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Israel: Nächtliche Ausgangssperren

ICEJ-Nachrichten vom 08. Dezember 2020

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Posted on: 
8 Dez 2020
Israel: Nächtliche Ausgangssperren

Die israelische Regierung hat am Montag beschlossen, nächtliche Ausgangssperren über Chanukka und Weihnachten zu verhängen. Diese sollen ab Mittwoch, dem Tag vor Beginn des Chanukka-Fests, gelten und bis zum 2. Januar in Kraft bleiben. Damit sollen Familienfeiern und andere Zusammenkünfte anlässlich der Feiertage verhindert werden. Zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens dürfen sich Israelis nur in einer bestimmten Entfernung von ihren Häusern bewegen. Einkaufszentren und Märkte sollen trotz steigender Infektionszahlen weiterhin geöffnet bleiben. Sollte die Zahl der täglichen Neuinfektionen nicht bis zum 20. Dezember sinken, erwägt die Regierung, weitere Einschränkungen zu verhängen. Auch ein dritter landesweiter Lockdown ist nicht auszuschließen. Nachman Ash, neuer Corona-Beauftragter der Regierung, lehnt die nächtlichen Ausgangssperren ab. „Sie schieben lediglich das Unvermeidbare hinaus“, sagte er. In Israel hat sich die Zahl der Neuinfektionen in den letzten zwei Wochen fast verdoppelt. Im Sieben-Tage-Durchschnitt hatten sich letzte Woche 1.318 Israelis mit dem Virus infiziert. Vor zwei Wochen lag der Durchschnittswert bei rund 750 Fällen am Tag.

Foto: ICEJ, Corona-Krise in Israel, Archivbild

Westjordanland: PA verhängt Lockdown

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) hat einen Lockdown für die vier Verwaltungsbezirke Nablus, Hebron, Tulkarem und Bethlehem angeordnet. Das gab Premierminister Mohammed Schtajjeh am Montag bekannt. Der Lockdown, von dem rund 1,6 Millionen Palästinenser betroffen sind, soll ab Donnerstag gelten und eine Woche in Kraft bleiben. Nur Apotheken und Lebensmittelläden werden öffnen dürfen. Außerdem wird das Reisen zwischen allen elf PA-Verwaltungsbezirken untersagt. Aktuell gibt es in den PA-Gebieten im Westjordanland 14.210 aktive Fälle. Unternehmer und Selbstständige lehnen den Lockdown ab. „Diese Entscheidung wird der palästinensischen Wirtschaft weiteren Schaden zufügen“, warnte Abd al-Ghani al-Atari, Leiter der Handelskammer Ramallah. Die Wirtschaft befinde sich bereits in einer „gefährlichen Situation“, sagte er.

Gaza: Hohe Infektionszahlen, Sorge um militärische Eskalation

Im von der islamistischen Terrororganisation Hamas kontrollierten Gazastreifen gibt es zurzeit 10.647 bestätigte Fälle mit dem Coronavirus. Beobachter gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Von den täglich durchgeführten 2.000-3.000 Tests sind ca. 36.3% positiv. Moscheen, Schulen und Universitäten in der Enklave sind geschlossen, seit vergangener Woche gilt eine tägliche Ausgangssperre ab 18 Uhr. Einen Lockdown lehnt die Hamas aufgrund der prekären wirtschaftlichen Situation jedoch ab. Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind die Corona-Stationen in den Krankenhäusern zu 70% belegt. Israel sieht die Ausbreitung des Virus in der Enklave als ein Sicherheitsrisiko. Es befürchtet, dass die Hamas eine militärische Eskalation mit Israel suchen könnte, sollte sich die gesundheitliche Lage verschlimmern. „Wir ermutigen die internationale Gemeinschaft, die Palästinenser in ihren Bemühungen gegen Covid-19 zu unterstützen“, sagte Elad Goren, ein Beamter des israelischen Verteidigungsministeriums. Vergangene Woche reisten zwölf arabisch-israelische Ärzte in den Gazastreifen, um dringende Operationen vorzunehmen und Patienten zu behandeln, die von den zunehmend überlasteten Krankenhäusern abgewiesen wurden.

MDA: Finanzierung von hochmoderner Blutbank gesichert

Israels Rettungsdienst Magen David Adom (MDA) wird im Frühjahr 2021 im zentralisraelischen Ramle eine neue, hochmoderne Blutbank eröffnen. Am Montag hatte der MDA bekanntgegeben, die Finanzierung des 130 Millionen US-Dollar (ca. 107 Millionen Euro) teuren Projekts vollständig gesichert zu haben. Das Gebäude verfügt über sechs Stockwerke, von denen drei unterirdisch sind. Es ist die erste Blutbank der Welt, deren Blutkonserven sicher vor Raketenbeschuss, Angriffen mit bio-chemischen Waffen und Erdbeben gelagert werden. Israels Blutreserven werden zurzeit im Sheba Medical Center in Ramat Gan weiterverarbeitet und gelagert. Die Labore und Lagerräume sind nicht gegen Angriffe oder Katastrophen gesichert und befinden sich am Rande ihrer Kapazität. Die Blutbank im Sheba Medical Center ist die einzige des Landes und wurde 1985 für eine Bevölkerung von fünf Millionen Menschen gebaut. Heute hat Israel knapp neun Millionen Einwohner.

Tempelberg: Jordanien besteht auf Status quo

Jordanien ist besorgt, dass Israel die Verwaltung des Tempelbergs an Saudi-Arabien übergeben könnte. Bei einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Gabi Aschkenasi vergangene Woche forderte Jordaniens Außenminister Ayman Safadi Israel auf, „provokative Handlungen gegen die Al-Aksa-Moschee“ zu unterlassen und „den historischen Status quo“ zu respektieren. Beobachter gehen davon aus, dass er damit auf das Treffen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman im November anspielte. Jordanien hatte bereits kurz nach dem Treffen im saudi-arabischen Neom seinen Anspruch auf die Hoheitsgewalt über den Tempelberg in Jerusalem bekräftigt, die es seit 1924 innehat. Das Treffen am Allenby-Grenzübergang war das erste Treffen eines jordanischen und eines israelischen Außenministers seit mehreren Jahren. Weitere Gesprächsthemen waren u.a. Wasserrechte und jordanische Warenexporte in die Palästinensergebiete im Westjordanland.


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