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Israelis feiern Seder-Abend

ICEJ-Nachrichten vom 09. April 2020

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Posted on: 
9 Apr 2020
Israelis feiern Seder-Abend

Millionen Israelis haben am Mittwoch den Auftakt des Passahfests im Schatten der Corona-Krise begangen. Der Seder-Abend, der traditionell mit der Großfamilie gefeiert wird und in dem das Weiterreichen der Traditionen von einer Generation zur nächsten im Mittelpunkt steht, musste dieses Jahr im engsten Familienkreis und zum Teil allein gefeiert werden. Weniger strenggläubige Familien waren über moderne Video-Technologien wie Zoom oder FaceTime miteinander verbunden, orthodoxe Juden jedoch dürfen an hohen Feiertagen keine elektronischen Geräte nutzen. In einzelnen Wohngebieten versammelten sich Familien vor ihrer Haustür, um ihre Nachbarn zu grüßen. Israelis in Mehrfamilienhäusern und Wohnblocks sangen traditionelle Passah-Lieder auf ihren Balkonen, andere ließen ihre Wohnungstüren geöffnet, damit Nachbarn, die von ihren Familien getrennt waren, auf diese Weise dem Verlauf des Abends folgen konnten. Die israelische Regierung hatte eine landesweite totale Ausgangssperre verhängt, die von Mittwochnachmittag bis zum heutigen Donnerstagmorgen in Kraft war. Wie die Polizei berichtete, hielt die Mehrheit der Bevölkerung sich an die Verordnung, mit der ein Neuausbruch der Coronavirus-Infektionen verhindert werden sollte. Aktuellen Meldungen zufolge stieg die Zahl der bestätigten Fälle in Israel auf über 9400, 73 Israelis sind an Covid-19 gestorben.

Foto: Wikipedia, Seder-Tisch, Symbolbild

AmboVent: Kostengünstiges Beatmungsgerät, Made in Israel

Israelische Forscher verschiedener Industriezweige haben ein Beatmungsgerät entwickelt, das schnell und kostengünstig produziert werden kann, und die Herstellungsanleitung frei zur Verfügung gestellt. „AmboVent” ist Beatmungsbeuteln nachempfunden, die Ersthelfer zur künstlichen Beatmung von Patienten in Krankenwagen einsetzen. Mit AmboVent ist die Regulierung des Beatmungsdrucks, der Atemfrequenz und des Spitzendrucks möglich. Die nötigen Bauteile können z.B. mit 3-D-Druckern hergestellt oder von Autos genommen werden, was die Produktion insbesondere in Entwicklungsländern vereinfacht. Wie die Jerusalem Post am Mittwoch berichtete, griffen innerhalb weniger Tage, nachdem die Bau- und Gebrauchsanleitung im Internet veröffentlicht wurde, über 100 Expertengruppen aus der ganzen Welt auf die Daten zu. Die Experten und Ingenieure u.a. aus den USA, dem Iran, Ägypten, Guatemala und Südafrika stehen in Kontakt mit den israelischen Entwicklern, um weitere Fragen zu klären, sagte Dr. Eitan Eliram, Koordinator des Projekts. An diesem waren neben Experten des Magen David Adom (Roter Davidstern) und Ärzten verschiedener israelischer Krankenhäuser auch Forscher der israelischen Luftwaffe, der israelischen Raumfahrtindustrie, des Softwareherstellers Microsoft, des Rüstungsunternehmens Rafael und Studenten der Robotik-Organisation FIRST Israel beteiligt.

 Israel: Covid-19-Behandlung mit Stromazellen erfolgreich 

Eine bisher nicht zugelassene israelische Methode zur Behandlung von Covid-19 hat sich vorläufigen Ergebnissen zufolge zu 100% erfolgreich erwiesen. Bei der vom israelischen Biotherapeutik-Unternehmen Pluristem Therapeutics entwickelten Methode wurden - im Rahmen von „Compassionate Use“ (der Einsatz nicht zugelassener Arzneimittel aus humanitären Erwägungen) - sechs schwer an Covid-19 Erkrankte eine Woche lang mit aus Plazenta gewonnenen Stroma-Zellen („PLX-Zellen“) behandelt. Die Patienten litten an akutem Atemversagen und Entzündungsreaktionen. Außerdem versagten bei vier Patienten weitere Organe. Wie die Jerusalem Post am Mittwoch berichtete, überlebten alle sechs Patienten Covid-19, bei vier Patienten konnte zudem eine Verbesserung der Atmung festgestellt werden, drei werden inzwischen von der künstlichen Beatmung entwöhnt. Beim Einsatz der PLX-Zellen von Pluristem kann einer Überreaktion des Immunsystems, die zu Lungenentzündung und Pneumonitis führen kann, entgegengewirkt werden. Die Wirksamkeit der PLX-Zellen ist bereits bei Studien an Tieren nachgewiesen worden. Pluristem will sich nun für klinische Studien zur Behandlung von Covid-19 auf multinationaler Ebene einsetzen.

Al-Kuds-Universität: Palästinenser entwickeln Beatmungsgerät

Ingenieure und Ärzte der Al-Kuds-Universität in Abu Dis haben ein voll-computerisiertes Beatmungsgerät entwickelt, dass mit auf dem heimischen Markt verfügbaren Komponenten hergestellt werden kann. Sollte sich der entwickelte Prototyp erfolgreich erweisen und die behördliche Zulassung erhalten, könnte damit die Knappheit an Beatmungsgeräten in palästinensischen Krankenhäusern zumindest teilweise behoben werden. Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge verfügen Krankenhäuser im Westjordanland (Judäa und Samaria) über 256, im Gazastreifen über 87 Beatmungsgeräte, von denen bis zu 90% bereits für Patienten, die nicht an Covid-19 erkrankt sind, verwendet werden. In den Palästinensergebieten gibt es aktuell 161 bestätigte Fälle von Coronavirus-Infektionen. Die meisten Infizierten bedürfen jedoch keiner intensivmedizinischen Behandlung. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Infizierten rapide zunehmen könnte, wenn zehntausende Palästinenser, die in israelischen Betrieben arbeiten, in den kommenden Wochen nach Hause zurückkehren. Sobald der entwickelte Prototyp die Zulassung für den heimischen Markt erhalten hat, will die Universität eigenständig die Produktion übernehmen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Geräte zu Produktionskosten verkauft würden. Imad Abu Kishk, Präsident der Al-Kuds-Universität, geht von Kosten zwischen 500 und 2000 US-Dollar pro Gerät aus (ca. 460-1800 Euro).


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