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Israel: Verschärfte Corona-Maßnahmen möglich

ICEJ-Nachrichten vom 23. September 2020

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Posted on: 
23 Sep 2020
Israel: Verschärfte Corona-Maßnahmen möglich

Die israelische Regierung wird am heutigen Mittwoch über neue, striktere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beraten. Dazu gehören weitere Einschränkungen der Wirtschaft, bei den Gebeten in Synagogen und den Anti-Regierungs-Protesten. Innenminister Arye Deri von der sephardisch-ultraorthodoxen Schas-Partei kündigte an, zusätzliche Einschränkungen des Synagogengebets zu unterstützen, sofern auch die Proteste eingeschränkt würden. Bislang gelten für Versammlungen in Synagogen strengere Auflagen als für Demonstrationen. Zuvor hatte Deri gewarnt, ultraorthodoxe Israelis seien „bereit für einen Aufstand“ angesichts der von ihnen als Ungleichbehandlung wahrgenommen Maßnahmen. Aufgrund der steigenden Zahl schwer Erkrankter öffnen zwei der größten Krankenhäuser Israels ihre unterirdischen Krankenstationen für Covid-19-Patienten. Diese sind sonst nur im Falle eines Kriegs in Betrieb. Im Rambam Medical Center in Haifa sind zurzeit 65 der 70 Betten auf der Coronavirus-Station belegt. Die unterirdische Station verfügt über 110 Betten, kann aber auf bis zu 770 Betten ausgeweitet werden. Die unterirdische Krankenstation des Beilinson-Krankenhauses in Petach Tikwa verfügt über 206 Betten und hat bereits 40 Patienten aus anderen Krankenhäusern aufgenommen. Am heutigen Mittwoch wurden 6.923 Neuinfektionen bestätigt, die Zahl der aktiven Fälle stieg damit auf 55.640.634 Personen sind schwer erkrankt, 171 von ihnen müssen künstlich beatmet werden. Seit Beginn der Corona-Krise wurden in Israel 200.041 Personen positiv auf das Virus getestet, 1.316 sind mit oder an dem Coronavirus gestorben.

Foto: GPO, Sitzung des israelischen Kabinetts, Archivbild

USA wollen Israels militärischen Vorteil sichern

Die USA verpflichten sich dazu, Israels militärischen Vorteil im Nahen Osten weiterhin zu sichern. Das sagte US-Verteidigungsminister Mark Esper am Dienstag bei einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Benny Gantz im Pentagon. Gantz hält sich zurzeit in den USA auf, um über den geplanten Verkauf US-amerikanischer F-35 Kampfflugzeuge an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zu beraten. Berichten zufolge wollen die USA und die VAE sich bis spätestens Dezember geeinigt haben. Die Auslieferung kann jedoch einige Jahre in Anspruch nehmen. Israel ist besorgt, dass es durch die Ausstattung eines weiteren Nahost-Staates mit den modernen Tarnkappenkampfflugzeugen seinen militärischen Vorteil in der Region verlieren könnte. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, erwägen US-Beamte, Israel Luftabwehrtechnologie zu verkaufen, die in der Lage ist, F-35 Kampfjets zu entdecken. Die Pläne der USA, die Kampfjets an die VAE zu verkaufen, wurden bekannt, nachdem Israel und die VAE die Aufnahme diplomatischer Beziehungen angekündigt hatten.

Juden begehen Jom Kippur

Am Sonntagabend beginnt der heiligste jüdische Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag). Mit Fasten und Gebet bitten Juden um Gottes Vergebung für die Sünden des vergangenen Jahres. Jom Kippur findet zehn Tage nach Rosch HaSchana, dem jüdischen Neujahrsfest, statt und bildet den Abschluss der dazwischen liegenden zehn Tage der Reue und Umkehr zu Gott. Nicht nur religiöse Israelis verzichten während des 25 Stunden dauernden Fastentages auf Essen und Trinken und nutzen den Tag zum Gebet oder für eine intensive Prüfung ihres Lebens. Das öffentliche Leben in Israel steht still, jüdische Restaurants und Geschäfte bleiben geschlossen, die Straßen sind nahezu autofrei. Nachdem Israel 1973 von Ägypten und Syrien überraschend am Jom Kippur angegriffen wurde, gibt es „stilles Radio und Fernsehen“. Die Sender sind den ganzen Tag stumm, können aber im Ernstfall ohne Einschalten Meldungen senden.

27-jähriger Jeschiwa-Student neuer El Al-Eigentümer

Eli Rozenberg (27), ein Jeschiwa-Student aus Jerusalem, hat vergangene Woche 42,85% der Aktien der israelischen Fluggesellschaft El Al erworben und ist somit Hauptanteilseigner. Rozenbergs Unternehmen Kanfei Nesharim erwarb den Anteil für 107 Millionen US-Dollar (ca. 91 Millionen Euro). Der Staat Israel ist mit rund 15% der Anteile ebenfalls neuer Miteigentümer. Der Verkauf neuer Aktien war Teil eines Rettungspakets, das die angeschlagene Fluggesellschaft mit dem israelischen Finanzministerium vereinbart hatte. Rozenberg entstammt einer orthodox-jüdischen Familie aus New York. Sein Vater Kenny Rozenberg ist Gründer und Geschäftsführer einer Pflegeheimkette in den USA und soll die finanziellen Mittel für den Erwerb der Aktien bereitgestellt haben. Israelische Medien berichteten, dass Kenny Rozenberg von seinem Rabbiner angewiesen worden sei, die Fluggesellschaft zu erwerben. Spekulationen zufolge soll sein Sohn nur de facto Eigentümer sein, da er – im Gegensatz zu seinem Vater - israelischer Staatsbürger ist und in Israel lebt. Dies war eine Voraussetzung für den Kauf der Anteile.

Saudi-Arabien: Regierung gegen Herabwürdigung von Juden und Christen

Saudi-Arabien geht gegen die Herabwürdigung von Juden und Christen in Schulbüchern und Moscheen vor. So soll die Darstellung von Nicht-Muslimen als „Schweine“ und „Affen“ aus den Schulbüchern des Königreichs entfernt werden. Saudischen Beamten zufolge geschieht dies im Zuge einer Kampagne von Kronprinz Mohammed bin Salman, die Extremismus im Bildungssystem bekämpfen soll. Auch in Moscheen sind solche Aussagen nun verboten. Saudi-Arabien gilt als Zentrum des Islams und die Freitagspredigten vieler saudischer Imame werden weltweit im Fernsehen und Internet übertragen. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Judenstaat lehnt das Königreich jedoch ab, solange Israels Konflikt mit den Palästinensern nicht beigelegt ist. Einer im August veröffentlichten Meinungsumfrage zufolge unterstützen nur 9% der saudischen Bevölkerung private oder geschäftliche Kontakte mit Israel. „Teil des Normalisierungsprozesses aller Golfstaaten ist, zunächst die Beziehungen zwischen Muslimen und Juden zu verbessern und anschließend offen über [Beziehungen mit] Israel zu diskutieren“, sagte Marc Schneier, ein US-amerikanischer Rabbiner, der Kontakte zu Regierungen in der Region unterhält.
 


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