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Der Schöpfer des Himmels und der Erde

Der Anfang aller Dinge liegt in Gott

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14 Okt 2019 (All day)
Der Schöpfer des Himmels und der Erde

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“(1. Mose 1,1)

Mit diesen Worten beginnt die Bibel, das Wort Gottes. Dieser Satz ist so bedeutend, dass die Mannschaft der „Apollo 8“ ihn der Welt vorlas, während sie an Heiligabend 1968 den Mond umkreiste. (Foto: Jürgen Bühler)

 

Doch es ist genau dieses biblische Konzept, Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde, das in unserer Zeit grundlegend infrage gestellt wird. Tatsächlich glauben heute viele Kirchgänger einen Großteil dessen, was in der Bibel steht – außer, dass Gott der Schöpfer ist.

 Kein Zufall

Seit Charles Darwin 1859 sein Werk „Über die Entstehung der Arten“ veröffentlichte, haben unzählige Wissenschaftler behauptet die Bibel oder gar die Existenz Gottes widerlegt zu haben. Darwin vertrat die Auffassung, dass das „Überleben des Angepasstesten“ („survival of the fittest“) eine der treibenden Grundkräfte der Natur sei – kein Gott, der alles erschaffen hat. Schon kleine Veränderungen innerhalb einer Gattung gäben bestimmten Arten einen Vorteil gegenüber anderen. Die besser angepassten Arten könnten durch diesen schrittweisen und zufälligen Prozess nicht nur überleben, sondern schließlich auch schwächere Arten verdrängen.

Als Darwin seine Theorie vorlegte ahnte er nicht, dass diese ‚kleinen Veränderungen‘ wie allmählich wachsende Flügel, Beine, Augen etc. keine zufälligen Änderungen in der Physiologie eines Geschöpfes sind, sondern erfordern, dass der DNA-Code eines Organismus eine hochkomplexe Modifikation erfährt. DNA-Codes sind die Grundbausteine jedes Lebewesens und werden aus langen Aneinanderreihungen hochkomplexer Moleküle gebildet. Heute wissen wir, dass Darwins ‚kleine Veränderungen‘ in Wirklichkeit extrem unwahrscheinliche Änderungen in ausgeklügelten Systemen sind.

Im Jahr 2004 hat der Mikrobiologe Doug Axe nachgewiesen, dass man eine unglaublich große Portion Glück bräuchte, um die verschiedenen Bestandteile des Proteins Betalaktamase (ein Enzym, das Bakterien Antibiotikaresistenz verleiht) zufällig genau richtig anzuordnen. Diese Wahrscheinlichkeit beträgt nach Axes Berechnungen 1/1077. Die Zahl 1077 ist unvorstellbar groß: eine 1 gefolgt von 77 Nullen. Um die Größe dieser Zahl bzw. ihre geringe Wahrscheinlichkeit zu veranschaulichen, bedenke man, dass das gesamte Universum aus etwa 1080 Atomen besteht! Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, allein dieses eine Protein zufällig zu bilden, ist nur geringfügig höher als die Wahrscheinlichkeit, unter allen Atomen des ganzen Universums zufällig genau ein bestimmtes Teilchen zu finden. Diese Aufgabe zu meistern ist offensichtlich unendlich weniger wahrscheinlich, als die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden.

Es gibt viele weitere Beispiele aus der Wissenschaft, die zeigen, wie unwahrscheinlich Leben auf der Erde eigentlich ist.

Wenn Wissenschaftler heute von der „Feinabstimmung“ des Kosmos oder der „Goldlöckchen-Zone“ sprechen, wollen sie damit aufzeigen, wie unglaublich fein unser Universum in vielerlei Hinsicht darauf abgestimmt ist, Leben auf der Erde zu ermöglichen. Von der Größe der Erde über ihre Entfernung zur Sonne, deren Größe und Art bis hin zum Neigungswinkel unseres Planeten – alles scheint perfekt darauf ausgerichtet zu sein. Wiederum ist es extrem unwahrscheinlich, solche Bedingungen anderswo im gesamten uns bekannten Universum zu finden.

All diese Faktoren lassen eine zufällige Entwicklung durch Evolution wissenschaftlich immer weniger plausibel erscheinen. Die Gründe, die gegen diese Ansicht sprechen, haben mittlerweile solch eine Überzeugungskraft gewonnen, dass sogar eine neue Theorie entworfen wird, um den Glauben an die Evolution aufrechtzuerhalten – und um die Anerkennung Gottes als Schöpfer zu vermeiden.

Im Mai 2007 erklärte Eugene Koonin vom Nationalen Zentrum für Biotechnologie (Maryland/USA) die derzeitigen Wahrscheinlichkeitsmodelle als unzureichend, um unsere DNA-basierte Welt zu erklären. Deshalb stellte er einen völlig neuen Ansatz vor. Anstatt die einfachste und logischste Erklärung zu erwägen – dass es einen allwissenden und allmächtigen Gott gibt, der unsere erstaunliche Welt erschaffen hat – meinte er: Da unser eigenes Universum all die Unwahrscheinlichkeiten des Lebens auf der Erde nicht erkläre, müssten endlos viele Paralleluniversen existieren, um die Möglichkeit irdischen Lebens zu begründen.

Der Hochmut des Menschen

Vor Jahren sprach ich einmal mit einem Kommilitonen am Weizmann-Institut in Rechovot über Gott und die Wissenschaft. Als ich sagte, er brauche stärkeren Glauben, um an den reinen Zufall zu glauben, als ich, um an den Gott der Bibel zu glauben, lachte er. Doch heute scheint diese Aussage zutreffender zu sein denn je. Schon König David wusste vor langer Zeit, was Wissenschaftler erst jetzt erkennen: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern. (Psalm 19,2-3) An Gott und die Wissenschaft zu glauben schließt sich nicht aus. Viele großartige Wissenschaftler wurden von der Bibel inspiriert, als sie ihre Theorien aufstellten, um die erstaunlichen Ordnungen Gottes in seiner wunderbaren Schöpfung zu beschreiben.

Dennoch bleibt die Frage: Warum muss die Bibel mit solch einer scheinbar provokativen Feststellung wie „Am Anfang schuf Gott…“ beginnen? Ist es notwendig, an einen Schöpfergott zu glauben? Warum sollte es einen Unterschied machen zu glauben, alles sei zufällig durch Evolution entstanden? Der leitende Pastor einer sehr großen Gemeinde meinte kürzlich, diese einleitenden Worte der Bibel seien verwirrend – zumindest für junge Leute mit moderner Weltanschauung. Er riet deshalb generell davon ab, das Alte Testament zu lesen.

Doch die Anerkennung Gottes als Schöpfer des Himmels und der Erde ist zentraler Bestandteil der biblischen Weltanschauung und beeinflusst unser Gottesbild stark. Bereits am Anfang der Schrift lesen wir von der grundlegenden Berufung und Identität des Menschen. Wir – Mann und Frau – sind im Ebenbild Gottes geschaffen (1. Mose 1,27). Diese Sonderstellung hebt uns von der Tierwelt und den Erklärungen menschlichen Ursprungs in anderen Religionen ab. Als Ebenbild Gottes hat der Mensch den gewaltigen Auftrag, über die Erde zu herrschen, sie zu bebauen und zu bewahren (1. Mose 1,28 + 2,15). Es ist ein Auftrag, dessen Umsetzung Wissenschaft, Forschung und Technologie fördert. Unsere Identität in Gott gibt uns – selbst in unserer gefallenen Natur – die gewaltige Hoffnung, dass wir ihm eines Tages gleich sein werden (1. Johannes 3,2). Bereits in unserer Gemeinschaft mit Gott hier auf der Erde werden wir „verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern“ (2. Korinther 3,18).

Im Ebenbild Gottes geschaffen zu sein verleiht jedem Menschen einen Wert und eine Würde, die sonst kein Geschöpf auf dieser Welt besitzt – egal ob gläubig oder nicht, reich oder arm und unabhängig von Rasse und Geschlecht.

Jürgen Habermas, einer der führenden Philosophen unserer Zeit, traf in diesem Zusammenhang eine profunde Aussage. In einer Vorlesung zum Thema „Glauben und Wissen“ (2001) äußerte sich der selbsterklärte Atheist besorgt über die zunehmende Säkularisierung moderner Gesellschaften. Die Auffassung, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen sei, sagte Habermas, verleiht jedem Mann und jeder Frau eine einzigartige Würde, der zufolge allen Menschen Respekt zusteht, unabhängig von ihren Glaubensüberzeugungen. Selbst als Atheist erkannte er, dass der Erhalt des Konzepts von Imago Dei, der Gottebenbildlichkeit, als humane Absicherung für unsere moderne Gesellschaft dient. In seinen Augen werde diese Gewährleistung nach und nach untergraben. Überraschende Worte eines Mannes, der die Existenz Gottes bestreitet!

Abwendung von Gott

Habermas‘ Befürchtung wurde vor über 70 Jahren in Deutschland Realität. Vor einiger Zeit besuchte ich die Gedenkstätte im Haus der Wannseekonferenz bei Berlin, wo Hitlers ‚Endlösung der Judenfrage‘ im Januar 1942 von verschiedenen Reichsministerien besiegelt wurde. In dieser idyllischen Villa am See trafen sie die Entscheidung, alle elf Millionen Juden in Europa auszulöschen – und erhoben darauf ihre Cognac-Gläser.

Als ich herausfand, was hinter dem Beschluss dieser gebildeten Menschen auf der berüchtigten Nazi-Konferenz stand, war ich erstaunt. Viele Jahre lang hatte ich christlichen Antisemitismus für die treibende Kraft hinter der Mord-Maschinerie Hitlers gehalten. In Wannsee erkannte ich, dass diese Männer von der pseudo-wissenschaftlichen Theorie des „Sozialdarwinismus“ getrieben wurden. Es handelte sich gewissermaßen um die logische Ausweitung der Theorie Darwins von der Tierwelt auf die Menschheit. Dies führte sie in das morbide Feld der Eugenik mit führenden Köpfen wie Eugen Fischer, Josef Mengele und anderen nationalsozialistischen ‚Wissenschaftlern‘.

Viele Sozialdarwinisten waren der Ansicht, dass nicht alle Rassen gleichermaßen lebenstauglich seien. Einige hätten sich im Evolutionsprozess weiter entwickelt als andere. Die Juden wurden als die Rasse angesehen, die die Menschheit am meisten durch ‚Degeneration‘ (‚Entartung‘) bedrohte. Deutsche Universitäten hatten eigene Forschungsabteilungen, die die Anwendung des Darwinismus auf menschliche Gesellschaften untersuchten. ‚Rassenhygiene‘ und Euthanasie waren die Mittel, um die Reinheit einer Rasse zu sichern. Das Ergebnis war die brutale Ermordung von sechs Millionen Juden. Die Leichenberge von Auschwitz und Bergen-Belsen sind Ausdruck der völligen Verdorbenheit von Menschen, die sich selbst nicht mehr als Ebenbilder Gottes sahen, sondern als einen Unfall der Natur. In solch einer Welt hatte Moral keinen Platz mehr – der Mensch legte selbst fest, was er tun und lassen wollte, und dies führte zur industriellen Abschlachtung von Mitmenschen.

Auch heute betrachtet sich der Mensch nicht als Geschöpf, das im Ebenbild Gottes geschaffen wurde, sondern er hat sich selbst an Gottes Stelle gesetzt. Unsere postmoderne Welt kennt keine klaren moralischen Standpunkte mehr zum Schutz vor dem Bösen. Vor Jahren hat sich der EU-Außenbeauftragte geweigert, die Terroristen vom 11. September böse zu nennen. Er bezeichnete sie lediglich als fehlgeleitete Einzelpersonen. Unsere Welt ist ein zunehmend gefährlicher Ort geworden, denn sie hat das moralische Bollwerk gegen die menschliche Verdorbenheit über Bord geworfen. 

Der Schöpfer Israels

Es führt uns in Demut und Verantwortung vor unserem Schöpfer, wenn wir daran festhalten, dass die Welt von Gott erschaffen wurde. Diese Haltung erkennt seine Herrschaft und endgültige Autorität an. König David erinnert uns an diese tiefen Wahrheiten: „Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. (Psalm 100,3)

Folglich ist der Schöpfer des Himmels und der Erde auch ihr Herr, was ihm volle Autorität gibt, „nach seinem Ratschluss“ zu handeln (Epheser 1,9).

Rabbi Abraham Ibn Esra, der im 11. Jahrhundert lebte, stellte einmal die Frage, warum die Bibel mit den Worten ‚Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde‘ beginne. Seine Antwort lautete: „Weil eine Zeit kommen wird, in der die Menschen das Recht des jüdischen Volkes infrage stellen werden, in seinem eigenen Land zu leben. Doch als Schöpfer der Welt kann Gott so handeln, wie es ihm gefällt.“

Der Prophet Jesaja kommt immer wieder auf diesen Punkt zurück: Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt; er gibt die Fürsten preis, dass sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte.“ (Jesaja 40,22-23)

„So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Atem gibt und Lebensodem denen, die auf ihr gehen: Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand. Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden.“ (Jesaja 42,5-6)

Gott hat alles erschaffen! Er ist nicht nur der Schöpfer des Himmels und der Erde, sondern:

„Ich bin der HERR, euer Heiliger, der ich Israel geschaffen habe…“ (Jesaja 43,15)

Das bedeutet, dass der Schöpfer Israels auch derjenige ist, „der alles schafft“ (Jesaja 44,24). Er, der Kyrus berief, Jerusalem wieder aufzubauen, ist auch derjenige, der „die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen“ hat (Jesaja 45,12). Der Retter Israels, unser Erlöser, stellt sich selbst wie folgt vor: „Israel aber wird errettet durch den HERRN mit einer ewigen Rettung, und ihr werdet nicht zuschanden noch zu Spott immer und ewiglich. Denn so spricht der HERR, der den Himmel geschaffen hat – er ist Gott; der die Erde bereitet und gemacht hat – er hat sie gegründet; er hat sie nicht geschaffen, dass sie leer sein soll, sondern sie bereitet, dass man auf ihr wohnen solle: Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr.“ (Jesaja 45,17-18)

Die Geschichte und das Schicksal Israels liegen in den Händen des Gottes, der alles erschaffen hat und besitzt. Gott möchte, dass wir offen mit ihm reden, seine Wege erforschen und über diese Erde herrschen. Wir sollen aber auch erkennen, dass wir vor ihm als unserem Schöpfer Rechenschaft ablegen müssen. Paulus gibt uns diese gesunde Warnung vor der Arroganz unserer Zeit: „Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht etwa ein Werk zu seinem Meister: Warum hast du mich so gemacht?“ (Römer 9,20)

Schlussendlich liegt die wunderbare Wahrheit des Evangeliums darin, dass Gott die Menschheit dazu einlädt, sich mit ihm zu versöhnen und mit ihm als dem Schöpfer des Himmels und der Erde zu herrschen und zu regieren. Das verleiht uns sowohl Demut als auch feste Zuversicht in unserer Berufung. Wir sind eingeladen seine Kämpfe zu kämpfen und gleichzeitig in der Gewissheit zu ruhen, dass Gott mit seinen Wegen zum Ziel kommt, auch wenn wir sie nicht immer ganz verstehen.

Nicht zuletzt gibt es uns eine unglaubliche Hoffnung für die Zukunft, wenn der Schöpfer des Himmels und der Erde auf majestätische Weise einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, „in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petrus 3,13).

 

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