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Israel will äthiopische Alijah beschleunigen

ICEJ-Nachrichten vom 11. November 2021

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Posted on: 
11 Nov 2021
Israel will äthiopische Alijah beschleunigen

Israel will die Alijah (Einwanderung nach Israel) von bis zu 5.000 äthiopischen Juden beschleunigen. Das vereinbarten Innenministerin Ayelet Schaked und Alijah-Ministerin Pnina Tamano-Schata am Dienstag. Der Beschluss gilt für Personen, deren Verwandte ersten Grades bereits in Israel leben. Tamano-Schata hatte am Montag mit ihrem Rücktritt gedroht, sollte die israelische Regierung angesichts des eskalierenden Bürgerkriegs in dem ostafrikanischen Land keine Evakuierung starten. Diaspora-Minister Nachman Schai teilte ihre Forderung und verwies auf Israels „moralische und historische Pflicht, sich für alle Juden weltweit einzusetzen.“ Ein konkreter Zeitrahmen für die Alijah ist bisher nicht bekannt. Israels Nationaler Sicherheitsrat lehnt eine großangelegte Evakuierungsaktion bisher ab, aus Sorge, dieskönne als Affront gegenüber der äthiopischen Zentralregierung gewertet werden. „Es sähe aus, als sagten wir den Sturz der Regierung voraus“, erklärte ein israelisches Kabinettsmitglied. Sollte sich die Situation jedoch verschlechtern, werde man die Position überdenken. In Israel leben rund 165.000 äthiopisch-stämmige Juden, etwa die Hälfte von ihnen ist in Israel geboren. Die rund 8.000 noch in Äthiopien wartenden Juden gehören zur Falasch-Mura-Gemeinschaft. Das sind Nachfahren äthiopischer Juden, die im 19. Jahrhundert, teilweise unter Zwang, zum Christentum konvertiert waren. 2015 genehmigte das israelische Kabinett die Alijah von 9.000 Falasch-Mura im Zuge der Familienzusammenführung. Seitdem sind rund 4.500 von ihnen nach Israel geholt worden. Die ICEJ konnte die Flugkosten für 2.590 von ihnen übernehmen.

Foto: JAFI, Junge äthiopische Juden in Gondar, Oktober 2021

Die ICEJ hat zugesagt, die Flugtickets der äthiopischen Juden zu sponsern. Ein Flugticket kostet aktuell 1.135 Euro. Bitte helfen Sie uns dabei, so viele äthiopische Juden wie möglich nach Hause zu bringen. Als Verwendungszweck bitte "Äthiopische Alijah" angeben, vielen Dank!

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Bürgerkrieg eskaliert

Der Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Milizen der Region Tigray im Norden des Landes hat sich in den letzten Tagen verschärft. Die tigrischen Streitkräfte haben sich mit weiteren Milizen verbündet, die u.a. Gebiete in Südäthiopien und im Umland der Hauptstadt Addis Abeba kontrollieren. Die Lage ist sehr unübersichtlich. Dem seit Ende 2020 andauernden Konflikt sollen bereits zehntausende Zivilisten zum Opfer gefallen sein, rund zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Menschenrechtsorganisationen berichten von Massakern und Massenvergewaltigungen. Da aktuell keine humanitäre Hilfe in die Region Tigray gelange, droht dort laut UN die „schlimmste Hungersnot weltweit“. Aktuell seien rund 400.000 Personen akut vom Hungertod bedroht. Beobachter gehen davon aus, dass eine politische Lösung des Konflikts, der größtenteils entlang ethnischer Linien verläuft, nicht mehr möglich ist. Aktivisten sehen Juden, die vor allem in Transitlagern in Gondar und Addis Abeba leben, als besonders gefährdet. Äthiopisch-jüdische Israelis berichteten, dass Verwandte Opfer von Zwangsrekrutierungen und Lösegelderpressungen geworden seien. „Die israelische Regierung muss diejenigen, die in Addis Abeba und Gondar warten, evakuieren, bevor es zu einer Katastrophe kommt“, sagte Uri Prednik von der Nichtregierungsorganisation „Struggle for the Aliyah of Ethiopian Jewry“.

Gebetsanliegen: Bitte beten Sie mit uns für ein baldiges Ende des Bürgerkriegs. Beten wir für den Schutz und die Versorgung der notleidenden Zivilbevölkerung und für die Bewahrung der jüdischen Familien im Kriegsgebiet.

Israel: Schlag gegen Waffenschmuggelring

Die israelische Polizei hat am Dienstag 65 Personen wegen des Verdachts auf Waffenschmuggel festgenommen. Die meisten Verhaftungen erfolgten in arabischen Ortschaften in Nordisrael, in Ostjerusalem und im sog. arabischen Dreieck in Zentralisrael. Laut Polizei handelte es sich um den größten Polizeieinsatz in der Geschichte hinsichtlich der Zahl der Verhafteten und der beschlagnahmten Waffen. Dutzende Waffen wurden konfisziert. Die meisten Waffen stammen aus dem Westjordanland. „Wir haben den Sumpf etwas ausgetrocknet, aber es reicht noch nicht“, erklärte Schimon Lavi, Polizeikommandeur für Nordisrael. Ziel der Operation war, die „wichtigsten Waffenschmuggler festzusetzen.“ „Leider herrscht im arabischen Teil der Gesellschaft eine große Nachfrage nach Waffen, bedingt durch ein fehlendes Sicherheitsgefühl und einen leichten Zugang zu Waffen.“ Seit Jahresbeginn sind 106 Araber ermordet worden. 90 der Getöteten waren israelische Staatsbürger, 16 Palästinenser aus Ostjerusalem. 13 der Ermordeten waren Frauen, 51 waren jünger als 30 Jahre. Bei den meisten Morden wurden Schusswaffen gebraucht.

Stuttgart: Gedenkgottesdienst zur Reichspogromnacht

Ende Oktober hat die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) in Stuttgart mit einem Gottesdienst der Reichspogromnacht 1938 gedacht. Pfarrer Friedhelm Nachtigal (ELKW) leitete den feierlichen Gedenkgottesdienst, in dem zum entschiedenen Eintreten gegen Antisemitismus aufgerufen wurde. Schwester Joela von der Evangelischen Marienschwesternschaft Darmstadt wies in ihrer Predigt „Jesus, der König der Juden“ auf die Wurzeln des christlichen Antisemitismus hin und forderte dazu auf, heute an der Seite des jüdischen Volkes zu stehen. „Der Schutz des jüdischen Volkes wird davon abhängen, dass wir diese Stunde nicht noch einmal verpassen und bereit sind, die jüdische Identität unseres Gottes zu bekennen, auch wenn es uns Nachteile bringt“, erklärte sie angesichts des Gedenkens an die Anfänge der Judenverfolgung und -vernichtung in der Reichspogromnacht. „Wir sollten in einer Gegenbewegung der Liebe Israel in wahrer Freundestreue zur Seite stehen.“ Gottfried Bühler, Erster Vorsitzender der ICEJ-Deutschland, interviewte Carmela Shamir, seit August 2021 Generalkonsulin des Staates Israel in München. „Israel hat eine einzigartige Beziehung mit Deutschland. Auf vielen Ebenen erhalten wir Unterstützung von Deutschland, strategisch, wirtschaftlich und Deutschlands Freundschaft zu Israel in der internationalen Gemeinschaft ist enorm“, erklärte Frau Shamir. „Von der deutschen Regierung und vielen Menschen in Deutschland, auch der ICEJ, erhalten wir die klare Botschaft, dass Antisemitismus nicht akzeptiert wird, dass ihr an unserer Seite steht. Wir müssen hoffnungsvoll bleiben und gemeinsam gegen Antisemitismus kämpfen.“ Die musikalischen Beiträge gestalteten Michael Schlierf und Adelheid Abt. Die Worship-Band FRIENDS führte mit einem deutsch-hebräischen Lied in den Lobpreis. In der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 kam es in Deutschland und Österreich zu massiven Ausschreitungen gegen Juden, ihre Geschäfte und Synagogen. Diese Nacht des Pogroms mit ihrer Verfolgung und Zerstörung wird Reichspogromnacht oder „Reichskristallnacht“ genannt. Es wurden über 30.000 Menschen in Konzentrationslager deportiert und hunderte Juden wurden getötet. Diese Nacht gilt als Beginn der systematischen Vernichtung der Juden in Nazi-Deutschland. Der Gottesdienst wurde am 7. November ausgestrahlt und kann auf dem Youtube-Kanal der ICEJ angeschaut werden.

Iranische Anschlagspläne in Afrika, Zypern aufgedeckt

In mehreren afrikanischen Ländern sind fünf Personen wegen des Verdachts, Anschläge auf Juden und Israelis geplant zu haben, verhaftet worden. Das berichtete der israelische Fernsehsender Channel 12 am Sonntag. Die Verdächtigen seien demnach von den iranischen Quds-Brigaden, einer Eliteeinheit der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC), rekrutiert und im Libanon ausgebildet worden. Anschließend sollten sie Anschläge auf israelische Safari-Touristen in Tansania sowie israelische Geschäftsleute in Ghana und im Senegal verüben. Die Verhaftungen erfolgten nach Hinweisen westlicher Geheimdienste. Israel hat wiederholt vor iranischen Anschlägen auf Juden und Israelis weltweit gewarnt. Im September wurde auf Zypern ein aserbaidschanischer Staatsbürger verhaftet, der im Auftrag des Iran einen Anschlag auf einen israelischen Geschäftsmann geplant haben soll. Die zypriotischen Behörden erhoben am Freitag Anklage gegen ihn und fünf weitere Verdächtige. Einer der weiteren Angeklagten, ein pakistanischer Staatsbürger, soll Verbindungen zu pro-iranischen schiitisch-pakistanischen Milizen in Syrien unterhalten.

Iran verdoppelt Uran-Vorrat

Der Iran hat seinen Vorrat an angereichertem Uran in weniger als einem Monat verdoppelt. „Wir haben mehr als 210 Kilogramm zu 20% und 25 Kilogramm zu 60% angereichertes Uran produziert – das ist der Anreicherungsgrad, den nur Atommächte produzieren.“ Das sagte der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde am Freitag. Erst am 10. Oktober hatte der Iran mitgeteilt, im Besitz von 120 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von 20% zu sein. Das internationale Atomabkommen von 2015 erlaubt dem Iran einen Vorrat von 202,8 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von 3,67%. Im Januar begann der Iran mit der Anreicherung auf 20%, im April auf 60%. Technisch gesehen ist er damit nicht mehr weit von atomwaffenfähigem Uran entfernt, das zu 90% angereichert sein muss. Rafael Grossi, Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), sagte vergangene Woche, der Iran habe den Zugang zu verschiedenen Anlagen eingeschränkt, die Überwachung der Anlagen sei somit „geschwächt“. Außerdem seien von der IAEA installierte Überwachungskameras in einer Anlage in Karadsch entfernt worden, nachdem die Anlage bei einem Drohnenangriff im Juni beschädigt worden war. In Karadsch sollen Zentrifugen für die Nuklearanlage in Natanz produziert worden sein. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Wiederbelebung des Atomabkommens mit dem Iran ist für den 29. November angesetzt.

Nach TV-Interview: Libanesin des „Hochverrats“ angeklagt

Eine bekannte libanesische Journalistin und TV-Moderatorin wird wegen „Hochverrats und Spionage“ angeklagt, nachdem sie vergangene Woche von einem israelischen Fernsehsender interviewt wurde. In dem ersten Interview einer Libanesin im israelischen Fernsehen bezeichnete Maria Maalouf den Führer der schiitisch-libanesischen Terrororganisation Hisbollah, Hassan Nasrallah, als „Mörder“. Die Hisbollah, „die iranische Partei im Libanon“, habe ihr Land gekidnappt, um es in die „Vorsteinzeit“ zurückzubringen. Seit 2017 lebt Maalouf im Exil in den USA. Die Journalistin, die einer prominenten christlich-maronitischen Familie angehört, hatte bis zum Libanonkrieg 2006 für Hisbollah-nahe Medien gearbeitet. Dann habe sie jedoch „erkannt, dass die Hisbollah und der Iran der größere Satan sind, der alle Probleme verursacht“. „Israel ist nicht der Feind des Libanon“, sagte sie. „Was Israel 1982 im Libanon getan hat, ist nichts im Vergleich zu dem, was der Iran libanesischen Zivilisten seit 1982 antut.“ Israel war 1982 in den Libanon einmarschiert, um palästinensische Terroranschläge auf Ortschaften in Nordisrael zu unterbinden. Anschließend richtete die Armee eine militärische Pufferzone im Südlibanon ein, aus der sie sich im Jahr 2000 zurückzog.Auf die Frage, ob der Libanon angesichts seiner prekären wirtschaftlichen Situation bereit wäre, Hilfen aus Israel anzunehmen, erklärte Maalouf, so lange die Hisbollah eine Schlüsselrolle im Zedernstaat spiele, sei dies nicht möglich. Die Terroristen würden niemals die Hilfe des jüdischen Staates akzeptieren. „Aber wir wissen Israels Hilfsangebot zu schätzen.“ Die 2020 geschlossenen Abraham-Abkommen zwischen Israel und zwei arabischen Golfstaaten machten ihr „Hoffnung“, sagte sie. „Eines Tages wird der Libanon ihnen auch beitreten.“ Israel und der Libanon befinden sich seit 1948 offiziell im Krieg. Libanesen ist jeglicher Kontakt zu Israel oder Israelis, sei es persönlich, telefonisch oder online, strengstens untersagt. 


 

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