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Israel: Landesweite Ausgangssperre zum Passahfest

ICEJ-Nachrichten vom 07. April 2020

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Posted on: 
7 Apr 2020
Israel: Landesweite Ausgangssperre zum Passahfest

Am Mittwochabend beginnt das Passahfest mit dem Seder-Abend, der aufgrund der Corona-Krise im kleinsten Familienkreis gefeiert werden soll. Deshalb wird die Bewegungsfreiheit der Israelis vom heutigen Dienstagnachmittag an weiter eingeschränkt. Ab Mittwochnachmittag soll landesweit eine totale Ausgangssperre gelten. Wie der amtierende Premierminister Benjamin Netanjahu am Montag in einer Fernsehansprache ankündigte, werden Israelis zwischen Dienstag 19 Uhr und Freitag 6 Uhr wichtige Erledigungen nur noch innerhalb ihres Wohnorts, bzw. Stadtteils tätigen dürfen. Bisher waren notwendige Einkäufe oder der Weg zur Arbeit ohne lokale Einschränkungen möglich. Von Mittwoch 15 Uhr bis Donnerstag 7 Uhr gilt zudem eine totale Ausgangssperre, während der die Bevölkerung ihre Häuser nicht verlassen darf. Damit will die Regierung verhindern, dass Israelis den traditionellen Seder-Abend im Kreis der Großfamilie begehen und so möglicherweise einen Neuausbruch der Coronavirus-Infektionen auslösen. Arabische Städte und Dörfer sind von der totalen Ausgangssperre ausgenommen, da die arabischen Einwohner kein Passah feiern.  „Wir befinden uns in einer schicksalhaften Woche“, erklärte Netanjahu und forderte die Bevölkerung dazu auf, die strengen Anordnungen zu befolgen. „Es liegt an euch. Werdet nicht nachlässig.“ Es sei möglich, dass nach dem Passahfest mit der schrittweisen Lockerung der Maßnahmen begonnen werden kann, sagte Netanjahu.

Foto: GPO/Kobi Gideon, Archivbild, Premierminister Benjamin Netanjahu

 

„Operation Laserstrahl”: Israels Armee versorgt Bedürftige in Bnei Brak

Hunderte Soldaten aus Israels Fallschirmjägereinheit sind zurzeit im Einsatz, um bis zum Beginn des Passahfests am Mittwochabend rund 1.000 Tonnen Lebensmittel an Bedürftige in Bnei Brak zu verteilen. Der ultraorthodoxe Vorort von Tel Aviv gilt als eines der Epizentren der Covid-19-Pandemie. Seit Sonntag darf niemand mehr die Stadt betreten oder verlassen, mit Ausnahme von Hilfs- und Sicherheitsdiensten und Journalisten. Trotz der sonst schwierigen Beziehung zwischen Israels Ultraorthodoxen und der Armee (die Mehrheit der ultraorthodoxen Bevölkerung leistet keinen Militärdienst) habe es bislang keinen einzigen Zwischenfall gegeben, berichtete ein Offizier. Das Gegenteil sei der Fall: oft brechen Einwohner beim Anblick der Hilfslieferungen in Tränen aus, andere heißen die Truppen mit Snacks und Dankesrufen willkommen. Generalstabschef Aviv Kochavi, dessen häusliche Quarantäne am Wochenende endete, lobte die Fallschirmjäger: „Ich bin stolz auf euch.“ Der für die israelische Armee oft verwendete Ausdruck „Armee des Volkes” bekomme angesichts dieses Hilfseinsatzes eine neue Bedeutung, erklärte er. Neben der Lebensmittelverteilung unterstützen die Soldaten die Behörden vor Ort z.B. auch bei der Evakuierung von Einwohnern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

 

Chinesen spenden Schutzausrüstung für Israel

In Israel ist am Montag das erste von elf Flugzeugen gelandet, die Schutzkleidung, Masken und andere wichtige medizinische Ausrüstung aus China bringen sollen. Neben der Ware, die die israelische Regierung auf dem chinesischen Markt gekauft hat, besteht ein großer Teil der Ladung aus gespendetem Material. Viele der Spenden stammen von chinesischen Alumni israelischer Universitäten, aber auch von Chinesen, die als Touristen oder Geschäftsreisende Israel besucht und es in guter Erinnerung behalten haben. Neben wohlhabenden Privatpersonen haben auch einzelne chinesische Städte medizinische Ausrüstung gespendet. Yossi Ben Shitrit vom israelischen Konsulat in Shanghai berichtete, die diplomatische Vertretung werde mit Spenden überflutet. „Im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt gibt es in China kaum Antisemitismus, sondern viel Bewunderung für Israel und die Juden“, erklärte Shitrit. Betty Xi, eine Absolventin der Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv, die ebenfalls Spender mobilisierte, erklärte, das Gefühl der Solidarität beruhe u.a. auf der Tatsache, dass Israel China beigestanden hatte, als die Corona-Krise dort am schlimmsten war.

 

Palästinenser produzieren medizinische Schutzkleidung

Zahlreiche Bekleidungsproduzenten in den Palästinensergebieten haben ihre Produktion auf die Herstellung von Masken und Schutzkleidung umgestellt. Das im Gazastreifen ansässige Unternehmen Unipal 2000 stellt seit Jahrzehnten Kleidung überwiegend für den israelischen Markt her. Der Einbruch der Nachfrage im Einzelhandel, verursacht durch die Corona-Krise, hätte die Fabrik schwer getroffen. Mit der Produktionsumstellung Anfang März auf die Anfertigung von Mundschutzmasken und Schutzanzügen verfolgte Fabrikbesitzer Nabil Bawab zwei Ziele: „Wir können hunderte Familien in Gaza weiterhin versorgen und der Öffentlichkeit mit dem Nachschub von Masken und Schutzanzügen helfen“, erklärte er. Bis Ende April will das Unternehmen eine Million Masken und 50.000 Schutzanzüge allein für israelische Abnehmer produziert haben. Auch im Westjordanland (Judäa und Samaria) ansässige Betriebe haben ihre Produktion umgestellt. Eine Schuhfabrik in Hebron produziert inzwischen bis zu 10.000 Masken täglich für den palästinensischen Bedarf. Um die Produktion aufzustocken wurden sogar 30 weitere Mitarbeiter eingestellt. „Wir tragen dazu bei, dass das Virus sich nicht ausbreitet“, erklärte Fabrikbesitzer Amjad Zughayer stolz.

 

Libanon: Corona-Krise stärkt Hisbollah

Die vom Iran unterstützte schiitisch-libanesische Terrororganisation Hisbollah nutzt die aktuelle Corona-Krise, um ihren Einfluss im Libanon auszuweiten und zu zementieren. Die Terroristen, die sich seit Jahren durch ihre militärische Stärke und ihre Gesundheits- und Sozialdienste als „Staat im Staat“ etabliert haben, mobilisierten ein Netzwerk von rund 25.000 Freiwilligen – bestehend aus Ärzten, Pflegekräften und weiterem medizinischen Personal. Außerdem hat die Organisation Test- und Quarantäne-Zentren errichtet, ein Krankenhaus eigens für Coronavirus-Patienten umfunktionieren lassen und soziale Komitees gegründet, die bedürftige Familien mit Hilfspaketen versorgen. Ein Vertreter der Hisbollah erklärte, dass man in der Lage sei, eigene Ärzte notfalls auch in die staatlichen Krankenhäuser zu entsenden. Die Mitte Oktober 2019 begonnenen landesweiten Anti-Regierungs-Proteste und die prekäre wirtschaftliche Situation hatten zuletzt dazu geführt, dass insbesondere die Hisbollah zunehmend an Ansehen in der Bevölkerung verlor. Die Corona-Krise wollen die Hisbollah und andere politische und religiöse Gruppierungen im Land – Christen, Sunniten, Drusen – nutzen, um das Gemeinschaftsgefühl innerhalb ihrer Gesellschaftsgruppe zu stärken und ihr Ansehen als „Schutzmacht“ ihrer jeweiligen Glaubensbrüder zurückzugewinnen. Nahostexperten sind der Ansicht, dass dies der Hisbollah zurzeit am besten gelinge.

 


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