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Netanjahu: Wiedereröffnung der Wirtschaft war „zu früh“

ICEJ-Nachrichten vom 10. Juli 2020

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Posted on: 
10 Jul 2020
Netanjahu: Wiedereröffnung der Wirtschaft war „zu früh“

 

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat in einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärt, die Wiedereröffnung der Wirtschaft sei „zu früh“ erfolgt. „Ich übernehme die Verantwortung für diesen Schritt und ich übernehme die Verantwortung, es wieder zu richten“, sagte er. Netanjahu sieht sich mit wachsender Kritik an seiner Handhabung der Corona-Krise konfrontiert. Am Donnerstag wurden landesweit 1.650 neue Infektionen innerhalb der letzten 24 Stunden bestätigt, der bisher höchste Anstieg innerhalb eines Tages. Unter den 16.025 aktiven Fällen sind 122 schwer Erkrankte. Inzwischen sind 348 Israelis infolge des Coronavirus gestorben. Rund 51.000 Israelis, darunter 10.000 Soldaten, befinden sich zurzeit in vorsorglicher Quarantäne, nachdem sie Kontakt zu Infizierten hatten. Aufgrund des andauernden Anstiegs an Infektionen ließ die israelische Regierung am Donnerstag Stadtteile in mehreren Städten abriegeln. Die Ein- und Ausfahrt zu den Wohngebieten ist bis Ende nächster Woche nur in Ausnahmefällen möglich. Betroffen sind neben Stadteilen in Beit Schemesch, Lod, Ramle und Kirjat Malachi auch drei ultraorthodoxe Wohngebiete Jerusalems. In der Hauptstadt hat sich die Zahl der aktiven Fälle in den letzten sieben Tagen mehr als verdoppelt. Aktuell sind dort 2.033 Menschen mit dem Virus infiziert.

Foto: GPO/Amos Ben Gershom, Benjamin Netanjahu, Archivbild

 

Israel: Unternehmen entwickelt 30-minütigen Coronavirus-Test

AID Genomics, eine israelische Unternehmensgruppe auf dem Gebiet der Medizintechnik,hat einen Coronavirus-Test entwickelt, mit dem innerhalb von rund 30 Minuten das Testergebnis bekannt sein soll. Das Unternehmen mit Sitz in Rehovot hat dazu Enzyme und andere Komponenten, die bei den Tests zum Einsatz kommen, verändert. Sie machen den Test deutlich sensibler als herkömmliche Tests. Dadurch nehme die Bearbeitung der Probe weniger Zeit in Anspruch, erklärte Jitzhak Haviv, leitender Wissenschaftler bei AID Genomics. Bei einer geringen Anzahl an Tests könne das Ergebnis innerhalb von 30 Minuten feststehen. „Um alle Insassen eines Passagierflugzeugs zu testen, würde man 75 Minuten benötigen“, sagte Halevi. Der neue Test soll denselben Genauigkeitsgrad wie bereits im Einsatz befindliche Tests haben, jedoch kostengünstiger als existierende Schnell-Tests sein, bei denen das Ergebnis innerhalb von 90 Minuten feststeht. Zurzeit prüfen Regulierungsbehörden, einschließlich der US-amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA, den neuen Test. Haviv rechnet damit, dass die Zulassung innerhalb der nächsten sechs Wochen erfolgen wird. Er hofft, dass diese Innovation der Welt hilft, zur Normalität zurückzukehren. Beispielsweise könnten dann auch Großveranstaltungen wieder stattfinden, da Teilnehmer beim Eintreffen innerhalb kürzester Zeit getestet werden könnten.

 

Palästinenser rettet Juden nahe Hebron

Ein Palästinenser aus dem Westjordanland (Judäa und Samaria) hat am Donnerstag fünf jüdische Israelis gerettet, die von einer Menschenmenge mit Steinen beworfen wurden. Die fünf Israelis, die Medienberichten zufolge aus einer jüdischen Ortschaft in Judäa und Samaria stammen, waren irrtümlicherweise in die palästinensische Stadt Halhul nördlich von Hebron gefahren. Anwohner bemerkten das Fahrzeug und begannen, es mit Steinen zu bewerfen. Auf der Flucht überschlug sich das Auto. Zwei der Insassen wurden dabei leicht verletzt. Ein vorbeifahrender Palästinenser nahm sie in sein Fahrzeug auf und brachte sie zum nächstgelegenen Kontrollpunkt der israelischen Armee.

 

 

El Al stimmt Sanierungen zu, erhält Kredit

Die finanziell angeschlagene israelische Fluggesellschaft El Al wird einen Kredit in Höhe von 221 Millionen Euro erhalten. Für den größten Teil wird der israelische Staat garantieren. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt, nachdem es den geforderten Sanierungsplänen zugestimmt hatte. Außerdem sollen Aktien im Wert von 133 Millionen Euro neu ausgegeben werden. Der israelische Staat will nicht verkaufte Aktien aufkaufen und könnte auf diese Weise Mehrheitsaktionär werden. El Al war 2004 privatisiert worden. Die Schulden der Fluggesellschaft belaufen sich auf rund 1,77 Milliarden Euro. Aufgrund der Corona-Krise befinden sich 80% der rund 6.300 El Al-Mitarbeiter in unbezahltem Urlaub. Infolge der vereinbarten Sanierungsmaßnahmen könnten 2.000 Mitarbeiter dauerhaft ihre Anstellung verlieren. Die Fluggesellschaft hatte seit Beginn der Krise nur noch Cargo-Flüge und vereinzelt Passagierflüge durchgeführt, u.a. um im Ausland gestrandete Israelis zu evakuieren. Vergangene Woche stoppte die Geschäftsführung den verbliebenen Flugverkehr, nachdem sich Piloten infolge eines Streits über die Corona-Maßnahmen des Unternehmens geweigert hatten, weitere Flüge durchzuführen. Schmuel Zakay, Geschäftsführer des Ben-Gurion Flughafens in Tel Aviv, forderte die Regierung auf, die Grenzen wieder zu öffnen. Er warnte vor den „enormen strategischen Schäden“ für die Luftfahrtindustrie des Landes, sollte der Flugverkehr nicht bald wieder aufgenommen werden. Das Land sei bei der Ein- und Ausreise vom Flugverkehr abhängig.

 

Beduinen trauern um jüdischen Lebensretter

Dutzende Bewohner der Beduinenstadt Hura haben am Sonntag dem jüdischen Israeli Michael Ben-Zikri (45) die letzte Ehre erwiesen, nachdem dieser vor einer Woche drei Kinder aus Hura und ihre 40-jährige Tante vor dem Ertrinken rettete. Er selbst konnte nach dem Rettungseinsatz in einem See nahe Aschkelon nur noch tot geborgen werden. Einige Jungen aus Hura kamen mit einem handgeschriebenen Schild: „Dank und Wertschätzung für deinen Mut. Unser Beileid für die Familie. Die Jugend von Hura.“ Auch im Ausland nahmen Araber Anteil an Ben-Zikris Schicksal. Das israelische Außenministerium berichtete auf seinen persisch- und arabischsprachigen Seiten in sozialen Netzwerken über den Vorfall. „Das ist das Volk Israel, das alle liebt und allen hilft“, kommentierte ein Leser aus dem Irak. „Leser von Marokko bis zum Irak, von Oman bis Syrien lobten einstimmig Michaels Heldentat, manche bezeichneten sogar die in Israel bestehende Koexistenz als ein Vorbild“, erklärte Jonathan Gonen, Leiter für Soziale Medien im Außenministerium.

 

 


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