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Israel: Netanjahu und Gantz einigen sich

ICEJ-Nachrichten vom 26. März 2020

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Posted on: 
26 Mär 2020
Israel: Netanjahu und Gantz einigen sich

Israels amtierender Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) und Oppositionsführer Benny Gantz (Chosen LeIsrael) sollen sich auf eine Einheitsregierung geeinigt haben. Aktuellen Entwicklungen zufolge kündigte Ganz am heutigen Donnerstagnachmittag seine Kandidatur für das Amt des Knesset-Sprechers an und bewirkte damit den Bruch des Blau-Weiß-Bündnisses. Laufenden Medienberichten zufolge wird Gantz mit den Stimmen des konservativ-religiösen Lagers und seiner Partei Chosen LeIsrael (Widerstandskraft für Israel) die notwendige Mehrheit erhalten. Wie der israelische Fernsehsender Channel 12 berichtete, beabsichtige Gantz dieses Amt nur vorübergehend auszuüben. Sobald man sich über die Bedingungen für eine Einheitsregierung geeinigt habe, soll der ehemalige Generalstabschef Außenminister werden. Netanjahu soll demnach weitere 18 Monate Premierminister bleiben. Anschließend würde Gantz das Amt übernehmen. Gantz‘ Parteifreund Gabi Ashkenasi, ebenfalls ein ehemaliger Generalstabschef, soll Verteidigungsminister werden. Auch das Justizministerium soll an Gantz‘ Partei gehen.

Foto: GPO/Haim Zach, Benjamin Netanjahu, Reuven Rivlin, Benny Gantz, Archivbild

Gantz‘ ehemalige Verbündete des Blau-Weiß-Bündnisses kritisierten seine Entscheidung. Jair Lapid von der Partei Yesh Atid warf Gantz vor, „in Netanjahus Regierung zu krabbeln.“ Mosche Ja’alon von der Telem-Partei sagte, Gantz begehe politischen Selbstmord.

Zuvor drohte aufgrund eines Streits um das Amt des Knesset-Sprechers eine politische Krise. Knesset-Sprecher Juli Edelstein (Likud) kündigte gestern überraschend seinen Rücktritt an, nachdem Israels Oberster Gerichtshof am Montag geurteilt hatte, er müsse sein Amt bis Mittwoch für eine Neuwahl zur Verfügung stellen. Edelstein und Israels oberste Richter bezichtigten sich gegenseitig, die Souveränität der Knesset zu verletzen. Mit seinem Rücktritt vermied Edelstein, sich dem Urteil zu fügen. Der Oberste Gerichtshof ordnete daraufhin die Neubesetzung des Amts für den heutigen Donnerstag an. Man hatte erwartet, dass Meir Cohen von Lapids Partei Yesh Atid mit absoluter Mehrheit in das Amt gewählt würde. Mit seiner Kandidatur ist Gantz dem nun zuvorgekommen.

 500.000 nehmen an weltweitem Online-Gebet teil 

Am Mittwoch haben rund 500.000 Menschen weltweit an einem im Internet live übertragenen Gebet teilgenommen. Israels Oberrabbiner Jitzhak Josef und David Lau hatten gemeinsam mit anderen prominenten Rabbinern zum Gebet und Fasten gegen die Ausbreitung des Coronavirus und für die Genesung der Erkrankten aufgerufen. Angeregt wurde die Aktion von einem jungen Studenten der erklärt hatte: „Das Virus verhindert, dass wir uns versammeln, aber das jüdische Volk wird sich vereinen wie es sich nie in der Geschichte vereint hat.“

Das Gebet wurde auf einer Webseite und verschiedenen sozialen Netzwerken übertragen. Die teilnehmenden Rabbiner rezitierten u.a. Psalmen, Gebete für die Kranken und bliesen das Schofar-Horn. Shmuel Elijahu, Oberrabbiner der Stadt Safed, erklärte: „Wir beten zu dem Einen, der die Welt erschaffen hat und sie leitet, dass er sie heilen möge und dem jüdischen Volk und der ganzen Welt vollkommene Genesung schenken möge.“ Die globale Krise habe den Menschen gezeigt, „dass wirtschaftlicher Wohlstand nicht das Wichtigste ist - das Leben ist das Wichtigste“, sagte er.

Weitere Gebetsinitiativen

Auch an der Klagemauer beteten Dutzende unter strikten Sicherheitsvorkehrungen für das Ende der „Coronavirus-Plage“ und für eine rasche Genesung der Erkrankten. Das Gebet wurde live im Internet übertragen und von rund 50.000 Menschen gesehen.

Die ICEJ hat am heutigen Donnerstag gemeinsam mit Juden und arabischen Christen aus Israel eine Online-Gebetsinitiative gestartet. Dabei lasen die Pastoren, Rabbiner, ICEJ-Leiter und andere Teilnehmer aus Israel und der ganzen Welt in ihrer jeweiligen Muttersprache aus dem Buch der Psalmen vor. Ein weiteres Zoom-Gebetstreffen ist am kommenden Donnerstag geplant. Nähere Informationen folgen in Kürze.

Deutschland hilft Israel bei Evakuierung von Staatsbürgern

Angesichts zunehmender Grenzschließungen weltweit kooperieren Deutschland und Israel bei der Evakuierung im Ausland gestrandeter Staatsbürger. Wie die Jerusalem Post am Mittwoch berichtete, hat die Bundesregierung deutsche Vertretungen im Ausland angewiesen, Israelis beizustehen und sie zu behandeln, wie sie deutsche Staatsbürger behandeln würden. „Dies ist eine außergewöhnliche Geste des guten Willens, wie man sie selten zwischen Ländern sieht“, sagte Avi Nor, Leiter der europäischen Abteilung des israelischen Außenministeriums. „Sie helfen uns in jeder Weise wie sie können, ohne jegliche formelle Vereinbarung.“ Israel wiederum hat diese Woche eine Deutsche zusammen mit einer Gruppe Israelis aus Bolivien ausgeflogen. Das israelische Außenministerium geht davon aus, dass bis zu 10.000 Israelis - viele von ihnen Rucksack-Touristen - zurückgeholt werden müssen. Israelische Botschafter weltweit appellierten an ihre Landsleute, umgehend zurückzukehren, bevor alle Routen geschlossen sind.

Bei einem Telefongespräch am Dienstag besprachen der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mögliche gemeinsame Wege, gegen die Covid-19 Pandemie vorzugehen. Neben finanziellen und wirtschaftlichen Kooperationen besprachen sie auch, wie medizinische Güter bezogen werden können.

 Österreich: Bundeskanzler Kurz dankt Netanjahu 

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz hat am Mittwoch bei einem Interview im israelischen Fernsehen gesagt, Österreichs rasches Handeln in der Corona-Krise sei einer Warnung des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu zu verdanken. Zu Beginn der Krise habe er Netanjahu kontaktiert, der sich darüber besorgt zeigte, dass europäische Länder die Gefahr des Virus unterschätzten. „Ich bin Bibi Netanjahu sehr dankbar für den Austausch vor mehreren Wochen, der mit dazu geführt hat, dass wir in Österreich unter den Ersten waren, die in Europa reagierten“, sagte Kurz. Österreich war das erste Land in Europa, das seine Grenzen schloss und strenge Einschränkungen des öffentlichen Lebens verordnete. Gegenüber der BILD-Zeitung sagte Kurz am Freitag, „Gott sei Dank“ habe das Gespräch mit Netanjahu ihn „wachgerüttelt“. 

An das israelische Volk gewandt sagte Kurz: „Haltet durch. Die Einschränkungen sind schwer, aber sie werden uns schließlich das Leben retten.“Hier können Sie das Interview auf Youtube ansehen (auf Hebräisch und Deutsch)

ICEJ hilft Israelis in Corona-Krise – helfen Sie mit! 

Die Mitarbeiter der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ) sind derzeit im Einsatz, um Israelis in der Corona-Krise beizustehen. Sie eilten einer israelischen Hilfsorganisation in Jerusalem, die ältere Menschen mit gekochten Mahlzeiten versorgt, zur Hilfe und halfen als Freiwillige, 700 Essensrationen abzufüllen, zu verpacken und auszuliefern. Am morgigen Freitag werden ICEJ-Mitarbeiter der Organisation erneut beistehen und mehr als 500 Essensrationen für den Schabbat packen und an bedürftige Israelis ausliefern, darunter ältere Einwanderer und Holocaustüberlebende. Derzeit ist die ICEJ-Sozialabteilung damit beschäftigt, Lebensmittelpakete zum Passahfest (8.-16.4.) für bedürftige Familien, Neueinwanderer, Holocaustüberlebende und sozial Benachteiligte zusammenzustellen. Inmitten der Corona-Krise ist diese Hilfe wichtiger denn je. Aufgrund der verschärften Maßnahmen der israelischen Regierung, um das Coronavirus (Sars-CoV-2) einzudämmen, verlieren immer mehr Israelis ihre Arbeit. Der Times of Israel zufolge betrug die Arbeitslosenrate in Israel am Mittwoch 19,6 Prozent. Insgesamt gibt es im Land derzeit rund 800.000 Arbeitslose, darunter 657.876 Israelis, die sich in diesem Monat arbeitslos gemeldet haben. Etwa 90 Prozent von ihnen wurden von ihren Arbeitgebern in unbezahlten Urlaub geschickt. Das israelische Arbeitsamt zeigte sich am Dienstag besorgt, dass bis zum Passahfest in zwei Wochen rund eine Million Israelis arbeitslos sein könnten.

Bitte helfen Sie uns, Israelis beizustehen, die aufgrund der Corona-Krise in Bedrängnis geraten und auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind. Als Verwendungszweck bitte „ICEJ-Hilfsfonds für Israel“ angeben, herzlichen Dank!

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ICEJ Deutschland

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