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ICEJ-Stellungnahme zu Israels derzeitiger Corona-Impfpolitik

Israels Reaktion auf eine beispiellose Krise

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Posted on: 
12 Mär 2021
ICEJ-Stellungnahme zu Israels derzeitiger Corona-Impfpolitik

Christen aus weiten Teilen der Welt wenden sich an die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem und fragen nach unserer Sicht auf Israels Impfprogramm zur schnellen Massenimpfung gegen das Coronavirus, vor allem mit Blick auf den Einsatz neuer mRNA-Impfstoffe. Einige sind sehr besorgt, dass das israelische Volk sich unwissentlich stark gefährdet haben könnte. Andere sind durch spekulative Theorien beunruhigt, dass Israel in eine teuflische Falle mit „endzeitlichen“ Folgen gerate.

Foto: Pixabay, Schüler mit Maske, Symbolbild

Israels Reaktion auf eine beispiellose Krise

Zuerst ist es wichtig festzustellen, dass Israel wie viele andere Länder in aller Welt vor einer nie dagewesenen Gesundheitskrise mit einem tödlichen Virus stand, an oder mit dem weltweit mehr als 2,6 Millionen Menschen gestorben sind. Dazu zählen im Zeitraum der letzten zwölf Monate auch fast 6.000 Israelis – das sind sechsmal mehr israelische Tote als während der fünf brutalen Terrorjahre der Zweiten Intifada. Darüber hinaus haben die Corona-Lockdowns der israelischen Wirtschaft schweren Schaden zugefügt. Insbesondere die Tourismusindustrie ist nun seit einem ganzen Jahr komplett zum Erliegen gekommen. Folglich stimmten führende israelische Politiker aller Parteien überein, dass eine schnelle nationale Reaktion vonnöten war.

Wegen der schnellen und entschiedenen Handlungen der Regierung seit Pandemie-Beginn gilt Israel in vielen anderen Ländern weltweit als Vorbild-Nation, angefangen beim rechtzeitigen Verhängen von Lockdowns und Reiseverboten, um seine Bevölkerung vor dem Virus zu schützen. Auch entwickelte Israel erfolgreich neue medizinische Behandlungen zur Bekämpfung des Coronavirus, die in Studien vielversprechende Ergebnisse zeigen. Deshalb bleibt die Todesrate der Coronavirus-Patienten in Israel mit weniger als einem Prozent eine der geringsten weltweit, obwohl die Infektionsrate zu den höchsten zählte. Die schnelle und effektive Reaktion der Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu auf das Virus wurde weitgehend von konkurrierenden politischen Parteien, der Mehrheit der israelischen Bevölkerung und sogar von vielen internationalen Staats- und Regierungschefs anerkannt.

Israels Entscheidung für den Einsatz von mRNA-Impfstoffen

Die Entscheidung der israelischen Regierung, die neuen mRNA-Impfstoffe als einen Weg aus der Krise, in der ein Lockdown dem nächsten folgte, einzusetzen, liegt klar in der beispiellosen Pandemie begründet. Sie wurde auch von der jüdischen Tradition, Leben zu erhalten, sowie von der generellen Offenheit der Israelis gegenüber wissenschaftlichem und biomedizinischem Fortschritt beeinflusst. 25 Jahre vielversprechende medizinische Forschung mit mRNA-Impfstoffen auf internationaler Ebene und frühzeitiger Austausch zwischen der Regierung und dem Pharmaunternehmen Pfizer halfen führenden israelischen Politikern und Medizinern bei dieser schnellen Entscheidung. Pfizer unterzog seine neuen Corona-Impfstoffe einer strengen Testphase zu Kurzzeitfolgen bei Menschen, während die üblicherweise länger andauernde Testphase zu möglichen Langzeitfolgen noch aussteht. Dennoch stimmten US-Behörden einer Notzulassung zu. Mit Blick auf die steigenden Todeszahlen entschied sich Israels Regierung, ein kalkuliertes Risiko einzugehen und den mRNA-Impfstoff bei der israelischen Bevölkerung einzusetzen.

Heute ist Israel das Land mit dem größten Impf-Fortschritt weltweit – fast 90% der erwachsenen Bevölkerung sind entweder geimpft oder aufgrund einer überstandenen Covid-19-Erkrankung immun. Die bisherigen Daten lassen darauf schließen, dass der Impfstoff zu 97% erfolgreich gegen das Coronavirus schützt und die Sterberate der verwundbarsten älteren Bevölkerung ist drastisch gesunken. Israel möchte bis Ende Mai Herdenimmunität erreichen und zu einem relativ normalen Leben zurückkehren, auch wenn einige Reisebeschränkungen wahrscheinlich bestehen bleiben werden, um das Risiko des Kontakts mit neuen Virus-Mutationen zu minimieren. Außerdem plant Israel die Einführung eines „Grünen Passes“ für Geimpfte oder Genesene. Personen ohne einen solchen Pass werden in ihrem gesellschaftlichen Leben vorübergehend eingeschränkt sein. Die meisten Israelis sind dem ambitionierten Impfprogramm der Regierung gefolgt, das auch von angesehenen Medizinern im Land größtenteils unterstützt wird.

Wahrheit von Gerüchten unterscheiden

In der Zwischenzeit kursieren weltweit einige alarmierende Berichte und Theorien über Israels Impfprogramm, die einer zusätzlichen Klarstellung bedürfen.

1)      Die derzeitige Impfpolitik der israelischen Regierung ist keine Neuheit. Eine ähnliche Regelung trat 1952 im Land in Kraft, als sich jeder zwingend gegen Typhus impfen lassen musste – eine Unterlassung zog sogar eine Geldstrafe nach sich.

2)      Es gibt Behauptungen, dass in Israel viel mehr Menschen an der Impfung als an Covid-19 sterben. Solche Aussagen entbehren jeder Grundlage, wie die Daten aller israelischen Gesundheitsorganisationen erkennen lassen. Diese zeigen darüber hinaus, dass weniger Geimpfte sterben und die Symptome derer, die trotz Impfung am Virus erkranken, schwächer ausfallen als bei denen, die nicht geimpft sind.

3)      Israel entwickelt sich nicht zu einer ausgrenzenden Nation, die ihre Bevölkerung in „geimpft“ und „nicht-geimpft“ einteilt. Jeder in Israel hat die Freiheit, sich gegen eine Impfung zu entscheiden, auch wenn dies einige zeitweilige Beschränkungen bezüglich ihrer Bewegungsfreiheit und ihres gesellschaftlichen Lebens bedeuten kann.

4)      Einige bringen den neuen „Grünen Pass“ mit dem „Zeichen des Tieres“ aus dem Buch der Offenbarung in Verbindung und behaupten sogar, dass Israel sich durch die Impfungen unter die Herrschaft des Antichristen begebe. Das ist bestenfalls reine Spekulation. Impfpässe (z.B. der gelbe Impfausweis für internationale Reisen) existieren bereits seit Jahrzehnten und die Einreise in viele Länder ist nur mit aufgefrischten Impfungen gegen Gelbfieber und andere Krankheiten möglich. Darüber hinaus setzen die relevanten Schriftstellen aus Offenbarung 13 eine gotteslästerliche und antichristliche Agenda voraus, die „Krieg gegen die Heiligen“ führt. Im Gegensatz dazu ist klar, dass hinter Israels Impfpolitik keine religiöse oder geistliche Agenda steht, sondern die Absicht, Leben zu retten.

Bleibende Bedenken

Natürlich gibt es noch immer berechtigte Sorgen, Fragen und Vorbehalte, was die Langzeitfolgen der mRNA-Impfstoffe betrifft, und Menschen sollten sich zurecht dafür entscheiden können, sich nicht impfen zu lassen. Wir begrüßen es, dass Israel diese Freiheit gewährt. Unser mangelndes Wissen über langfristige Auswirkungen der Impfstoffe rechtfertigt es jedoch nicht, kritische Kampagnen gegen Israel zu starten oder israelischen Politikern böse Beweggründe gegenüber ihrem eigenen Volk zu unterstellen. Vielmehr sollten wir für sie beten, denn sie haben es mit einer nie dagewesenen Gesundheitskrise zu tun und brauchen unsere Gebete mehr als je zuvor.

Des Weiteren sind wir uns bewusst, dass das globale Ausmaß und die Auswirkungen der Gesundheitskrise die Tore für weltweit abgestimmte Initiativen geöffnet haben. Diese bergen durchaus das Potenzial, demokratische Prozesse zu untergraben und möglicherweise für zukünftige antichristliche und diskriminierende Agenden missbraucht zu werden. Trotzdem sollten Christen nicht in Furcht vor dem Coronavirus leben. Wir sollten uns auch nicht vor den Corona-Impfstoffen fürchten. Vielmehr sollten wir eine gesunde Ehrfurcht vor Gott allein haben, denn letztlich hält er unser Leben und Schicksal in seiner Hand (Jesaja 8,12-13).

Keine Spaltung zulassen

Schließlich sollten wir es dieser Krise nicht erlauben, uns zu spalten. Ich bin mir bewusst, dass nicht jeder meine obige Einschätzung teilt, und einige mögen zu einem anderen Schluss kommen. Doch wir sollten niemals Spaltungen im Leib Christi zulassen oder unsere Liebe für Gottes Volk von unserem begrenzten Verständnis hinsichtlich eines neuartigen Impfstoffs abhängig machen. Paulus sagte der Gemeinde in Rom, sie solle keine Spaltungen unter den Gläubigen wegen des Verzehrs von Opferfleisch zulassen und bestärkte die Gemeindemitglieder, sich nicht gegenseitig zu richten, denn: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn“ (Römer 14,8). Paulus erinnerte die römischen Gläubigen auch: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Römer 14,17).

Sich impfen zu lassen oder nicht ist eine individuelle Entscheidung, die nach entsprechender medizinischer Beratung durch Ärzte des Vertrauens und mit unserem Einverständnis nach erfolgter Aufklärung und im Einklang mit unserem Gewissen getroffen werden sollte. Wir alle sollten zudem die Entscheidungen anderer respektieren und darauf achten, dass wir im Austausch miteinander präzise und zuverlässige Informationen verwenden.

Gebetsunterstützung benötigt

Bitte beten Sie in dieser schwierigen Zeit für Israels Leiter und beten Sie bitte auch für uns, während wir unserem Auftrag nachkommen, Israel in Krisenzeiten unerschütterlich zur Seite zu stehen. Gebet kann heilen und bewahren. Das haben wir in unserem Heim für Holocaustüberlebende in Haifa erlebt, das vom Coronavirus weitestgehend verschont geblieben ist. Für eine betreute Wohneinrichtung ist das laut Arbeitern im israelischen Gesundheitswesen ein Wunder. Bitte beten Sie für uns, während wir unser Bestes geben, weiterhin allen Menschen in Israel inmitten der aktuellen Herausforderungen zu helfen.

Für weitere Informationen zu diesem Thema sehen Sie sich unser ICEJ-Webinar „Israel and the Corona Vaccines“ vom 11. März 2021 (auf Englisch) an.

Moderator: David Parsons, ICEJ-Vizepräsident und Sprecher
Gäste: Dr. Zeev Feldman vom Sheba Medical Center, Anwalt Calev Myers von ARISE und Israel Pochtar, messianischer Pastor in Israel


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