Change Region:Germany

Juden, die Deutschland geprägt haben

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

DruckversionSend by email

1700 Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland sind eng mit den Namen deutscher Juden verbunden, deren Wirken zahlreiche Bereiche des Lebens in Deutschland nachhaltig geprägt haben. Im Nachfolgenden finden Sie eine Auswahl bekannter jüdischer Künstler, Wissenschaftler, Politiker und Intellektueller.

Foto: Wikimedia Commons, Else Lasker-Schüler, Albert Einstein, Henriette Herz, Ludwig Borchardt (Portrait von Max Liebermann)

Kultur, Religion & Gesellschaft

Raschi (ca. 1040 – 1105), der berühmte jüdische Gelehrte, studierte 1055-1065 an einer Jeschiwa in Worms. Sein Talmud-Kommentar ist für jüdische Religionsstudenten bis heute unverzichtbar. Seine Wirkungsstätte war jedoch das französische Troyes.

Moses Mendelssohn (1729 – 1786): DerPhilosoph und Aufklärer veröffentlichte 1780 eine in Deutsche übersetzte Ausgabe der Thora, mit hebräischer Schrift.

Henriette Herz (1764 – 1847) und Amalie Beer (1767 – 1854): Die Salonnières gehörten zu den vielen jüdischen Frauen, in deren Salons sich ab Ende des 18. Jahrhunderts jüdische und christliche Intellektuelle - Männer und Frauen - zu Diskussionen, Lesungen und musikalischen Vorstellungen trafen.

Giacomo Meyerbeer (1791 - 1864): Der Sohn Amalie Beers zählt zu den bedeutendstenOpernkomponisten des 19. Jahrhunderts, insbesondere der Grand Opéra.

Heinrich Heine (1797 – 1856): Der Journalist und Dichter zählt zu Deutschlands bedeutendsten Vertretern der Romantik.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847): Der Komponist war ein Enkel Moses Mendelssohns. Seine Eltern ließen ihn und seine Geschwister christlich taufen und erziehen. 1843 gründete Mendelssohn Bartholdy das erste Konservatorium Deutschlands in Berlin.

Jakob „Jacques“ Offenbach (1819 – 1880): Offenbach gilt als der Begründer der modernen Operette.Eines seiner bekanntesten Stücke ist die „Barcarole“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“.

Edwin Oppler (1831 – 1880): Einer der erfolgreichsten Architekten des 19. Jahrhunderts. Sein Sohn Ernst Oppler (1867 – 1929) war Maler des deutschen Impressionismus.

Max Liebermann (1847 – 1935): Der Berliner Künstler war einer der bedeutendstenMaler des deutschen Impressionismus.

Else Lasker-Schüler (1869 – 1945): Schriftstellerin des Expressionismus in der Literatur.

Leo Baeck (1873 – 1956): Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg. Während des Ersten Weltkriegs dienten rund 110.000 jüdische Soldaten im deutschen Heer. 12.000 von ihnen fielen, etwa 30.000 wurden für ihre Tapferkeit mit Orden ausgezeichnet.

Markus Reich (1844 - 1911): Der Pädagoge gründete 1873 die Israelitische Taubstummenanstalt nahe Berlin. Gehörlose jüdische Kinder wurden hier für die Hochschulreife ausgebildet und auf ein möglichst selbstständiges Leben vorbereitet. Sein Sohn Felix Reich (1885–1964) konnte 1939 mit einigen Kindern nach London fliehen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September verhinderte die Evakuierung der zurückgebliebenen Kinder, die 1942 in die Vernichtungslager der Nazis deportiert wurden.

Georg Hermann Borchardt (1871 – 1943): Schriftsteller, dessen Romane Jettchen Gebertund Henriette Jacoby zu Bestsellern wurden. 1933 floh Georg Hermann mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten in die Niederlande. 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert und in den Gaskammern des Vernichtungslagers ermordet. Sein älterer Bruder war der Ägyptologe Ludwig Borchardt (s.u.).

Kurt Landauer (1884 – 1961): Fußballfunktionär und wiederholt Präsident des FC Bayern München.

Kurt Weill (1900 - 1950): DerKomponist schrieb gemeinsam mit Bertolt Brecht das Theaterstück „Die Dreigroschenoper“, das 1928 uraufgeführt und schließlich weltberühmt wurde. Nach seiner Emigration in die USA 1935 war Kurt Weill mit verschiedenen Broadway-Musicals erfolgreich.

Adolf Rosenberger (1900 – 1967): Der erfolgreiche Automobilrennfahrer war Mitbegründer und Teilhaber der 1930 gegründeten Firma Porsche. Der für viele Porsche-Fahrzeuge typische Einsatz eines Mittelmotors (Heckmotors) soll auf Rosenbergers Einfluss zurückgehen.

Marcel Reich-Ranicki (1920 – 2013): Der gebürtige Pole und Überlebende des Warschauer Ghettos gilt als einflussreichster Literaturkritiker Nachkriegsdeutschlands. Im Warschauer Ghetto arbeitete er am geheimen Untergrundarchiv Emanuel Ringelblums mit, das den Alltag der im Ghetto eingeschlossenen Juden dokumentierte. 1958 ließ er sich in Deutschland nieder. 2001 veröffentlichte Reich-Ranicki seinen Kanon deutschsprachiger Literatur.

Wirtschaft & Politik

Isaak aus Aachen: Der erste namentlich bekannte Jude in Deutschland reiste 797 im Auftrag Karls des Großen zum Kalifen von Bagdad, um den Schutz christlicher Pilger in Jerusalem zu erwirken.

Josel von Rosheim (1476 – 1554): Anwalt der Juden im Heiligen Römischen Reich, der wiederholt Vertreibungen abwenden und antisemitische Verleumdungen widerlegen konnte. Er warnte vor einer Pogromstimmung durch Martin Luthers antijüdische Schriften und versuchte, deren Verbreitung zu verhindern.

Karoline Kaulla (1739 – 1809): Hoffaktorin in Württemberg und Fürstenberg.

Mayer Amschel Rothschild (1744 – 1812): Der Kaufmann stieg 1789 in Frankfurt am Main ins Bankgeschäft ein und begründete eine der führenden Bankiersfamilien Europas. Jüdische Bankiersfamilien wie die Rothschilds, Oppenheims und andere ermöglichten mit Investitionen und Staatsanleihen die industrielle Revolution im deutschen Kaiserreich und ganz Europa.

Ferdinand Lassalle (1825 – 1864): Begründer der deutschen Sozialdemokratie.

Ludwig Bamberger (1823 – 1899): Der Bankier und Politiker war in den 1870er Jahren Mitbegründer der Reichsbank und gilt als „Vater“ der Münzreform und der deutschen Mark.

Paul Julius Reuter (1816 – 1899): Der Kaufmann gründete 1850 eine Nachrichtenagentur in Aachen, deren Brieftauben in kürzester Zeit wichtige Neuigkeiten aus der Pariser Börse übermittelten.

Walter Rathenau (1867 – 1922), der Sohn des AEG-Gründers Emil Rathenau (1838 – 1915) wurde 1922 Außenminister in der Weimarer Republik. Wenige Monate später wurde er von nationalistischen Terroristen ermordet.

Nathan Israel (1782–1852), Hermann Tietz (1837 – 1907) & Oscar Tietz (1858 – 1923), Georg Wertheim (1857 – 1939) und Adolf Jandorf (1870 –1932) eröffneten im 19. Jahrhundert Kaufhäuser in Berlin, Stralsund, Gera, Rostock und anderen Städten.

Wissenschaft

Jacob ben Jechiel Loans (gest. 1506): Leibarzt Kaiser Friedrichs III. und Hebräischlehrer des Philosophen und Hebraisten Johannes Reuchlins.

Emil Berliner (1851 – 1929): Der Kaufmann entwickelte ein Mikrofon (Berlinersches Mikrophon) für die amerikanische Telefongesellschaft Bell Telephone Company und erfand 1887 die Schallplatte und das erste Grammophon.

Ludwig Borchardt (1863 – 1938): Der Ägyptologe leitete deutsche Ausgrabungsarbeiten in Ägypten. 1912 hoben Borchardt und seine Mitarbeiter die berühmte Büste der ägyptischen Königin Nofretete, die sich heute im Ägyptischen Museum in Berlin befindet. Sein jüngerer Bruder war der Schriftsteller Georg Hermann Borchardt (s.o.).

Paul Ehrlich (1854 – 1915): Mediziner und Nobelpreisträger, begründete die moderne Chemotherapie. Seine Forschungen ermöglichten zudem die Diagnose verschiedener Blutkrankheiten und die Entdeckung des ersten Medikaments gegen Syphilis. Die Entwicklung eines Heilserums gegen Diphterie ist ebenfalls auf Paul Ehrlich zurückzuführen.

Oscar Troplowitz(1863 – 1918) entwickelte einen Klebefilm namens Tesa, einen medizinischen Klebeverband, den er Leukoplast nannte, den Lippenpflegestift Labello sowie das Drehhülsengehäuse für Lippenstifte. Gemeinsam mit dem Chemiker Isaac Lifschütz (1852 – 1938), Entdecker des Eucerits, entwickelte Troplowitz die erste Feuchtigkeitskreme weltweit: Nivea Creme.

Ernst Josef Lesser (1878 – 1928): Der Physiologe entwickelte 1911-1913 ein „Glukopausin“ genanntes Pankreasextrakt, mit dem es ihm gelang, den Blutzuckergehalt bei Fröschen zu unterdrücken. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderten Lessers weitere Arbeit zur Isolierung des Wirkstoffes Insulin und die Publikation seiner Erkenntnisse. Dies gelang 1921 kanadischen und schottischen Physiologen. Lesser war überzeugter Zionist und reiste 1914 nach Jerusalem, um die Gründung der Hebräischen Universität zu unterstützen.

Oscar Rosenfelder (1878 – 1950): Erfinder von Zellstofftaschentüchern, die er unter dem Namen Tempo 1929 beim Reichspatentamt in Berlin anmeldete.

Albert Einstein (1879 – 1955): Begründer der Relativitätstheorie, gilt als bedeutendster Physiker der Neuzeit. Angesichts des erstarkenden Antisemitismus in der Weimarer Republik unterstützte Albert Einstein den Zionismus und gehörte zu den ersten Verwaltungsräten der Hebräischen Universität in Jerusalem. 1933 gab er seinen deutschen Pass ab und ließ sich in den USA nieder. Im Exil appellierte Einstein an die Regierungen der USA, Großbritanniens und der Türkei deutsch-jüdische Wissenschaftler in ihren Universitäten einzustellen und erwirkte so die Rettung hunderter Juden aus Nazi-Deutschland.

Zurück zur Übersicht


Kostenlose Broschüre

Bestellen Sie unsere kostenlose Broschüre "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland", die einen kurzen Einblick in die Fülle von Themen gibt, Aufmerksamkeit weckt und zum Weiterlesen anregt.

Gerne lassen wir Ihnen auch mehrere Exemplare zukommen, die Sie in Ihrem Bekanntenkreis weitergeben können. Bestellung in unserem ICEJ-Büro: info@icej.de oder Tel. 0711 83889480

 


ICEJ-Nachrichten per E-Mail abonnieren

 

Share this: