar Unterstützung zeigen, doch ihre arabischen Brüder ignorieren, die ebenfalls im Land leben.


Doch wir lernen auch von Jesus, dass er die Samariter, obwohl sie bereits hunderte von Jahren im Land lebten, immer noch als „Fremdlinge“ betrachtete, obwohl sie sich dadurch sicherlich beleidigt fühlten. Jesus leugnete nicht ihr Recht, im Land zu leben, aber er bestätigte gleichzeitig die einzigartigen Bundesverheißungen, die Israel galten, einschließlich der Landesverheißung. Paulus schreibt, dass „Christus ein Diener der Beschneidung geworden ist um der Wahrheit Gottes willen, um die Verheißungen der Väter zu bestätigen” (Römer 15,8). Er wurde von Gott gesandt, um „Barmherzigkeit zu üben an unseren Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat“ (Lukas 1,72ff), aber nicht, um diesen Bund zu vergessen oder ihn aufzugeben.

Beispielhafter Balanceakt
So hat uns Jesus in der Zeit seines Wirkens ein bemerkenswertes Beispiel dafür gegeben, wie wir auf die Palästinenser, und insbesondere auf die Christen unter ihnen zugehen sollen, ohne die göttliche Berufung seines eigenen Volkes zu kompromittieren. Das mag ein herausfordernder Balanceakt in unserer heutigen Zeit sein, da die harte Realität am Boden oft komplexer ist, als sie erscheint. Für palästinensische Christen ist es bei Weitem schwieriger, jungen israelischen Soldaten in die Augen zu sehen uns sie „Geliebte um der Väter willen“ zu nennen, als es das für Christen aus dem Ausland ist. Für viele jüdische Gläubige ist es gleichermaßen schwierig, diese palästinensischen Christen als ihre Brüder und Schwestern anzunehmen, die ihr biblisches Recht auf das Land in Fragen stellen und sogar ihre Unterstützung für Israels schlimmste Feinde verlauten lassen.


Letzten Endes ist die Gemeinde in den Nationen dazu aufgerufen, für beide Seiten zu beten und sich um beide Seiten zu kümmern. Wir sind berufen, Gottes Verheißungen für Israel hochzuhalten und eine Nation zu unterstützen, die nach 2000 Jahren in das Land ihrer Vorväter zurückgekehrt ist und weiterhin von unversöhnlichen Feinden umgeben ist, die sich ihrer Zerstörung verschrieben haben. Wir sind auch dazu berufen, die Bedürfnisse unserer arabischen Geschwister im Land anzuerkennen, die oft zwischen allen Stühlen sitzen, nämlich zwischen ihren langjährigen muslimischen Nachbarn und der neuen jüdischen Realität. Das bedeutet, wir sind dazu berufen, Friedensstifter zu sein, ohne die Wahrheit dafür zu opfern. Möge der Herr uns dabei helfen, diese wichtigen Bestrebungen auch umzusetzen.

Strebt nach Wiederherstellung!

Zweifellos leben wir in Zeiten der Wiederherstellung. Noch niemals zuvor war Gott so aktiv wie im letzten Jahrhundert – das wiederherzustellen, was wiederhergestellt werden muss.

Sowohl Israel als auch die Gemeinde haben lange Zeitabschnitte göttlicher Wiederherstellung erlebt.

Gott ist ganz sicher noch nicht am Ende dieses Prozesses, denn das Wort Gottes sagt uns, dass das Beste noch kommt. Wir leben in wahrhaft aufregenden Zeiten!



Ein Gott der Wiederherstellung
Wiederherstellung ist sicherlich ein Thema der „letzten Tage“, doch es beschreibt auch Gottes Wirken im Laufe der Geschichte. Der Dienst Jesu auf dieser Erde war ganz auf Wiederherstellung ausgerichtet. Er stellte die Gesundheit und das Wohlbefinden unzähliger Menschen in Israel wieder her. Er hatte das glühende Verlangen, Sünder und Leprakranke wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Er gab den dämonisch Besessenen die Freiheit zurück, als er sie durch die Kraft seines Wortes freisetzte. Sein Tod auf Golgatha und seine Auferstehung haben für Millionen und Abermillionen von Menschen aus allen Stämmen und Sprachen die Beziehung zu ihrem Gott und Schöpfer wiederhergestellt. Familien wurden wiederhergestellt, zerrüttete Ehen wurden geheilt, viele Menschen haben finanzielle Wiederherstellung erlebt und selbst Menschen, die emotional verwundet und missbraucht wurden, haben die wiederherstellende Kraft des Heiligen Geistes erlebt.

Petrus ermutigt die Gemeinde mit diesen Worten: Der Gott aller Gnade aber, der euch in (der Gemeinschaft mit) Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wieder aufrichten (=wiederherstellen in der engl. Übersetzung), stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen(1.Petrus 5,10 EÜ) Petrus sieht also für die leidende Gemeinde eine künftige Zeit der Wiederherstellung voraus, während Paulus die Gemeinde in Korinth ermahnt: „Im Übrigen, Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen(=strebt nach Wiederherstellung in der englischen Übersetzung;2. Korinther 13,11 ESV).

Wiederherstellung sollte Teil unseres persönlichen Lebensplanes sein. Gott ist ein Gott der Wiederherstellung. Wie schwierig auch immer unsere Lebensumstände sein mögen, wir sollten niemals das Vertrauen verlieren, dass er alle Dinge wiederherstellen will. Wiederherstellung ist die Essenz des Kreuzes von Golgatha, wo ein machtvoller Austausch stattfand, vom „Minus“ zum „Plus“. Betet und denkt darüber nach, wie Ihr die wiederherstellende Kraft des Blutes Jesu zu den Menschen in eurer Umgebung bringen könnt. Strebt nach Wiederherstellung!

Wiederherstellung der Gemeinde
Einen mächtigen Prozess der Wiederherstellung kann man heute in der gläubigen Gemeinde feststellen. Er wurde bereits vor Jahrhunderten ausgelöst, nach der traurigen und dunklen Zeit des Mittelalters. Gott begann, der Kirche durch die protestantische Reformation im 16. und 17. Jahrhundert wichtige Wahrheiten wieder zurückzugeben. 
Während dieser Zeit entdeckte die Kirche erneut die Autorität der Bibel, nachdem die Gläubigen Jahrhunderte lang entmutigt worden waren, die Bibel selbst zu lesen. Ihnen war gesagt worden, sie sollten einfach den Priestern und christlichen Weisen vertrauen, die würden sie schon richtig auslegen. Tatsächlich existierte der Großteil der Bibel nicht einmal in ihrer Muttersprache, da die Heiligen Schriften nur auf Latein oder in anderen alten Sprachen verfügbar waren. Eine persönliche Beziehung zu Christus wurde fast unmöglich, da die Priester die Gemeinde nicht als Plattform nutzten, um Menschen zu Gott zu bringen, sondern als Mittel, um die Menschen finanziell auszunehmen und zu kontrollieren.

Durch die Reformation kam die Bibel zu den einfachen Menschen in ihrer eigenen Muttersprache. Martin Luther übersetzte das Wort Gottes beispielsweise vom Hebräischen und Griechischen in eine einfache nicht-liturgische Sprache – ins Deutsche. Ihre Verbreitung erhielt einen bedeutenden Schub, als Johannes Gutenberg den Buchdruck in Europa erfand. Die neu übersetzte Bibel wurde schnell für unzählige Gläubige in ganz Deutschland verfügbar. Nur wenige Jahre später erhielten die Franzosen ihre ersten gedruckten Bibeln auf Französisch. Dasselbe passierte in England, als König James I. eine autorisierte englische Übersetzung der beiden Testamente vor vierhundert Jahren in Auftrag gab.

In den darauffolgenden Jahrhunderten verbreitete sich das Wort Gottes immer mehr – biblische Wahrheiten wurden der Kirche zurückgegeben und damit wiederhergestellt. Rechtfertigung durch den Glauben, nicht durch Werke; das Priestertum aller Gläubigen statt der Herrschaft einer korrupten Geistlichkeit; die Taufe der Gläubigen statt die Taufe neugeborener Babys – dies sind nur einige der theologischen Entdeckungen, die aus der Reformation hervorgegangen sind. Doch dies waren nicht neue Lehrsätze, sondern uralte Wahrheiten der Bibel, welche der Gemeinde zurückgegeben und dadurch wiederhergestellt wurden.

Die Puritaner des 16. und 17. Jahrhunderts entdeckten wieder neu die Bundestreue Gottes zum Jüdischen Volk und sahen eine Wiederherstellung Israels voraus – lange bevor es die politische zionistische Bewegung gab. Die folgenden Jahrhunderte sahen die Wiederherstellung großer missionarischer Bewegungen. Ab dem 18. Jahrhundert reisten Herrenhuter Missionare nach Grönland aus, William Carey nach Indien, Hudson Taylor nach China und David Livingstone nach Afrika.

Im 20. Jahrhundert erlebte die christliche Gemeinde die Wiederherstellung der Geistesgaben, die selbst die Großkirchen durch die charismatische Bewegung beeinflussten. In diesem Zusammenhang wurde auch der fünffältige Dienst wiederentdeckt. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Dass Gott die Gemeinden noch darüber hinaus wiederherstellen möchte, steht außer Zweifel. Der Apostel Paulus erklärt: „…wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zuheiligen, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei.“(Epheser 5,25–27)

Das Wort Gottes sagt uns, dass sich die Gemeinde bei der Rückkehr Christi in einem überaus herrlichen Zustand befinden wird – wie eine Braut, die für ihren Bräutigam vorbereitet wurde. Das lässt mich glauben, dass der herrlichste geistliche Zustand der Gemeinde noch vor uns liegt. Was für eine wunderbare Hoffnung haben wir!

Wiederherstellung durch die Gemeinde
Es ist eine Tatsache, dass unsere westlichen Gesellschaften ohne die verändernde Kraft der Gemeinde nicht das wären, was sie heute sind. Loren Cunningham, Gründer von Jugend mit einer Mission (YWAM), beschreibt in seinem Buch „Transformation“, den großen Einfluss, den die Reformation John Calvins und Martin Luthers auf die Ausformung der europäischen Kultur hatte.

Luther und seine Prediger sagten den Menschen, dass sie alles zur Ehre Gottes tun sollten, was immer sie auch täten. Ob als Schreiner oder als Schmied, jeder könne das Werk Gottes dadurch tun, dass er zur Ehre Gottes arbeite. Er nahm die Heiligkeit aus den Kathedralen und brachte sie in die Häuser und Werkstätten der Gläubigen. Daraus entstand, was in den nachfolgenden Jahrhunderten als „deutsche Arbeitsmoral“ bekannt wurde. John Calvin forderte die Herrscher von Genf wegen ihres Zinswuchers heraus. Geldverleiher verlangten Zinsen bis zu 60 Prozent. Calvin forderte einen festen Zinssatz von nicht mehr als vier Prozent. Dieser wurde eingeführt und legte die Grundlage für das schweizerische Bankensystem. Calvin rief auch dazu auf, dass jeder Gläubige eine eigene Uhr besitzen sollte, damit er nicht „Gottes Zeit verschwende“. Seine Forderungen gaben der Schweiz ihren Ruf für Pünktlichkeit und legten die Grundlagen für ihre weltbekannte Uhrenindustrie.

Der indische Philosoph Vishal Mangalwadi beschreibt in seinem Buch „The Legacy of William Carey“ (Das Erbe William Careys) wie dieser große englische Missionar Indien auf eine Art und Weise veränderte, die noch bis heute zu spüren ist. Heute wird allgemein anerkannt, dass England ohne die Erweckung der Wesley-Brüder eine massive soziale Revolution vergleichbar der französischen erlebt hätte, mit ihrem furchtbar hohen Preis an Menschenleben. Viele weitere Beispiele könnten genannt werden, welche die verändernde Kraft des Evangeliums in der Gesellschaft zeigen.

Heute sehen wir eine ähnliche Entwicklung in Afrika. Die wachsende Gemeinde Nigerias beeinflusst diese Nation auf bedeutende Art und Weise. Wir habe dasselbe in der Elfenbeinküste beobachten können, wo hochrangigen Politikern ein Pastorenrat zur Seite steht, der ihnen hilft, gottgefällige Entscheidungen für ihre Nation zu treffen. Es gibt keinen Bereich, der von der transformierenden Kraft des Königreichs Gottes ausgeschlossen werden kann, auch heute nicht.

Wiederherstellung Israels
Das am meisten behandelte „Wiederherstellungsthema“ in der Bibel bezieht sich auf Israel. Gott gibt durch den Propheten Jeremia bekannt: „…Und ich werde euer Geschick wenden und euch sammeln aus allen Nationen und aus allen Orten, wohin ich euch vertrieben habe, spricht der HERR.“ (Jeremia 29,14) Fast jeder hebräische Prophet sah eine Zeit voraus, in der Gott das Geschick des jüdischen Volkes wenden, d.h. es wiederherstellen würde, nach einer langen Zeit des Exils, der Armut und Unterdrückung. Tatsächlich würden sie aus allen Ländern zurückkehren, in die Gott sie zerstreut hatte (Jeremia 32,37). Er würde sie wieder in das Land ihrer Väter einpflanzen (Jeremia 24,6). Sie würden die alten Städte wiederaufbauen (Jesaja 61,4). Sie würden die Wüste in einen blühenden Garten verwandeln (Jesaja 51,3). Gott würde ihre Zahl vermehren (Hesekiel 37,26). Und am Wichtigsten, Gott würde sein Volk nicht nur physisch, sondern auch geistlich wiederherstellen (Hesekiel 36,24ff).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat das Jüdische Volk in einen Zeitabschnitt göttlicher Gunst und Wiederherstellung ein. Viele Juden, hauptsächlich aus Europa, fingen an, die „Rückkehr nach Zion“ anzustreben. Als Folge dieses Strebens wurden die ersten jüdischen Siedlungen im von den Ottomanen regierten Palästina errichtet. In den nachfolgenden Jahrzehnten kamen immer mehr Juden ins Land, bis 1948 der Staat Israel gegründet wurde. Dies erinnerte viele an die Frage, die schon der Prophet Jesaja vor langer Zeit gestellt hatte: Wird ein Land an einem einzigen Tag zur Welt gebracht oder eine Nation mit einem Mal geboren? (Jesaja 66,8)

Im Mai 1948 lautete die weithin hörbare Antwort „Ja!” Der  Theologe Karl Barth erklärte später: „Jetzt können wir es in den Zeitungen lesen: Gott hält seine Versprechen.”

Heute lebt nahezu die Hälft der jüdischen Weltbevölkerung in Israel, 1889 waren es nur 0,5 Prozent. Sie haben den Staat Israel in ein Zentrum der Technologie und Innovation verwandelt. Israels alte Städte werden nicht nur wiederaufgebaut, sie sind größer und wunderschöner als je zuvor. Doch dieser Prozess der Wiederherstellung ist noch nicht zu Ende, da viele Verheißungen Gottes für Israel noch nicht erfüllt sind. Die hebräischen Propheten sahen voraus, dass Gott eines Tages seinen Geist der Gnade und des Flehens auf sein Volk ausgießen würde und dass sie auf den sehen blicken würden, den sie durchbohrt hatten (Sacharia 12,10). Ein Volk, das Mose und die Propheten als rebellisch beschrieben mit einem „unbeschnittenen Herzen“, würde ein neues fleischernes Herz erhalten und mit dem Geist Gottes erfüllt werden (Jeremia 31,31). Genau das beschreibt der Psalmist: „Du wirst eingreifen und dich über die Stadt Zion erbarmen. Denn die Zeit ist gekommen, sie zu begnadigen - die Stunde ist da!“ (Psalm 102,14) Es ist die Zeit der Wiederherstellung.
 

Wiederherstellung in schwierigen Zeiten
Kürzlich sagte jemand zu mir: „Jürgen, Du hast eine viel zu optimistische Sicht auf unsere Welt, denn die Bibel spricht ganz deutlich über großes Gericht, Abfall vom Glauben und Trübsalszeiten.“ Tatsächlich spricht die Bibel über beides. Sie spricht vom Gericht über die Nationen (Joel 4), aber auch von der Ausgießung des Heiligen Geistes auf alles Fleisch (Joel 3,1ff). Und beide werden vor dem großen und schrecklichen Tag des Herrn stattfinden.

Es ist wahr, dass das Wort Gottes über den großen Abfall vom Glauben spricht (2 Thessalonicher 2,1-4), aber es spricht genauso darüber, dass Gott eine Gemeinde in der Endzeit schafft, die keine Flecken noch Falten hat (Epheser 5,25-27). Die Bibel spricht über fünf törichte Jungfrauen mit leeren Gefäßen und fünf weise, deren Gefäße mit Öl gefüllt sind (Matthäus 25,1-13). Die Frage ist daher nicht so sehr, welcher Endzeitlehre wir folgen, sondern auf welcher Seite wir stehen möchten! Es wäre tatsächlich töricht, die schwierigen Zeiten zu ignorieren, die das Wort Gottes ganz klar vorhersagt. Wenn wir unsere heutige Welt betrachten, können wir die dunklen Zeichen am Horizont nicht einfach übersehen. Doch inmitten allen Chaos tut Gott ein wunderbares Werk. Die Gemeinde Jesu wächst jedes Jahr in atemberaubender Fülle. Israel ist zurück in seinem Land und blüht und gedeiht als erfolgreiche Nation.

Genau das hat Jesaja vorhergesehen: „Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt der HERR auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. “ (Jesaja 60,2) Er ruft uns und Israel dazu auf, uns zu erheben und unser Licht scheinen zu lassen in einer Welt, die immer mehr von Finsternis bedeckt wird. In den Jahren, die vor uns liegen, wird die Kluft zwischen Licht und Dunkelheit immer weiter werden. Graue Bereiche werden entweder schwarz oder weiß. Eine lauwarme Haltung wird nicht mehr toleriert. Wir sind aufgerufen, uns zu entscheiden, entweder heiß oder kalt zu sein.
Wir haben ganz bewusst „Wiederherstellung“ zum Motto unseres diesjährigen Laubhüttenfestes gemacht, da wir glauben, dass es viel Hoffnung für Israel und die Gemeinde gibt. Es gibt immer noch viel Hoffnung für Dich, Deine Familie, Deine Stadt und Deine Nation. Während Gott Israel wiederherstellt, ruft er die Gemeinde dazu auf, aktiv daran mitzuarbeiten. Aus diesem Grunde helfen wir mit der Alijah, deshalb unterstützen wir Holocaustüberlebende. Aber auch aus diesem Grunde bringen wir Juden und Araber zusammen, um ihnen die wunderbare und herrliche Zukunft zu verkünden, die Gott für diese Region hat. Es ist die Zeit der Wiederherstellung. Schließt Euch uns an, um diese Berufung zu erfüllen.

Trefft heute eine bewusste Entscheidung, Wiederherstellung zu erwarten, zu erhoffen und auf sie hinzuarbeiten. Als Kind Gottes muss Dein persönlicher Lebensentwurf ein Plan der Wiederherstellung sein. Denk darüber nach, was Du in dem Umfeld, in das Gott Dich hineingestellt hat, tun kannst, um den Menschen und Situationen um Dich herum Wiederherstellung zu bringen. Strebt nach Wiederherstellung! 

Veränderte Spielregeln

Während der Nahe Osten weiterhin von Gewalt und politischen Unruhen erschüttert wird, bleibt Israel eine Insel der Stabilität, der Freiheit und der Demokratie inmitten einer turbulenten Region. Gleichwohl vollziehen sich auch in Israel einige große gesellschaftliche Veränderungen, jedoch vergleichsweise mehr im Stillen. Sie werden das demokratische Fundament des Staates stärken und haben das Potential, die Zukunft der Nation und der Region umzugestalten.

Es gibt eine Serie neuer Gesetze, die gerade in der Knesset verabschiedet wurden. Sie werden möglicherweise große Veränderungen für die israelische Gesellschaft und Politik mit sich bringen. Diese neue Gesetzgebung behandelt Probleme, die Israelis schon seit Langem debattieren aber über mehrere Jahrzehnte hinweg nicht haben lösen können. Die Zusammensetzung und die Prioritäten der regierenden Koalition sowie die Abwesenheit jeglicher ultra-orthodoxen Parteien in der Regierung erlauben es jedoch jetzt, sie mit Entschiedenheit anzupacken.

Gleichmäßige Lastenverteilung
Einer der größten Risse in der israelischen Gesellschaft trennt die ultra-orthodoxe Gemeinschaft vom Rest der traditionellen und weltlich eingestellten Juden. Viele Israelis nehmen es den Ultraorthodoxen übel, dass die meisten ihrer jungen Männer nicht in der Armee dienen, sondern stattdessen, unterstützt durch den Staat, an religiösen Hochschulen studieren.

Diese Ungleichbehandlung geht auf die Gründerzeit Israels im Jahr 1948 zurück. Damals war die ultra-orthodoxe Gemeinschaft klein und wurde in positivem Licht betrachtet, als Hüter des Judentums durch die Jahrhunderte des Exils hindurch. Daher erteilte David Ben-Gurion, Israels erster Premierminister, den Ultraorthodoxen, die vollzeitlich die Thora studierten, eine besondere Befreiung vom Militärdienst. Es gab damals nur zirka 600 solcher Studenten, die sogar vom Staat ein Stipendium erhielten, um über die Runden zu kommen. Doch aufgrund ihrer hohen Geburtenraten ist die ultra-orthodoxe Gemeinschaft seitdem sehr stark angewachsen und macht heute mehr als 15 Prozent der israelischen Bevölkerung aus. Viele von ihnen arbeiten nicht, was den Israelis, die arbeiten und Steuern zahlen, eine ungerechte finanzielle Bürde auferlegt. Hinzu kommt noch, dass die Mehrheit israelischer Juden, die ihre eigenen Kinder zum ansonsten verpflichtenden Wehrdienst schickt, um das Land zu verteidigen, nicht länger bereit ist, diese Sonderregel zu akzeptieren.

Bei der letzten Wahl hatten mehrere Parteien versprochen, ein Gesetz zu verabschieden, das eine gleichmäßige Lastenverteilung des Militärdienstes sicherstellen würde. Diese Frage war ein großer einender Faktor für die Parteien, die sich der vom Likud geführten Koalitionsregierung anschlossen. Sie konnten schließlich ihr Versprechen auch durch ein neues Gesetz im März einhalten. Es fordert, dass die meisten ultraorthodoxen Männer Militärdienst leisten und sieht strafrechtliche Konsequenzen für die Missachtung von Einberufungsbefehlen vor. Für die Umsetzung diese Regelung sind mehrere Jahre vorgesehen, so dass die ultraorthodoxen Leiter Zeit haben, ihre jungen Leute auf diese Veränderung vorzubereiten. Es gibt immer noch starken Widerstand gegen die neue Gesetzgebung unter den Rabbinern, doch nun kann dieses uralte Problem der Ungleichbehandlung in Israel gesetzlich gelöst werden.

„Ein Rabbiner für alle“
Die Einigung über das neue Wehrdienstgesetz für Ultraorthodoxe schuf in der Regierungskoalition die Dynamik, auch andere Bereiche anzugehen, in der die ultra-orthodoxe Gemeinschaft übermäßige Kontrolle über den Rest der Gesellschaft ausübt. Als nächste Änderung des Status Quo in religiösen Angelegenheiten wurde das System zweier Oberrabbiner als nächstes angegangen.  

Die Bevölkerung Israels stammt heute von zwei ethnischen Hauptgruppen ab – den aschkenasischen Juden aus Nordeuropa und den sephardischen Juden, die einen spanischen oder nahöstlichen Hintergrund haben. Während die aschkenasische Gemeinschaft weltweit mehr als 70 Prozent aller Juden repräsentiert, ist das Verhältnis in Israel zwischen Aschkenase und Sepharden 50 zu 50. Dies liegt hauptsächlich an der Massenvertreibung von zirka 800 000 Juden aus dem Nahen Osten und Nordafrika nach Israels Sieg im Unabhängigkeitskrieg 1948. Die meisten von ihnen fanden ihren Weg in den neugegründeten jüdischen Staat.

Viele Jahrzehnte lang fühlte sich die sephardische Gemeinschaft in Israel von den regierenden aschkenasischen Eliten diskriminiert, insbesondere, was Karrieremöglichkeiten betraf. Wegen der kulturellen und kleinen liturgischen Differenzen beschloss der Staat Israel, zwei Posten für das Oberrabbinat einzurichten – einen sephardischen und einen askenasischen Oberrabbiner. Doch im März dieses Jahres setzte die israelische Regierung eine Arbeitsgruppe ein, um beide Posten zu vereinen. „Ein Rabbiner für alle“, versprach Wirtschaftsminister Minister Naftali Bennett von der Partei „Das jüdische Haus“. Die Hoffnung besteht, dass solche Veränderungen langsam aber sicher das Ungleichgewicht der Macht zugunsten der Ultraorthodoxen abschaffen werden.

Beendigung des Kleinparteien-Systems
Eine weitere Herausforderung für die israelische Demokratie war bisher die Zersetzung der Machtverhältnisse durch zu viele Kleinparteien in der Knesset. Es gab Zeiten, in denen das Wahlsystem Spezialparteien unverhältnismäßig viel Einfluss gab, die gleichzeitig nur einen sehr schmalen Ausschnitt der Bevölkerung oder Sonderinteressen vertraten. Die großen Parteien waren von den kleinen abhängig, um überhaupt etwas zuwege zu bringen. Doch ein neues Gesetz hat nun die bisherige Zweiprozenthürde auf 3,25 Prozent angehoben, um in die Knesset einziehen zu können. Das wird die kleineren Parteien dazu zwingen, entweder in größeren Parteien aufzugehen oder gar nicht mehr ins Parlament zu kommen. Unterdessen wird es der regierenden Koalition hoffentlich leichter werden, ihre Regierungsaufgaben wahrzunehmen.

Mehr Rechte für arabische Christen
Eine weitere große Veränderung wird die arabische Bevölkerung Israels betreffen – dank eines neuen Gesetzes, das arabische Christen als eine eigene Gruppe neben der großen arabisch-muslimischen Mehrheit anerkennt. Bisher galt für alle arabischen Bürger in Israel dasselbe Gesetz, das sich sowohl auf Muslime als auch auf Christen bezog. Doch die zahlenmäßig viel größere muslimische Bevölkerung fand Wege, die Christen zu übergehen. Das neue Gesetz erlaubt nun beispielsweise arabisch- christlichen Schulen, ihre eigenen Lehrpläne zu entwickeln, die von den muslimischen abweichen. Auf lange Sicht wird dieses Gesetz hoffentlich die Möglichkeiten und Chancen der arabisch-christlichen Bevölkerung verbessern, sich in die israelische Gesellschaft zu integrieren. Gleichzeitig wurde eine Initiative in der arabisch-orthodoxen und armenischen Bevölkerungsgruppe begonnen, welche ihre jungen Männer ermutigt, in die israelische Armee einzutreten, vergleichbar der historischen Beteiligung der Drusen am israelischen Wehrdienst.
 

Abstimmung für den Frieden
Ein weiteres, wichtiges Gesetzeswerk, das vor kurzem verabschiedet wurde, ist das Referendumsgesetz. Es verlangt, dass jedes künftige Friedensabkommen, das die Aufgabe von Land in Israel, Ostjerusalem oder auf den Golanhöhen vorsieht, einer Volksabstimmung bedarf. Das Gesetz bezieht sich nur auf Gebiete, die momentan als souveränes israelisches Territorium gelten, nicht auf das Westjordanland. Dennoch wird es wahrscheinlich dazu führen, dass jede Friedensvereinbarung mit den Palästinensern in einem nationalen Referendum bestätigt werden müsste, da eine solche Vereinbarung den Status Ostjerusalems und eventuell auch den Gebietsaustausch israelischen Territoriums betreffen würde. Das bedeutet, dass die  israelische Regierung nun die Unterstützung der Bevölkerungsmehrheit braucht, um Vereinbarungen mit den Palästinensern „hinter verschlossenen Türen“ zu schließen.

Jedes dieser neuen Gesetze spiegelt einen seltenen Konsens unter der Mehrheit der israelischen Parlamentsmitglieder wieder, schließlich und endlich einige der hartnäckigen und langanhaltenden offenen Fragen der israelischen Gesellschaft zu beantworten. Ihr Inkrafttreten wird viele positive Veränderungen in Israel bewirken. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass sich viele Gemeinsamkeiten, welche die Regierung bisher zusammengehalten haben, auflösen. Uneinigkeiten über den Friedensprozess könnten jetzt beginnen, die Stabilität der Koalition infrage zu stellen.

Das gemeinsame Interesse, die Befreiung vom Wehrdienst für Ultraorthodoxe aufzuheben, hat beispielsweise Yair Lapid, einen Vertreter der politischen Mitte, gemeinsam mit Naftali Bennett vom rechten politischen Spektrum in dieselbe Regierung gebracht. Jetzt, wo dieses Problem gelöst ist, stellt sich die Frage, ob ihre Meinungsverschiedenheit über den Friedensprozess die Koalition bröckeln lassen könnten.
 

Der Geist des Elia

Eine der spannendsten Passagen der Bibel, die sich mit Wiederherstellung beschäftigt, finden wir in der Beschreibung der Verklärung Jesu. Drei seiner Jünger hatten das Vorrecht, Mose und Elia erscheinen zu sehen, ebenso wie Jesus, der umgestaltet wurde und hell strahlte wie die Sonne.

Als Jesus mit diesen drei Jüngern vom Berg der Verklärung zurückkehrte, waren sie immer noch unter dem Einfluss dieser persönlichen Begegnung mit den drei großen Gestalten der Geschichte Israels. Daher stellten sie Jesus eine interessante Frage: „Was sagen denn die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen müsse?“(Matthäus 17,10).

Die Tage Elias
Ihre Begegnung mit Elia hatte die drei Jünger an eine alte jüdische Tradition erinnert. Laut dieser Tradition wird Elia noch vor dem Messias erscheinen, um das Volk auf seinen König vorzubereiten. Sie geht auf eine Vision des Propheten Maleachi zurück, der erklärt: „Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare. Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage“ (Maleachi 3, 23+24).

Diese Tradition lebt noch bis heute weiter. An einem bestimmten Punkt während des alljährlichen Passah-Mahls öffnete jede jüdische Familie ihre Tür, um Elia einzuladen. Ein besonderer Stuhl wird für ihn reserviert, sollte er in diesem Jahr kommen.


Die Jünger fragten Jesus daher, was er von dieser Tradition halte, und Jesus antwortete: „Elia kommt zwar und wird alle Dinge wiederherstellen. Ich sage euch aber, dass Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden“ (Matthäus 17, 11-12).

Jesus weist also auf eine doppelte Erfüllung der Elia-Tradition hin. Eine Erfüllung blickte in die nahe Vergangenheit auf Johannes den Täufer, der den Weg für das erste Kommen des Messias vorbereitet hatte. Die andere schaut auf das künftige Kommen Elias, wenn er „alles wiederherstellen“ wird.

Johannes der Täufer repräsentierte diesen Dienst des Elia für seine eigene Generation. Bereits als seinem Vater seine Geburt angekündigt wurde, bezeichnete der Erzengel Gabriel Johannes als einen, der „vor ihm hergehen (wird) in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter Herzen zu bekehren zu den Kindern…, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten“ (Lukas 1,17).

Johannes der Täufer selbst verkörperte nicht die physische Wiederkunft des Elia, da er seinen Eltern Zacharias und Elisabeth geboren wurde. Doch die Salbung und der Geist des Elia waren auf ihm, was bedeutet, dass dieselbe Salbung zum Dienst, die in Elia wirksam war, auch auf Johannes dem Täufer ruhte.

Jesus erklärte jedoch, dass der Dienst des Johannes nicht die „Wiederherstellung aller Dinge“ bringen würde. Im Gegenteil, „sie haben….an ihm getan, was sie wollten“. Tatsächlich war Johannes erst ein paar Monate zuvor von Herodes, dem Tetrarchen geköpft worden, auf besondere Bitte der Frau seines Bruders Philippus (Matthäus 14).  
Aber Jesus sagte auch, dass Elia tatsächlich in der Zukunft selber kommen würde, um „alle Dinge wiederherzustellen“. Vor der ersten Ankunft des Messias kam Johannes der Täufer, und ihrer beider Dienst zeichnete sich durch Leiden aus. Doch dem zweiten Kommen des Messias wird ein Dienst des Elia vorangehen, der die Wiederherstellung aller Dinge beinhaltet.


Die Hauptberufung von Johannes dem Täufer bestand darin „dem Herrn ein Volk vorzubereiten“. Gleichermaßen wird es ein Wirken Gottes geben, im Geiste des Elia, der sowohl die Gemeinde als auch Israel wiederherstellen wird, so dass Gott Jesus zurück auf diese Erde senden kann „den der Himmel aufnehmen (muss) bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge” (Apostelgeschichte 3,21).

Väter und Söhne
Es gibt viele Aspekte des Dienstes des Elia, die man betonen könnte. Sein Dienst konfrontierte ganz allein die Wankelmütigkeit Israels am Berg Karmel. Er beseitigte den Götzendienst in Israel und stellte den Altar Gottes wieder her. Doch es gibt eine besondere Berufung Elias, auf die sich der Prophet Maleachi als ein Kernstück seines Dienstes bezieht. Sie ist Gott so wichtig, dass Gott erklärt, dass er das Land mit einem Bann schlagen muss, wenn diese Berufung sich nicht als erfolgreich erweist.

„Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare. Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage (d.h. damit ich nicht, wenn ich komme, den Bann an dem Land vollstrecken muss).“Maleachi 3, 23+24.

Die Wiederherstellung der Vaterbeziehung zu den Söhnen und der Sohnesbeziehung zu den Vätern ist offensichtlich für Gott so wichtig, dass er bereit ist, die Erde mit einem Fluch zu bestraften, sollte dies nicht passieren. Die Vater-Sohn-Beziehung ist Gott heilig. Das erste der zehn Gebote, dass eine besondere Segensverheißung für Gehorsam beinhaltet, lautet: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt“ (2. Mose 20,12).
Auch hier kann die Beziehung zwischen Kindern und Eltern über Segen und Fluch entscheiden.  Dieses Prinzip gilt auch für die Beziehungen zwischen den Generationen innerhalb des Volkes Gottes. Es sind übrigens nicht nur die Jungen, die die vorangegangenen Generationen, auf deren Schultern sie stehen, ehren und respektieren sollen, sondern es bezieht sich auch auf die ältere Generation. Sie müssen ebenso ihre Herzen öffnen und weit machen für die neuen und oft so anderen Herangehensweisen der jungen Generation.

Die Sprüche der Väter
Es ist auch beachtenswert, wie das Neue Testament das Wort „Väter“ (patere auf Griechisch, Plural) benutzt. Dieses Wort erscheint 53 Mal in den christlichen Schriften, doch nur viermal bezieht es sich auf die biologischen Väter (Epheser 6,4; Kolosser 3,21; Hebräer 11,23 und 12,9). In den übrigen Passagen wird das Wort „Väter” auf vorangegangenen Generationen des Volkes Israel bezogen. Hier einige Beispiele:

„…wie er zu unseren Vätern geredet hat - gegenüber Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit“(Lukas 1,55).

„Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: ‚Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen.‘“ (Johannes 6,31)

„Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, ….“ (Apostelgeschichte 3,13)

„Trefflich hat der Heilige Geist durch Jesaja, den Propheten, zu euren Vätern geredet…“ (Apostelgeschiche 28,25)

Eines der führenden rabbinischen Traktate des Talmud wird  Pirkei Avod genannt, was „die Sprüche der Väter“ bedeutet. Auf dieselbe Art und Weise bezeichnen die Autoren des Neuen Testaments alle vorherigen Generationen Israel, von Abraham bis zu den Propheten als „Väter“. Oft werden insbesondere die Patriarchen so bezeichnet.
Paulus erklärte, das seines der großen Privilegien des Jüdischen Volkes darin besteht, dass „denen auch die Väter gehören“ (Römer 9,5). Auf diese Väter geht die Identität und Existenz der jüdischen Nation zurück. Paulus sagt, dass sich das jüdische Volk sogar in einem Zustand der Rebellion befinden kann und als „Feinde des Evangeliums“ gilt, doch dies ändert nichts an Gottes Treue zu seinem Volk, da sie weiterhin „Geliebte um der Väter willen“ sind (Römer 11,28).

Etwas noch Bemerkenswerteres begegnet uns im Leben der ersten Apostel. In der Apostelgeschichte werden sowohl Stephanus (Kapitel 7) als auch Paulus (Kapitel 22) mit feindseligen jüdischen Menschenmengen konfrontiert, die sie steinigen wollen. Stephanus wird der erste Märtyrer, während Paulus gerade noch diesem Angriff auf sein Leben entkommen kann. Doch beide wenden sich an dieses zornige Publikum in einer erwartungsvollen Haltung: „Ihr Brüder und Väter, hört!“ (Apostelgeschichte 7,2; 22,1) Beiden war der Hass, der ihnen entgegenschlug, vollkommen bewusst, und doch ehrten sie beide ihre jüdischen Mitbürger und nannten sie „Väter

Kindlein
Jesus hingegen bezeichnete seine Jünger oft als Kinder (Johannes 21,5) oder sogar „Kindlein“ (Johannes 13,33). Genauso bezeichneten die ersten Apostel, wenn sie sich an die Gemeinde wandten, diese regelmäßig als „Kinder“ (1. Korinther 4,14; Galater 4,19; 1. Johannes 2,1).

Wir finden diesen Sprachgebrauch schon sehr früh, wenn Johannes der Täufer sagt: „Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken!“ (Matthäus 3,9). Die meisten Bibellehrer sehen dies als einen Hinweis auf Gottes Plan, eines Tages die Nationen in den Segen des Bundes mit Abraham gemeinsam mit Israel hineinzunehmen.

Der Apostel Paulus schreibt in Galater 3,7: „so erkennt auch: Die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Kinder“ (siehe auch Römer 9,7).

Mit anderen Worten, das Neue Testament trifft eine klare Unterscheidung zwischen dem natürlichen Samen Abrahams als den „Vätern“ und der Gemeinde als ihrer geistlichen „Kinder“.

Wiederherstellung ist nötig
Der verstorbene Papst Johannes Paul II. bezeichnete die Juden einmal als die „älteren Brüder“ der Kirche. Ich glaube, es ist viel angemessener, Israel als die „Väter“ der Kirche und Gemeinde zu bezeichnen. Es ist eine Tatsache, dass uns alles, was uns als Christen ausmacht, vom jüdischen Volk gegeben wurde. Die Bibel ist ein jüdisches Buch. Jesus wurde als Jude geboren und starb als König der Juden. Die Apostel waren alle Juden, und die Urgemeinde war ausschließlich jüdisch.

Zurück zum Propheten Maleachi; er erklärte, dass ein wichtiger Teil des Dienstes des Elias in den letzten Tagen darin bestehen würde, „das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren (zu) lassen“. Hier ist Wiederherstellung tatsächlich dringend nötig. Es gibt einen historischen Bruch zwischen der Gemeinde und dem jüdischen Volk, der auf die Frühzeit der Gemeinde zurückgeht. Die Verfasser des Neuen Testaments berichten, dass die ersten Gläubigen beträchtlicher Verfolgung durch ihre jüdischen Brüder ausgesetzt waren. Das geschah nicht nur in Jerusalem und in Israel (Apostelgeschichte 5,17ff; 8,1ff), sondern auch in Kleinasien (Apostelgeschichte 14,1ff) und Griechenland (Apostelgeschichte 17,5ff).

Als die junge Gemeinde immer heidnischer wurde, vergaß sie sehr schnell die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens. Als die Christen unter Konstantin an die Macht kamen, verfolgten sie die Juden mit Macht. So wurde die Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen in den letzten 2000 Jahren hauptsächlich durch Hass und Blutvergießen bestimmt.

Juden wurden von den Kreuzfahrern sowohl in Europa als auch im Heiligen Land massakriert, während der spanischen Inquisition gefoltert, in Pogromen in ganz Europa gewaltsam verfolgt, und erst vor siebzig Jahren wurden im Holocaust über sechs Millionen Juden von Deutschland ermordet, dem Land der Reformation. Die Kirch entehrte Jahrhunderte lang gewaltsam die Väter ihres Glaubens und entfachte die Flammen des christlichen Antisemitismus.

Wiederherstellung und Versöhnung sind daher dringend geboten, da anderenfalls Gott sagt: „Ich werde das Land/die Erde mit einem Bann schlagen.“ Doch es gibt heute viele Zeichen, die uns große Hoffnung machen, dass ein neuer Tag angebrochen ist, an dem der historische Bruch zwischen Juden und Christen geheilt wird. Die Bildung eines Knesset-Ausschusses für christliche Verbündete im Israelischen Parlament oder die „Christlichen Freunde Yad Vashem“ vermitteln uns diese große Hoffnung.


Auf der ganzen Welt entstehen neue Freundschaftsgruppen, in denen Juden und Christen gemeinsam an einem besseren Verständnis und besserer Kooperation arbeiten. In Gemeinden auf der ganzen Welt sehen wir einen neuen und beispiellosen Enthusiasmus für Israel und das jüdische Volk. Riesige Pro-Israel-Demonstrationen, große Gebetsnetzwerke für Israel und unzählige Initiativen zum Segen Israels gibt es mittlerweile auf jedem Kontinent.

Es sind spannende historische Entwicklungen. Ein weiterer Meilenstein war die Rede von Botschafter Ron Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, beim ICEJ-Laubhüttenfest 2013 in Jerusalem. Als Vertreter jüdischer Gemeinden auf der ganzen Welt dankte er nicht nur den Christen für ihre Unterstützung Israels, sondern versprach auch: „Wenn Ihre Kirchen im Nahen Osten brennen, werden wir Juden protestieren und Ihnen zur Seite stehen.“ Seit Jahrhunderten haben wir solche Worte nicht gehört.

Fazit
Diese Berufung, die Herzen von Vätern und Söhnen einander wieder nahe zu bringen, ist das Herzstück des Dienstes der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem. Wir verbinden den Bruch, heilen die Wunden, stellen Wege wieder her, auf denen man gehen kann und bereiten so den Weg für die Wiederkunft des Messias vor. Juden und Christen mögen sich immer noch uneinig darüber sein, wer der Messias ist, doch jetzt ist es Zeit, dass beide Seiten ihre Herzen einander zuwenden.

Für Juden bedeutet dies, anzuerkennen, dass die christliche Gemeinde ein Abkömmling ihrer eigenen Tradition und ihres eigenen Glaubens ist. Menschen auf der ganzen Welt wertschätzen eine persönliche Beziehung mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Eingang in diese Beziehung findet man durch einen jüdischen Messias, von dem Gott sagt: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So mache ich dich auch zum Licht der Nationen, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde“ (Jesaja 49,6).

Für die Gemeinde ist es von höchster Bedeutung, dass wir die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens anerkennen. Es geht um Respekt für das Volk, das von Gott berufen wurde, der Welt Gottes Wort und den Messias zu geben und die Nationen in eine Bündnisbeziehung zu dem Gott Israels zu bringen. Wenn wir den Stamm des Baumes, der uns als Gemeinde trägt (Römer 11,18) nicht anerkennen, führt dies zu einem Glauben ohne richtiges Fundament, und das kann fatal sein. Ob Israel auf unsere Liebe und Freundschaft reagiert oder nicht, und selbst wenn sie Feinde der Gemeinde sind, sollten wir uns daran erinnern, dass Gott sie immer noch liebt um der Väter willen – und das sollten wir auch tun.

Ich bin optimistisch, dass Gott die Erde nicht mit einem Bann schlagen muss, sondern dass der Geist des Herrn unsere Herzen einander zuwenden wird und der Herr daher sowohl Israel als auch die Gemeinde segnen wird – so dass wir „unsere Tage verlängern“ in unserem Land und Erbe, die der Herr uns gibt. 

Dr. Jürgen Bühler ist Gesamtleiter der ICEJ in Jerusalem.

 

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