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Herzog als Israels 11. Staatspräsident vereidigt

ICEJ-Nachrichten vom 08. Juli 2021

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Posted on: 
8 Jul 2021
Herzog als Israels 11. Staatspräsident vereidigt

Isaac Herzog ist am Mittwoch als Israels 11. Staatspräsident vereidigt worden. In seiner Antrittsrede in der Knesset gelobte er, „Präsident aller Israelis“ zu sein und sich für ein Ende des spalterischen öffentlichen Diskurses einzusetzen. „Grundloser Hass, Polarisierung und Spaltung fordern einen hohen Preis. Der höchste Preis ist die Erosion unserer nationalen Widerstandskraft“, sagte er. Außerdem forderte er die israelische Regierung auf, gegen die Kriminalität im arabischen Bevölkerungsteil Israels vorzugehen und versprach, den Ruf der israelischen Armee vor der Weltgemeinschaft zu verteidigen. Seinen Eid legte Herzog auf einer 107 Jahre alten Familienbibel ab, die bereits 1983 bei der Vereidigung seines Vaters Chaim Herzog, Israels 6. Staatspräsident, eingesetzt wurde. Während der feierlichen Zeremonie wurden auch Schofar-Hörner geblasen. Die Knesset-Abgeordneten ehrten Herzog mit stehenden Ovationen. In seiner Abschiedsrede rief der scheidende Präsident Reuven Rivlin Israelis dazu auf, zusammenzukommen und ihre politischen und religiösen Differenzen zu überwinden. Ein gutes Miteinander von jüdischen und arabischen Israelis könnte den Weg für ein besseres Miteinander in ganz Nahost ebnen. Er mahnte, den jüdischen und demokratischen Charakter des Staates Israel niemals als eine Selbstverständlichkeit zu sehen.

Foto: GPO/Screenshot, Reuven Rivlin mit Isaac und Michal Herzog vor der Präsidentenresidenz, 07.07.2021

UN verurteilt antisemitischen Terrorismus

Die Vereinten Nationen haben am Mittwoch erstmals in ihrer Geschichte antisemitischen Terrorismus verurteilt. Außerdem verurteilten sie den Missbrauch von Zivilisten als menschliche Schutzschilde durch Terrororganisationen, eine Taktik, die häufig von der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen und der schiitisch-libanesischen Hisbollah angewendet wird. Die Verurteilungen sind auf Bemühungen von Israels UN-Botschafter Gilad Erdan zurückzuführen, der die Entscheidung begrüßte. „Es darf Terroristen nicht erlaubt werden, Schulen, Wohnhäuser und Krankenhäuser nutzen, um ihre mörderischen Aktivitäten abzuschirmen.“ In der Sitzung wurde die erstmals 2006 von der UN-Generalversammlung angenommene „Weltweite Strategie zur Bekämpfung von Terrorismus“ bestätigt.

Gaza: Israel bittet Deutschland um Finanzhilfen

Israel hat Deutschland und ein weiteres nicht genanntes europäisches Land gebeten, finanzielle Hilfen für den von der islamistischen Terrororganisation Hamas beherrschten Gazastreifen zu leisten. Das berichteten israelische Medien am Montag. Bisher hatte Israel dem Golfstaat Katar erlaubt, den Gazastreifen regelmäßig mit Bargeldzahlungen in Millionenhöhe zu versorgen, die zum Kauf von Treibstoff für das Elektrizitätswerk, zur Bezahlung von Beamten und zur Versorgung zehntausender bedürftiger Familien eingesetzt werden sollen. Kritiker bemängeln fehlende Kontrollmechanismen, um zu verhindern, dass die Gelder von der Hamas für militärische Zwecke missbraucht werden. Seit dem Hamas-Raketenkrieg im Mai hat Israel keine weiteren Zahlungen genehmigt und auch Warenlieferungen in den Gazastreifen auf rein humanitäre Hilfe und begrenzte Mengen von Treibstoff beschränkt. Israel besteht darauf, dass die Hamas zuerst die zwei in ihrer Gewalt befindlichen israelischen Geiseln und die sterblichen Überreste von zwei israelischen Soldaten freigibt. Die Hamas hat bereits mit neuem Terror gedroht, sollten die katarischen Zahlungen nicht wieder aufgenommen werden. Palästinensische Medien berichteten am Sonntag, die Vereinten Nationen hätten eingewilligt, die Verantwortung für die Verteilung katarischer Gelder zu übernehmen. 2020 hatte Katar rund 240 Millionen US-Dollar Bargeld (ca. 200 Millionen Euro) nach Gaza transferiert. Mögliche Zahlungen aus Deutschland sollen jedoch in Form von Gutscheinen durch die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verteilt werden. Gaza-Bewohner könnten diese dann in Banken im Gazastreifen gegen Bargeld einlösen. Unklar ist, ob diese Methode nicht ebenfalls missbraucht werden könnte. Israels Premierminister Naftali Bennett, der die katarischen Zahlungen in der Vergangenheit immer wieder als „Schutzgeldzahlungen“ kritisiert hatte, sagte am Sonntag, Israel arbeite „an einer Lösung, den Gaza-Bewohnern humanitäre Hilfe ohne Koffer voller Dollars bereitzustellen.“ Auch Ägypten besteht darauf, neue Mittel und Wege zu finden, damit Hilfszahlungen nicht in die Hände der Hamas gelangen.

Nahost: Junge Araber und Israelis für Koexistenz

Zwanzig junge Erwachsene aus Israel, Marokko, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) haben im Juni gemeinsam Israel bereist, um die im letzten Jahr unterzeichneten Abraham-Abkommen zu feiern. Dabei besuchten sie Israels Hightech- und Innovationszentren, kulturelle und soziale Einrichtungen sowie den Tempelberg und die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Die Tour wurde initiiert durch die israelische Organisation Israel-is, die 2017 gegründet wurde, um Begegnungen zwischen jungen Israelis und Gleichaltrigen aus anderen Ländern zu ermöglichen und so Koexistenz im Nahen Osten zu fördern. Eyal Biram, Gründer und Geschäftsführer von Israel-is, hofft, dass die arabischen Teilnehmer sich an ihren jeweiligen Wohnorten für gute Beziehungen mit Israel einsetzen werden. Israel, Marokko, Bahrain und die VAE hatten vergangenes Jahr im Rahmen der Abraham-Abkommen diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Israelis entwickeln Hautpflaster zur Tuberkulose-Erkennung

Forscher am Technion in Haifa haben ein Sensorenpflaster entwickelt, das in kürzester Zeit eine mögliche Tuberkuloseerkrankung feststellen kann. Tuberkulose (Tb), verursacht von Bakterien, ist die weltweit tödlichste Infektionskrankheit. Jedes Jahr erkranken rund 10 Millionen Menschen an Tuberkulose, rund 1,4 Millionen Menschen sterben. Insbesondere sind Menschen in Entwicklungsländern betroffen, wo vielerorts keine aufwändigen Tests und Laboruntersuchungen zur Verfügung stehen und die Krankheit somit zu spät erkannt wird. Der größte Vorteil des israelischen Sensorenpflasters liege darin, dass es auch dort eingesetzt werden könne, wo es keine Kliniken oder Labore gebe, erklärte Dr. Rotem Vishinkin. Es wird an der Haut angebracht und prüft sog. flüchtige organische Verbindungen an der Hautoberfläche auf Veränderungen, die auf eine Tb-Erkrankung oder ein hohes Erkrankungsrisiko hindeuten. Die Diagnose erfolgt innerhalb einer Stunde. Für das bisher entwickelte Modell wird ein Computer benötigt. Das Endmodell, das in wenigen Jahren auf den Markt kommen soll, soll die Diagnose automatisch an ein Mobiltelefon oder an eine Klinik übermitteln können. An der israelischen Studie, deren Ergebnisse Anfang Juni im Wissenschaftsjournal Advanced Science veröffentlicht wurden, nahmen 1.000 Testpersonen aus Südafrika, Indien und Lettland teil. Die Diagnose war bei 90% der Tests akkurat.


 

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