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Online-Gottesdienst: 4.000 Teilnehmer gedenken der Opfer des Holocaust

ICEJ-Nachrichten vom 28. Januar 2021

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28 Jan 2021
Online-Gottesdienst: 4.000 Teilnehmer gedenken der Opfer des Holocaust

Rund 4.000 Juden und Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben am Mittwoch beim Online-Gedenkgottesdienst der ICEJ der sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust gedacht. Der Gottesdienst anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktags war zuvor aufgezeichnet worden. Joliene Stephan, Ehrenmitglied der ICEJ und Witwe des langjährigen ICEJ-Vorsitzenden Christian Stephan, legte gemeinsam mit ihrem Enkel Florian Brämer, Schüler der 7. Klasse, vor der Stuttgarter Synagoge einen Kranz nieder. Kantor Nathan Goldman betete das jüdische Gebet „El male rachamim“ („Gott voller Barmherzigkeit“), das traditionell zum Gedenken an die sechs Millionen in der Schoah ermordeten Juden gebetet wird. „Erinnerung hat kein Verfallsdatum“, sagte Gottfried Bühler, Erster Vorsitzender der ICEJ-Deutschland. Auch 76 Jahre nach dem Ende der Schoah müsse die Erinnerung an „die größte Katastrophe der Menschheit“ wachgehalten werden. Michael Kashi, IRGW-Vorstandsmitglied, berichtete, wie er persönlich mit Judenhass und Holocaustleugnung konfrontiert worden war und beschlossen hatte, nie aufzuhören, an die Opfer des Holocaust zu erinnern. „Sie dürfen nicht vergessen werden“, sagte Kashi. Florian Brämer (11) bat „das jüdische Volk um Vergebung für das, was unser deutsches Volk Ihnen und Ihren Familien angetan hat.“ Die Zeitzeugin Ruth Michel-Rosenstock (92), erzählte ihre Überlebensgeschichte. Dies sei ihr „persönlicher Kampf gegen Antisemitismus“. „Meine Kindheit war mit 13 Jahren zu Ende“, berichtete Michel-Rosenstock von dem Einmarsch der Deutschen 1941 in das Dorf Mykulytschyn (heute Ukraine), wohin sie und ihre Familie geflohen waren. Auf Entrechtung und Schikanen folgte im Dezember 1941 die Ermordung der 205 Juden von Mykulytschyn – einschließlich Michel-Rosenstocks Vater. „Außer mir hat niemand die letzte Razzia der Deutschen überlebt.“ Über das Erlebte zu erzählen „ist meine Pflicht vor Gott und den Ermordeten.“ Für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes sorgte der Pianist Michael Schlierf, die Sängerin Martina Schwarz und das Musica-Salutare-Quartett unter der Leitung von Adelheid Abt.

Foto: ICEJ/Levi Dörflinger, Zeitzeugin Ruth Michel-Rosenstock erzählt ihre Geschichte, Januar 2021

Der Gedenkgottesdienst kann weiterhin auf dem Youtube-Kanal der ICEJ-Deutschland angeschaut werden: https://youtu.be/tLRbiAapioQ

Es ist Frau Michel-Rosenstocks Anliegen, ihre Überlebensgeschichte zu erzählen. Ihr Buch „Die Flucht nach vorne“ kann in unserem ICEJ-Shop vorbestellt werden: https://icej-shop.de/Die-Flucht-nach-vorne

Holocaustgedenktag im Haifa-Heim

Am Mittwoch hat im Heim für Holocaustüberlebende der ICEJ in Haifa eine Gedenkzeremonie anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktages stattgefunden. Dieser wird jährlich am 27. Januar begangen – dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Der 95-jährige Schalom und die 92-jährige Judith, beide Auschwitz-Überlebende, entzündeten mit Haifa-Heim-Direktor Schimon Sabag die Gedenkflamme im Erinnerungsgarten des Heimes. Auch Bewohnerin Miriam (89) überlebte das Konzentrationslager Auschwitz. „Ein Tag in Auschwitz kann nicht beschrieben werden, keiner kann verstehen, was dort passiert ist“, sagte sie. Viele Haifa-Heim-Bewohner sind die einzigen Überlebenden ihrer Familien. „Der Holocaustgedenktag ist immer ein sehr schwerer Tag für sie“, erklärte Yudit Setz, ICEJ-Koordinatorin für das Haifa-Heim. „Manche haben nur selten über ihre Erlebnisse gesprochen. Doch jetzt sind sie als letzte Zeugen des Holocaust dazu entschlossen.“ Da sich Israel inmitten der Corona-Pandemie bereits im dritten Lockdown befindet, konnten dieses Jahr nur wenige Bewohner und Mitarbeiter an der Gedenkveranstaltung teilnehmen.

Israel: Gewaltsame Proteste gegen Lockdown

In mehreren israelischen Städten demonstrieren seit einer Woche ultraorthodoxe Juden fast täglich gegen den Corona-Lockdown. In einigen Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und zu Sachbeschädigung. Die mehrheitlich jungen Demonstranten blockierten Straßen und zündeten Mülltonnen an. Auslöser der einzelnen Proteste sind meistens von der Polizei durchgesetzte Schulschließungen in ultraorthodoxen Städten und Wohngebieten. Israels Regierung hatte am 7. Januar einen dritten landesweiten Lockdown verhängt. Alle Bildungseinrichtungen mussten schließen. Am Dienstag wurde in Beit Schemesch ein Busfahrer mit Tränengas angegriffen, nachdem er einige Passagiere aufgefordert hatte, Masken aufzusetzen. Am Sonntag wurde im Tel Aviver Vorort Bnei Brak ein Bus in Brand gesetzt. Er brannte völlig aus. Der Fahrer konnte rechtzeitig fliehen, wurde jedoch von Demonstranten tätlich angegriffen und dabei leicht verletzt. Anwohner kritisierten, die Polizei habe nicht rechtzeitig eingegriffen. Israels sephardischer Oberrabbiner Jitzchak Josef verurteilte die „jungen Delinquenten“ und warf ihnen vor, „den Namen Gottes zu entweihen“. Die Demonstranten würden den „Ruf der gesamten ultraorthodoxen Gemeinschaft beschmutzen“, die mehrheitlich friedlich sei, sagte Josef. Ultraorthodoxe Politiker warfen hingegen der Polizei vor, die Proteste provoziert zu haben. Auch in Jerusalem, Aschdod und Modi‘in Illit kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Es wird vermutet, dass ca. 15% der ultraorthodoxen Schulen trotz Lockdown weiterhin Präsenzunterricht durchführen. Die Mehrheit der ultraorthodoxen Israelis hält sich jedoch an die Maßnahmen.

Gebetsanliegen: Bitte beten Sie mit uns für die Situation in Israel. Beten wir um Bewahrung der Demonstranten, Polizisten und aller Unbeteiligten. Beten wir für ein Ende der Corona-Krise in Israel und weltweit und für die Heilung der in der Gesellschaft entstandenen Risse.

Nahostpolitik: USA wollen sich mit Israel absprechen

Die neue US-Regierung möchte ihre Nahostpolitik mit Israel koordinieren. Das versprach Jake Sullivan, Nationaler Sicherheitsberater der USA, seinem israelischen Amtskollegen Meir Ben-Schabbat am Samstag. Israel ist besorgt über die Pläne von US-Präsident Joe Biden, dem 2015 mit dem Iran geschlossenen Atomabkommen wieder beizutreten. Die USA waren 2018 unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump aus dem Abkommen ausgestiegen. Medienberichten zufolge sind Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran bereits im Gange. Es wird erwartet, dass Jossi Cohen, Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, in den nächsten Wochen zu Gesprächen mit Biden nach Washington reisen wird. Israel besteht darauf, dass die USA ihre Rückkehr zum Abkommen an Bedingungen knüpfen. Dazu gehören u.a. eine Beschränkung des ballistischen Raketenprogramms des Iran, ein Stopp der Uran-Anreicherung und der Produktion fortgeschrittener Zentrifugen, ein Ende der Unterstützung von Terrorgruppen - insbesondere der schiitisch-libanesischen Hisbollah - und ein Ende der militärischen Aktivitäten des Iran in Syrien, im Irak und im Jemen. US-Außenminister Antony Blinken betonte vergangene Woche, ein erneuter Beitritt der USA zum Atomabkommen hänge von Teherans Rückkehr zur strikten Einhaltung der Auflagen ab. Auch Frankreich bestehe darauf, dass ein Beitritt der USA an Bedingungen geknüpft werde, sagte ein Mitarbeiter des französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Montag. Der Iran müsse „von weiteren Provokationen“ absehen und die Bedingungen einhalten, „die er nicht mehr einhält“.

Iran: Geistlicher fordert Ende der Feindschaft mit Israel

„Das iranische Regime muss aufhören, Feinde zu erfinden, die es nicht gibt.“ Das sagte der ehemalige Ajatollah Abdul-Hamid Masoumi-Tehrani am Montag in einem Interview mit dem israelischen Fernsehsender Channel 12. Er kritisierte die häufigen Bekundungen des Mullah-Regimes, Israel zerstören zu wollen. „Vergesst nicht, diese Rufe hörten wir auch oft von Saddam Hussein. Wir wissen, wo er heute ist.“ Er betonte die „langjährige Freundschaft“ zwischen Iranern und Israelis. „Ich habe noch keinen Iraner getroffen, der keine positive Meinung von Israel gehabt hätte“, sagte er. „So Gott will werde ich das Ende dieser unlogischen Feindschaft zwischen Iranern und Israelis erleben.“ Er hege seit langem den Wunsch, an der Klagemauer in Jerusalem zu beten, sagte er. Masoumi-Tehrani, schiitischer Geistlicher und langjähriger Kritiker des iranischen Regimes, hatte seinen Ehrentitel ‚Ajatollah‘ durch das Mullah-Regime aberkannt bekommen. Aufgrund seines Engagements für die Trennung von Staat und Religion und seiner Regime-Kritik saß er bereits mehrmals in Haft.


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