Change Region:Germany

Herzog, Steinmeier gedenken der Opfer von Babi Jar

ICEJ-Nachrichten vom 07. Oktober 2021

DruckversionSend by email
Posted on: 
7 Okt 2021
Herzog, Steinmeier gedenken der Opfer von Babi Jar

Antisemitismus und Holocaustleugnung muss entschieden entgegengetreten werden. Das sagte Israels Staatspräsident Isaac Herzog am Mittwoch während einer Gedenkzeremonie in Kiew (Ukraine) anlässlich des 80. Jahrestags des Massakers von Babi Jar. „Hier an diesem schrecklichen Ort, einem Ort an dem die Welt zusah und schwieg, müssen wir sicherstellen, dass es niemals wieder ein weiteres Babi Jar geben wird“, sagte Herzog. Am 29. und 30. September 1941 waren mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder von deutschen Polizisten, SS-Männern und Wehrmachtssoldaten in einer am Rande Kiews gelegenen Schlucht erschossen worden. Bis 1943 wurden über 100.000 Menschen, darunter Juden, Roma und sowjetische Kriegsgefangene, in Babi Jar erschossen. „Drei schreckliche Verbrechen wurden in dieser Schlucht begangen. Das erste war das Massaker, das Auslöschen menschlichen Lebens. Das zweite und das dritte war die Zerstörung von Beweisen sowie das Auslöschen der Erinnerung“, sagte Herzog. „Von den meisten Menschen, die in Babi Jar ermordet wurden, gibt es keine Spur mehr, keine Namen, keine Erinnerung. Die Zeit der Erinnerung ist nun gekommen, darum sind wir hier.“ Herzog weihte gemeinsam mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das noch im Bau befindliche Gedenkzentrum ein, das der Erinnerung der im Holocaust ermordeten Juden Osteuropas gewidmet ist. „Es schmerzt mich und es macht mich zornig, dass Antisemitismus auch in Deutschland – gerade in Deutschland – wieder stärker wird. Die bösen Geister der Vergangenheit zeigen sich heute in neuem Gewand. Für uns Deutsche kann es darauf nur eine Antwort geben: Nie wieder“, sagte Steinmeier.

Foto: GPO/Haim Zach, Selenskyj, Herzog und Steinmeier in Babi Jar, 06.10.2021

EU: Strategie gegen Antisemitismus

Die Europäische Kommission hat am Dienstag erstmals eine Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens in Europa vorgestellt. Die Strategie konzentriert sich auf drei wesentliche Ziele: Verhütung und Bekämpfung aller Formen von Antisemitismus, einschließlich Israel-bezogenen Antisemitismus. Israel gelte als „wichtiger Partner der EU“, auch im Kampf gegen Antisemitismus. Zweitens geht es um den Schutz und die Förderung jüdischen Lebens in der EU. Dafür sollen u.a. den EU-Mitgliedstaaten im kommenden Jahr 24 Millionen Euro für die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Das dritte Ziel ist die Aufklärung, Forschung und das Gedenken an den Holocaust. Dazu sollen u.a. weniger bekannte Gedenkstätten, ehemalige Konzentrationslager und Massengräber ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt und gegen Holocaustleugnung vorgegangen werden. EU-Staaten werden „ermutigt“, gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden vor Ort Gedenkveranstaltungen abzuhalten.„Heute verpflichten wir uns, jüdisches Leben in Europa in all seiner Vielfalt zu fördern. Wir wollen, dass im Herzen unserer Gemeinschaften wieder jüdisches Leben blüht. Europa kann nur florieren, wenn seine jüdischen Gemeinschaften sich sicher fühlen und aufblühen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Saudi-Arabien entfernt Hetze gegen Juden und Christen aus Schulbüchern

Die Darstellung von Juden und Christen in saudi-arabischen Schulbüchern hat sich im Jahr 2021 maßgeblich verbessert. Das geht aus einem aktuellen Bericht der israelischen Organisation IMPACT-se, die u.a. Schulbücher und Bildungspläne im Nahen Osten untersucht, hervor. Die saudische Führung zeige „beeindruckende, akribische Bemühungen“, ihre Traditionen zu wahren, jedoch ihr Land „aus dem religiösen Radikalismus zu führen.“ Demnach seien vor allem Abschnitte, die sich explizit gegen Juden und Christen richteten, entschärft oder vollkommen entfernt worden. „Achtundzwanzig Unterrichtseinheiten, die die Dämonisierung Andersgläubiger oder religiöse Intoleranz enthielten, wurden entfernt oder wesentlich verändert. Ein gesamtes Buch über den Dschihad wurde aus dem Lehrplan genommen“, heißt es in dem Bericht. Doch gebe es auch weiterhin viele problematische Inhalte. Insbesondere in Zusammenhang mit Israel enthielten saudische Schulbücher historische Falschdarstellungen. Beispielsweise werde der Zionismus in einem Schulbuch der Oberstufe als „rassistische jüdische Bewegung europäischen Ursprungs“ bezeichnet. Hetzerische Inhalte, in denen es um den Tempelberg und die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem gehe, seien jedoch entfernt worden. IMPACT-se begann 2003 damit, saudische Schulbücher zu untersuchen. „Damals sahen wir einen radikalen, wahabitischen Bildungsplan“, erklärte Marcus Sheff, Direktor von IMPACT-se. 2020 sah die Organisation erstmals „maßgebliche Veränderungen“ und Bemühungen seitens der saudischen Behörden, die Schulbildung zu modernisieren. Die Führung Saudi-Arabiens möchte mit ihrer „Vision 2030“ die Abhängigkeit des Königreichs vom Erdöl verringern und das Land zu einem globalen Handels- und Investitionszentrum umgestalten. Dazu soll eine offenere Gesellschaft geschaffen werden, die in der Lage ist, mit der Außenwelt, insbesondere westlichen Demokratien, zu interagieren.

Zerstörte ein Meteorit Sodom?

Eine antike Stadt nordöstlich des Toten Meeres könnte vor rund 3.600 Jahren durch die Explosion oder den Einschlag eines Meteorits zerstört worden sein. Das ergab die jahrelange Untersuchung der jordanischen Ausgrabungsstätte Tall al-Hamam durch ein Team von 21 Wissenschaftlern verschiedener Universitäten und anderer Forschungszentren. Die Forschungsergebnisse wurden Ende September im Online-Wissenschaftsjournal Scientific Reports veröffentlicht. In ihrem begutachteten Artikel gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Bericht über die Zerstörung der Stadt Sodom in 1. Mose 19,24-25 den bisher bekannten Einzelheiten eines Meteoriteneinschlags entspreche. Ob es sich bei der zerstörten Stadt um Sodom handle, sei nicht Gegenstand ihrer Forschung gewesen. Jedoch sei es wahrscheinlich, dass die Zerstörung der untersuchten Stadt zumindest die Grundlage des Berichts im Buch Genesis gewesen sein könnte. Der biblische Bericht über die Zerstörung Sodoms sei zudem einzigartig. „Es gibt keine weiteren antiken Schriften, die die Zerstörung einer Stadt durch Meteoriteneinschläge beschreiben.“ Die Funde in Tall al-Hamam, u.a. geschmolzene Lehmziegel, Tongefäße und Mineralien, deuten auf Temperaturen von mehr als 2500°C hin. Außerdem führte ein enormer Druck zur Bildung amorpher Kohlenstoffschichten. Kriege, Erdbeben oder vulkanische Explosionen könnten einige, jedoch nicht alle gefundenen Spuren der Zerstörung verursacht haben. Menschliche Überreste deuten zudem darauf hin, dass die Zerstörung unerwartet über die Stadt kam, als die Bevölkerung ihrem Alltag nachgegangen sei. Die Studie stellt auch fest, dass das Umland durch einen plötzlich erhöhten Salzgehalt im Boden für die landwirtschaftliche Nutzung über Jahrhunderte hinweg unbrauchbar wurde. Eine mögliche Erklärung sei, dass eine Explosion über dem Toten Meer das sehr salzhaltige Meerwasser in der Region verteilt haben könnte. Einige christliche Wissenschaftler lehnen die Gleichsetzung Tall al-Hamams mit Sodom ab, da die Ausgrabungsstätte ihrer Ansicht nach biblischen Informationen zur Datierung und Lokalität nicht entspricht.

USA und Katar gehen gegen Hisbollah-Netzwerk vor

Die USA und Katar haben Ende September bekanntgegeben, gemeinsam gegen ein Finanznetzwerk der schiitisch-libanesischen Terrororganisation Hisbollah vorzugehen. Das US-Finanzministerium kündigte Sanktionen gegen mehrere Personen, darunter zwei katarische Bürger und eine katarische Immobilienfirma, die Millionen US-Dollar an die pro-iranische Terrormiliz weitergeleitet haben sollen, an. US-Außenminister Antony Blinken sagte, die Hisbollah nutze „weltweite Netzwerke von Kapitalgebern und Scheinfirmen, um ihre bösartigen Handlungen zu ermöglichen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Emirat Katar sei eine der bedeutsamsten gemeinsamen Maßnahmen der USA mit einem Golfstaat. Bahrain soll die Bemühungen unterstützen, indem es Bankkonten einfrieren und einige Hisbollah-Unterstützer gerichtlich belangen will. Im Gegensatz zu anderen arabischen Golfstaaten unterhält Katar relativ freundliche Beziehungen mit dem Iran, der als wichtigster Verbündeter der Hisbollah gilt.


 

Share this: