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Spähsoftware: Israel untersucht Vorwürfe

ICEJ-Nachrichten vom 22. Juli 2021

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Posted on: 
22 Jul 2021
Spähsoftware: Israel untersucht Vorwürfe

Israels Regierung hat ein Spezialteam aus Vertretern verschiedener Ministerien, des Auslandsgeheimdienstes Mossad und der Armee gebildet, um die Vorwürfe gegen die israelische Spähsoftware „Pegasus“ zu untersuchen und mögliche diplomatische und rechtliche Konsequenzen zu prüfen. Mehrere internationale Medienhäuser, wie The Guardian, The Washington Post, Die Zeit undHaaretz, hatten am Sonntag nach monatelangen gemeinsamen Recherchen berichtet, dass zwischen 2016 und 2021 zahlreiche Politiker, Journalisten und Aktivisten mit der vom israelischen Software-Unternehmen NSO Group entwickelten Spyware ausgespäht worden seien. Die Spyware installiert sich auf dem Mobiltelefon, indem Nutzer z.B. per SMS dazu verleitet werden, auf einen manipulierten Link zu klicken. In einigen Fällen erfolgt die Installation auch ohne einen solchen Link. Mit der Spyware können Hacker die Inhalte des Telefons einsehen sowie Mikrofon und Kamera des Mobiltelefons einschalten. Die Vorwürfe gründen auf einer geleakten Liste von 50.000 Telefonnummern, die für Kunden von NSO von Interesse gewesen seien. Bei den Kunden soll es sich um Regierungen und Regierungsbehörden handeln. Auf wie vielen Mobiltelefonen die Spyware tatsächlich installiert wurde, ist bisher nicht bekannt. Auf der Liste befinden sich Berichten zufolge die Telefonnummern von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie französischen Regierungsmitgliedern, dafür verantwortlich sollen marokkanische Nachrichtendienste gewesen sein. Auch Marokkos König Mohammed VI. ist möglicherweise betroffen. Macron hat am heutigen Donnerstag eine Krisensitzung einberufen. Marokkos Regierung stritt die Vorwürfe ab und drohte mit Verleumdungsklagen. In Indien sind u.a. Oppositionspolitiker betroffen. Auch hunderte britische Telefonnummern sollen sich auf der Liste befinden, als Auftraggeber werden die Vereinigten Arabischen Emirate vermutet. NSO besteht darauf, dass es sich bei seinen Kunden um „geprüfte staatliche Behörden“ handle und die Spyware allein zur Terrorismus- und Verbrechensbekämpfung eingesetzt werde. Das Unternehmen streitet die Vorwürfe ab und erklärte, Opfer einer „orchestrierten Kampagne“ zu sein. Israels Verteidigungsminister Benny Gantz betonte am Sonntag, der Export israelischer Cyberprodukte erfolge unter Einhaltung internationaler Regelungen. „Der israelische Staat genehmigt den Export von Cyberprodukten ausschließlich an Regierungen, nur für den gesetzmäßigen Gebrauch und ausschließlich für die Prävention und Untersuchung von Kriminalität und Terrorismus.“       

Foto: Pixabay, Mobiltelefon, Symbolbild       

Israel: Neue Corona-Maßnahmen geplant

In Israel steigt die Zahl der Corona-Fälle weiter an. Laut Zahlen, die das Gesundheitsministerium am heutigen Donnerstag veröffentlichte, wurden in den letzten 24 Stunden 1.336 Personen positiv auf das Virus getestet. Die Zahl der aktiven Fälle stieg auf 9.673. Die Zahl der schwer an Covid-19 Erkrankten steigt langsamer, aktuell sind 72 Personen betroffen. Die israelische Regierung wird am Donnerstagnachmittag über neue Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beraten. Möglich sind verschärfte Einreisebestimmungen. Aktuell müssen sich alle Einreisenden 24 Stunden oder bis zum Erhalt eines negativen Testergebnisses selbst isolieren. Bei der Rückkehr aus Hochrisikogebieten gilt zurzeit eine siebentägige Quarantäne. Außerdem erwägt die Regierung, Schulklassen wieder in kleineren Gruppen unterrichten zu lassen und den „Grünen Pass“ wieder einzuführen. Öffentliche Gebäude können dann nur von Personen betreten werden, die geimpft oder genesen sind oder ein negatives Testergebnis vorweisen können.

Gebetsanliegen: Bitte beten Sie, dass Gott der israelischen Regierung Weisheit für die anstehenden Entscheidungen schenkt. Beten wir für eine rasche Genesung der Erkrankten und ein baldiges Ende der Corona-Krise.

Alijah: 160 französische Juden landen in Tel Aviv

Am Mittwoch sind 160 französische Neueinwanderer auf dem Flughafen von Tel Aviv gelandet. Die ICEJ übernahm die Flugkosten von 32 Personen, die aus Gegenden kommen, die als besonders von Antisemitismus betroffen gelten. Angaben der Jewish Agency (Israels Einwanderungsbehörde) zufolge haben im ersten Halbjahr 2021 bereits 1.370 französische Juden Alijah (Einwanderung nach Israel) gemacht, im Vorjahreszeitraum waren es 578. Es wird erwartet, dass in den nächsten Monaten weitere französische Juden einwandern werden. Letztes Jahr stellten 6.053 von ihnen einen Antrag auf Einwanderung, 2019 waren es 2.475. Die am Mittwoch eingetroffenen Neueinwanderer reisten in Begleitung von Alijah-Ministerin Pnina Tamano-Shata, die von einem Besuch in Paris zurückkehrte. Die Ministerin hatte Vertreter der jüdischen Gemeinde getroffen und an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Anschlags auf einen koscheren Supermarkt im Januar 2015 teilgenommen. Damals hatte ein islamistischer Attentäter vier Juden erschossen und weitere als Geiseln genommen. Es sei die Pflicht Frankreichs, der jüdischen Gemeinde im Kampf gegen Antisemitismus und Gewalttätigkeit beizustehen, sagte Tamano-Shata. Sie zeigte sich erschüttert angesichts der rund 100 antisemitischen Übergriffe während des Gaza-Kriegs im Mai. Die jüdische Gemeinde in Frankreich ist mit rund 450.000 Mitgliedern die größte in Europa und nach den USA die zweitgrößte jüdische Gemeinde außerhalb Israels. Seit 2001 haben rund 62.000 französische Juden Alijah gemacht. Für viele sind antisemitisch motivierte Gewaltverbrechen der Grund, Frankreich zu verlassen und ein neues Leben in Israel aufzubauen. Obwohl Juden knapp 0,7% der Gesamtbevölkerung Frankreichs ausmachen, richteten sich 2019 ca. 34,6% aller rassistisch oder fremdenfeindlich motivierten Übergriffe gegen sie.

Bitte helfen Sie uns, weiteren französischen Juden die Heimkehr nach Israel zu ermöglichen. Als Verwendungszweck bitte „Alijah & Integration“ angeben, vielen Dank!

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Olympische Spiele: Israels größte Delegation am Start

Bei den am Freitag beginnenden Olympischen Spielen 2020 in Tokio wird Israel mit seiner bislang größten Delegation von 89 Sportlern vertreten sein. Als eine der Favoriten gilt Linoy Ashram in Rhythmischer Sportgymnastik, die im März Gold bei den Weltmeisterschaften in Bulgarien holte. Weitere Favoriten sind Israels Judokas, darunter Sagi Muki und Tohar Butbul, und die 17-jährige Schwimmerin Anastasia Gorbenko. Beim Marathonlauf der Frauen wird die in Kenia geborene Lonah Chemtai Salpeter für Israel antreten. Bei den Männern ist Marhu Teferi am Start. Teferis Frau Selamawit, die wie ihr Mann aus Äthiopien nach Israel einwanderte, wird beim 5000- und 10.000-Meter-Lauf antreten. Erstmals ist Israel im Bogenschießen, Pferdesport und im Baseball vertreten. Die Baseball-Mannschaft setzt sich vor allem aus US-amerikanischen Juden zusammen, die auch die israelische Staatsangehörigkeit haben. Bisher hat Israel neun olympische Medaillen gewonnen, die einzige Goldmedaille holte Gal Fridmann 2004 im Windsurfen.


 

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