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Mit dem Unerwarteten rechnen

Die sieben Donner

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Posted on: 
9 Mär 2021
Mit dem Unerwarteten rechnen

Die sieben Donner

Als ich neulich das Buch der Offenbarung las, hielt ich bei Kapitel zehn inne. Dort sieht der Apostel Johannes einen „mächtigen Engel“ vom Himmel herabkommen. Majestätisch setzt er seinen rechten Fuß aufs Meer und den linken aufs Land. In seiner Hand hält er eine geöffnete Schriftrolle. Er öffnet seinen Mund und als er ruft, erklingen die „sieben Donner“. Was für eine überwältigende Erscheinung! Sieben Siegel, sieben Trompeten, sieben Schalen und sieben Donner. Doch als Johannes aufschreiben will, was er von diesen sieben Donnern gehört hat, wird ihm gesagt: „Versiegle, was die sieben Donner geredet haben, und schreib es nicht auf!“ (Offenbarung 10,4). Beim Lesen dieser Stelle war ich immer verwirrt. Ich wollte wissen, was die Donner gesagt hatten und warum Johannes es nicht aufschreiben durfte. Wieso steht es überhaupt in der Bibel, wenn alles ein Geheimnis ist?

Foto: Pixabay, Symbolbild

Im Verlauf der Corona-Krise spürte ich, dass es für diese Schriftstelle einen guten Grund gibt. Dadurch möchte Gott uns zeigen, dass gewisse Dinge der Menschheit und selbst der Gemeinde mit Absicht verborgen sind. Gott hat diese Geschichte, die so sehr unsere Neugier weckt, aus genau diesem Grund bewusst in seinem Wort platziert: Er möchte uns zu verstehen geben, dass wir nicht alles wissen. Er möchte uns lehren, dass es trotz aller Offenbarungen und Einsichten, die er uns geben mag, immer auch das Unbekannte und viele Überraschungen geben wird.

Ein Jahr der Überraschungen

Das Jahr 2020 war in der Tat voller Überraschungen, nicht nur in Israel. Ich erinnere mich gut daran, wie das Jahr begann. Unser Motto für das Laubhüttenfest 2020 lautete: „Bereitet den Weg“. Es war ein Ruf zur Buße, verband uns aber auch mit dem biblischen Mandat, das der Herr der ICEJ vor 40 Jahren aufs Herz legte: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.“ (Jesaja 40,1) Wir begannen das Jahr mit Beten und Fasten. Ein Artikel des amerikanischen Erweckungspredigers Charles Finney über Buße inspirierte uns alle. Ein ungewöhnliches und gleichzeitig sehr bedeutendes Jahr lag vor uns, vor allem da wir als Dienst unser 40-jähriges Jubiläum feierten. Einige unserer führenden Zweigstellenleiter trafen sich im Februar in Jerusalem, um die Ausrichtung unserer Arbeit während der kommenden Jahre vor Gott zu bewegen. Wir genossen wunderbare Gebetszeiten. Für die Zukunft unseres Dienstes hatten wir großartige Ideen und Visionen. Doch nichts bereitete uns auf das in jeder Hinsicht ungewöhnliche Jahr 2020 vor, in dem alles anders kam, als wir erwartet hatten.

Erschütterungen

Ich erinnere mich, dass der Leiter unseres norwegischen Zweiges, Dag Øyvind Juliussen, beimAbschlusstreffen unseres Strategie-Meetings letzten Februar aufstand, um ein Wort des Propheten Haggai mit uns zu teilen, das er während der vergangenen Monate immer wieder aufs Herz gelegt bekommen hatte: „Denn so spricht der HERR Zebaoth: Es ist nur noch eine kleine Weile, dass ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttere. Dann will ich alle Völker erschüttern, dass aller Völker Kostbarkeiten kommen, und ich will dies Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht der HERR Zebaoth.“ (Haggai 2,6-7)

2020 wurde tatsächlich ein Jahr großer Erschütterungen. Die ganze Welt sah sich mit einer globalen Pandemie konfrontiert. Uns allen wurden nie dagewesene Beschränkungen auferlegt. Wir konnten nicht reisen, um unsere Zweigstellen zu besuchen, die finanziellen Auswirkungen durch Lockdowns drohten unsere Einkünfte zu gefährden und das Laubhüttenfest stand erstmals in der 40-jährigen Geschichte der ICEJ in Gefahr, abgesagt zu werden. Israel erlebte einen harten Shutdown und erlaubt Touristen bis heute nicht, das Land zu besuchen. Im März 2020 sprach der Vorstand der ICEJ bei einem Krisentreffen über den möglichen Schaden, der durch weltweite Lockdowns und andere einschränkende Gesundheitsmaßnahmen entstehen könnte.

Unerwarteter Segen

Doch Gott benutzte diese Erschütterungen, um uns auf unerwartete Weise zu segnen. Viele der Ziele, die wir uns während des Strategie-Meetings im Februar für die kommenden Jahre gesetzt hatten, wurden schneller erreicht, als wir jemals für möglich gehalten hätten. Durch die Corona-Krise herausgefordert beteten wir mehr als je zuvor. Wir wünschten uns mehr Austausch und Zusammenarbeit mit unseren Zweigstellen, was wir durch die Nutzung der Internetplattform Zoom umsetzen konnten. Unsere Sozialabteilung in Israel konnte trotz des Virus deutlich mehr Menschen helfen als im Jahr zuvor. Seit der großen Alijah-Welle aus der Sowjetunion in den 90er-Jahren haben wir nicht mehr so viele jüdische Neueinwanderer bei der Finanzierung ihrer Alijah-Flüge nach Israel unterstützt wie letztes Jahr. Und unser Online-Laubhüttenfest 2020 erreichte mehr Menschen als je zuvor.

Wir erkannten, dass in „eines Mannes Herzen […] viele Pläne [sind]; aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN“ (Sprüche 19,21). Der Mensch denkt, Gott lenkt. Die Pläne und Erwartungen, die wir auch als Gläubige haben, erfüllen sich oft nicht. Häufig werden wir mit neuen und unerwarteten Situationen konfrontiert. Ich fragte mich: Warum gab es keine klare prophetische Warnung vor einem Ereignis von so globalem Ausmaß?

Der Herr kommt!

Dann spürte ich Gott zu mir sprechen, dass unser Glaube genau in diesen unerwarteten und überraschenden Situationen am stärksten geprüft wird. In unvorhergesehenen Herausforderungen wie dem Vorstoß einer feindlichen Armee (2. Chronik 20), einer unerwarteten Krankheit (2. Könige 20) oder sogar einem überraschenden Todesfall (Johannes 11,14) bewies Gott seine Macht.

Vor fünf Jahren wurde bei mir im Anschluss an eine Zeit, in der ich viel gebetet und Gott gesucht hatte, Krebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Die Ärzte erklärten mich zu einem „inoperablen Fall“, kein Arzt in Israel wollte mich operieren. Mein Leben kam abrupt zum Stillstand und meine Familie war tief erschüttert. Doch genau in dieser plötzlich eingetretenen und menschlich gesehen unmöglichen Situation brach Gott nicht nur hindurch und bewahrte mein Leben auf mächtige Weise, sondern wir lernten ihn auch tiefer kennen als je zuvor. Wir sollten nie vergessen, dass Gott seinem Volk oft inmitten von Dunkelheit und großen Herausforderungen begegnet (Psalm 18,10 und Jesaja 19). Die Dunkelheit und Prüfungen dieser Zeit können zum Zeitpunkt für Ihr größtes Wunder werden.

Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass uns Gottes Wege niemals in ihrer Gesamtheit offenbart werden. Der Apostel Paulus schrieb, dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist (1. Korinther 13,9). Mose verkündete dem Volk, dass es immer eine geheimnisvolle Seite Gottes geben wird, die uns manchmal verwirren mag (5.Mose 29,28). Dieser Kerngedanke zieht sich auch durch die Endzeitrede Jesu auf dem Ölberg. Sechs Mal betont Jesus: „Ihr kennt den Tag nicht, an dem euer Herr wiederkommt“ (siehe Matthäus 24,36+39+42+44+50; 25,13).

Die Geburtswehen des Messias

Es stimmt, dass in der Endzeit viele Entwicklungen erwartet werden können, weil prophetische Schriftstellen in der Bibel sie ankündigen. Die physische und geistliche Wiederherstellung Israels, die Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Heimatland, der Aufstieg des Antichristen, eine weltweite Erweckung – all diese Dinge sagt das Wort Gottes klar voraus. Doch zugleich müssen wir auch mit dem Unerwarteten rechnen. Johannes durfte nicht aufschreiben, was die Stimme der sieben Donner gesagt hatte, und möglicherweise werden diese Geschehnisse uns nicht vor ihrem Eintreten offenbart werden.

In den letzten Monaten hallte in mir immer wieder der Aufruf wider: „Wappne dich!“ – nicht gegen einen tödlichen Stoß, sondern für schwere Zeiten, die vor uns liegen. Ich persönlich glaube, dass die Corona-Krise nur eine Art Aufwärmübung ist, der Anfang der kommenden Prüfungen. Das hören wir von vielen Leitern aus aller Welt. Vor Kurzem bezeichnete Peter Tsukahira, ein Pastor aus Haifa, bei einem unserer weltweiten Online-Gebetstreffen die Zeiten, in denen wir leben, als „Geburtswehen des Messias“. Geburtswehen verlaufen immer nach dem gleichen Muster: Je näher die Geburt rückt, desto häufiger und intensiver treten sie auf.

Seid wachsam

Die jüngsten Entwicklungen rufen uns alle zur Wachsamkeit auf. Nach den Wahlen in den USA wurde ein neuer Präsident ins Weiße Haus berufen, der bereits Pläne bekanntgegeben hat, viele positive politische Schritte der Trump-Regierung rückgängig machen zu wollen, auch einige, die Israel betreffen. Israel bereitet sich entsprechend auf möglicherweise deutlich kühlere Beziehungen zur neuen US-Regierung vor. Gleichzeitig ist eine weitere Eskalationsstufe mit dem Iran erreicht – Israel ist bereit für „alle Optionen“.

In der Zwischenzeit könnte die Corona-Pandemie zu nie dagewesenen Vorschriften auf globaler Ebene führen, darunter auch eine mögliche Impfpflicht. Wir erkennen die Notwendigkeit von Impfstoffen an, die Menschen vor tödlichen Krankheiten bewahren. Erstmals wurde nun ein genbasierter Impfstoff zugelassen, mit dem die Weltbevölkerung in einem sehr kurzen Zeitraum möglicherweise verpflichtend geimpft werden könnte.

Außerdem werden evangelikale Gläubige in zunehmendem Maße als Bedrohung für Gesellschaften in der westlichen Welt herausgestellt. Heute werden in Amerika, aber auch in manchen anderen westlichen Ländern, bibelgläubige Christen, die für ihr Land beten, sich um das Wohl ihres Staates sorgen und auf Gottes Wort basierende moralische und ethische Standpunkte vertreten, als „evangelikale Nationalisten“ stigmatisiert, die einer neuen Weltordnung im Weg stehen.

2021 ist ein Jahr, in dem die Kirche wachsam sein muss – nicht nur, was die Nachrichten betrifft. Wir brauchen vor allem geistliche Wachsamkeit. In dieser Zeit ist das Gebet, unser Festhalten am Wort Gottes und Gemeinschaft mit anderen Gläubigen wichtiger denn je. Es ist eine traurige Entwicklung, dass der Umstieg auf Online-Gottesdienste in aller Welt dazu geführt hat, dass die Besucherzahlen bei Gemeindeveranstaltungen drastisch gesunken sind – trotz Online-Angeboten.

Vorbereitet

Das Gleichnis der zehn Jungfrauen in Matthäus 25 erinnert uns an die plötzliche Erscheinung des Bräutigams. Seine Ankunft überraschte alle zehn Jungfrauen. Alle waren schläfrig, doch nur fünf hatten genug Öl für ihre Lampen. Als eine Diskussion über das Teilen des Öls aufkam, wurde den fünf „törichten Jungfrauen“ gesagt, sie sollten gehen und Öl für sich kaufen. In dieser Zeit kann man sich nicht auf den Glauben des Pastors, der Eltern oder des Ehepartners verlassen. Jeder von uns muss bereit sein und sich auf weitere Erschütterungen vorbereiten. Es ist eine Zeit, in der unser Lauf mit Christus unseren bewussten Willen, Mut und unser ganzes Herz erfordert. Auch wenn die Welt um uns herum dunkler wird, sind wir dazu berufen, aufzustehen und zu leuchten, denn das Licht des Herrn ist über uns aufgegangen! Er ist der unerschütterliche Fels, der uns auch in einem stürmischen Jahr 2021 Halt gibt.

Das Lobpreislied „The Blessing“ (deutsch: der Segen) hat während der Corona-Krise tatsächlich Millionen von Menschen gesegnet. Es ist ein Gebet, das ich uns allen empfehle, während wir in ein unsicheres neues Jahr gehen. Was auch kommen mag, wir wissen, dass eines sich niemals ändern wird: Jesus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit – auch 2021!
„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“(4. Mose 6,24-26)


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