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Commentary

Zeit der Ernte

Das Thema des diesjährigen Laubhüttenfestes ist die „Zeit der Ernte”. Die Bibel hat eine Menge über dieses Thema zu sagen, besonders durch die drei Haupternte-Feste Israels – Passah, Schawuot und Sukkot. Diese „festgesetzten“ Feste kennzeichnen die Erntezeiten im Land und haben eine reichhaltige geistliche Bedeutung sowie eine versteckte prophetische Wahrheit, die sogar mit dem enormen weltweiten Wachstum der Kirche in unserer Zeit in Beziehung steht. Wir befinden uns wahrhaftig in einer Zeit großer Ernte.

Ein uraltes Gesetz

Das Konzept der Ernte ist so alt wie die Schöpfung selbst. Als Gott die Pflanzen schuf, legte er fest, dass diese sich durch die Samen, die sie produzierten, selbst jede nach ihrer Art fortpflanzen sollten (1. Mose 1,11ff.). Das bedeutet, Gott erwartet von seiner Schöpfung, dass sie beständig eine Ernte hervorbringt. Dies ist buchstäblich eingraviert in den DNA-Code allen geschaffenen Lebens.

Kurz nach der Flut hat Gott dieses ewige Prinzip in seinem Bund mit Noah bestätigt: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8,22). Das Prinzip der Saat und Ernte wird solange bestehen bleiben, wie unser Planet existiert. Es wird immer Zeiten des Pflügens und Säens geben, gefolgt von Zeiten der Ernte. Doch die Ernte passiert nicht einfach so. Ohne die harte Arbeit des Pflügens und Säens kann nicht wirklich eine Ernte erwartet werden. Doch wenn wir bereit sind, fleißig zu säen – in den Boden als auch im Hinblick auf den Himmel – können wir immer eine Ernte erwarten.

Die Ernte-Feste

Drei Mal im Jahr sollte das Volk Israel nach Jerusalem hinaufziehen, um vor Gott zu erscheinen und seine treue Versorgung im jährlichen Erntekreislauf zu feiern (2. Mose 23, 14-17). Im Frühling, im März oder April, feiert Israel das Passahfest (Pessach), im Mai oder Juni Pfingsten (Schawuot). Später, im September oder Oktober, wird das größte aller Feste in Jerusalem gefeiert – das Laubhüttenfest (Sukkot). Jedes dieser drei Pilgerfeste feiert die Einbringung der Produkte des Landes, die in der jeweiligen Saison gereift sind.

Passah - das Fest der „Erstlingsfrüchte”

Zum Passahfestes werden die „Erstlingsfrüchte“ des Landes Gott geweiht. Das bedeutet, Israel erklärte, dass alles, was es besaß, von Gott kommt und Ihm gehört. Er verdient den ersten und Besten Teil der Ernte, weil Er es ist, der das Wachstum schenkt (1. Korinther 3,7). Durch das Opfer der Erstlingsfrüchte wird die gesamte Ernte Gott geheiligt. Ihm gehört alles, und Sein Segen für die Feldfrüchte ist entscheidend.

Gott bezeichnete Israel als Seinen Erstgeborenen unter den Nationen (2. Mose 4,22). Diese Stellung bedeutete, dass Israel als Erstgeborener Anspruch auf einen doppelten Segen hatte (5. Mose 21,15-17). Die hebräischen Propheten sahen eine zukünftige Wiederherstellung Israels voraus, die tatsächlich einen doppelten Segen für die Nation mit sich bringt (Jesaja 61,7; Jeremia 31,8-9; Sacharja 9,12). Wir wissen, dass Gott alle Seine Verheißungen erfüllen wird, die er Israel gegeben hat.

Jesus wird als „der Erstgeborene aus den Toten“ bezeichnet (Kolosser 1,18; siehe auch 1. Korinther 15,20). Während der Woche des Passahfestes „am Tag nach dem Sabbat“ – das ist der erste Tag der Woche – wurde das Opfer der Erstlingsfrüchte im Tempel geschwungen. Die Evangelien berichten, dass Jesus genau an diesem Tag von den Toten auferstand (Matthäus 28,1). Jesus war der erste, der den Tod überwand, und als solcher ging er in den Himmel und präsentierte sich dem Vater. Aber er tat dies nicht nur für sich selbst. Paulus nennt ihn „den Erstgeborenen unter vielen Brüdern“ (Römer 8,29). So hat er auch für uns den Weg zum ewigen Leben bereitet.

Pfingsten – das Fest der Frühlingsernte

50 Tage nach dem Passahfest kommt das Pfingstfest, ein Fest der Danksagung für die Frühlingsernte, die hauptsächlich aus Weizen und Gerste besteht (2. Mose 34,22). Es ist eine Zeit, die Treue Gottes, der für den Lebensunterhalt sorgt, zu feiern in dem Wissen, dass bald weitere Ernten folgen sollen.

Laut der jüdischen Tradition kam das Volk Israel zur Zeit des Pfingstfestes am Berg Sinai an und erhielt die Zehn Gebote auf „steinerne(n) Tafeln, beschrieben mit dem Finger Gottes“ (2. Mose 31,18). Aber im 2. Kapitel der Apostelgeschichte schrieb der Herr Sein Gesetz in die Herzen der frühen Nachfolger Jesus´, als der Heilige Geist am Pfingsttag auf sie fiel. Paulus beschreibt den neuen Bund als geschrieben auf „Tafeln, die fleischerne Herzen sind.“ (2. Korinther 3,3; vergleiche Jeremia 31,31ff).)

Für die Christen wurde das Pfingstfest zur Feier der ersten Ernte von dreitausend Seelen, die in das Vorratshaus Gottes gebracht wurde (Apostelgeschichte 2, 41). Millionen weitere würden in den kommenden Jahrhunderten folgen – eine unzählige Gemeinschaft sowohl aus den Juden als auch aus allen Nationen, Stämmen und Sprachen. Diese erste Erntezeit setzt sich bis zum heutigen Tag fort und wir sind bereit für die größte Ernte von allen, die ein wiederhergestelltes und erlöstes Israel einschließen wird.

Die Bibel ermutigt uns, eine große Endzeit-Seelenernte zu erwarten, die überall auf der Welt stattfinden wird. An vielen Orten sehen wir die Erfüllung dessen, was der Prophet Amos vorhergesehen hat: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man zugleich ackern und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein“ (Amos 9,13).

Sukkot - das Fest der Einsammlung

Das letzte der drei großen Ernte-Feste ist das Laubhüttenfest oder Sukkot, an dem die Herbsternte von Trauben, Feigen, Oliven, Datteln, Granatäpfeln und allen Früchten der Bäume Gott mit Danksagung geweiht wurde. Es wird als das größte Fest angesehen, da es die reichliche Einsammlung der Früchte am Ende des jährlichen Erntezyklus bringt.

Nach einem langen, trockenen Sommer und mit dem nahenden Winter war diese letzte Ernte lebenswichtig, vor allem da sie für das Olivenöl und den Wein sorgte. Eine große Vielfalt von Früchten ernährte die Nation im kommenden Winter. Gott gebot, sich sieben Tage lang zu freuen, mit großzügigen Dankopfern. (3. Mose 23,33-43). Die „vier Früchte“ wurden vor dem Herrn geschwungen, begleitet von täglichen Opfern von insgesamt 70 Stieren – die in biblischen Zeiten die 70 Nationen der Erde repräsentierten.

Tatsächlich ist Sukkot einzigartig unter den drei großen Pilgerfesten, da die nichtjüdischen Nationen auch eingeladen waren, mit dem Volk Israel nach Jerusalem hinaufzuziehen, um Gott den Herrn anzubeten. Der Prophet Sacharja sieht eine Zeit voraus, in der alle Nationen nach Jerusalem hinaufziehen werden, um das Laubhüttenfest zu feiern (Sacharja 14,16). Dieses Fest, das wir jedes Jahr feiern, ist ein wunderbarer Vorgeschmack auf diesen großartigen Tag.

Das Laubhüttenfest ist zudem die Zeit, in der die jüdische Tradition das Erscheinen des Messias erwartet, der dann sein Reich errichten wird. Johannes 7 bezieht sich darauf. Auch deshalb wird das Laubhüttenfest als das größte der drei Pilgerfeste betrachtet. Es ist das Fest, das die Sammlung der Erlösten und die Wiederherstellung aller Dinge erwartet (Apostelgeschichte 3, 21). Das Königreich des Messias wird in einem wiederhergestellten Israel errichtet werden. Eine weltweite Ernte der Heiligen aus allen Stämmen und Nationen wird nach Jerusalem gebracht werden, das der Sitz der Herrschaft der Gerechtigkeit und des Friedens des Herrn über alle Welt sein wird. Was für eine herrliche Erwartung!

Schlussfolgerung

Vieles in unserem Leben ist vom Prinzip der Saat und Ernte bestimmt. Neben unseren persönlichen Leben spricht Gott auch über die Ernte der Seelen.

Jesus kam aus einem samaritischen Dorf, einem Ort, der vollständig von seinem Dienst beeinflusst wurde. Er forderte seine Jünger auf, große Dinge von Gott zu erwarten: „Sagt ihr nicht selber: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder, denn sie sind reif zur Ernte!“ (Johannes 4,35)

Zu viele Menschen haben die Hoffnung für ihre Nationen verloren. Jesus fordert uns heraus, unsere Augen aufzuheben. Heute sind wir Zeugen dessen, was viele als die größte Ernte in der Kirchengeschichte betrachten. Mehr Menschen kommen heute zum Glauben, als in irgendeiner anderen Phase der Geschichte. Das Evangelium beeinflusst heute Nationen, die vor hundert Jahren noch unerreicht waren. Mögen wir alle Erntehelfer des Herrn in den Feldern der Ernte sein!

Mehr Informationen zum ICEJ-Laubhüttenfest 2013 hier (Englisch).

Das Paradox Israels

Liest man das dritte Kapitel des Römerbriefes, könnte man meinen, der Apostel Paulus sei vergesslich oder verwirrt. Zweimal im selben Kapitel stellt er dieselbe Frage: Sind die Juden immer noch wichtig? Doch zweimal gibt er eine unterschiedliche Antwort – Antworten, die nicht widersprüchlicher sein könnten.

Eine Frage – zwei Antworten
Zu Beginn dieses Kapitels fragt Paulus: „Was ist nun der Vorzug des Juden oder was der Nutzen der Beschneidung?“ (Römer 3,1). Seine Antwort ist sehr direkt und sehr positiv: „Viel in jeder Hinsicht“ (Römer 3,2). Oder wie Robertson es übersetzt: „viel unter jedem Gesichtspunkt!“ Das ist eine starke Bestätigung für alle Freunde Israels. Ja, das jüdische Volk ist immer noch einzigartig, es ist Gott immer noch wichtig und es ist daher auch gut und richtig, es zu unterstützen.

Doch nur acht Verse später stellt Paulus dieselbe Frage noch einmal: „Was nun? Haben wir (Juden) einen Vorzug?“ (Römer 3,9)

Man könnte jetzt versucht sein, Paulus zu sagen, dass er genau diese Frage doch schon ein paar Verse zuvor gestellt hatte. Hat er das vergessen? Muss er seine eigenen Worte noch einmal nachlesen? Doch die Antwort des Paulus lässt den Leser perplex zurück. Er widerspricht seiner vorherigen Aussage völlig mit dieser erneut sehr direkten Antwort: „Durchaus nicht!“ 

Es ist schwierig, sich selbst mehr zu widersprechen. Was ist mit Paulus zwischen den Versen eins und neun passiert, dass er seine Meinung so schnell geändert hat?

Eine gespaltene Gemeinde
Tatsächlich beschreiben diese beiden so unterschiedlichen Antworten sehr genau viele heutige Gemeinden, wenn es um Israel geht. Man kann Theologieprofessoren, Pastoren und Gemeindegliedern dieselbe Frage stellen: „Was ist so besonders an Israel und den Juden?“ Die Antworten, die man bekommt, gehen von einem „Extrem“ ins andere. Einige werden sagen: „Viel in jeder Hinsicht! Die Gemeinde muss Israel unterstützen.“  Andere werden sagen: „Gar nichts! Sie brauchen Jesus genauso, wie jedes andere Volk auch.“ Es gibt kaum ein anderes Thema, über das sich die Gemeinde uneiniger ist als Israel. Ich habe das erst kürzlich in einer Gemeinde in Europa erlebt.

Als ich dort ankam, um die Sonntagspredigt zu halten, wurde ich herzlich von den Israel-Enthusiasten begrüßt, die mir sagten: „Wir hoffen wirklich, dass unser Pastor Dir gut zuhören wird, denn er versteht Israel überhaupt nicht.“ Einige Minuten später begrüßte mich der Pastor: „Herzlich willkommen in unserer Gemeinde!” Dann zeigte er auf die Gruppe von Israel-Enthusiasten und fügte hinzu: „Ich verstehe diese Leute einfach nicht. Sie begreifen nicht, dass die Juden ein ganz normales Volk sind wie jedes andere auch und dass sie einfach gerettet werden müssen.“

Da hatten wir es wieder: „Viel in jeder Hinsicht“ und „Nein, durchaus nicht“ saßen im selben Gottesdienst. Beide Fraktionen findet man in unzähligen Gemeinden auf der ganzen Welt. Beide Seiten zitieren Paulus und können biblische Argumente für ihren Standpunkte liefern; doch wer hat Recht?

Eine Münze mit zwei Seiten
Beide haben Recht, und das Problem entsteht nur, wenn Gläubige eine Antwort zu Gunsten der anderen ausschließen. Viele christliche Freunde Israels kennen Römer 3,1+2 auswendig, doch sie haben Probleme damit, Paulus Antwort in Vers neun zu akzeptieren. Die andere Seite stimmt voller Überzeugung mit Römer 3,9 überein, doch kämpft sie mit Paulus Antwort in Vers zwei.
Tatsächlich widerspricht sich Paulus nicht selbst, sondern zeigt beide Seiten derselben Münze. Jeder Christ muss beide Seiten dieser Münze berücksichtigen und in der Lage sein, mit dem Paradox Israels in beide Richtungen umzugehen, genauso, wie Paulus es getan hat; beide Antworten widersprechen sich nicht, sondern ergänzen einander.
 

„Viel in jeder Hinsicht“
Paulus Ausgangsfrage („Was ist nun der Vorzug des Juden oder was der Nutzen der Beschneidung?“) entsteht aus seiner Bekräftigung im vorangehenden Kapitel, dass Jude zu sein mehr den Zustand des Herzens beschreibt als eine ethnische Identität (Römer 2:26-29). Nach Paulus Auffassung gibt es unbeschnittene Heiden, die ein Gott wohlgefälliges Leben führen und daher „jüdischer“ erscheinen als einige physische Nachkommen Abrahams. Wenn das wahr ist, stellt sich tatsächlich die Frage: „Gibt es irgendeinen Vorzug, Jude zu sein?” Einige Christen würden das heute ganz platt zurückweisen und darauf hinweisen, dass Paulus gerade gesagt hätte, dass es keinen Vorzug gebe, Jude zu sein, da es allein um eine Herzenshaltung gehe.
Doch die Antwort des Paulus bekräftigt ganz deutlich die nationale Berufung Israels. Er betont einen besonderen Aspekt ihrer Berufung: „Viel in jeder Hinsicht. Denn zuerst sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden.” (Römer 3,2)

Gottes Privatsekretär
Paulus erklärt dann, dass es tatsächlich eine nationale Berufung und Bestimmung der Juden gibt, die sich von jeder anderen Volksgruppe unterscheidet. Denn den Juden wurden die „Aussprüche Gottes“ anvertraut. Die Bibel ist ein sehr jüdisches Dokument. Es wurde von Juden verfasst und auch größtenteils von ihnen in ihrer Originalsprache erhalten. Die Verfasser waren hebräische Propheten, Könige, Hirten und Priester. Als sie niederschrieben, was Gott in ihre Herzen gelegt hatte, konnten sie sich überhaupt nicht vorstellen, dass sie den größten Bestseller aller Zeiten verfassten, der schließlich in Tausende von Sprachen übersetzt werden würde.


Ein besonderes Beispiel ist Jeremia. Gott veranlasst den Propheten, eine Botschaft für Jojakim, den König von Juda zu schreiben (Jeremia 36). Der Prophet sendet seinen Diener Baruch, um die Schriftrolle zu übergeben. Doch dem König gefällt der Aufruf zur Buße durch den lästigen Seher nicht, und er wirft die Rolle ins Feuer. Als Baruch zu Jeremia zurückkehrt, berichtet er seinem Meister, dass seine Botschaft im Königspalast nicht gut aufgenommen und die Schriftrolle zerstört wurde.

Jeremia war wahrscheinlich enttäuscht, doch Gott trug ihm auf, die Botschaft noch einmal auf eine neue Rolle zu schreiben. Warum? Weil die Botschaft nicht nur für den König von Juda gedacht war, sondern auch für den Präsidenten Russlands, für den Gebrauchtwagenhändler in Oklahoma, für die Krankenschwester in Berlin und den Jurastudenten in Manila. Die Bibel ist eine globale Botschaft, die der gesamten Menschheit den Weg zu Gott zeigt; sie wurde der Menschheit durch das jüdische Volk gegeben. Rev. Malcolm Hedding, der frühere Geschäftsführende Direktor der ICEJ, hat Israel oft als „Gottes Privatsekretär“ bezeichnet.

„Er verkündete Jakob sein Wort, Israel seine Ordnungen und seine Rechtsbestimmungen. So handelte er an keiner Nation.“ (Psalm 147,19+20) Tatsächlich wurde keiner anderen Nation dieses Privileg zuteil; und allein dafür verdient Israel unseren beständigen Respekt.

Ein jüdischer Messias
Doch nicht nur das geschriebene Wort Gottes kam aus dem jüdischen Volk, sondern auch das „Wort, das Fleisch wurde” (Johannes 1,14), derjenige, der das „Wort Gottes“ genannt wird (Offenbarung 19,13). Jesus war Jude!

Ich erinnere mich noch gut an den Bruder aus Bayern, der nach einem Sonntagsgottesdienst zu mir kam. „Ich stimme Dir zu, dass Jesus von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Als Jesus auf der Erde war, war er ein Jude“, sagte er mir. „Doch, Bruder Jürgen, Du vergisst, dass Jesus nach seiner Auferstehung einen verherrlichten, verklärten Leib empfing. Mit diesem verherrlichten Leib sitzt er nun im Himmel als rasseloser, universeller Bruder aller Menschheit.“

Ich muss zugeben, dass es beeindruckend klang, ein „rasseloser, universeller Bruder aller Menschheit im Himmel“. Doch das ist nicht biblisch. Die allerletzten Worte Jesu in der Bibel lauten: „Ich Jesus… Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern.“ (Offenbarung 22,16) Ist es nicht erstaunlich, dass Jesus bis zu den letzten Seiten der Bibel bestätigt, dass er selbst im Himmel, mit einem verklärten Leib, der Löwe aus dem Stamme Juda bleibt (Offenbarung 5,5), der Nachkomme eines jüdischen Königs aus Jerusalem? Auch das verdient unsere bleibende Dankbarkeit.

Eine unabänderliche Berufung
Von Anfang an definierte Gott die DNA der Berufung Israels gegenüber Abraham: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.” (1. Mose 12,3) Deshalb hat Gott das jüdische Volk erwählt, nicht für es selbst, sondern, um ein Segen für die ganze Welt zu sein. Aufgrund dieser einzigartigen Berufung bekräftigt Paulus, dass es einen Vorzug gibt, nach dem Fleisch ein Jude zu sein – „viel in jeder Hinsicht!“.

Doch ihm ist ebenso klar, dass die Leute ihn sofort mit einem Gegenargument herausfordern werden: „Aber Paulus, Du hast ganz vergessen, dass die Juden ihren Messias nicht akzeptiert haben.“ Paulus spricht genau dieses Argument im folgenden Vers an: „Was denn? Wenn einige untreu waren, wird etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben?“ (Römer 3,3) Wird Israels Untreue Gottes Bund mit ihr annullieren? Hat Gott seine Meinung über Israel geändert, weil sie den Messias abgewiesen haben? Und hat wegen ihrer Rebellion schließlich die Gemeinde Israel als Volk Gottes ersetzt?
Paulus nimmt erneut kein Blatt vor den Mund: „Auf keinen Fall! Vielmehr sei es so: Gott ist wahrhaftig, jeder Mensch aber Lügner “ (Römer 3,4) Gott hat niemals seine Meinung und seinen Plan mit Israel geändert. Selbst wenn sie zu Verfolgern der Gemeinde und „Feinden des Evangeliums“ geworden sind, sieht Gott sie immer noch als „Geliebte um der Väter willen. Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.”.(Römer 11,28+29)

Zweifellos ist Gott ein Gott, der seinen Bund einhält!

„Durchaus nicht“
Nach all diesem Gesagten, wie kann Paulus dann zu seiner Antwort in Vers neun kommen: „Durchaus nicht?“ Als Paulus auf die erste Frage so positiv antwortete, ging es um die nationale Berufung des jüdischen Volkes. Als Paulus die Frage ein zweites Mal stellte, hatte er eine andere Perspektive im Sinn – die es Individuums.

Die Frage könnte man auch so formulieren: „In Anerkennung der nationalen und unbereubaren Berufung Israels, gibt diese einer jüdischen Person einen Vorteil vor Gott?“ Oder: „Kommen Juden automatisch in den Himmel, einfach, weil sie die physischen Nachkommen Abrahams sind?“ Paulus Antwort ist wieder sehr direkt: „Durchaus nicht! Denn wir haben sowohl Juden als auch Griechen vorher beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde seien.” (Römer 3,9)

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte kürzlich in einer Ansprache vor Pastoren und geistlichen Leitern: „Vor Gott bin ich nicht die Kanzlerin, sondern ein Mensch.“ Das ist genau das, was Paulus hier über das jüdische Volk sagt. Ungeachtet ihrer einzigartigen und privilegierten kollektiven Berufung steht jeder einzelne Jude vor Gott genau auf derselben Stufe wie jede andere Person auf dieser Welt.

„Alle haben gesündigt”
Paulus belegt sein Argument mit einer langen Liste jüdischer Schriftstellen. Die eindrücklichste Aussage findet er im Buch der Psalmen, sie stammt vom größten König, den Israel jemals hatte: „Der HERR hat vom Himmel herniedergeschaut auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob ein Verständiger da ist, einer, der Gott sucht! Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“.(Psalm 14:2+3)

Mit dieser Aussage im Hinterkopf kommt Paulus dann zum Höhepunkt seiner Argumentation und zum Kern des Evangeliums: „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut.“ (Römer 3:22-25) Jude zu sein bringt niemanden automatisch in den Himmel, Sündenvergebung ist hier genauso nötig wie bei jeder anderen Person.

Schlüssel für den Segen
Auf die Frage: „Was ist nun der Vorzug des Juden?“ sind daher beide Antworten richtig. „Viel in jeder Hinsicht“, wegen der einzigartigen nationalen Berufung, die Gott auf sein Volk gelegt hat. Sie wurden unwiderruflich dazu berufen, die Menschheit mit dem Wort Gottes und dem Messias zu segnen. Die nichtjüdische Gemeinde muss sich daher als Schuldner der Juden betrachten und sie im Gegenzug segnen (Römer 15,27). Doch was ihre persönliche Errettung betrifft, ist ebenso wahr, was der Pastor an diesem Sonntagmorgen zu mir sagte: „Juden sind normale Menschen wie alle anderen und müssen gerettet werden“.

Paulus hat sich daher nicht widersprochen, sondern er gibt uns eine ausgewogene Perspektive für eine komplexe Fragestellung. Wir sollten uns darum bemühen, seinen Standpunkt zu verstehen und ihm zu folgen. Wenn uns dies gelingt, wird die Gemeinde nicht so gespalten sein in die Fraktion der „Viel in jeder Hinsicht“ und der „Durchaus nicht“- Anhänger! Wenn wir beide Seiten dieser Medaille annehmen, kann dies einen dringend benötigten Schritt darstellen, um beide Gruppen zusammen zu bringen zu einem gemeinsamen Bekenntnis. Das wird nicht nur ein großer Segen für Israel sein, sondern auch für die Gemeinde selbst! 

Möge Gott uns dabei helfen!

Dr. Jürgen Bühler ist der Gesamtleiter der ICEJ in Jerusalem.

„Ägypten, mein Volk“

Auch nach zweieinhalb Jahren des Arabischen Frühlings (oder Arabischen Winters, wie manche ihn nennen), wird das Feuer der regionalen Unruhen immer weiter angefacht. Während Israel eine Insel des Friedens und der wirtschaftlichen Stabilität zu sein scheint, wird der Rest des Nahen Osten immer chaotischer; niemand kann vorhersehen, was die nahe Zukunft bringen wird. Alles nahm seinen Anfang im Dezember 2010 mit einem Volksaufstand in Tunesien, der sich schnell ausbreitete und auf Ägypten, Libyen und andere Teile der arabischen Welt übergriff. Im Falle Ägyptens zerschlugen sich die anfänglichen Hoffnungen auf wahre politische Freiheiten recht schnell mit der Wahl der islamistischen Regierung, angeführt von den Muslimbrüdern.

Bürgerkrieg und Bürgerkriegsgefahr
Es dauerte nicht lange, bis die Demonstranten auf die Straßen zurückkehrten. Einige waren enttäuscht, weil ihre Hoffnungen auf Freiheit und Demokratie durch das Aufzwingen strengerer Scharia-Gesetze verloren schienen. Andere waren sehr besorgt über die Unfähigkeit der Muslimbrüder, die ohnehin schon schwächelnde Wirtschaft zu retten. Vor kurzem griff das Militär ein, um erneut die Kontrolle über das Land zu übernehmen, doch die Zeichen stehen auf Bürgerkrieg. Mehrere Dutzend Zivilisten sind bereits bei den Unruhen ums Leben gekommen.

In Syrien hat der Arabische Frühling zu einem brutalen Bürgerkrieg geführt, der in den letzten zwei Jahren mehr Menschenleben gefordert hat, als alle arabisch-israelischen Kriege zusammen. Mehr als 100 000 Menschen wurden getötet in diesem Kampf zwischen Regierungstruppen des Assad Regimes und den Rebellen; und verschiedenen Rebellengruppen bekämpfen sich sogar gegenseitig.

Diesen steigenden Todeszahlen geht ein Jahrzehnt des Krieges und des Blutvergießens im Irak voraus. Obwohl amerikanische Truppen die Frontlinien im Irak bereits 2011 verlassen haben, sind weitere 5000 Menschen seitdem ums Leben gekommen in Zusammenstößen zwischen verschiedenen islamischen Milizen.

Die westliche Welt scheint planlos zu sein, wie sie dieser Gewalt und diesem Abschlachten begegnen soll. Eine weitere Invasion wie im Irak oder in Libyen ist gefährlich. Die Lage in Ägypten ist ziemlich komplex. Militärputsche werden von westlichen Demokratien grundsätzlich abgelehnt, doch in den letzten Wochen waren die Wächter der Demokratie im Westen erstaunlich schweigsam, da sie hofften, dass das Militär eine liberalere Regierung einsetzen würde.

Westliche Regierungen befinden sich in der Syrienfrage in einem ähnlichen Dilemma. Sie sind bereit, einen repressiven Diktator loszuwerden und machen sich gleichzeitig Sorgen um radikal-islamische Elemente in der Opposition. 

Ägyptens einzigartige Geschichte
Trotz aller dieser aktuellen Entwicklungen glaube ich ganz fest, dass es eine positive biblische Perspektive gibt. Ein Blick zurück in die Geschichte kann uns dabei helfen, einen neuen und hoffnungsvollen Blick auf die Ereignisse zu gewinnen.

Von der Antike bis heute hat Ägypten schon immer eine zentrale Rolle im Nahen Osten gespielt. Abgesehen von Israel ist Ägypten das Land, das in der Bibel am häufigsten erwähnt wird, nämlich zirka 700 Mal. Die hebräischen Patriarchen verbrachten Zeit in Ägypten – Abraham (siehe 1. Mose 12,10) und Jakob (siehe 1. Mose 46, 3-6). Alle zwölf Söhne Jakobs, nach denen die Stämme Israels benannt wurden, starben in Ägypten. Sehr bekannt und wichtig ist in der Bibel natürlich auch der große Auszug der Israeliten aus Ägypten.

Und schließlich führte die Beziehung Abrahams mit der ägyptischen Frau Hagar zur Geburt Ismaels, von dem die arabischen Völker abstammen.

Ägyptens verdrängte Geschichte
Durch die Bibel hindurch wird über Ägypten allgemein in negativen Worten gesprochen, oft wird auf Sklaverei und Sünde Bezug genommen (beispielsw. Offenbarung 11,8). Doch es gibt noch eine andere Seite der ägyptischen Geschichte, die sich über die Jahrhunderte entwickelt hat.

König Salomo beispielsweise ging einen Freundschaftsvertrag mit Ägypten ein, als er die Tochter des Pharao heiratete; er baute ihr sogar einen Palast in Jerusalem. Zwar wurde diese Frau zu einer Quelle des Götzendienstes in Israel, doch stand sie am Anfang einer politischen und wirtschaftlichen Allianz, die eine lange Zeit anhielt, wenn auch mit einigen sehr gewalttätigen Unterbrechungen. Doch diese Allianz war nie ganz vertrauenswürdig– tatsächlich warnte Gott Israel davor, sich auf Ägypten zu verlassen (2. Könige 18,21).

Die größte Veränderung trat jedoch zur Zeit des babylonischen Exils ein. Damals floh eine beachtliche Zahl der Juden nach Ägypten, wo sie eine große jüdische Gemeinde gründeten (2. Könige 25,26). Nach Angaben des jüdischen Historikers Josephus Flavius wuchs diese Diaspora-Gemeinschaft im zweiten Jahrhundert vor Christus auf mehr als eine Million Menschen an. Ihr Zentrum war die Hafenstadt Alexandria an der Mittelmeerküste. Diese Stadt wurde in der Antike weltberühmt und brachte so prominente jüdische Denker wie den Philosophen Philo von Alexandria hervor.

Josephus berichtet, dass im zweiten Jahrhundert vor Christus sogar eine Nachbildung des Jerusalemer Tempels in Ägypten gebaut wurde, der von Onia, einem Sohn des Hohepriesters in Jerusalem, beaufsichtigt wurde.

Wiege der Septuaginta
Dort in Ägypten wurde der Tanach (das Alte Testament) zuerst in eine Fremdsprache übersetzt. Diese griechische Übersetzung der hebräischen Bibel wurde Septuaginta (LXX) genannt, wobei sich der Name auf die 70 Priester und Gelehrten bezog, welche die Schrift für die berühmte Bibliothek von Alexandria übersetzten.

Der Apostel Paulus zitierte oft aus der Septuaginta, wenn er sich auf Bibelverse aus dem Alten Testament in seinen neutestamentlichen Briefen bezog. So wurde die Septuaginta zu einem wichtigen Werkzeug, um das Evangelium unter den griechisch sprachigen nichtjüdischen Nationen zu verbreiten.

Nach dem Matthäusevangelium verbrachte Jesus einen Teil seiner Kindheit in Ägypten, weil seine Eltern dort Zuflucht vor Herodes eifersüchtigem Wahn suchten (Matthäus 2, 13-15, dort wird Hosea 11,1 zitiert).

Dort in Ägypten erlebte der neue Glaube an Jesus Christus in den Anfangsjahren das stärkste Wachstum, berichtet uns die Kirchengeschichte. Christliche Gemeinden wurden im ganzen Land gegründet. Mitglieder der ägyptischen Kopten behaupten noch heute, die Nachkommen dieser Kirche des ersten Jahrhunderts zu sein, was sie zu den ältesten der historischen Kirchen machen würde, die heute noch bestehen. Einige der aktuellen Erweckungsgottesdienste, über die aus Ägypten berichtet wird, werden von wiedergeborenen, geisterfüllten koptischen Priestern geleitet. Gemeinsam mit dem Libanon ist Ägypten immer noch die Heimat einer der größten christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten. Die Kopten machen zirka zehn Prozent der insgesamt 80 Millionen ägyptischer Bürger aus.

Hoffnung für Ägypten und Syrien 
Wenn wir Ägypten heute betrachten, sollten wir alle sehr ermutigt sein, für diese Nation zu beten. Während viele Prophezeiungen dem Land Gericht verkünden, verspricht die Bibel Ägypten auch eine herrliche Zukunft.

Der Prophet Jesaja spricht in Kapitel 19 sehr klar über Gottes Erlösungsplan für Ägypten. Er sieht eine nationale Erweckung in Ägypten voraus, die einem Wunder gleichkommt (Jesaja 19, 18-25).

Ägypten wird einen zentralen Ort der Anbetung haben – einen „Altar für den Herrn“ (V.19).

„Und der HERR wird sich den Ägyptern zu erkennen geben, und die Ägypter werden an jenem Tag den HERRN erkennen“ (V.21).

Alles läuft auf eine Friedenszeit für die gesamte Region hinaus, die Ägypten, Assyrien und Israel einschließen wird: „An jenem Tag wird es eine Straße von Ägypten nach Assur geben….An jenem Tag wird Israel der Dritte sein mit Ägypten und mit Assur, ein Segen inmitten der Erde“ (Jesaja 19, 23-24).

Was für eine wunderbare Hoffnung! Das Ziel, das alle politischen Initiativen der letzten Jahrzehnte nicht erreicht haben, wird Wirklichkeit werden. Es ist bemerkenswert, dass Jesaja Frieden und Wiederherstellung für beide großen Reiche der damaligen Zeit sehen konnte – für Assyrien und Ägypten, die beide Israel bedrohten, als diese Prophezeiung ausgesprochen wurde.

Während Jesaja einerseits gegen „den geknickten Rohrstab“ Ägyptens predigte (Jesaja 36,6) und gegen Assur („Wehe, Assur, Rute meines Zorns!“ Jesaja 10,5), konnte der Prophet ebenfalls sehen, dass sich Gottes Plan der Errettung schlussendlich auch für diese Heidenvölker erfüllen würde, die Israel feindselig gegenüberstanden.

Erst Not, dann Errettung
Wenn wir dieses bemerkenswerte Kapitel 19 im Zusammenhang lesen, erkennen wir, dass es mit großen Nöten für Ägypten beginnt. Der Prophet sieht politischen Aufruhr vorher, in dem „Ägypten gegen Ägypten“ vorgehen wird (Jesaja 19,2). Er spricht über einen „harten Herrn”, der das Land eine Zeit lang regieren wird (Jesaja 19,4) und über große Naturkatastrophen und wirtschaftliche Schwierigkeiten (V. 5-10).

Die Menschen werden nach Rat suchen, aber niemanden finden, der ihnen Einsicht vermitteln kann. Der Prophet fordert die Weisen heraus, Orientierung zu geben, dass sie „verkünden und erkennen, was der HERR der Heerscharen über Ägypten beschlossen hat“ (V.12). Doch niemand ist dazu in der Lage – genau wie heute. Doch in dieser Zeit großen Unheils wird es geschehen: „Wenn sie zum HERRN schreien werden wegen der Unterdrücker, dann wird er ihnen einen Retter senden; der wird den Streit führen und sie retten“ (V.20).

Assyrien war das zweite große Weltreich zur Zeit des Jesaja. Seine Grenzen umfassten der Großteil der heutigen Staaten Syrien und Irak. Wenn wir die aktuelle Lage betrachten, sehen wir nicht nur Ägypten sondern auch Syrien und den Irak in Chaos und Bürgerkrieg, so wie in Jesaja 19,1-15 darüber geschrieben wird. 

Zeiten der Erfüllung
Die Zeit wird zeigen, ob wir in unseren Tagen die Erfüllung von Jesaja 19 erleben werden, doch wir müssen eingestehen, dass die aktuelle Lage in Vielem mit diesem Textabschnitt übereinstimmt. Ich glaube nicht, dass es je eine Zeit gab, in der die aktuellen Entwicklungen so sehr mit dem prophetischen Wort übereinstimmen wie heute.

Viele Theologen erkennen heute an, dass wir mit der Wiederentstehung des Staates Israel und der Rückkehr der Juden aus dem Exil in eine neue Phase der prophetischen Erfüllung eingetreten sind. Wie die Propheten vorhergesagt haben, sind die Juden von den Enden der Erde zurückgekehrt. Die Wüste grünt und blüht, und Israel selbst hat sich etabliert als erfolgreiche und sichere Nation, selbst in Zeiten des Konflikts. Deshalb dürfen wir mit der Erwartung in die Zukunft schauen, dass sich auch andere erstaunliche Prophezeiungen erfüllen werden.

Wie auch immer Ihre Sicht der Endzeit aussieht, Jesaja 19 sollte uns eindrücklich an die wunderbaren Pläne Gottes mit Israel und seinen Nachbarn erinnern. Es ist sehr leicht, sich nur auf die negativen Schlagzeilen zu konzentrieren, dass nämlich die Islamisten nach der Macht greifen und Gericht vor uns liegt. Doch wir alle müssen auch verstehen, dass der Gott Israels Pläne des Friedens und der Versöhnung für die gesamte Region hat (siehe beispielsweise Jeremia 48,47; 49,6, 39).

Jesaja 19 beginnt mit der Proklamation, dass Gott alles unter seiner Kontrolle hat: „Siehe, der HERR fährt auf einer schnellen Wolke und kommt nach Ägypten. Da beben die Götzen Ägyptens vor ihm, und das Herz Ägyptens zerschmilzt in seinem Innern.“. Ein schneller Blick auf die Lage könnte jetzt nur Chaos und Unsicherheit suggerieren. Ganz sicher werden die Weisen in ihrer Weisheit versagen. Doch der Plan Gottes für Ägypten steht und wird schließlich zu seiner nationalen Errettung führen, an der Seite Israels.

Fazit
Es ist wichtig, einen Blick für die Region zu entwickeln, der über die täglichen Schlagzeilen hinaussieht. Während vordergründig ein Zusammenprall von Religionen und Ideologien stattfindet und die Region in die Hände radikaler Islamisten abzugleiten droht, sollten wir niemals aufhören, unsere Hoffnung auf den zu setzen, der sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ (Matthäus 28,18). Jesus ist der Herr aller Nationen, und das nächste große Erntefeld scheint in der muslimischen Welt zu liegen.

In der Bibel stellen wir immer wieder ein Muster fest. Schwierigkeiten und Nöte kommen über Israel, um sein Volk näher zu Gott zu ziehen. Das Buch der Richter hat viel zu sagen über diesen Kreislauf eines Israels in Not, das Buße tut und dann Frieden erfährt. Doch wenn es sich von Gott wieder abwendet, kehren auch die Nöte zurück. Der Hebräerbrief ermutigt uns, dass Zeiten der Disziplinierung und Korrektur ein Zeichen dafür sind, dass Gott an denen arbeitet, die er liebt (Hebräer 12,3-11).

Dunkel, dann Licht
Gott möchte diese aufgewühlte Region schlussendlich dahin bringen, dass er sie „Ägypten, mein Volk, und Assur, meiner Hände Werk“ nennen kann. Manchmal kommt Gott mit „Dunkel unter seinen Füßen“ (Psalm 18,10). Wir haben das in den letzten Jahrzehnten in anderen Nationen beobachten können. Vor nur zwei Generationen wurde China von einem radikalkommunistischen Regime übernommen – doch heute erlebt es eine der größten Erweckungen überhaupt. Der Iran wurde von apokalyptischen Ajatollahs eingenommen, und doch verzeichnet das Land gerade die höchste Gemeindewachstumsrate auf der ganzen Welt.

Lassen Sie uns nicht vergessen, dass Gott einen wunderbaren Plan für jede einzelne Nation der Erde hat. Paulus sagt es in Apostelgeschichte 17,26-27, dass der Herr die Zeiten und Grenzen der Nationen bestimmt (und sogar ihre jeweiligen Herrscher), „dass sie Gott suchen“.

Es gibt einen Plan Gottes für jede einzelne Nation des Nahen Ostens, und es ist letztendlich ein Plan der Rettung und Erlösung. Lassen Sie uns wie niemals zuvor für diese Lände beten. Der Herr möchte, dass Menschen aus Ägypten, Syrien, dem Irak und dem gesamten Nahen Osten eines Tages mit ihm im Himmel sind. Und Gott will der Region und der ganzen Welt seinen Frieden bringen; das sollte auch unser Ziel und Gebet sein.

Dr. Jürgen Bühler ist der Gesamtleiter der ICEJ in Jerusalem.

Ägyptens "zweite Revolution"

Viele haben geglaubt, dass der Arabische Frühling die Islamisten dauerhaft an die Macht bringen würde. Doch der dramatische Aufstand, der erst kürzlich in Ägypten stattgefunden hat, kam als eine riesengroße Überraschung. Die Welt schaute erstaunt zu, als Millionen Ägypter Anfang Juli auf die Straße gingen, um nach nur einem Jahr Amtszeit die Absetzung von Präsident Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft zu fordern. Die Demonstrationen wurden schnell als größter politischer Protest der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Sie ermöglichten es dem Militär, Mursi abzusetzen.

Jetzt wartet die Welt besorgt ab, ob die Muslimbruderschaft langfristig zu den Waffen greifen wird, um die Macht zurück zu gewinnen; dadurch würde es zweifellos zum Bürgerkrieg kommen. Die Aufstände des Arabischen Frühling sind alles andere als vorbei, und Ägyptens „zweite Revolution“ wirft viele zentrale Fragen auf – in welche Richtung entwickelt sich der Nahe Osten?

ICEJ News stellte Prof. Hillel Frisch, einem Nahost-Experten der Bar-Ilan –Universität in Tel -Aviv, diese Fragen. Im Folgenden seine (redaktionell gekürzten) Antworten….

Einmal an der Macht, glaubte man, die Muslimbrüder würden bleiben. Haben der Volksaufstand und die Tatsache, dass sich das Militär dem Volk anschloss und Mursi absetzte, überrascht?

Prof. Frisch: Allerdings! Ich hätte nie gedacht, dass die obere Mittelschicht in Ägypten so hartnäckig und zäh sein würde – und dass es ihr auch gelingen würde, ärmere Leute davon zu überzeugen, dass die Muslimbrüder entmachtet werden müssten. Und dass sie bereit waren, mit dem Militär zusammen zu arbeiten….


Was hat so viele auf die Straßen getrieben – die schwächelnde Wirtschaft oder das Aufzwingen der Scharia?

Frisch: Es war das Gefühl, dass die Muslimbruderschaft versuchte, die Kontrolle in Ägypten auf genau dieselbe Art und Weise zu übernehmen, wie zuvor das Mubarak-Regime und das Militär das Land kontrolliert hatten. Die meisten sahen es als ein fast exklusives Monopoly, welches die Muslimbrüder anstrebten. Offensichtlich gibt es eine sehr tiefverwurzelte Angst vor der Muslimbruderschaft, die seit Jahrzehnten von dem jeweiligen Regime, das gerade an der Macht war, geschürt wurde, seit zirka 70 Jahren schon.

Es sind seit dem Coup mehrere Dutzend Zivilisten in Zusammenstößen mit der Armee getötet worden. Betrachten die Ägypter den Bürgerkrieg in Syrien und sagten sich: „Das wollen wir nicht?“

Frisch: Ja, ganz sicher! Sie beobachten Syrien und haben auch die Situation in Libyen beobachtet. Man sieht es an den Kommentaren und Posts im Internet, auch in Zeitungsartikeln. Alle sagen, dass sie eine solche Situation vermeiden wollen.


Waren die massiven Proteste in Ägypten eine Zurückweisung des politischen Islam?

Frisch: Durchaus! Diese Leute wollen ganz sicher den traditionellen Islam und die Globalisierung, Arbeitsplätze, Karriere, Pressefreiheit...Das wird Zeit brauchen, doch das scheint die allgemeingültige Botschaft aus diesen Ereignissen zu sein: Wir werden nicht in einem Zeitalter der Theokratie leben.

Was bedeutet dieser neuste Aufstand in Ägypten für Israel?

Frisch: Ganz offensichtlich wäre es für Israel besser, wenn dieser Volksaufstand, unterstützt vom Militär, Erfolg haben würde und die Muslimbrüder von der Bühne verschwinden. Doch das wird nicht passieren….Grundsätzlich kann Israel mit den Folgen leben, es sei denn, Mursi würde alles gewinnen…und der Iran würde sich entscheiden, die Dschihadisten im Sinai massiv zu unterstützen; das wäre heute das schlimmste Szenario für Israel. 

Planlos in Syrien

Der brutale Bürgerkrieg in Syrien und das iranische Atomprogramm stellen für Länder in Nah und Fern schwerwiegende Bedrohungen dar. Doch Israel ist die einzige Nation, die Schritte unternimmt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Der Westen hingegen scheint immer noch wie traumatisiert zu sein durch die Folgen des Irak-Krieges 2003.

Insbesondere die US-Geheimdienste sind gefährlich langsam darin, das Offensichtlich zu entschlüsseln, dass nämlich der Iran an der Schwelle zur Atombombe steht und dass das syrische Regime chemische Waffen gegen seine eigenen Bürger eingesetzt hat. Dadurch liefern sie der Regierung von Barack Obama einen Vorwand, nur sehr zögerlich auf diese Bedrohungen zu reagieren.

Der Einmarsch in den Irak
Vor zehn Jahren wurde der von den USA angeführte Einmarsch in den Irak von Befürchtungen getrieben, der Irak entwickle Massenvernichtungswaffen und sei an der Finanzierung des weltweiten Terrors beteiligt, einschließlich einer vermuteten Rolle bei den Terroranschlägen des 11. September. Beispielsweise gab es Berichte über bewegliche Gaslabors und Bagdads Versuche, Uranerz in Zentralafrika zu erwerben.

Viele dieser Geheimdienstinformationen wurden damals als Fabrikation „zionistischer“ Elemente in Washington in Zweifel gezogen. Doch dann erklärte CIA-Chef George Tenet, die irakischen Massenvernichtungswaffen seien ein „Volltreffer“, und Außenminister Colin Powell präsentierte einen fünf Pfund schweren Zuckersack im UN-Sicherheitsrat, um die Ernsthaftigkeit der Anthrax-Bedrohung zu verdeutlichen.

Geheimdienstfehler und hohe Opferzahlen
So kam es schließlich zum Einmarsch in den Irak. Doch bedeutende Lager von Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, und die Anzahl der Todesopfer stieg. Obwohl Saddam Hussein schnell gestürzt wurde, verlängerten sowohl Al-Kaida als auch der Iran das Blutvergießen, indem sie den Irak absichtlich in das Hauptschlachtfeld gegen den „Kreuzfahrer-Westen“ verwandelten.

Natürlich wünscht sich heute niemand Saddams Rückkehr, und die meisten seiner chemischen und biologischen Waffenarsenale sind wahrscheinlich in Syrien gelandet. Doch die Kriegsmüdigkeit aus dem Irak und die Geheimdienstfehler im Zusammenhang mit diesem Konflikt beeinflussen uns noch heute. Der Westen scheint nicht in der Lage zu sein, mit der wachsenden Bedrohung aus Syrien und dem Iran umzugehen.

Die Iran-Frage
Im Fall des Iran gibt es einen ständigen Unterschied in der Einschätzung der amerikanischen und israelischen Geheimdienste, wie weit Teheran bei der Entwicklung von Atomwaffen schon fortgeschritten ist. Doch dieser Abstand verringert sich immer mehr, einfach, weil der Iran so nah an die Schwelle zur Atomwaffenfähigkeit herangerückt ist. So gestand US-Präsident Obama vor kurzem ein, dass Teheran weniger als ein Jahr davon entfernt sei, eine Bombe zu bauen.

Bei der Eröffnung der UN-Vollversammlung im letzten September zog der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu öffentlichkeitswirksam eine rote Linie zur Beendigung der iranischen Atomambitionen. Er bestand darauf, dass den Ajatollahs nicht erlaubt werden dürfte, 250 Kilogramm auf 20 Prozent angereichertes Uran anzusammeln; diese Menge reicht aus, um eine Atombombe zu bauen. Der Iran ist nun gefährlich weit an Netanjahus rote Linie herangerückt. Daher haben wir die Stunde der Wahrheit erreicht, in der sich herausstellen wird, ob die US-Regierung ihr Versprechen einhält, den Iran, falls notwendig, militärisch zu konfrontieren oder ob Washington sich für Zurückhaltung entscheidet.

Das Syrien-Dilemma
Unterdessen hat das Blutbad in Syrien in den letzten beiden Jahren nahezu 100 000 Menschen das Leben gekostet. Die NATO-Länder wollen sich jedoch nicht wirklich engagieren, da die Kriege im Irak und in Afghanistan dem Westen solche Interventionen verleidet haben.

Obama hat selbst eine rote Linie für Syrien gezogen und vor einem Eingreifen der USA gewarnt, sollte Bascher al-Assad sein tödliches Chemiewaffenarsenal in seinem Kampf um die Macht einsetzen. Doch angesichts glaubwürdiger Berichte, dass Anhänger Assads tatsächlich chemische Kampfstoffe gegen die Rebellen eingesetzt haben, fordert das Weiße Haus nun eine „ununterbrochene Kausalkette“ zurück zum Assad-Regime.

Genau wie im Fall des Iran liegt dieser Entscheidung mangelnder politischer Wille des Westens zugrunde, den wachsenden Gefahren in Syrien zu begegnen. Gleichzeitig schrecken die Geheimdienste aufgrund des Versagens im Irak vor einem Waffengang zurück.

Entschiedenheit Israels
Israel hat andererseits seinen Geheimdiensten vertraut und entschieden gehandelt, um seine eigenen roten Linien in Syrien zu verstärken. Jerusalem will nicht in den Bürgerkrieg zwischen Assad und der arabisch-sunnitischen Bevölkerungsmehrheit hineingezogen werden, teilweise deshalb, weil sich die Rebellen mit Dschihadisten verbünden, die Israel ebenfalls hassen. Doch Netanjahu hat gewarnt, dass jeder Versuch, hochentwickelte Waffen oder Massenvernichtungswaffen an die Hisbollah oder Al-Kaida-Kämpfer zu liefern, verhindert würde.

Die israelische Armee hat diese Warnung nun mit präzisen Luftschlägen in mindestens drei Fällen in den letzten Monaten untermauert. Darin eingeschlossen sind zwei Angriffe auf Raketentransporte zur Hisbollah in den Libanon, genauso wie die Zerstörung einer militärischen Forschungseinrichtung bei Damaskus. Diese unerschrockenen Aktionen waren sehr riskant, doch sie machten gleichzeitig dem Iran sehr deutlich, dass Israel es sehr ernst meint, wenn es um Massenvernichtungswaffen geht.

Bisher hat Syrien gegen Israel nicht zurückgeschlagen, höchstwahrscheinlich, weil das Assad-Regime gerade so sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt ist. Doch es hat auch im September 2006 nicht direkt reagiert, als Berichten zufolge die israelische Luftwaffe den geheimen al-Kibar -Atomreaktor zerstörte.

Der syrische Atomreaktor
Damals verfügte Israel über eine Fülle an Beweismaterial, dass es sich um eine Atomfabrik handelte, die einem nordkoreanischen Modell nachempfunden war. Die Israelis teilten ihre Beweise mit der Regierung von US-Präsident Bush. Doch die Bush-Regierung, die immer noch an den Irak-Folgen litt, zog in Zweifel, ob die Fabrik tatsächlich Teil eines Atomwaffenprogramms sei und drängte stattdessen darauf, die Angelegenheit den Vereinten Nationen zu übergeben.

Doch Israel entschied sich anders. Die Regierung von Ehud Olmert vertraute den eigenen Geheimdiensterkenntnissen und ordnete unerschrocken Luftschläge auf al-Kibar an, die Erfolg hatten, ohne dass das syrische Militär irgendwie reagierte.

Zweifelsohne werden Syrien und seine Verbündeten, der Iran und die Hisbollah, jetzt versuchen, für die letzten Luftschläge bei Damaskus Vergeltung zu üben, dadurch, dass sie Terroranschläge auf sog. „weiche Ziele“, nämlich Israelis und Juden im Ausland, verüben. Die Grenze auf den Golanhöhen wird auch immer mehr zu einer aktiven Front nach vierzig Jahren relativer Ruhe.

Fehleinschätzungen der Vergangenheit
All das vermittelt Israel das Gefühl, dass es allein den Mut hat, sich den wachsenden Bedrohungen aus Syrien und dem Iran zu stellen, während der Westen gebunden bleibt durch seine Fehler der Vergangenheit.

Das Problem ist, dass der Iran eine viel größere Bedrohung der Region und der Welt war und ist als der Irak vor zehn Jahren. Tatsächlich unternahm der damalige Premierminister Ariel Scharon im Vorfeld des Irak-Krieges zwei Visiten nach Washington, um Bush zu warnen, dass der Iran die größere Bedrohung darstelle.

Verführung und Täuschung
Wie sind wir nun in diese schwierige Situation hineingeraten, in welcher der Westen so kriegsmüde ist und gelähmt durch bleibende Zweifel, dass er sich der wahren Bedrohung durch den Iran und seine Stellvertreter nicht annehmen kann? Ich glaube, alle diese Negativfolgen rühren daher, dass die USA zum Irakkrieg verführt wurde.

Saddam ist dankenswerter Weise nicht mehr da, und unsere Geheimdienste haben sich nicht so sehr geirrt. Doch etwas hat uns in einen Kampf im Irak gelockt, der sich viel zu lange hinzog und den Westen gebunden hat, so dass er sich der größeren Bedrohung aus Teheran nicht annehmen konnte. Meiner Auffassung nach handelt es sich um etwas, was die Bibel als Geist der Täuschung oder Verführung beschreibt, der auf globaler Ebene in den „letzte Tagen“ operieren wird (2. Thessalonicher 2; 2. Timotheus 3,13).

Der Westen muss unsere Freiheit verteidigen, doch wir werden langsam aber sicher zu einem endlosen Krieg mit dem Islam verführt. Dieser ist ein Geist, der Israel zerstören will, es aber niemals schaffen wird. Doch er trachtet danach, unsere Entschlossenheit zu schwächen und Rechtfertigungen vorzubringen, Israel und den Westen zu dämonisieren. Er trachtet auch danach, uns zu einem massiven Militärschlag zu provozieren, der zum Tod unzähliger Muslime führen würde; und möglicherweise ist es genau das, was der Teufel am allermeisten will.
 

David Parsons ist Medien-Direktor der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem; www.icej.org


 

Zwei Pferde, ein Wagen

Der Herr Jesus Christus hat uns eine Botschaft anvertraut, die wir von Jerusalem aus verbreiten sollen. Sie nährt den Leib Christi weltweit und baut einzelne Gläubige in ihrem Glaubensleben auf. Dieses Wort des Herrn gibt entmutigten Herzen Zuversicht, erfüllt einsame Seelen mit Hoffnung und weckt große Hoffnungen für die herrliche Zukunft, die uns als Gläubige erwartet! Gleichzeitig beinhaltet sie auch die Warnung, geistlich wach zu seien, im Hier und Jetzt für das Königreich Gottes zu arbeiten und unsere Berufung auf dieser Erde vollumfänglich zu erfüllen!

Während wir diesen Auftrag durch das weitverzweigte internationale Netz unserer Zweigstellen ausführen, beschreibe ich unsere Botschaft oft als „zwei Pferde – ein Wagen“. Gott hat Pläne - sowohl für seine Gemeinde als auch für Israel!

Alles dreht sich um Jesus
In der Bibel dreht sich alles um Jesus (Lukas 24,27, 44-47, Offenbarung 19,10). Doch er kam nicht in ein Vakuum, sondern trat in einem ganz bestimmten Kontext auf, und dieser Kontext ist das Jüdische Volk in seinem historischen Heimatland.

Die Bibel berichtet, wie Gott vor viertausend Jahren dem Abraham begegnete und Ihm versprach, dass der Retter der Welt durch ihn kommen würde (1. Mose 12,1-7). Er würde ein Nachkomme Abrahams sein, geboren in der Linie Isaaks und Jakobs – genau in dem Land, das Gott ihm gegeben hatte. Gott schloss einen Bund mit Abraham, bekräftigt durch einen Eid, dass all dies tatsächlich passieren würde (1. Mose 15,22). Und es geschah tatsächlich! Gott setzte seinen Plan geduldig während der nächsten zweitausend Jahre um – und Jesus wurde in Bethlehem geboren!

Eingepfropft
Nach Jesu Auferstehung von den Toten und der Ausgießung des Heiligen Geistes auf seine Jünger verbreitet sich das Evangelium – es kam zuerst zu den Juden und dann zu den Heidenvölkern. Die Botschaft war ganz klar: nicht nur die Juden, sondern auch die Heiden hätten nun Zugang zum Vater durch Jesus Christus (Epheser 2,11-18). Wir als Heiden wurden in die Familie Gottes eingepfropft als rechtmäßig adoptierte Söhne und Töchter (Römer 11,17-21; Galater 3,26-29; Epheser 3,6)!

Die Sammlung der Juden
Nach der tragischen Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer im Jahr 70 n.Chr. wurde das jüdische Volk ins Exil geschickt, verstreut bis an die Enden der Erde – genau wie der Prophet Hesekiel und Jesus selbst unter Tränen vorhergesagt hatten (Hesekiel 12,15; Lukas 19,41-44; 21,20-24). Doch dieselben Personen haben auch erklärt, dass das jüdische Volk zurückkehren würde – auf Grundlage der Bundesverheißungen, die Gott Abraham gab (Hesekiel 36,22-28; Lukas 21,24).

Und sie sind tatsächlich zurückgekehrt! Gott hat das jüdische Volk zurückgebracht aus den Nationen in sein altangestammtes Heimatland nach zweitausendjährigen Wanderungen. Die Wiederherstellung Israels in unseren Tagen ist eine nachprüfbare Tatsache, die sich vor unseren Augen zugetragen hat! Gottes Pläne für die Gemeinde, das Evangelium unter allen Nationen zu verbreiten, und Seine Pläne, Israel zurück zu bringen, haben sich beide erfüllt! Gott ist treu und wahrhaftig in alle Ewigkeit! Und Er hat Israel aus einem bestimmten Grund zurückgebracht. Gottes Pläne für die Gemeinde und für Israel werden beide zu demselben herrlichen Endergebnis führen – der Rückkehr seines geliebten Sohnes, der über diese Welt herrschen wird!

Das zweite Kommen Jesu
Genauso wenig wie das erste Kommen Jesu nicht in einem Vakuum geschah, wird sich auch sein zweites Kommen nicht im „luftleeren Raum“ ereignen. Das Umfeld und der Kontext werden erneut dasselbe jüdische Volk und hier historisches Heimatland sein!

Gott hat nicht nur mit Abraham einen Bund geschlossen, sondern auch mit König David. Ihm versprach er, dass sein Nachkomme von Jerusalem aus sowohl über ein wiederhergestelltes Israel in seinem angestammten Land als auch über die Heidenvölker der Welt regieren würde (2. Samuel 7,1-17; Psalm 2; Jesaja 2,1-4; Jeremia 3,17, Sacharja 14,16).

Das jüdische Volk ist als physische Nation in sein Heimatland zurückgekehrt, und nun wird es auch geistlich als ganze Nation zu seinem Gott zurückkehren (Hesekiel 36,22-28; 37). Sie werden tatsächlich eines Tages ihren König in Jerusalem wieder willkommen heißen! (Matthäus 23,37-39)

Zwei Pferde, ein Wagen
Unsere Botschaft über Gottes einander ergänzende Pläne für Israel und die Gemeinde nähren daher die Seelen und erwecken den Geist der Gläubigen, denn wir zeigen deutlich, dass Gott seinem Wort treu geblieben ist! Wir sind dazu berufen, das Evangelium überall zu verbreiten, während wir gleichzeitig an der herrlichen Verheißung der Rückkehr des Königs festhalten. Wir sollten auf ihn warten wie eine Braut auf ihren Bräutigam wartet – mit Freude, voller Glauben, Hoffnung und Erwartung!

Der König hat gesagt, dass seine Nachfolger ihre Häupter erheben sollen, wenn Israel wieder zurück in seinem Land ist, da ihre Erlösung naht (Lukas 21,24-28). Mit anderen Worten, die Gemeinde sollte sich freuen, wenn die Juden wieder im Land sind. Jesus kommt wieder! Andererseits hat Jesus auch gesagt, dass dieses Evangelium des Königreichs auf der ganzen Welt gepredigt werden wird, und dann wird das Ende kommen (Matthäus 24,14).

Segen für Israel und die Nationen
Mit einem unserer beiden Augen sollten wir daher ständig Israel, Jerusalem und das jüdische Volk weltweit betrachten – und uns um ihr Wohlergehen, ihren Segen und ihren Schutz bemühen! Wir sollten aktiv an Gottes Wirken an seinem Volk teilnehmen. Das andere Auge sollte sich auf die Nationen fokussieren – zu ihrem Wohlergehen, Schutz und Segen!

Anders gesagt, wir sollten mit zwei Pferden, aber auf einem Wagen unterwegs sein! Denn diese beiden Pferde laufen parallel, in dieselbe Richtung und beide sind Teil des größeren Erlösungsprozesses, der mit der Wiederkunft des Königs und der Wiederherstellung der Gerechtigkeit auf Erden endet – und Er wird derselbe König über beide Pferde sein!


 

Zeit der Ernte -Sukkot

Das letzte der drei großen Erntefeste der Bibel ist Sukkot, das Laubhüttenfest. Sukkot wird zum Herbstanfang gefeiert und markiert das Ende des alljährlichen Erntezyklus. In dieser letzten und großen Erntezeit des landwirtschaftlichen Jahres wurden die verschiedenen Früchte der Bäume und Weinstöcke (Oliven, Datteln, Feigen, Weintrauben und viele andere) eingebracht. Israel dankt Gott für ein weiteres Jahr der Versorgung. Gott war treu gewesen, vom Frühjahr bis zum Herbst, genau wie er Noah versprochen hatte: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1. Mose 8,22)

Das Fest des Wachstums
Während des Erntezyklus erlebte Israel den Herrn als einen Gott des Wachstums. Zum Passahfest, dem ersten Fest des ersten Monats, wurde ein Opfer der Erstlingsfrüchte vor dem Herrn geschwungen als prophetische Erklärung, dass Gott sein Volk auch in der Zukunft versorgen würde. Zusätzlich dazu wurde ein männliches Schaf als Brandopfer dargebracht (3. Mose 23,12).

Fünfzig Tage später, zum Pfingstfest, im dritten Monat, fuhr man die Gersten- und Weizenernte ein. Zwei gesäuerte Brote wurden vor dem Herrn geschwenkt, zusammen mit einem Opfer von sieben einjährigen Schafen (3. Mose 27, 17-18).

Dann, durch einen langen und trockenen Sommer hindurch, reifte die restliche Ernte zu Sukkot heran. Diese letzte Ernte war von entscheidender Wichtigkeit, da sie für das Olivenöl und den Wein sorgte. Eine große Vielfalt von Früchten ernährte die Nation im anschließenden Winter. Gott gebot, sich sieben Tage lang zu freuen, mit großzügigen Dankopfern. Die „vier Früchte“ wurden vor dem Herrn geschwungen (3. Mose 23,40), begleitet mit täglichen Opfern von insgesamt 70 Stieren, 98 Lämmern und 14 Ziegenböcken. Es war eine Woche fröhlichen Dankens, da Gott erneut seinen Segen und sein Wachstum geschenkt hatte (5. Mose 30,9).

Eine letzte Ernte der Seelen
In den vergangenen Monaten haben wir gesehen, wie Jesus bis ins kleinste Detail die ersten beiden Erntefeste erfüllt hat. Genau an dem Tag der Erstlingsfrucht, am Tag nach dem Sabbat der Passahwoche (an einem Sonntag), stand Jesus als Erstling von den Toten auf, als Vorläufer vieler weiterer, die ihm nachfolgen würden (1. Korinther 15,20-23; Kolosser 1,18). Sieben Wochen später zum Pfingstfest goss Gott seinen Heiligen Geist auf die Jünger aus, und eine erste Ernte von dreitausend Seelen kam in das Reich Gottes hinein. Unzählige weitere Ernten wurden in den folgenden Jahrhunderten eingebracht.

Nur zwanzig Jahre später, als Paulus Tessalonich erreichte, wurde die Gemeinde dort gewarnt: „Diese, die den Erdkreis aufgewiegelt haben, sind auch hierhergekommen“ (Apostelgeschichte 17,6). Diese frühen Erweckungen waren so machtvoll, dass sie Nationen erschütterten, und die Erschütterungen haben seitdem nicht aufgehört.

Heute sind wir Zeugen dessen, was viele als die größte Ernte der Kirchengeschichte betrachten. Mehr Menschen kommen heute zum Glauben, als in irgendeiner anderen Phase der Kirchengeschichte. Das Evangelium beeinflusst heute Nationen, die vor hundert Jahren noch unerreicht waren. An Orten wie Lagos, Manaus und Manila herrscht sonntags fast genau derselbe Verkehr wie an Wochentagen, da Millionen von Menschen in die Kirchen strömen. Evangelisationskampagnen führen dazu, dass sich jeden Tag Tausende bekehren. Die Kathedralen Europas mögen sich leeren, doch in Kampala, Seoul und Sao Paolo blühen die Gemeinden.

Die Fertigstellung des Tempels
Es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt des Laubhüttenfestes. Es war nicht nur ein Erntefest, sondern zu Sukkot wurde auch der Tempel in Jerusalem fertiggestellt und von König Salomo eingeweiht (2. Chronik 5,1ff). Während dieser Tage füllte die Herrlichkeit Gottes den Tempel, so dass es die Priester nicht auf ihren Füßen hielt und sie ihren Dienst nicht verrichten konnten. Der Tempel wurde zu einem „Haus des Gebets für alle Nationen“, wo Gottes Volk seine Gegenwart suchen und erleben konnte (Jesaja 56,7). Der Apostel Petrus vergleicht den Bau der Gemeinde mit dem Bau eines heiligen Tempels von Gläubigen auf der ganzen Welt. Es ist kein Tempel aus toten Steinen, sondern ein Tempel aus „lebendigen Steinen“, aus Männern und Frauen, die durch den Geist Gottes umgestaltet wurden.

Der Prophet Sacharja sah eine Vision des Wiederaufbaus des Tempels trotz großer Schwierigkeiten. Er sah zwei Olivenzweige (zwei Gesalbte), die in einem fortwährenden Strom reinen, goldenen Olivenöls den siebenarmigen Tempelleuchter, die Menorah, speisten. Der Prophet wunderte sich über die Vision und ein Engel antwortete ihm: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der HERR der Heerscharen. Und er wird den Schlussstein herausbringen unter lautem Zuruf: Gnade, Gnade für ihn! … Die Hände Serubbabels haben die Grundmauern dieses Hauses gelegt, und seine Hände werden es vollenden“ (Sacharja 4,6-9).

Jesus bezeichnet sich selbst als Schluss- oder Eckstein, der von den Bauleuten verworfen wurde (Matthäus 21,42). Er hat das Fundament der Gemeinde gelegt (Epheser 2,19-22). Als der Tempel sich der Vollendung nähert, sieht der Prophet, dass derjenige, der den Tempelbau begonnen hat, auch dessen Schlussstein als letzten Akt einfügen wird. Christus wird sicherstellen, dass die Gemeinde, die er vor zweitausend Jahren begonnen hat, zu ihrer herrlichen Vollendung kommt.

Wenn wir die unglaublichen Erweckungen betrachten, die sich heute auf der ganzen Welt ereignen, können wir gar nicht anders als „Gnade, Gnade für ihn!“ rufen. Die Gemeinde des lebendigen Gottes ist kein Menschenwerk. Und sie kann nicht getrennt vom Wirken des Heiligen Geistes erklärt werden, der ein Geist der Gnade ist.

Die Nationen beten Gott an
Ein weiterer einzigartiger Aspekt des Laubhüttenfestes ist es, dass die nichtjüdischen Nationen sich dem Volk Israel in seinem Lobpreis des Gottes Israels anschließen können. Vor ein paar Jahren erklärte uns der Oberrabbiner Haifas sein Verständnis des Opfers von siebzig Stieren im Tempel während des Sukkot-Festes. Er sagte, dass diese Stiere die 70 Nationen der Welt darstellten, die es zur damaligen Zeit laut der biblischen Tradition gab. Sie verdeutlichtem dem jüdischen Volk, dass Gott auch einen Plan für die nichtjüdischen Nationen hatte. Der Tempel in Jerusalem sollte ein Haus des Gebets für alle Völker sein.

Es ist erneut der Prophet Sacharja, der eine Zeit vorhersieht, in der alle Nationen nach Jerusalem hinaufziehen werden, um das Laubhüttenfest zu feiern (Sacharja 14,16). Dieses Fest, das wir jedes Jahr feiern, ist ein wunderbarer Vorgeschmack auf diesen großen Tag. Es ist immer wieder ein Wunder, Pilger aus den entlegensten Gegenden der Erde zu sehen, wie sie zum Laubhüttenfest nach Jerusalem kommen. Was für eine herrliche Feier wird es sein, wenn der König selbst nach Jerusalem zurückkehrt, um sein Königreich in dieser Stadt zu errichten!

Die große Wiederherstellung
Schließlich erwartet die jüdische Tradition zum Laubhüttenfest das Erscheinen des Messias, der dann sein Reich errichten wird. Johannes 7 bezieht sich darauf. Deshalb wird das Laubhüttenfest als das größte der drei Pilgerfeste betrachtet. Es ist das Fest, das die Wiederherstellung aller Dinge erwartet (Apostelgeschichte 3, 21). Das Königreich des Messias wird in einem wiederhergestellten Israel errichtet werden. Eine weltweite Ernte der Heiligen aus allen Stämmen und Nationen wird einen geistlichen Tempel aus Juden und Heiden darstellen. Und Jerusalem, die Stadt des großen Königs, wird der Sitz dieses Königreiches der Gerechtigkeit und des Friedens sein. Seine Wohnung wird wieder in Jerusalem sein.

So spricht der HERR: Ich kehre nach Zion zurück und wohne mitten in Jerusalem. Und Jerusalem wird „Stadt der Treue“ genannt werden und der Berg des HERRN der Heerscharen „heiliger Berg“ (Sacharja 8,3).

Was für eine herrliche Erwartung!

Kommen auch Sie zum Laubhüttenfest 2013 nach Jerusalem. Mehr Informationen hier auf Deutsch oder Englisch

 

 

 

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Zeit der Ernte -Schawuot

Dreimal im Jahr sollst du mir ein Fest feiern. Das Fest der ungesäuerten Brote sollst du halten … Ferner das Fest der Ernte, der Erstlinge vom Ertrag deiner Arbeit, dessen, was du auf dem Feld säen wirst; und das Fest des Einsammelns am Ende des Jahres, wenn du deinen Arbeitsertrag vom Feld einsammelst. (2. Mose 23,14-16)

Wir haben im Mai das biblische Schawuot-Fest oder Pfingsten gefeiert, eines der drei Feste, zu denen das Volk Israel nach Gottes Willen nach Jerusalem heraufziehen sollte, um eine heilige Versammlung abzuhalten. Sie sollten in Zion erscheinen, um das Passahfest, das Pfingstfest und das Laubhüttenfest zu feiern, die drei großen Pilgerfeste der Bibel. Diese drei Feste waren unter anderem Erntedankfeste für die verschiedenen Erntezeiten im israelischen Kalender. Im letzten Heft haben wir das Fest der „Erstlingsfrüchte“ betrachtet, das auf die Zeit des Passahfestes fiel. Diesmal konzentrieren wir uns auf Pfingsten oder Schawuot, auch bekannt als das Wochenfest.

Pfingsternte
Die zweite Erntezeit für Israel fiel auf das Pfingstfest, das genau 50 Tage nach der festgesetzten Zeit, als die Erstlingsfrüchte dem Herrn geopfert wurden (2. Mose 23,15ff), stattfand. Zum Passahfest, als diese allerersten Früchte präsentiert wurden, waren die Felder noch überwiegend grün und noch Wochen von der Erntezeit entfernt. Es war ein Akt des Glaubens, alle Früchte dieses Jahres unter den Segen Gottes zu stellen.

Doch zur Zeit des Pfingstfestes war die Frühjahrsernte des Weizens und der Gerste bereits herangereift und wurde nun Gott geweiht: „Auch das Wochenfest, das Fest der Erstlinge der Weizenernte, sollst du feiern…“ (2. Mose 34,22) Es war ein Fest der Dankbarkeit, bei dem die Treue Gotte gefeiert wurde. Doch weitere Ernten sollten folgen, wie die Oliven-, Wein- und Feigenernte.

Steinerne Tafeln- fleischerne Herzen
Laut der jüdischen Tradition kam das Volk Israel zur Zeit des Pfingstfestes am Berg Sinai an. 2. Mose 19 berichtet, dass Gott auf den Berg herabkam, im Feuer, dichten Wolken und lautem Donner. An diesem Tag gab Gott den Dekalog, die Zehn Gebote, auf „steinerne(n) Tafeln, beschrieben mit dem Finger Gottes.“ (2. Mose 31,18)

Paulus bezieht sich auf diesen Augenblick im zweiten Korintherbrief. Der Gläubige des Neuen Bundes, sagt Paulus, ist „ein Brief Christi…, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die fleischerne Herzen sind.“(2. Korinther 3,3) Für Paulus spielte sich der Dienst des Neuen Bundes auf einer ganz neuen Ebene ab, verglichen mit dem Bund am Berg Sinai (vergleiche Jeremia 31,31ff).

In Apostelgeschichte 2 heißt es, dass „als die Zeit des Pfingstfestes erfüllt war“, der Heilige Geist auf die junge Gemeinde wie ein gewaltiger Wind kam und mit Feuerzungen auf jeden einzelnen der Gläubigen fiel. Die Jünger traten in eine neue Zeit des Dienstes ein. Es war der Dienst der vom Heiligen Geist ermächtigten Individuen, die durch die in ihnen wohnende Gegenwart Gottes umgestaltet wurden, jeder einzelne. Das war eine mächtige und dynamische Gruppe von Leuten, die die ganze Welt mit dem Evangelium veränderte.

3000 Seelen
Für die Gemeinde war das Pfingstfest auch ein erstes Erntefest, die erste Seelenernte wurde in das Vorratshaus Gottes gebracht. „Es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan“. (Apostelgeschichte 2, 41)

Es waren tatsächlich nur die Erstlingsfrüchte einer viel größeren Ernte – denn in den darauffolgenden Wochen, Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten sollten Millionen weitere folgen. Diese erste Ernte war eine ausschließlich jüdische Ernste, da alle diese ersten Jesusgläubigen Juden waren. Mit der Zeit zeigte Gott diesen ursprünglichen Aposteln, dass in anderen Teilen der Erde die Felder zur Ernte heranreiften. Schließlich wuchs diese Ernte zu einer unzählbaren Schar von Menschen aus jeder Nation, jedem Stamm und jeder Sprache heran.

Es ist bemerkenswert, dass Gott Israel mit Seiner Heiligkeit und Seinem Gericht herausforderte, als Er mit Feuer auf den Berg Sinai herabkam. Als Mose erneut auf den Berg Sinai hinaufsteig, rebellierte das Volk gegen Gott und erbaute das goldene Kalb. Als Folge wird uns berichtet, dass 3000 Seelen starben (2. Mose 32,28). Doch am Tag des Pfingstfestes fanden 3000 Seelen ewiges Leben, was eine deutliche Demonstration der lebensspendenden Kraft des Neuen Bundes darstellt. Der Bund des Mose wurde in Gesetzesform auf steinerne Tafeln und unveränderte Herzen geschrieben. Der Neue Bund ist ein Bund der durch den Geist veränderten Herzen.

Sowohl Apostelgeschichte 2 als auch 2. Mose 34 erinnern uns eindrücklich daran, warum der Hebräerbrief immer wieder betont, dass wir einem besseren Bund dienen, der auf besseren Verheißungen beruht (siehe Hebräer 8,6). Doch beide Bibelstellen zeigen uns auch, wie verzweifelt wir den Heiligen Geist brauchen, damit unsere Herzen verändert werden.

Zwei gesäuerte Brote
Nach dem Gesetz des Mose sollte Gott zu Pfingsten ein besonderes Opfer dargebracht werden. „Ihr sollt aus euren Wohnungen zwei Brote bringen als Schwingopfer, von zwei Zehnteln feinstem Mehl, gesäuert und gebacken, als Erstlingsgabe für den HERRN“ (3. Mose 23,17)

Frühe Kirchenväter sahen darin eine interessante Symbolik. Der Gelehrte und Mönch Beda Venerabilis (673-735) schreibt: „ Zwei Laibe Brot aus den Erstlingsfrüchten der neuen Ernte sollten richtigerweise geopfert werden, denn die Kirche sammelt solche, die sie ihrem Erlöser als eine neue Familie weihen kann, aus beiden Völkern, sowohl aus den Juden als auch aus den Heiden.“

Doch anders als andere Opfer war dies gesäuertes Brot – und symbolisierte damit die Unzulänglichkeit der Kirche/Gemeinde. Es stimmt, dass die Kirchengeschichte sowohl aus großen Triumphen als auch aus höchst ernüchternden Verfehlungen besteht. Die großen Verfehlungen der Kirchengeschichte damals oder der heutigen Gemeinden sollten uns niemals zum Stolpern verleiten sondern dazu, uns noch mehr an Gott zu hängen und anzuerkennen, dass wir seinen Heiligen Geist dringend brauchen, um unsere Herzen fortlaufenden zu verändern.

Schlussfolgerung
Schawuot war die Feier des Beginns der jährlichen Erntezeit. Es war der Anfangspunkt der Gemeinde und der Beginn unzähliger Erntezyklen, die Millionen von Menschen auf der ganzen Erde in das Königreich Gottes bringen würden. Doch es war auch der Anfang einer Gemeinde, die verzweifelt den Heiligen Geist brauchte und braucht, weil sonst der Sauerteig der menschlichen Natur die Überhand gewinnen und die Ernte verderben wird.

Das Pfingstfest war der Beginn einer Erntezeit, die bis heute noch andauert. Die Zeichen der Zeit deuten darauf hin, dass wir uns inmitten der wahrscheinlich letzten großen Ernteperiode befinden. Israel wird wiederhergestellt und beispiellose Massen von Menschen finden auf der ganzen Welt Eingang in das Königreich Gottes. Die Frage ist: Sind wir Arbeiter in Gottes Erntefeld oder sind wir nur unbeteiligte Beobachter der Ernte? Lassen Sie uns gemeinsam an die Arbeit gehen, denn die „Felder sind weiß zur Ernte.“

In der nächsten Ausgabe werden wir das größte aller Erntefeste betrachten, Sukkot, das Laubhüttenfest. Es hat eine herausragende Bedeutung für die Zeiten, in denen wir leben. Ich möchte Sie auch ermutigen, dieses Jahr an unserer ICEJ-Laubhüttenfestfeier in Jerusalem teilzunehmen, um mit der lebensverändernden Kraft des Heiligen Geistes erfüllt und so auf die bevorstehende Ernte gut vorbereitet zu werden.

 

 

 

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Zeit der Ernte - Die Erstlingsfrüchte

Dreimal im Jahr sollst du mir ein Fest feiern. Das Fest der ungesäuerten Brote sollst du halten: Sieben Tage sollst du ungesäuertes Brot essen, wie ich dir geboten habe, zur festgesetzten Zeit im Monat Abib, denn in diesem bist du aus Ägypten gezogen. Und man soll nicht mit leeren Händen vor meinem Angesicht erscheinen. Ferner das Fest der Ernte, der Erstlinge vom Ertrag deiner Arbeit, dessen, was du auf dem Feld säen wirst; und das Fest des Einsammelns am Ende des Jahres, wenn du deinen Arbeitsertrag vom Feld einsammelst. (2. Mose 23,14-16)

Drei Mal im Jahr sollte das Volk Israel nach dem Willen Gottes zu einer heiligen Versammlung nach Jerusalem kommen. Das Passahfest, das Pfingstfest und das Laubhüttenfest sind diese drei Pilgerfeste, welche die Israeliten feiern sollten. Alle drei biblischen Feste waren Dankfeiern für die verschiedenen Erntezeiten im Kalender Israels. In dieser und in den folgenden Ausgaben des „Wort aus Jerusalem“ werden wir eine dreiteilige Serie über diese Erntedankfeste und ihre Bedeutung für die „Ernte“ veröffentlichen. „Die Zeit der Ernte“ ist das diesjährige Thema unserer Laubhüttenfestfeier in Jerusalem.

Erstlingsfrüchte
Das Passahfest war das erste dieser drei großen Erntedankfeste. Es wurde auch das Fest der Erstlingsfrüchte oder Chag Habikurim genannt.

„Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch gebe, und ihr seine Ernte erntet, dann sollt ihr eine Garbe der Erstlinge eurer Ernte zum Priester bringen. Und er soll die Garbe vor dem HERRN schwingen zum Wohlgefallen für euch; am andern Tag nach dem Sabbat soll der Priester sie schwingen.“ (3. Mose 23,10+11)

Jedes Jahr zum Passahfest, am „Tag nach dem Sabbat“ musste eine Garbe der Erstlingsfrüchte (bikurim auf Hebräisch) vor dem Herrn geschwungen werden. Die Erstlingsfrüchte repräsentierten nicht nur die allerersten Früchte des Jahres, sondern auch die gesamte Ernte. Paulus erklärt in Römer 11,16: „Wenn aber der Erstling heilig ist, so auch der Teig; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige.“ Das bedeutet, dass durch das Opfer und die Absonderung der Erstlingsfrüchte die gesamte Ernte abgesondert wurde.

Das Schwingen der Erstlingsfrüchte vor Gott war somit eine Deklaration, dass die gesamte Ernte dieses Jahres Ihm gehörte. Es gehört alles Ihm, und sein Segen auf dem Samen ist von entscheidender Wichtigkeit. Denn Er schenkt auch das Wachstum.

Dasselbe galt für alles Vieh und sogar für jede Familie. Gott sagte: „Heilige mir alle Erstgeburt! Alles bei den Söhnen Israel, was zuerst den Mutterschoß durchbricht unter den Menschen und unter dem Vieh, mir gehört es.“ (2. Mose 13,2) Für jedes erstgeborene Kind wurde daher ein symbolisches Opfer in den Tempel gebracht, stellvertretend für das Erstgeborene der Familie.

Wenn wir Gott mit unseren Erstlingsfrüchten ehren, erklären wir, dass unsere ganze Familie und unser Besitz Ihm gehören. Das beinhaltet ein großes Segenspotenzial für uns. Wenn wir beschließen, unsere Familie und unseren Besitz Gott zu weihen, dann ordnen wir uns seiner Königsherrschaft unter und stellen alles unter seine segnende Hand. Es bedeutet, das wir unser Bestes Gott geben, genauso wie Abel das Erstgeborene (Bikurim) gab-„und der HERR blickte auf Abel und auf seine Opfergabe“ (1. Mose 4,4).

Israel, der Erstgeborene
Gott bezeichnete Israel als Nation als Seinen Erstgeborenen: „So spricht der HERR: Mein erstgeborener Sohn ist Israel“ (2. Mose 4,22). Das bedeutet, dass Gott Israel den Rang der Erstgeborenen unter allen Nationen gab. Darin machte Gott auf wunderbare Art und Weise auch seine Intention deutlich, alle Nationen der Erde zu segnen. Erinnern wir uns daran, was Paulus gesagt hat: „Wenn aber der Erstling heilig ist, so auch der Teig. “(Römer 11,16)

Dadurch, dass Er Israel als seinen Erstgeborenen berief und segnete, erklärte der Schöpfer auch, dass er ein erlöstes Volk aus allen Nationen berufen und segnen würde. Dies entspricht der Erwählung Israels durch Gott von Anbeginn an: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (1. Mose 12,3).

Und tatsächlich, durch diesen einen „Samen“ Abrahams, durch Jesus, den Messias, kam dieser Segen auf die gesamte Menschheit (Galater 3, 13-16). Doch Israels Berufung als Erstgeborener unter den Nationen gibt uns darüber hinaus auch Hoffnung für die Wiederherstellung Israels. Der Erstgeborene zu sein, sicherte das Privileg eines doppelten Segens zu (5. Mose 21,15-17).

Der Prophet Jeremia erklärte: „Siehe, ich bringe sie herbei aus dem Land des Nordens und sammle sie von dem äußersten Ende der Erde…Ich bringe sie zu Wasserbächen auf einem ebenen Weg, auf dem sie nicht stürzen. Denn ich bin Israel wieder zum Vater geworden, und Ephraim ist mein Erstgeborener.“ (Jeremia 31,8+9)

Andere hebräische Propheten sahen eine künftige Wiederherstellung Israels voraus, die tatsächlich einen doppelten Segen auf dieser Nation mit sich brachte (Jesaja 61,7; Sacharja 9,12). Genauso wie Gott das Erbe eines Erstgeborenen sichert, dürfen wir wissen, dass Er alle seine Verheißungen, die er Israel gegeben hat, erfüllen wird.

Jesus, der Erstgeborene aus den Toten
Während der Woche des Passahfestes „am Tag nach dem Sabbat“ – das ist der erste Tag der Woche – wurde das Opfer der Erstlingsfrüchte im Tempel geschwungen. Die Evangelien berichten, dass genau an diesem Tag Jesus von den Toten auferstand.
„Aber nach dem Sabbat, in der Morgendämmerung des ersten Wochentages, kam Maria Magdalena  und die andere Maria, um das Grab zu besehen“ (Matthäus 28,1). Jesus wurde  „der Erstgeborene aus den Toten“ (Kolosser 1,18; siehe auch 1. Korinther 15,20).

Jesus war der erste, der den Tod überwand, und als solcher ging er in den Himmel und präsentierte sich dem Vater. Aber er tat dies nicht nur für sich selbst, sondern in ihm, dem Erstgeborenen, wurden alle die Millionen Menschen, „die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16)

Aus diesem Grunde nennt ihn die Bibel „den Erstgeborenen unter vielen Brüdern“ (Römer 8,29).

Jesus ist der „Erstgeborene aller Schöpfung“ (Kolosser 1,15) und hat daher „den Vorrang in allem“ (Kolosser 1,18). Auch wenn wir ihn unseren älteren Bruder nennen dürfen, ehren wir ihn und beten wir ihn doch an als unseren König, Herrn und Erlöser.

Fazit
Wir beenden diesen ersten Teil unserer Serie mit dem Gedanken, dass die Erstlingsfrüchte das Beste repräsentieren, was wir haben und alles, was wir besitzen. Wenn wir dies Gott mit einem dankbaren Herzen zurückgeben, verheißt er uns seinen Segen.

„Ehre den HERRN mit deinem Besitz, mit den Erstlingen all deines Ertrages.Dann füllen deine Speicher sich mit Vorrat, und von Most fließen über deine Keltern“ (Sprüche 3,9-10).

Seien Sie ermutigt, Gott Ihre Allerbestes zu geben!

(Im zweiten Teil betrachten wir Schawuot (Pfingsten) – die Ernte beginnt!)

 

 

1

Die Zeit der Ernte

Dreimal im Jahr fordert die Bibel das jüdische Volk auf, nach Jerusalem hinauf zu ziehen und vor seinem Gott zu feiern. Im Frühling feiert Israel das Passahfest im März oder April, später dann Pfingsten im Mai oder Juni. Später im Jahr wird dann das größte aller Feste, das Laubhüttenfest, in Jerusalem begangen.
 

Alle drei eben erwähnten Pilgerfeste sind auch Erntefeste. Jedes feiert das Einbringen derjenigen Früchte, die zu dieser Zeit reif geworden sind. Das Passahfest weiht die Erstlingsfrüchte dem Herrn. Damit bekennt Israel, dass alles von Gott kommt, was wir haben – und dass es ihm gehört. Er verdient den ersten und besten Teil der Ernte. Durch das Opfern dieses ersten Anteils wird die gesamte Ernte vor Gott geheiligt.

Pfingsten war ein Erntedankfest für die Frühjahrsernte, die hauptsächlich aus Weizen und Gerste bestand. Währen Sukkot, dem Laubhüttenfest im Herbst, wurde die späte Ernte der Trauben und aller Baumfrüchte mit Dankbarkeit vor den Herrn gebracht. Es war das größte Fest, da es auch das Ende der alljährlichen Erntesaison markierte, bevor der Winter anbrach.

Ein uraltes Gesetz
Das Gesetz der Ernte ist so alt wie die Schöpfung, es ist tatsächlich ein Teil er Schöpfung selbst. Als Gott die Pflanzen, Tiere und die Menschen erschuf, bildete er sie so, dass sie Samen hervorbrächten, um sich zu vermehren, jeder nach seiner eigenen Art (1. Mose 1,11ff). Das erste Gebot, das Gott dem Menschen gab, war „seid fruchtbar und mehret euch“ (1. Mose 1,28). Das bedeutet, dass Gott von seiner Schöpfung erwartet, dass sie regelmäßig eine Ernte hervorbringt. Dieses Prinzip ist buchstäblich in die DNA alles erschaffenen Lebens eingraviert.

Kurz nach der Flut bestätigte Gott dieses ewige Prinzip. „Solange die Erde steht“, sagte Gott zu Noah „soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“(1. Mose 8,22).

Das Prinzip von Saat und Ernte wird so lange bestehen bleiben wie unser Planet. Es wird immer Zeiten des Pflügens und Säens geben, gefolgt von der Erntezeit. Samen werden nicht umsonst ausgestreut. Wenn wir säen, können wir immer eine Ernte erwarten.

Doch eine Ernte wird nicht von selbst kommen, wenn keine Samen ausgesät werden. Es ist ein göttliches Gesetz, das sowohl in der natürlichen Welt (3. Mose 23,10) als auch in der geistlichen Welt gilt (Hosea 10,12). Sogar Gott selbst vergleicht sich mit einem Bauern, der nach einer Ernte Ausschau hält, nachdem er selbst Samen gesät hat.

Grundregeln der Ernte
Es gibt gewisse allgemeingültige Prinzipien, welche die Dynamik und das Resultat der Ernte bestimmen. Wenn wir sie verstehen, können wir nicht nur auf eine reiche Ernte hoffen, sondern sie werden uns auch vor einer unerwünschten schlechten Ernte bewahren.

1. Prinzip der Kausalität (Ursache und Wirkung)
Die meisten Ereignisse in der Bibel, genauso wie in unserem Leben und in der Natur, passieren nicht einfach so, sondern sind die Folge vorheriger Handlungen. Ohne die harte Arbeit des Pflügens und Säens können wir eine wirkliche Ernte erwarten.

Wenn es darum geht, Nationen für den Herrn zu erreichen, war es oft so, dass die ersten Missionare in bisher unerreichten Gebieten manchmal sogar mit ihrem Leben bezahlen mussten. Kirchenvater Tertullian hat es so formuliert: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Gemeinde.“

Dieses Prinzip gilt auch in unserem persönlichen Leben. Die Visionen, die Gott uns gegeben hat, werden nicht einfach so Realität werden; meist erfordern sie eine Zeit des Pflügens, des Säens und des Begießens. Wenn Sie Lehrer werden wollen, studieren Sie das Wort Gottes! Wenn Sie zum Evangelisten berufen sind, dann lernen Sie die Arbeit eines Evangelisten kennen und säen Sie in ihre Berufung! Wenn Sie das tun, verspricht Gott Ihnen eine Ernte.

2. Die Menge des Samens zählt
Wenn Sie eine reiche Ernte wünschen, dann säen Sie nicht sparsam. Ein kärglicher Same bringt eine kärgliche Ernte (2. Korinther 9,6). Paulus schreibt dies im Kontext unserer Finanzen. Ein aufopferungsvolles Säen zieht die Aufmerksamkeit Gottes an (Lukas 21,1-3).

Manchmal erfordert das Säen einen Akt des Glaubens. Isaak beschloss in einer Zeit der Dürre und des Hungers zu säen. Die benachbarten Landbesitzer haben ihn vielleicht ausgelacht: „Was für eine Verschwendung des Samens!“ Doch Gott belohnte ihn mit einer hundertfachen Ernte in derselben Saison (1. Mose 26,1+12).

Erlauben Sie daher nicht Ihren Umständen, die Art des Samens zu bestimmen, den Sie säen. Setzen Sie Ihren Glauben vielmehr auf den allmächtigen Gott. Das betrifft alle Bereiche Ihres Lebens. Wenn Sie jeden Tag bloß einen Bibelvers lesen und ein kurzes Gebet ausstoßen, bevor Sie Ihr Haus verlassen, dann erwarten Sie nicht, ein geistlicher Riese zu werden.
 
3. Die Art des Samens zählt
Es hört sich trivial an: Erwarten Sie keine Weizenernte, wenn Sie Dornen gesät haben. Sie werden ernten, was Sie gesät haben! Wenn Sie Wind säen, werden Sie Sturm ernten ( vgl. Hosea 10,13). Wenn Sie Gerechtigkeit säen, werden Sie Gnade ernten (Hosea 10,12). Wenn Sie auf das Fleisch säen, erwarten Sie niemals eine geistliche Ernte.

Paulus erinnert uns daran: „Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten.“ (Galater 6,7-8)

Wenn Sie daher Frieden in Ihrer Familie erwarten, doch alles, was Ihre Frau und Ihre Kinder sehen, ist ein murrender und unzufriedener Ehemann, dann werden Sie Streit und Unzufriedenheit ernten. Entscheiden Sie sich heute, Samen des Segens zu säen!
 
4. Gott schenkt das Wachstum
Schließlich müssen wir anerkennen, dass wir so viel säen können, wie wir wollen – wenn wir den Segen und die Zustimmung Gottes nicht haben, dann arbeiten wir umsonst. Paulus stellt fest: „So ist weder der da pflanzt etwas, noch der da begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt.“ (1. Korinther 3,7)

Am Ende sind wir alle von seinem Segen abhängig. Jeremia sagte über Israel: „Sie haben Weizen gesät und Dornen geerntet;“ (Jeremia 12,13). Der alles entscheidende und bestimmende Faktor ist unsere Beziehung zu Jesus. Jesus sagt, dass es unmöglich ist, aus eigener Kraft Frucht hervorzubringen. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15,5)

Pflegen Sie daher Ihre Beziehung zu Jesus und Ihr Säen wird zu gegebener Zeit eine gute Ernte hervorbringen.

Ernte im Nahen Osten und in den Nationen
Wir sehen, dass vieles in unserem Leben durch das Prinzip von Saat und Ernte bestimmt wird. Gott spricht nicht nur über unser persönliches Leben, sondern auch über das Ernten von Seelen.

Jesus verließ gerade eine Stadt in Samarien. Der ganze Ort war von seinem Dienst verändert worden. Er sagte seinen Jüngern, dass sie große Dinge von Gott erwarten sollten. „Sagt ihr nicht: Es sind noch vier Monate, und die Ernte kommt? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an! Denn sie sind schon weiß zur Ernte!“ (Johannes 4,35)

Jesus sah eine große Ernte in Israel voraus. Und er ermutigte seine Jünger, ihre „Augen zu erheben“. Zu viele Menschen haben die Hoffnung für den Nahen Osten oder ihre Nation verloren. Jesus fordert uns heraus, unsere Köpfe und unsere Augen zu erheben. Der Prophet Jesaja verheißt, dass es eine übernatürliche Ernte in Israel geben wird – das, was unfruchtbar und trocken aussah, wird in eine fruchtbares Feld verwandelt werden, und das fruchtbare Feld in einen Wald. Was wird dieses Ereignis auslösen? Es wird die Ausgießung des Heiligen Geistes sein.

Das Motto des diesjährigen ICEJ-Laubhüttenfestes lautet „Zeit der Ernte“. Die Bibel ermutigt uns, eine große endzeitliche Ernte der Seelen auf der ganzen Welt zu erwarten. An vielen Orten sehen wir die Erfüllung dessen, was der Prophet Amos vorhergesehen hat: „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da rückt der Pflüger nahe an den Schnitter heran und der Traubentreter an den Sämann, und die Berge triefen von Most, und alle Hügel zerfließen.“ (Amos 9,13)

Genau das passiert heute in Asien, Afrika und Lateinamerika. Es kann auch in Ihrem Land passieren – und in Israel. Die große Ernte unserer Zeit auf der ganzen Welt sollte uns dazu inspirieren, eine große Ernte in unserem eigenen Leben, in unseren Familien, Gemeinden und Nationen zu erwarten.

Ich freue mich darauf, Sie alle beim Laubhüttenfest diesen September zu sehen! Es ist die Zeit der Ernte!

 

 

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