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Israel: Ermittlungen zur Massenpanik mit 45 Toten

ICEJ-Nachrichten vom 04. Mai 2021

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Posted on: 
4 Mai 2021
Israel: Ermittlungen zur Massenpanik mit 45 Toten

Israels Justizminister Benny Gantz hat am Montag eine staatliche Untersuchung der tödlichen Massenpanik vom vergangenen Freitag angekündigt. Polizei, Feuerwehr und Israels staatlicher Rechnungsprüfer haben separate Ermittlungen aufgenommen. Bei der Massenpanik während Feierlichkeiten anlässlich des jüdischen Feiertags Lag B’Omer auf dem Berg Meron in Obergaliläa waren 45 Menschen ums Leben gekommen. Über 150 wurden verletzt. Unter den Opfern, die meisten von ihnen ultraorthodoxe Juden, befanden sich neben Rabbinern und Familienvätern auch 16 Kinder und Teenager, das jüngste Opfer war neun Jahre alt. An Lag B’Omer feiern Juden das Ende einer Plage, die im 2. Jahrhundert n. Chr. während des Bar-Kochba-Aufstands wütete. Jedes Jahr pilgern Hunderttausende zur größten Massenveranstaltung Israels auf den Meron-Berg, auf dem sich das Grab eines verehrten Rabbis befindet. Das Gelände ist unterteilt in mehrere Abschnitte, in denen verschiedene ultraorthodoxe Gruppierungen feiern. Aufgrund der zurückgehenden Corona-Infektionszahlen hatte die israelische Regierung die bei Veranstaltungen gültigen Einschränkungen für die Feier auf dem Meron-Berg ausgesetzt. Zugelassen waren offiziell 10.000 Teilnehmer, Schätzungen zufolge nahmen bis zu 100.000 teil.

Foto: Israel Police/Screenshot, Ein beduinischer Polizist (li.) besucht einen jüdischen Jungen (re.), den er aus der Menge retten konnte, 03.05.2021

Videoaufnahmen, die kurz vor dem Unglück entstanden, zeigten die dichtgedrängten Pilger singend und tanzend. Augenzeugen beschrieben, wie sie, als Teilnehmer kurz nach Mitternacht den überfüllten Bereich der Toldot Aharon-Bewegung verließen, durch den Druck der Menge in Richtung Ausgang gezerrt wurden. Als die ersten Pilger auf einer Treppe am Ende eines überfüllten Korridors stürzten, fiel die nachströmende Menschenmenge über sie. Vielen gelang es nicht, wieder aufzustehen oder den am Boden liegenden Opfern auszuweichen. Videoaufnahmen zeigten, wie Teilnehmer und Polizisten versuchten, die Metallwände des engen Korridors zu durchbrechen, um eine Fluchtmöglichkeit zu schaffen. Andere, die oberhalb des Korridors dem Unglück zusahen, konnten einzelne Kinder aus der Menge ziehen. Nach dem Unglück wurde bekannt, dass sowohl Teilnehmer als auch die Polizei seit Jahren vor der tödlichen Gefahr des zu engen Korridors gewarnt hatten. Medienberichten zufolge habe aber u.a. „politischer Druck“ dazu geführt, dass weder ein Umbau vorgenommen noch eine Begrenzung der Teilnehmerzahl durchgesetzt wurde. Außerdem ist bisher keine Behörde für Israels zweitgrößte Pilgerstätte (nach der Klagemauer) zuständig. Berichten zufolge streiten einzelne Behörden, religiöse Gruppierungen und andere Interessengruppen seit Jahren über die Zuständigkeit. David Lau, Israels aschkenasischer Oberrabbiner und Moshe Gafni, Vorsitzender der ultraorthodoxen Partei Vereinigtes Thora-Judentum, riefen am Sonntag die Regierung dazu auf, die Hoheitsgewalt über die Pilgerstätte zu übernehmen.

Covid-19: Israel hilft Indien

Israel wird medizinische Ausrüstung und Medikamente nach Indien liefern, das derzeit von einer schweren Covid-19-Welle betroffen ist. Das gab das israelische Außenministerium am Montag bekannt. „Indien ist einer von Israels besten und wichtigsten Freunden. Insbesondere in dieser schwierigen Zeit stehen wir an seiner Seite und senden unseren indischen Brüdern lebensrettende Ausrüstung“, sagte Außenminister Gabi Aschkenasi. Zahlreiche israelische Ministerien und Behörden sowie Unternehmen mit Geschäftsverbindungen nach Indien wurden aufgefordert, zu dem Hilfspaket beizutragen. Die Lieferungen umfassen u.a. Beatmungsgeräte und Sauerstoffkonzentratoren. Israel und Indien hatten bereits 2020 bei der Eindämmung des Coronavirus kooperiert. Damals hatte Indien fünf Tonnen Hydroxychloroquin und Chloroquin an Israel geliefert. Die Arzneistoffe, die der Behandlung von Malariaerkrankungen dienen, wurden versuchsweise zur Behandlung von Covid-19 eingesetzt.

Terroranschläge in Judäa und Samaria

Bei einem Terroranschlag an der Tapuach-Kreuzung südlich von Nablus (Judäa und Samaria) sind am Sonntagabend drei 19-jährige Jeschiwa-Studenten verletzt worden. Einer der Verletzten schwebt weiterhin in Lebensgefahr, ein weiterer befindet sich in ernstem Zustand. Ein Terrorist schoss aus einem vorbeifahrenden Auto auf eine Gruppe Zivilisten, die an einer Bushaltestelle warteten. Der Täter ist weiterhin auf der Flucht. Das Fahrzeug wurde am Montag nahe des palästinensischen Dorfes Akraba geortet. Als die israelische Armee es konfiszieren wollte, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzung mit den Dorfbewohnern, die das Fahrzeug in Brand steckten. Am Sonntagmorgen griff eine palästinensische Frau (60) israelische Soldaten an der Gusch Etzion-Kreuzung südlich von Jerusalem mit einem Messer an. Die Soldaten eröffneten das Feuer und verletzten sie tödlich. Der Familie zufolge litt die Frau an schweren Depressionen und erlitt vor wenigen Wochen einen Nervenzusammenbruch. Am Samstag griff ein palästinensischer Terrorist einen israelischen Soldaten nahe der Ortschaft Efrat (Judäa) mit einer zerbrochenen Glasflasche an. Der Soldat schoss auf den Terroristen. Er wurde mit schweren Schussverletzungen in ein israelisches Krankenhaus gebracht.

Jüdischer Weltkongress kritisiert Deutschlands Haltung zu Israel

Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), hat die Haltung Deutschlands gegenüber Israel kritisiert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Gastbeitrag in BILD wies Lauder u.a. auf die Diskrepanz zwischen Deutschlands Abstimmungsverhalten bei den Vereinten Nationen und den Solidaritätsbekundungen deutscher Regierungschefs seit 1949 hin. Lauder lobte Deutschlands „ehrliche Auseinandersetzung“ mit seiner Vergangenheit, die nicht nur auf Spitzenpolitiker, sondern auch auf die Bevölkerung selbst zurückgehe. Daher seien „jüngste Entscheidungen“ der Bundesregierung und einiger privater Unternehmen „so verblüffend“. Beispielsweise habe Deutschland im vergangenen Jahr 13 Mal für UN-Resolutionen gestimmt, die Israel verurteilten, aber nur einmal dafür gestimmt, den Iran, den „größten Terror-Sponsor der Welt“, zu verurteilen. „Noch verstörender“ sei, dass der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen im UN-Sicherheitsrat gegen ein Waffenembargo gegen den Iran stimmte, jedoch im UN-Menschenrechtsrat ein Waffenembargo gegen Israel unterstützte. Angesichts der „Voreingenommenheit“ der UN-Gremien gegenüber Israel rief Lauder Deutschland dazu auf, den „Weg von Ehrlichkeit und Verantwortung“ zu wählen. Lauder kritisierte auch den Handel deutscher Unternehmen mit dem Iran – insbesondere, da deutsche Exporte in den Iran u.a. für den Bau von Raketen eingesetzt worden seien. „Wenn der Iran also immer wieder prahlt, er werde Israel zerstören, und niemals aufgehört hat, auf diese Vernichtung hinzuarbeiten, dann hilft jedes Land, das mit dem Iran Handel betreibt, dem Iran beim Erreichen eben dieses Ziels. Ist Deutschland gewillt, dazu wieder beizutragen?“ Deutschland ist der wichtigste europäische Handelspartner des Iran. „Juden konnten im Laufe der Zeit wieder Vertrauen fassen und Deutschland als Freund betrachten – eine außergewöhnliche Entwicklung in der Geschichte der Menschheit.“ Lauder forderte die deutsche Regierung und Bevölkerung dazu auf, an ihrem „herausragenden und ehrlichen Verhalten“ seit Ende des Zweiten Weltkrieges festzuhalten, „damit die dunkle Seite nicht erneut die Zukunft meines Volkes bestimmt.“


 

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