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Israel: Neue biblische Schätze warten auf Besucher

Archäologie in Israel

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Posted on: 
10 Feb 2021
Israel: Neue biblische Schätze warten auf Besucher

Im März 2020 schloss Israel wegen des Coronavirus seine Grenzen für den ausländischen Tourismus. Viele archäologische Stätten in Israel nutzten das Ausbleiben der Besucher, um weitere Ausgrabungen vorzunehmen und Schätze aus biblischer Zeit zutage zu fördern.

Foto: Pixabay, Innenbereich der Davidszitadelle, Symbolbild

Archäologische Funde in Israel

Auf den nordisraelischen Golanhöhen entdeckten Archäologen eine befestigte Stadt aus der der Zeit König Davids. Es wird vermutet, dass sie der älteste Beweis für das biblische Volk der „Geschuriter“ ist (z.B. Josua 12,5). Nahe Kirjat Gat in Südisrael wurde am Guvrin-Fluss eine große Festungsanlage aus der Zeit der Richter (ca. 3.200 Jahre alt) ausgegraben. Vermutlich wurde sie von den Ägyptern erbaut und diente als Verteidigungsanlage in ihren Kriegen gegen die Philister.

Die spannendsten biblischen Schätze wurden jedoch in Jerusalem und seiner Umgebung entdeckt. So stießen Archäologen bei Grabungen entlang der Klagemauer auf einen beeindruckenden Wohnraum, der aus dem frühen ersten Jahrhundert n. Chr. stammt. Sein genauer Zweck ist noch nicht geklärt. Nahe des Tempelbergs wurde eine alte Münze aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstands (132-135 n.Chr.) mit der Inschrift „Jahr zwei der Freiheit” gefunden.

Biblische Archäologie in Jerusalem

Zwei große, in Südjerusalem entdeckte Gebäudekomplexe deuten – wie eine ähnliche Ausgrabungsstätte im nahegelegenen Ramat Rachel – darauf hin, dass die Könige Judas über ein riesiges Gebiet herrschten. Dazu benötigten sie große zentralisierte Bauten in den Vororten ihrer sich ausdehnenden Hauptstadt. Nur so konnten sie Steuern einsammeln und die umliegenden Regionen verwalten.

Einer dieser beiden Komplexe wurde bei Bauarbeiten nahe der US-Botschaft im Jerusalemer Stadtteil Arnona, rund drei Kilometer südlich der Altstadt, zutage gefördert. Archäologen datieren ihn auf ca. 700 Jahre v.Chr., in die Zeit der Könige Hiskia und Manasse. In Lagerräumen wurden Krüge mit 120 Siegeleindrücken in hebräischer Sprache gefunden. Die Krüge enthielten ursprünglich Lebensmittel, die die Könige Judas als Steuer erhoben. Viele Krüge tragen die Inschrift „Eigentum des Königs”. Archäologen gehen davon aus, dass die Könige Judas in den letzten Jahrhunderten ihrer Dynastie diese großen Verwaltungszentren in Arnona und Ramat Rachel erbauen ließen, um ihre Aktivitäten aus der ummauerten Stadt Davids auszulagern. Diese Zentren nutzten sie bis zur Eroberung Judas durch die Assyrer. Erst nach der Rückkehr der Juden aus Babylon ins Land Israel wurden sie wieder in Betrieb genommen.

An der nahegelegenen Scherover-Promenade, die einen wunderschönen Blick auf die Altstadt bietet, fanden Archäologen einen prächtigen Palast, ebenfalls aus der Zeit des ersten Tempels. Hier entdeckten sie Säulen im phönizischen Stil. Sie ähneln anderen Säulen, die in der Davidstadt entdeckt wurden, und vermutlich das Wahrzeichen der Dynastie König Davids waren. Ihre Kapitelle sind auch auf der Fünf-Schekel-Münze abgebildet. Experten glauben, dass die prunkvolle Residenz von einer wohlhabenden und vielleicht sogar adligen jüdischen Familie zwischen den Regierungszeiten Hiskias und Josias erbaut wurde - nach dem Ende der Belagerung Jerusalems durch die Assyrer (2. Könige 19).

Neue Ausgrabungen in der Davidstadt

Die Davidstadt selbst hat letztes Jahr weitere unglaubliche Geheimnisse preisgegeben. Nachdem in den 1990er Jahren die Gihon-Quelle und 2005 der Palast König Davids entdeckt wurden, förderten Archäologen auch den Teich von Siloah zutage, den wir aus dem Neuen Testament kennen. Die neueste Entdeckung ist die „Jerusalemer Pilgerstraße” (auch „stufige Straße“ genannt): ein gepflasterter, stufiger Pfad, der vom Teich von Siloah etwa 600 Meter nach Norden zum Tempelberg führt. Im Teich von Siloah wuschen sich die jüdischen Pilger entsprechend der biblischen Reinigungsgesetze, bevor sie die Stufen erklommen, um Gott im von Herodes dem Großen ausgebauten Tempel anzubeten. Geschäfte säumten die Straße und boten den Pilgern nach ihrer langen Reise nach Jerusalem ein umfangreiches Sortiment an Waren an.

Im Januar 2020 fand man in einem großen Innenhof an der Pilgerstraße einen seltenen, steinernen Messtisch mit genauen Gewichts- und Maßeinheiten für den Verkauf von Flüssigkeiten - in diesem Fall von Olivenöl und Wein. Archäologen gehen davon aus, dass dieser Hof zur Zeit des Zweiten Tempels der zentrale Platz des wichtigsten Marktes in Jerusalem war. Unter der Pilgerstraße verläuft ein Abwasserkanal römischer Bauweise. Dort gefundene Hinweise bestätigen alte jüdische Berichte, dass sich hier 70 n.Chr. viele Juden während der Belagerung Jerusalems durch den römischen Oberbefehlshaber und späteren Kaiser Titus versteckt hielten.

Davidszitadelle wird renoviert

Weitere interessante Funde werden bald in der berühmten Davidszitadelle am Jaffa-Tor der Altstadt ausgestellt. Diese geschichtsträchtige Zitadelle, die zuletzt von Suleiman dem Prächtigen im 16. Jahrhundert wiederaufgebaut wurde, wird zurzeit umfangreich renoviert. Außerdem finden hier gerade die umfassendsten Ausgrabungen seit etwa hundert Jahren statt. Im Mittelpunkt stehen zuvor wenig beachtete Bereiche der Festung aus der Zeit der Kreuzritter und der islamischen Herrscher im Mittelalter. Ein vor kurzem entdeckter geheimer Gang diente den Kreuzrittern möglicherweise als Fluchtweg aus der Zitadelle.

Der für Christen spannendste neue Fund ist ein Ort namens „Kischle“. Viele glauben, dass sich hier der Hof befand, auf dem Jesus vor Herodes Antipas geführt wurde. Vor wenigen Jahren wurden hier die Fundamente des Palasts Herodes des Großen entdeckt. Eine Besichtigung war bisher nur wenigen ausgewählten Besuchergruppen vorbehalten. Doch die aktuellen Grabungen und Renovierungsarbeiten werden es hoffentlich bald allen Besuchern ermöglichen, den Bereich zu sehen, wo Archäologen und Historiker das Steinpflaster (griechisch „Lithostrotos“) – das Prätorium – vermuten. Hier soll Jesus in einem öffentlichen Hof unterhalb des Herodespalasts von Pontius Pilatus verurteilt worden sein. Die aktuellen Ausgrabungen könnten daher den traditionellen Verlauf der Via Dolorosa, auf der Jesus zu seiner Kreuzigung ging, vollkommen neu definieren.

Freuen Sie sich auf einige neue Überraschungen, die hier in Jerusalem auf Sie warten!


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