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Israel feiert Rosch HaSchana

ICEJ-Nachrichten vom 08. September 2021

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Posted on: 
8 Sep 2021
Israel feiert Rosch HaSchana

Israel feiert seit Montagabend bis zum heutigen Mittwoch Rosch HaSchana, den Beginn des jüdischen Jahres 5782. Anlässlich des Neujahrsfests hat Israels Zentrales Statistikamt aktuelle Daten über die Bevölkerungsentwicklung des jüdischen Staates veröffentlicht. Demnach leben heute 9.391.000 Menschen in Israel. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Bevölkerung um 146.000 Personen (1,6%) gewachsen. 172.000 Babys wurden geboren, 48.000 Personen sind gestorben. 19.676 Personen sind nach Israel eingewandert, 56% von ihnen stammten aus der ehemaligen Sowjetunion, 12,2% aus Frankreich und 11,7% aus den USA. 6,94 Millionen Einwohner Israels sind Juden (74%), 1,98 Millionen Araber (21%) und 466.000 Personen gehören anderen ethnischen Gruppen an (5%). Vom jüdischen Bevölkerungsteil betrachten sich 44,8% als säkular, 20,5% als traditionell aber nicht sehr religiös, 12,5% als traditionell-religiös, 11,7% als religiös und 10% als ultraorthodox.

Weltweit 15,2 Millionen Juden

Die jüdische Bevölkerung weltweit ist im vergangenen Jahr um rund 100.000 Personen auf 15,2 Millionen angestiegen. Das geht aus Zahlen hervor, die die Jewish Agency (Israels Einwanderungsbehörde) veröffentlichte. Weiterhin leben die meisten Juden, rund 8,2 Millionen, außerhalb Israels. In den USA leben sechs Millionen Juden, gefolgt von Frankreich (446.000), Kanada (393.500), Großbritannien (175.000), Argentinien (175.000), Russland (150.000), Deutschland (118.000), Australien (118.000) und Brasilien (91.500). Rund 27.000 Juden leben in muslimischen Ländern, u.a. in der Türkei (14.500), im Iran (9.500), in Marokko (2.000) und in Tunesien (1.000). Die Zahlen der Jewish Agency berücksichtigen Personen, die sich selbst als „jüdisch“ betrachten, unabhängig davon, ob sie jüdischen Gemeinden angehören oder gemäß des jüdischen Religionsgesetzes als jüdisch gelten. Weltweit könnten rund 25,3 Menschen gemäß des israelischen Rückkehrgesetzes Alijah (Einwanderung nach Israel) machen.

Foto: ICEJ, Jaffastraße in Jerusalem, Symbolbild

Gefängnisausbruch: Israel fahndet nach sechs Terroristen

Sechs palästinensische Terroristen sind am Montagmorgen aus dem Gilboa-Hochsicherheitsgefängnis, zwischen Beit Schean und Afula gelegen, ausgebrochen. Die israelische Polizei, unterstützt durch die Armee und den Inlandsgeheimdienst Schin Bet, fahndet weiterhin nach den Flüchtigen. Die sechs Männer, ein Kommandant der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, der eine Schlüsselrolle während der Zweiten Intifada spielte, und fünf Mitglieder des Palästinensischen Islamischen Dschihads (PIJ), gelten als hochgefährlich. Vier von ihnen saßen wegen Beteiligung an tödlichen Anschlägen gegen Israelis lebenslange Haftstrafen ab. Offenbar konnten die Männer unbemerkt ein Loch in der Toilette ihrer Zelle graben. Von dort gelangten sie über Schächte unterhalb des Gefängnisses, das von Pfeilern getragen wird, nach draußen. Israelische Medien berichteten über eine Reihe von Sicherheitslücken, die die Flucht begünstigt haben könnten. Unter anderem sollen die Baupläne des Gefängnisses auf der Internetseite der Baufirma öffentlich einsehbar gewesen sein. Außerdem waren drei der am Montag Geflüchteten 2014 an einem ähnlichen Fluchtversuch beteiligt gewesen, der jedoch rechtzeitig aufgedeckt wurde. Israels Sicherheitsdienste gehen nicht davon aus, dass ein Terroranschlag unmittelbar bevorsteht. Dennoch wird befürchtet, dass die sensationelle Flucht, die im Gazastreifen und in den Palästinensergebieten im Westjordanland (Judäa und Samaria) gefeiert wurde, Terrororganisationen neuen Zulauf und eine neue Popularität bescheren könnte. Israel geht davon aus, dass die Terroristen versuchen werden, sich nach Jordanien abzusetzen, oder sich in Dschenin, aus dessen Umgebung alle sechs stammen, zu verstecken.  

Corona: Israels Gesundheitsminister erwartet rückläufige Zahlen

Israels Gesundheitsminister Nitzan Horowitz erwartet, dass die aktuelle Corona-Welle bald zurückgehen wird, trotz der weiterhin hohen Zahl positiv Getesteter, des Schuljahresbeginns am 1. September und der anstehenden jüdischen Hohen Feiertage. Er verwies darauf, dass die Zahl der schwer Erkrankten rückläufig sei, und warnte vor „Panikmache”. „Wir handeln verantwortungsvoll. Wir bekämpfen die Ausbreitung des Virus, aber zur gleichen Zeit wollen wir das Land geöffnet lassen.“ Am Sonntag wurden 5.810 Personen, am Samstag 9.739 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. In den vier vorangegangenen Tagen waren jeweils über 10.000 neue Fälle bestätigt worden. Die Zahl der aktiven Fälle liegt aktuell bei 84.218. Die Zahl der schwer Erkrankten sank auf 677. Seit Beginn der Pandemie wurden in Israel 1.112.744 Personen positiv getestet, 7.205 sind mit oder an dem Coronavirus gestorben. Für die Gottesdienste anlässlich der jüdischen Feiertage Rosch HaSchana, Jom Kippur und Sukkot wurden die Besucherzahlen in Synagogen auf 50 Teilnehmer begrenzt. Bei Gottesdiensten mit mehr als 50 Teilnehmern gilt die 3G-Regel (in Israel „Grüner Pass“ genannt). Öffentliche Veranstaltungen sind auf 1.000 Teilnehmer in geschlossenen Räumen und 5.000 Teilnehmer im Freien begrenzt. Weitere Einschränkungen sind nicht geplant.

Herzog trifft Abdullah II. in Amman

Israels Staatspräsident Isaac Herzog hat vergangene Woche König Abdullah II. in Amman getroffen. Das Treffen war auf Einladung des Monarchen erfolgt. „Jordanien ist ein sehr wichtiges Land. Ich habe großen Respekt für König Abdullah, der ein sehr wichtiger Akteur in der Region ist“, sagte Herzog nach seinem Besuch. Gegenstand der Gespräche zwischen Abdullah und Herzog seien Energieversorgung, Nachhaltigkeit und die Verbesserung der Beziehungen beider Länder gewesen. Herzog sagte, er plane, weitere Staatschefs in der Region zu treffen. „Ich denke es ist sehr wichtig für die strategischen und diplomatischen Interessen Israels, mit jedem in Dialog zu treten.“ Im Juli traf sich bereits Premierminister Naftali Bennett mit Abdullah, im Februar war Verteidigungsminister Benny Gantz in Jordanien. Das inzwischen dritte hochrangige Treffen zwischen der israelischen und jordanischen Führung wurde von den israelischen Medien als Zeichen der Annäherung bewertet, insbesondere da das Verhältnis zwischen Abdullah und dem ehemaligen Premierminister Benjamin Netanjahu als sehr schlecht galt.

Beerschewa: Siamesische Zwillinge erfolgreich getrennt

Erstmals in der Geschichte Israels haben Ärzte siamesische Zwillinge erfolgreich trennen können. Die beiden Mädchen, im August 2020 geboren, waren an ihren Hinterköpfen zusammengewachsen. „Dies war eine seltene und komplexe Operation, die weltweit erst 20 Mal vorgenommen wurde, und nun zum ersten Mal in Israel“, sagte Mickey Gideon, leitender pädiatrischer Neurochirurg des Soroka-Krankenhauses in Beerschewa. „Es war komplizierter als man sich vorstellen kann. Die Mädchen waren am Hinterkopf zusammengewachsen und hatten dort weder Haut noch eine Schädeldecke“, erklärte Dr. Isaak Lazar, Direktor der Pädiatrischen Intensivstation. „Es war sehr heikel, da die Operation entlang wichtiger Blutgefäße erfolgte. Eine einzige Blutung hätte katastrophale Folgen gehabt.“ Mithilfe israelischer Technologie wurden dreidimensionale Modelle der Köpfe erschaffen, an denen die Ärzte den Eingriff üben konnten. Bevor die Operation durchgeführt werden konnte, musste die Kopfhaut der Mädchen gedehnt werden. Dazu platzierten die Ärzte Silikonbeutel zwischen die Schädeldecke und die Kopfhaut. Diese wurde regelmäßig mit sterilem Wasser aufgefüllt und somit vergrößert, bis die Kopfhaut ausreichend gedehnt war. „Die Operation der Trennung dauerte zwölf Stunden, anschließend teilten sich die Ärzte in zwei Teams auf, rekonstruierten die Schädeldecke bei jedem Mädchen und schlossen die Kopfhaut“, erklärte Lazar. „Am nächsten Tag begannen sie selbstständig zu atmen und heute konnten sie sich zum ersten Mal sehen, was einfach nur wunderschön war!“ Die Mädchen werden nun Physiotherapie erhalten, um zu lernen, ihre Köpfe zu bewegen, was sie bisher nicht tun konnten. Dr. Lazar geht davon aus, dass sie mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ ein normales Leben führen werden.

Knesset: Neuer Haushaltsplan passiert erste Lesung

Der israelische Haushaltsplan für 2021-2022 hat am Donnerstag die erste Lesung in der Knesset passiert. Es war das erste Mal seit 2018, dass eine Mehrheit der israelischen Parlamentarier einem neuen Budget ihre Zustimmung gab. Die insgesamt vier Gesetze werden nun vom Finanzausschuss der Knesset geprüft werden, bevor sie bis spätestens 4. November zwei weitere Abstimmungen durchlaufen müssen, um in Kraft zu treten. „Dieser Haushalt stärkt die Sicherheit und das Gesundheitswesen und schützt das Einkommen der israelischen Bürger“, sagte Premierminister Naftali Bennett nach der Abstimmung. Er sei „stolz, wie Meinungsverschiedenheiten durch guten Willen und echte Partnerschaft gelöst wurden.“ Finanzminister Avigdor Lieberman sprach vom „sozialsten Haushalt in der Geschichte des Landes.“ Oppositionsführer Benjamin Netanjahu hingegen kritisierte das Budget. „Es beinhaltet Einschnitte und Steuererhöhungen. Ihr schadet den Landwirten, den sozial Schwachen, der Mittelschicht.“ Der Haushaltsplan sieht Ausgaben in Höhe von 432 Milliarden Schekel (rund 114 Milliarden Euro) für 2021 und 452 Milliarden für 2022 (rund 119 Milliarden Euro) sowie zahlreiche Reformen vor. Unter anderem sollen die Kaschrut-Regelungen (Koscher-Zertifizierungen), die aktuell dem israelischen Oberrabbinat obliegen, verändert werden. Private Agenturen sollen dann Lebensmittelherstellern und Gastronomen, die die Vorgaben des Oberrabbinats einhalten, ebenfalls das wichtige Kaschrut-Siegel erteilen dürfen. Außerdem soll der Warenimport vereinfacht werden. Waren, die EU- oder US-Standards entsprechen, sollen ohne zusätzliche israelische Genehmigung importiert werden können. Ausgenommen davon sind Babynahrung und Fleischprodukte. Auch für landwirtschaftliche Erzeugnisse sollen die Importregelungen gelockert werden, um Lebensmittelpreise zu senken. Landwirte kritisierten diese Reform und befürchten, dass sie ihre Lebensgrundlage zerstören könnte. Auch soll das Renteneinstiegsalter für Frauen im Laufe der nächsten elf Jahre von 62 auf 65 Jahre angehoben werden.

Kirjat Arba: Palästinenser retten jüdische Frau

Drei Palästinenser sind vergangene Woche einer jüdischen Autofahrerin (36) zu Hilfe gekommen, die nahe Hebron infolge von Steinwürfen mehrere Verletzungen erlitten hatte. Die Mutter von sechs Kindern fuhr mit ihrem Auto in Richtung Kirjat Arba, ein Vorort Hebrons (Judäa und Samaria), als eine Gruppe Palästinenser sie vom Straßenrand aus mit Steinen attackierte. Sie erlitt u.a. eine Kopfwunde und verlor kurzzeitig die Kontrolle über ihr Fahrzeug. „Ich versuchte, die Polizei und einen Krankenwagen anzufordern, aber mein Telefon hatte keinen Empfang“, berichtete sie. Drei palästinensische Passanten, darunter ein Arzt, eilten ihr zu Hilfe, konnten die Blutungen an ihrem Kopf stoppen und über das palästinensische Telefonnetz Rettungskräfte anfordern.

Shalom Shtamberg: Letzter Überlebender des Warschauer Ghettos gestorben

Shalom Shtamberg, einer der wohl letzten Überlebenden des Warschauer Ghettos und der letzte Überlebende des KZ Bisingen, ist Ende August im Alter von fast 96 Jahren gestorben. Shalom wurde in Polen geboren. 1940 zwangen die Nationalsozialisten ihn und seine Familie, ins Warschauer Ghetto „umzuziehen“. Als ihm bewusst wurde, dass er das Leid und den Hunger dort nicht überleben würde, flüchtete er. Nachdem er sich einige Zeit unentdeckt durchschlagen konnte, wurde er verhaftet und ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Es folgten weitere Deportationen in die Konzentrationslager Buchenwald, Bisingen und Dachau. Unter unmenschlichen Bedingungen musste Shalom schwere Zwangsarbeit leisten. Nach seiner Befreiung 1945 erfuhr er, dass seine Eltern und Geschwister in Auschwitz ermordet worden waren. Insgesamt verlor er 150 Angehörige im Holocaust. Dass er selbst überlebte, erklärte Shalom mit den Worten: „Gott hat gewollt, dass jemand am Leben bleibt, damit er erzählen kann, was geschehen ist.“ Shalom und seine Frau Zelda lebten in der Nachbarschaft des Haifa-Heims für Holocaustüberlebende der ICEJ. Beide waren dem Haifa-Heim sehr verbunden und nahmen regelmäßig an gemeinsamen Aktivitäten sowie Gedenkveranstaltungen teil. Mitarbeiter des Haifa-Heims begleiteten die beiden zu Arztbesuchen und standen ihnen mit viel praktischer Hilfe zur Seite. Shalom sprach regelmäßig vor Besuchergruppen des Museums im Haifa-Heim. Im Alter von 93 Jahren feierte er seine Bar Mitzwa im Beisein von rund 200 Gästen. In den letzten Monaten verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide, er erkrankte an einer Lungenentzündung und verlor sehr viel Gewicht. Shalom war ein sehr freundlicher und gutmütiger Mensch. Er wird den Bewohnern und dem Team des Haifa-Heims sehr fehlen.

Shaloms Überlebensgeschichte wurde von FASZINATION ISRAEL dokumentiert.


 

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