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Sudans Führung uneins über Beziehungen zu Israel

ICEJ-Nachrichten vom 27. Oktober 2020

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27 Okt 2020
Sudans Führung uneins über Beziehungen zu Israel

Die sudanesische Führung ist sich uneins über die Normalisierung der Beziehungen mit Israel. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag die Absichten der beiden Länder bekanntgegeben, den Kriegszustand zu beenden und Handelsbeziehungen aufzunehmen. General Abdel Fattah al-Burhan, Vorsitzender der sudanesischen Übergangsregierung,bestätigte am Montag, er habe Beziehungen mit Israel zugestimmt, damit der Sudan von der US-Liste derTerrorismus unterstützenden Staaten genommen werde. Der Sudan sei der größte „Gewinner“ dieser Vereinbarung, erklärte er. „Wir sind isoliert und haben unter den Sanktionen gelitten.“ Nun werde der Sudan „in die internationale Gemeinschaft zurückkehren“, sagte al-Burhan. Der Sudan wurde 1993 auf die Terror-Liste des US-Außenministeriums gesetzt, nachdem Osama Bin Laden, Führer des Terror Netzwerkes al-Qaida, sich 1992 dort auf Einladung der damaligen sudanesischen Regierung niedergelassen hatte. Politiker verschiedener sudanesischer Parteien, die am Sturz des langjährigen Diktators Umar al-Baschir im April 2019 wesentlich beteiligt waren, lehnen Beziehungen mit Israel ab. Sie werfen der Übergangsregierung vor, mit der Vereinbarung ihre Zuständigkeit überschritten zu haben. Der Sudan befindet sich seit dem Sturz al-Baschirs auf dem Weg zur Demokratisierung und wird von einer Übergangsregierung geführt, die sich aus Zivilisten und Offizieren des Militärs zusammensetzt. Die ersten demokratischen Wahlen sollen 2022 durchgeführt werden. Der sudanesische Außenminister Omar Qamar al-Din sagte, der Sudan werde durch Beziehungen mit Israel „enorm profitieren“. Er warnte jedoch, dass ein Abkommen mit Israel der Ratifizierung durch demokratische Institutionen unterliege, die sich noch im Aufbau befänden.

Foto: State Department, US-Außenminister Mike Pompeo und General Abdel Fattah al-Burhan, 25. August 2020

Israel-Sudan-Vereinbarung: Reaktionen, Bewertung

Regierungen des Nahen Ostens haben unterschiedlich auf die Vereinbarung Israels und des Sudans, ihre Beziehungen zu normalisieren, reagiert. Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain begrüßten die Ankündigung. Die Palästinenserführung verurteilte die Vereinbarung, Saudi-Arabien äußerte sich nicht. Der Iran, ehemaliger langjähriger Verbündeter des Sudan, sagte, der Sudan habe ein „Lösegeld“ gezahlt, um von der US-Liste derTerrorismus unterstützenden Staaten genommen zu werden. Nahostexperten werten die Annäherung der sudanesischen Übergangsregierung an Israel als einen schweren Schlag gegen das iranische Regime. Der Sudan galt lange Zeit als Umschlagsplatz für iranische Waffenlieferungen an die islamistische Terrororganisation Hamas und an andere pro-iranische Milizen.

Beobachter bewerten die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und dem Sudan als besonders bedeutsam. Im Gegensatz zu den VAE und Bahrain befand der Sudan sich seit 1948 offiziell im Krieg mit dem jüdischen Staat. Seine feindliche Einstellung zu Israel wurde insbesondere durch die sogenannte „Khartum-Resolution“ von 1967 bekannt. Die Arabische Liga formulierte damals bei einer Konferenz in Khartum die berühmten „Drei Neins“: Nein zu Frieden mit Israel, Nein zur Anerkennung Israels und Nein zu Verhandlungen mit Israel. Der Sudan ist nun der dritte arabische Staat innerhalb weniger Monate, der sich offiziell an Israel annähert und sich damit über die Resolution hinwegsetzt. Dieser Schritt des Sudans als afrikanischer Staat wird  auch auf dem afrikanischen Kontinent Auswirkungen haben. Es wird erwartet, dass weitere afrikanische Länder dem Beispiel Sudans folgen und ebenfalls Beziehungen mit Israel aufnehmen werden.

 

Verhandlungen über Hadassah-Krankenhaus in Dubai

Das Hadassah Medical Center befindet sich in Verhandlungen über die Eröffnung eines Krankrenhauses in Dubai. Das erklärte Zeev Rotstein, Direktor der Organisation, die zwei Krankenhäuser in Jerusalem betreibt, am Montag. Medienberichten zufolge wurden der Organisation dafür erhebliche finanzielle Mittel in Aussicht gestellt. Es wird erwartet, dass ein Teil der Belegschaft und auch einige Forschungsabteilungen von Jerusalem nach Dubai verlegt werden würden. Das Hadassah Medical Center kämpft seit 2008 mit finanziellen Schwierigkeiten, die durch die aktuelle Krise verschlimmert wurden. Zurzeit befindet es sich in Verhandlungen mit dem israelischen Finanzministerium über staatliche Unterstützung. „Das Finanzministerium muss entscheiden, ob es am weiteren Bestehen Hadassahs, eines führenden Krankenhauses in Israel, interessiert ist oder nicht“, sagte Rotstein. „Wenn nicht, müssen wir Alternativen suchen.“ Er hoffe jedoch, dass Hadassah in Jerusalem bleiben werde, erklärte Rotstein. Behauptungen, er benutze das Angebot aus Dubai als Druckmittel gegen die israelische Regierung, wies er von sich.

 

Eilat, Totes Meer sollen „Tourismusinseln“ werden

Die Knesset stimmt diese Woche über ein Gesetz ab, wonach Eilat und die Region um das Tote Meer zu sogenannten „Tourismusinseln“ erklärt werden sollen. Die strengen Corona-Regelungen, die im Rest des Landes gelten, würden dann in den beiden Regionen gelockert bzw. aufgehoben werden. Israelische Touristen sollen nach Vorweisen eines negativen Corona-Tests, der nicht länger als 48 Stunden zurückliegt, Zugang zu den beiden Urlaubsgebieten erhalten. Dank ihrer geografischen Lage in der Wüste, könne man den Zutritt zu den beiden Gebieten überwachen und das das Risiko einer Ausbreitung des Virus minimieren, erklärte das israelische Tourismusministerium. Eilat und das Gebiet um das Tote Meer sind wirtschaftlich fast ausschließlich vom Tourismus abhängig, insbesondere vom Inlandstourismus.

 

Europa: Jüdische Bevölkerung rückläufig

Einer aktuellen Studie des Institute for Jewish Policy Research (London) zufolge leben rund 1,3 Millionen Menschen in Europa, der Türkei und Russland, die sich selbst als Juden betrachten. Das ist ein Rückgang von rund 60% seit 1970, als noch rund 3,2 Millionen Juden im selben Gebiet lebten. Wichtigster Faktor des Rückgangs ist den Autoren der Studie, Daniel Staetsky und Sergio DellaPergola, zufolgedie Emigration von mehr als 1,5 Millionen Juden aus Russland und Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In Westeuropa, wo ein Rückgang von ca. 8,5% festgestellt wurde, gilt die Emigration von Juden aus Frankreich als erheblicher Beitrag. Seit dem Jahr 2000 sind mehr als 51.000 französische Juden nach Israel ausgewandert. Laut der Studie haben auch eine niedrige Geburtenrate und die Heirat von Juden mit Nichtjuden erhebliche Auswirkungen auf den Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Europa. Kinder, die aus diesen Ehen hervorgehen, sehen sich oft nicht mehr als Juden. In Deutschland sei ein enormer Rückgang der jüdischen Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten „unvermeidlich“, da über 40% der laut Studie hier lebenden 118.000 Juden älter als 65 Jahre alt seien, jedoch weniger als 10% jünger als 15 Jahre. Der Studie zufolge leben in Europa weitere 2,8 Millionen Menschen, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung nach Israel einwandern könnten, jedoch dem jüdischen Religionsgesetz nach keine Juden seien oder sich nicht als solche betrachteten.
 


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