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Ein Lamm pro Haus

Ein einzigartiges Passahfest 2020

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Posted on: 
7 Apr 2020
Ein Lamm pro Haus

„Das diesjährige Passah wird anders sein als alle bisherigen Passahfeste“, erzählte mir neulich ein israelischer Freund. „Wir werden es alle Haus für Haus und Familie für Familie feiern. Besuche von anderen Verwandten sind nicht erlaubt.“

Die neuen Gesundheitsmaßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus‘ haben viele uralte Passah-Traditionen der jüdischen Bevölkerung in Israel zum ersten Mal verändert. Zu Passah fanden für gewöhnlich große Familientreffen statt, an denen sich alle gemeinsam trafen, um dieses wichtige Fest des Herrn zu feiern. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte neulich in seiner jährlichen Ansprache vor dem Passahfest, dass es dieses Jahr anders verlaufen würde: „[…] wir werden die Feier des Passahfestes wie unsere Vorväter in Ägypten gestalten – Passah zu Hause! Alle Väter und Mütter werden mit den Kindern, die in ihrem Zuhause leben, Passah feiern.“

Während mein Freund mit mir sprach, wurde ich an den ursprünglichen Beginn des Passahfestes erinnert, als Israel in Ägypten war. Gott befahl den Israeliten: „Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus“ (2. Mose 12,3).

Die Errettung von Familien

Das Konzept, dass alle Mitglieder eines Haushaltes erlöst werden, ist das Herzstück des biblischen Passah-Berichts. Das Blut des Passah-Lamms musste an die Türpfosten jedes jüdischen Hauses in Ägypten gestrichen werden. „Denn der HERR wird umhergehen und die Ägypter schlagen. Wenn er aber das Blut sehen wird am Türsturz und an den beiden Pfosten, wird er an der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen, um euch zu schlagen“ (2. Mose 12,23). Das Blut des Passah-Lamms war ein Zeichen vor Gott, dass für den Haushalt, dessen Türpfosten damit bestrichen waren, Blut vergossen worden war, sodass die Bewohner darin verschont wurden. In gewisser Hinsicht haben die Corona-Maßnahmen – zumindest in diesem Jahr – eine zwingende Rückkehr zu den Traditionen bewirkt, wie sie vor rund 3.500 Jahren eingeführt wurden.

Zurück auf Anfang – diesen Eindruck hatte ich auch beim ersten Treffen unserer Gemeinde in Jerusalem nach Einführung der neuen Gesundheitsmaßnahmen. Wir kamen nicht wie sonst in unserem Gemeindesaal zusammen, sondern trafen uns zu Hause. Wir alle waren über die Internetplattform ZOOM verbunden, sangen Lobpreislieder und unser Pastor teilte seine Gedanken zu einem Bibeltext. Dann feierten wir gemeinsam das Abendmahl und ich sah auf dem Bildschirm, wie wir Brot und Wein wie jeden Monat miteinander teilten, nur eben von unseren Häusern aus.

„So haben es die ersten Gemeinden gemacht“, dachte ich mir. „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen“ (Apostelgeschichte 2,46). Vor 2.000 Jahren stellten die verschiedenen Hausgemeinschaften den Kern der damaligen Kirche dar, der so kraftvoll war, dass er die gesamte Welt beeinflusste und veränderte.

Vor kurzem sprach ich mit einem Pastor aus China über die jüngste Welle an Repressalien, die die chinesische Regierung gegen die Gemeinden im Land verhängt hat. Seine Reaktion überraschte mich: „Das ist gut“, sagte er. „Die Freiheit der letzten Jahre hatte aus uns sehr ‚westliche‘ Kirchen gemacht. Wir hielten riesige Treffen ab, die von der Bühne aus gesteuert wurden. Jetzt sind wir dazu gezwungen, zurück in unsere Häuser zu gehen“, fügte er hinzu. „So ist die Erweckung nach China gekommen.“

Heute, inmitten der Coronakrise, ist mein Eindruck, dass Gott auch in unserem Leben den Reset-Knopf gedrückt hat. Wir sind gezwungen, zu dem wirklich Notwendigen zurückzukehren, zum Kern unserer Gesellschaft. Wir werden reduziert auf unsere Beziehungen zum Herrn und zu unseren Familien! Die Krise ist eine schwierige Zeit, die viele Leben kostet und Existenzgrundlagen nimmt, doch sie kann auch eine riesige Chance darstellen, die wir nicht verpassen sollten. An unsere Häuser gebunden zu sein ist wahrscheinlich ein seltener Moment, der sich uns womöglich nicht noch einmal bietet – eine Gelegenheit für Erneuerung und Neustart in unserer Beziehung zu Gott. Diese einzigartige Zeit sollte unser Gebetsleben, unsere Zeiten des Bibellesens und unsere Gemeinschaft in Gottes Gegenwart neu beleben.

Wir haben außerdem die Chance, uns wieder auf unsere Familien zu fokussieren. Sorgen Sie inmitten dieser ungewöhnlichen Zeit dafür, einen Altar in Ihrer Familie zu errichten. Gott beauftragte sein Volk damit: „Das Feuer auf dem Altar soll brennen und nie verlöschen“ (3. Mose 6,5). Lassen Sie mich Ihnen diese Frage stellen: Brennt das Feuer auf Ihrem Familienaltar? Nutzen Sie diese Zeit dazu, als Familie im Gebet zusammenzukommen und Gottes Wort zu studieren?

Denken Sie daran, bei Passah geht es um die Errettung von Familien. Bei der Berufung Noahs trug Gott ihm auf: „Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus; denn dich habe ich für gerecht befunden vor mir zu dieser Zeit“ (1. Mose 7,1). Noah baute die Arche für sich und seine Familie. Jesus starb nicht nur für einzelne Personen, sondern für „dich und dein ganzes Haus“. Abraham wurde verheißen, dass in ihm alle „Familien“ der Erde gesegnet sein würden (1. Mose 12,3).

Auch Josua nahm bei seiner letzten Rede zum Volk Israel eine mutige und prophetische Stellung ein. Er war sich nicht sicher, ob Israel sich dazu entscheiden würde, Gott uneingeschränkt nachzufolgen. Trotzdem erklärte er, egal wie Israel sich entscheiden würde: „Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen“ (Josua 24,15). Nutzen Sie also diese einzigartige Zeit, um dieselbe Entscheidung für Ihr eigenes Haus zu treffen. Jesus ist das Lamm für Ihre Familie!

Unübliche Zeiten in Israel

Hier in Israel ist das diesjährige Passahfest anders als in jedem anderen Jahr, in dem ich es erlebt habe, und sehr wahrscheinlich auch anders als in allen vergangenen Jahren vor meiner Zeit in Jerusalem. Am ersten Tag des Monats Nissan (dieses Jahr der 26. März), in dem das Passahfest gefeiert wird, hat Israels Oberrabbiner zu einer Zeit der nationalen Buße vor den anstehenden Passah-Feiertagen aufgerufen. Er bezog sich darauf, dass nach 2. Mose 12,2 der Monat Nissan den Beginn des biblischen Jahres darstellt, und erklärte, dass diese Zeit wie die zehn Tage der Ehrfurcht von Rosch HaSchana bis Jom Kippur begangen werden sollte – mit Buße, Gebet und Fasten.

Israel zeigt heute als Nation nach außen hin eine Gottesfurcht, die sich von den meisten Nationen der Welt unterscheidet. In einem Fernsehinterview zur Corona-Krise wurde Premierminister Netanjahu kürzlich gefragt, was seine Botschaft an das israelische Volk inmitten dieses weltweiten gesundheitlichen Angstzustands sei. Seine Antwort brachte es auf den Punkt: „Zunächst müssen wir alle zu Gott beten, dass die Corona-Plage bald ein Ende hat.“ Der Journalist unterbrach ihn unhöflich und entgegnete, dass die Nation doch eher zum Weizmann-Institut für Wissenschaften beten solle, wo entscheidende Corona-Forschung betrieben wird. Daraufhin erwiderte Netanjahu: „Ja, aber auch im Weizmann-Institut wird gebetet.“ Ungewöhnliche Worte für einen Premierminister.

Einige Tage später nahm Netanjahu in seiner Ansprache zum Passahfest einen unüblichen Bezug zum Passah-Bericht aus 2. Mose, wo vom Blut auf den Türpfosten die Rede ist: „Wie beim Auszug aus Ägypten ist auch unser Auftrag klar. Und Gott wird an der Tür vorüberziehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen, um euch zu plagen.“

Hier in Israel haben wir alle den Eindruck, dass wir momentan eine besondere Zeit erleben. Als mein Freund erzählte: „Wir werden es alle Haus für Haus feiern, Familie für Familie“, kam mir noch eine andere Stelle aus dem hebräischen Propheten Sacharja in den Sinn:

„Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um das einzige Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. Zu der Zeit wird große Klage sein in Jerusalem, wie die um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo war. Und das Land wird klagen, ein jedes Geschlecht für sich: das Geschlecht des Hauses David für sich und die Frauen für sich, das Geschlecht des Hauses Nathan für sich und die Frauen für sich, das Geschlecht des Hauses Levi für sich und die Frauen für sich, das Geschlecht Schimis für sich und die Frauen für sich; so auch alle andern übrig gebliebenen Geschlechter, ein jedes für sich und die Frauen für sich“ (Sacharja 12,10-14).

Gott zeigte Sacharja, dass die Zeit der geistlichen Erneuerung und Offenbarung von ihm, „den sie durchbohrt haben“, Familie für Familie und Haus für Haus stattfinden würde. Noch nie in der Geschichte Israels gab es eine Zeit, in der das Passahfest auf solche Weise gefeiert wurde wie heute, jedes Haus für sich. Im Talmud wird die spannende Frage gestellt, um wen sie denn „klagen, wie man klagt um das einzige Kind“? Im Traktat Sanhedrin antworten die Weisen, dass es sich dabei um „Mosiach ben Joseph“ handle, der getötet wurde.

Die jüdische Tradition unterscheidet zwischen Mosiach ben David, dem königlichen Messias, der wie David über sein Volk regieren wird, und Mosiach ben Joseph, dem leidenden Messias, der getötet werden muss, um den königlichen Messias auf den Thron zu bringen.

Auch die christliche Tradition sieht Joseph im 1. Buch Mose als den größten Vorboten Jesu Christi. Nachdem er von seinen Brüdern verkauft worden war (und getötet werden sollte), wurde er zum Lebensretter und Erlöser unter den Heiden. Alle Welt reiste nach Ägypten, um bei Joseph Brot zu kaufen (1. Mose 41,57). So wie alle Nationen kamen, um Brot zu kaufen, erreichten ihn auch seine Brüder, die anderen Söhne Jakobs, um sich um seine Gunst zu bemühen. Doch sie erkannten ihren Bruder nicht, denn sein Aussehen, seine Sprache und sein Verhalten glichen dem eines Ägypters, eines Ausländers. Nachdem er seine Identität eine Zeit lang vor seinen Brüdern verborgen hatte, kam der Moment, an dem Joseph nicht mehr an sich halten konnte und sich endlich seinen Brüdern zu erkennen gab (1. Mose 45,1ff). Davor tat er aber etwas Interessantes: „[E]r rief: Lasst jedermann von mir hinausgehen! Und stand kein Mensch bei ihm, als sich Josef seinen Brüdern zu erkennen gab“ (1. Mose 45,1).

Anfang März fing Israel an, seine Grenzen und Einfuhrhäfen für Ausländer zu schließen – nur israelischen Staatsbürgern und Einwohnern mit Daueraufenthaltsgenehmigung wurde die Einreise gestattet. Niemand sonst durfte nach Israel einreisen und alle Besucher, die bereits im Land waren, mussten es verlassen. Auf ähnliche Weise gab sich Joseph seinen Brüdern zu erkennen – es war eine persönliche, intime Angelegenheit innerhalb der Familie ohne die Anwesenheit von Heiden.

Ich hätte mir nie ausmalen können, wie wohl Sacharja 12,14 und 1. Mose 45,1 erfüllt werden können. Ist dies die Zeit, in der sich diese Prophetien erfüllen? Ich weiß es nicht. In jedem Fall ist es aber eine nie dagewesene Generalprobe des glorreichen kommenden Tages. Wir leben wirklich in erstaunlichen Zeiten!

Schlussfolgerung

Zum Abschluss bitte ich Sie darum, in diesen Tagen für Israel zu beten wie nie zuvor. Wir feiern dieses Jahr ein ungewöhnliches Passahfest und wir beten und glauben, dass Gott mächtige und ungewöhnliche Dinge in unserer Mitte tun wird, wie in den Tagen der Bibel.

Darüber hinaus möchte ich Sie daran erinnern: In welchem Teil der Erde Sie diesen Text auch lesen, Jesus ist das Lamm für Ihr und mein Haus. Egal wie groß Ihre Familienprobleme auch sein mögen, Jesus ist es ein Leichtes, Ihnen darin mit seiner Hilfe zu begegnen. Vielleicht haben Sie die Hoffnung für enge Familienmitglieder aufgegeben, die dem Herrn nicht nachfolgen. Jesus ist das Lamm für ihre Familie. Beziehen Sie heute mutig Stellung und erklären Sie wie Josua: „Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen“. Der Herr segne Sie und antworte Ihnen, während Sie dies bezeugen!


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