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Resolution anlässlich 125 Jahre Zionistenkongress in Basel

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28 Aug 2022
Resolution anlässlich 125 Jahre Zionistenkongress in Basel

Am heutigen 28. August 2022 sind wir als christliche Delegierte in Basel mit unseren jüdischen Freunden zusammengekommen, um den 125. Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses zu begehen, der im August 1897 in den Hallen des damaligen Stadtcasinos stattfand. Seither hat die bei jenem ersten Kongress von Theodor Herzl geteilte zionistische Vision viele großartige Errungenschaften hervorgebracht, allen voran die Wiedergeburt Israels als Nation im Mai 1948.

Heute übersteigt der Erfolg des israelischen Staates vermutlich die Erwartungen der Kongressteilnehmer in Basel 1987. Israel ist heute ein strahlendes Licht im Nahen Osten – die einzige freie und blühende Demokratie in der Region. Israel ist zu einer bedeutenden globalen Wirtschaftsmacht geworden und die Durchbrüche der ‚Start-up Nation‘ in den Bereichen Forschung und Wissenschaft sind atemberaubend und beeinflussen heute jede Nation weltweit.

Doch die Erfüllung von Herzls Traum hatte einen hohen Preis. Sechs Millionen Juden wurden während des Völkermords, den Nazi-Deutschland im Holocaust von 1938 bis 1945 verübte, brutal ermordet. In Gedenken an den Ersten Zionistenkongress möchten wir die wesentlichen Ereignisse und Bemühungen im Laufe der Jahrzehnte, die schließlich zur Gründung des jüdischen Staates und der Neugestaltung der jüdisch-christlichen Beziehungen führten, in Erinnerung rufen und bekräftigen. Gleichzeitig befassen wir uns auch mit den wesentlichen Problemen, denen der jüdische Staat sowie das jüdische Volk bis heute gegenüberstehen.

Zunächst bedenken wir mit großer Dankbarkeit die historische Konferenz von Seelisberg, die hier in der Schweiz unmittelbar nach dem Holocaust 1947 abgehalten wurde. Bedeutende christliche und jüdische Leiter strebten in Seelisberg danach, Christen für einen entschiedeneren Einsatz im Kampf gegen Antisemitismus zu gewinnen und eine neue Basis für den weiteren jüdisch-christlichen Dialog zu schaffen. Bei diesem Anlass bekräftigen wir die zehn Thesen von Seelisberg wie folgt:

  1. Es ist hervorzuheben, dass ein und derselbe Gott durch das Alte und das Neue Testament zu uns allen spricht.

  2. Es ist hervorzuheben, dass Jesus von einer jüdischen Mutter aus dem Geschlechte Davids und dem Volke Israels geboren wurde, und dass seine ewige Liebe und Vergebung sein eigenes Volk und die ganze Welt umfasst.

  3. Es ist hervorzuheben, dass die ersten Jünger, die Apostel und die ersten Märtyrer Juden waren.

  4. Es ist hervorzuheben, dass das höchste Gebot für die Christenheit, die Liebe zu Gott und zum Nächsten, schon im Alten Testament verkündigt, von Jesus bestätigt, für beide, Christen und Juden, gleich bindend ist, und zwar in allen menschlichen Beziehungen und ohne jede Ausnahme.

  5. Es ist zu vermeiden, dass das biblische und nachbiblische Judentum herabgesetzt wird, um dadurch das Christentum zu erhöhen.

  6. Es ist zu vermeiden, das Wort „Juden“ in der ausschließlichen Bedeutung „Feinde Jesu“ zu gebrauchen oder auch die Worte „die Feinde Jesu“, um damit das ganze jüdische Volk zu bezeichnen.

  7. Es ist zu vermeiden, die Passionsgeschichte so darzustellen, als ob alle Juden oder die Juden allein mit dem Odium der Tötung Jesu belastet seien. Tatsächlich waren es nicht alle Juden, welche den Tod Jesu gefordert haben. Nicht die Juden allein sind dafür verantwortlich, denn das Kreuz, das uns alle rettet, offenbart uns, dass Christus für unser aller Sünden gestorben ist.

  8. Es ist zu vermeiden, dass die Verfluchung in der Heiligen Schrift oder das Geschrei einer rasenden Volksmenge: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ behandelt wird, ohne daran zu erinnern, dass dieser Schrei die Worte unseres Herrn nicht aufzuwiegen vermag: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, Worte, die unendlich mehr Gewicht haben.

  9. Es ist zu vermeiden, dass der gottlosen Meinung Vorschub geleistet wird, wonach das jüdische Volk verworfen, verflucht und für ein ständiges Leiden bestimmt sei.

  10. Es ist zu vermeiden, die Tatsache unerwähnt zu lassen, dass die ersten Mitglieder der Kirche Juden waren.

 

Zweitens bedenken wir, dass die Konferenz von Seelisberg ein Jahr vor der Wiederherstellung Israels als Nation stattfand. Deshalb fordern wir alle Christen dazu auf, folgende „Zusatzthesen“ im Geist von Seelisberg aufzunehmen:

  11. Wir bekräftigen, dass die wiedergeborene Nation des heutigen Israel einen Beweis für Gottes Treue zu seiner beständigen Bundesbeziehung mit dem jüdischen Volk darstellt, die erstmals mit dem Stammvater Abraham vor rund viertausend Jahren besiegelt wurde. Dieser Bund, der zwei Jahrtausende vor der Entstehung des christlichen Glaubens geschlossen wurde, ist nie aufgelöst worden und ist gemäß dem Wort Gottes tatsächlich unwiderruflich. Es ist wichtig, dass Christen die zentrale Bedeutung des Landes Israel im Judentum und für die jüdische Identität verstehen und respektieren.

  12. Wir bekräftigen, dass das Existenzrecht Israels, in Frieden und Sicherheit, unbestreitbar ist. Dieser Grundsatz wurde durch die Anerkennung der historischen, bereits bestehenden Rechte und Ansprüche des jüdischen Volkes auf das Land Israel von der internationalen Gemeinschaft gebührend bestätigt – im Zuge der Balfour-Erklärung 1917, der Konferenz von Sanremo 1920, des britischen Völkerbundmandats für Palästina 1922, dem Teilungsplan der Vereinten Nationen von 1947 und der Aufnahme Israels als UN-Mitgliedsstaat 1949. Wir feiern dieses Erbe, dass Israel seinen rechtmäßigen Platz unter den Nationen eingenommen hat. Dies ist eine Erfüllung der Vision Herzls von einem wiederhergestellten jüdischen Staat, der angesichts der doppelten Bedrohung durch Antisemitismus und Assimilation als sicherer Hafen für die jüdischen Gemeinschaften dient.

  13. Wir bekräftigen, dass Jerusalem die ewige und ungeteilte Hauptstadt des Staates Israel ist. Die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit Jerusalem reicht 3.000 Jahre auf König David zurück, der Zion zum geistlichen und politischen Zentrum des Volkes Israel erklärte. Seither hat das jüdische Volk selbst in der Diaspora diese ewige Verbindung am Leben gehalten und davon geträumt, „nächstes Jahr in Jerusalem“ zu sein.

  14. Wir bekräftigen, dass Antisemitismus auch heute eine weit verbreitete Bedrohung für das jüdische Volk ist und dass Christen allerorten ihn ablehnen sowie bekämpfen müssen. Antisemitismus ist nie hinnehmbar, weder in der klassischen Form von Antijudaismus noch in den moderneren Ausprägungen von Antiisraelismus und Antizionismus. In dieser Hinsicht nehmen wir mit großer Sorge die derzeitigen globalen Bemühungen zur Kenntnis, den Staat Israel zu delegitimieren. Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass im Herzen Europas Stimmen geduldet werden, wie bei den heutigen Demonstrationen in Basel und anderen europäischen Städten, die das Existenzrecht des Staates Israel an sich in Frage stellen. Dies ist inakzeptabel. Wir rufen alle Christen und alle Regierungsverantwortlichen auf, klar und kompromisslos gegen diese modernen Formen des Antisemitismus Stellung zu beziehen.

  15. Wir bekräftigen den biblischen Ruf an die weltweite Gemeinde, Israel zu trösten. Der Apostel Paulus beschreibt die Gemeinde als „Schuldner“ des jüdischen Volkes, da sie von ihnen den Messias und die Schriften erhalten haben, und Jesus selbst sagte: „Das Heil kommt von den Juden“. Deshalb sind Christen in aller Welt heute dazu gerufen, für den Frieden Jerusalems und das Wohlergehen des israelischen Staates zu beten, Israel in Freundschaft und Unterstützung zur Seite zu stehen und dem jüdischen Volk weltweit bedingungslos Liebe und Unterstützung zu zeigen.

  16. Schließlich erkennen wir heute mit Freude an, dass in der schnell wachsenden globalen evangelikalen Gemeinschaft ein Paradigmenwechsel im Gange ist, im Zuge dessen sich die Haltung von hunderten Millionen Gläubigen gegenüber Israel und dem jüdischen Volk bedeutend verändert. Auf allen Kontinenten, insbesondere im globalen Süden, verstehen christliche Gemeinden und Denominationen zunehmend die biblischen, hebräischen Wurzeln ihres Glaubens und sind zu wahren und bedingungslosen Freunden Israels und des jüdischen Volkes geworden. Diese wachsende Bewegung muss weiter gestärkt und genährt werden.

 


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