Change Region:Germany

Bennett trifft al-Sisi in Ägypten

ICEJ-Nachrichten vom 14. September 2021

DruckversionSend by email
Posted on: 
14 Sep 2021
Bennett trifft al-Sisi in Ägypten

Israels Premierminister Naftali Bennett hat am Montag den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi in Scharm El-Scheich getroffen. Es ist der erste offizielle Besuch eines israelischen Regierungschefs in Ägypten seit 2011. Gesprächsthemen waren u.a. das iranische Atomprogramm und im Nahen Osten agierende pro-iranische Milizen, die Einmischung der Türkei im libyschen Bürgerkrieg und die Bedrohung durch islamistische Terrororganisationen. Bennett betonte auch Ägyptens „wichtige Rolle beim Erhalt der Sicherheit und Stabilität im Gazastreifen.“ Ägypten hat in der Vergangenheit immer wieder eine Vermittlerrolle in indirekten Gesprächen zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Terrororganisation Hamas eingenommen. Der Waffenstillstand, der den elftägigen Hamas-Raketenkrieg im Mai beendete, kam u.a. durch ägyptische Vermittlung zustande. Neben sicherheits- und wirtschaftspolitischen Themen besprachen die beiden Politiker auch „Wege, um die Beziehungen beider Länder weiter zu vertiefen und ihre Interessen zu fördern“, erklärte Bennett. Der Sprecher al-Sisis sagte, der ägyptische Präsident habe betont, sein Land unterstütze Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern auf Grundlage der „Zwei-Staaten-Lösung“. Ungewöhnlich an dem Treffen zwischen Bennett und al-Sisi war, dass sowohl die ägyptische als auch die israelische Flagge aufgestellt war. Bei vergangenen Besuchen israelischer Politiker in Ägypten war ausschließlich die ägyptische Fahne zu sehen gewesen. Der Besuch des israelischen Premiers wurde außerdem vom Büro des ägyptischen Präsidenten offiziell bekanntgegeben und in ägyptischen Staatsmedien thematisiert. Am Montag ließ Israel erstmals seit Beginn der Corona-Krise den Grenzübergang Taba, zwischen Israel und der Sinaihalbinsel, wieder vollständig öffnen. Außerdem wurde bekannt, dass die nationale ägyptische Fluggesellschaft EgyptAir ab Oktober vier wöchentliche Flüge zwischen Kairo und Tel Aviv aufnehmen wird. Bisher bediente Air Sinai, eine Tochtergesellschaft von EgyptAir, einmal täglich diese Route mit unmarkierten Flugzeugen, d.h. ohne Logo oder Länderkennung.

Foto: GPO/Kobi Gideon, Naftali Bennett und Abdel Fattah al-Sisi in Scharm el-Scheich, 13.09.2021

Terroranschläge in Jerusalem, Gusch Etzion

Am Montag sind zwei Männer bei einem Terroranschlag nahe des Jerusalemer Busbahnhofs mittelschwer verletzt worden. In einem Laden stach ein Palästinenser (17), der aus Hebron stammen soll, mit einem Messer auf zwei Kunden ein. Eine herbeieilende Polizistin schoss auf den Terroristen und verletzte ihn schwer. Wenige Stunden zuvor hatte ein Terrorist (27) nahe Gusch Etzion (Judäa und Samaria) einen israelischen Soldaten, der am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit wartete, mit einem Schraubenzieher angegriffen. Ein weiterer Soldat schoss auf den Attentäter und verletzte ihn an der Hand. Am Freitag griff ein Palästinenser aus Ostjerusalem einen israelischen Grenzpolizisten nahe dem Tempelberg mit einem Messer an. Der Polizist schoss auf den Attentäter, der später seinen Verletzungen erlag. Medienberichten zufolge handelte es sich um einen 51-jährigen Arzt, der in der Vergangenheit u.a. in einem israelischen Krankenhaus nahe Tel Aviv gearbeitet hatte. Die Terrororganisationen Hamas und Palästinensischer Islamischer Dschihad erklärten, die aktuelle Welle der Gewalt sei vom rund eine Woche zurückliegenden Gefängnisausbruch „inspiriert“ worden. Terroristen im von der Hamas beherrschten Gazastreifen feuerten zwischen Freitag und Sonntag drei Raketen auf Israel. Alle drei Raketen wurden vom Abwehrsystem Iron Dome („Eisenkuppel“) abgefangen. Drei Israelis, darunter ein Kind, zogen sich leichte Verletzungen zu, als sie beim Aufsuchen eines Schutzbunkers stürzten. Die israelische Luftwaffe bombardierte Stellungen der Hamas.

Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft

Israelische Medien berichteten, dass Israels Polizei und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet letzte Woche mehrere Anschläge, einschließlich eines „größeren“ Anschlags, vereiteln konnten. Genauere Informationen sind nicht bekannt. Die Sicherheitskräfte sind weiterhin in Alarmbereitschaft aus Sorge vor weiteren möglichen Anschlägen während Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, der am Mittwochabend beginnt. In Jerusalem sind rund 2.000 zusätzliche Polizisten im Einsatz.

Gebetsanliegen: Bitte beten Sie mit uns für ein Ende der Terroranschläge und Raketenangriffe. Beten wir, dass Israel die jüdischen Hohen Feiertage in Frieden und Sicherheit begehen kann. Beten wir auch für die Palästinenser, dass sie eine Führung erhalten, die sich für eine friedliche Koexistenz mit Israel einsetzt.

Gefängnisausbruch: Israel fasst vier flüchtige Terroristen

Israelische Sicherheitskräfte haben vier der sechs Terroristen, die vergangene Woche aus dem Gilboa-Hochsicherheitsgefängnis in Galiläa ausgebrochen waren, gefasst. Zwei Terroristen wurden in Nazareth, zwei in Schibli-Umm al-Ghanam, nahe des Tabor-Bergs, festgenommen. Ersten Ermittlungen zufolge hatten die Flüchtigen zunächst Bewohner mehrerer arabisch-israelischer Ortschaften gebeten, ihnen Unterschlupf zu gewähren und ihnen dabei zu helfen, nach Dschenin (Westjordanland) zu gelangen. Diese verweigerten ihnen jedoch die Hilfe, einige informierten stattdessen die Polizei. Insgesamt sollen sich vergangene Woche dutzende arabische Israelis bei der Polizei mit Hinweisen gemeldet haben. Omer Barlev, Israels Minister für Öffentliche Sicherheit, bestätigte die Mithilfe arabischer Bürger bei der Fahndung nach den Flüchtigen und bedankte sich bei „allen verantwortungsvollen Bürgern“. Medien berichteten, viele Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen, wo der Gefängnisausbruch gefeiert wurde, seien „schockiert“ über die fehlende Bereitschaft seitens arabischer Israelis, den Flüchtigen zu helfen. Einige forderten die Bewohner Nazareths auf, gegen die angeblichen Informanten vorzugehen. Nach den zwei weiteren Terroristen wird noch gefahndet.

Stuttgart: Oppenheimer-Auszeichnung verliehen

In Stuttgart ist am Montag im Rahmen des Empfangs anlässlich des jüdischen Neujahrfests die Joseph-Ben-Issachar-Süßkind-Oppenheimer-Auszeichnung verliehen worden. Preisträger sind die Soziologin Prof. Dr. Julia Bernstein (Frankfurt University of Applied Sciences) und der Pfarrer Dr. Michael Volkmann (Evangelische Landeskirche Württemberg). Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und dem Landtag von Baden-Württemberg vergeben, um herausragendes Engagement in Wissenschaft und Publizistik gegen Minderheitenfeindlichkeit und Vorurteile zu würdigen. Dr. Bernstein wurde geehrt für ihre Antisemitismus-Forschungen, Dr. Volkmann für seinen Beitrag zum jüdisch-christlichen Dialog. Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne), Prof. Barbara Traub, IRGW-Vorstandssprecherin und Vorstandsmitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland, sowie Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer sprachen Grußworte. Die Preisträger wurden von Prof. Dr. Doron Kiesel, Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden, und Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter Baden-Württembergs, vorgestellt. Kinder der Kindestagesstätte und der Jüdischen Grundschule der IRGW bereicherten den Abend mit sympathischen Lied- und Gedichtvorträgen.

Israel begeht Jom Kippur

Am Mittwochabend beginnt Jom Kippur (Versöhnungstag), der heiligste jüdische Feiertag. Mit Fasten und Gebet bitten Juden um Gottes Vergebung für die Sünden des vergangenen Jahres. Jom Kippur findet zehn Tage nach Rosch HaSchana, dem jüdischen Neujahrsfest, statt und bildet den Abschluss der dazwischen liegenden zehn Tage der Reue und Umkehr zu Gott. Nicht nur religiöse Israelis verzichten während des 25 Stunden dauernden Fastentages auf Essen und Trinken und nutzen den Tag zum Gebet oder für eine intensive Prüfung ihres Lebens. Das öffentliche Leben in Israel steht an Jom Kippur still, jüdische Restaurants und Geschäfte bleiben geschlossen, die Straßen sind nahezu autofrei. Kinder fahren auf den sonst verkehrsreichen Straßen begeistert Fahrrad. Nachdem Ägypten und Syrien 1973 an Jom Kippur einen Überraschungsangriff gegen Israel starteten, gibt es im jüdischen Staat „stilles Radio und Fernsehen“. Die Sender sind den ganzen Tag stumm, können aber im Ernstfall ohne Einschalten Meldungen senden.


 

Share this: