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Ukrainische Juden treffen in Polen ein

ICEJ-Nachrichten vom 28. Februar 2022

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Posted on: 
28 Feb 2022
Ukrainische Juden treffen in Polen ein

Die Jewish Agency (Israels Einwanderungsbehörde) hat am Samstag die ersten ukrainischen Juden nach Polen evakuieren können. Sie wurden mit dem Bus aus dem westukrainischen Lwiw an die polnische Grenze gebracht, wo sie nach rund 16 Stunden ausreisen konnten. Nun warten sie in Warschau auf ihren Flug nach Israel. Dort werden sie in Notunterkünften untergebracht werden. Israels Ministerium für Alijah und Integration geht davon aus, dass in den kommenden Wochen rund 10.000 Olim (Neueinwanderer) aus der Ukraine in Israel eintreffen werden. Allein am vergangenen Wochenende gingen bei der Jewish Agency mehr als 5.000 telefonische Anfragen ein, etwa 2.500 Personen stellten umgehend einen Antrag auf Alijah (Einwanderung nach Israel). Um die zu erwartende Flut an Alijah-Anträgen abwickeln zu können wird die Jewish Agency gemeinsam mit dem israelischen Außenministerium in Kürze sechs Stationen an Grenzübergängen nach Polen, Moldawien, Rumänien und Ungarn eröffnen. Auch am Ben-Gurion-Flughafen sollen die Kapazitäten der Einwanderungsbeamten aufgestockt werden. (Foto: Jewish Agency, Die ersten ukrainischen Juden passieren die polnische Grenze, 26.02.2022)

Liebe Freunde und Unterstützer,

angesichts der dramatischen Lage der Juden in der Ukraine hat die Jewish Agency die ICEJ gebeten, dass wir bei ihrer Notfall-Evakuierung und Alijah helfen. Heute wende ich mich an Sie, unsere treuen Freunde und Unterstützer, um Sie herzlich zu bitten: Lassen Sie uns gemeinsam dem jüdischen Volk in der Ukraine in dieser Notzeit beistehen und dazu beitragen, unsere jüdischen Geschwister nach Israel in Sicherheit zu bringen. Bitte beten Sie mit uns für ein Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine, für die Sicherheit und Bewahrung aller Menschen dort und für eine rasche und sichere Evakuierung der jüdischen Bevölkerung. Vielen Dank für Ihre Gebete und Gaben. Gemeinsam können wir Hoffnung schenken!

Gott segne Sie, Ihr

Gottfried Bühler

Erster Vorsitzender, ICEJ-Deutschland

Die Evakuierungskosten werden aktuell wie folgt eingeschätzt:

  • Evakuierung und Unterkunft (ggf. in einem Drittland) für ca. 2-3 Wochen bis zum Abflug nach Israel: ca. 760 EUR pro Person
  • Transport zum Flughafen und Flug nach Israel: ca. 720 EUR pro Person
  • Aufnahme und Notunterkunft in Israel für bis zu drei Monate: 1.120 EUR pro Person

Als Verwendungszweck bitte „Alijah & Integration“ angeben, herzlichen Dank!

Zum Spendenportal

ICEJ Deutschland
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Ukraine: Drohende humanitäre Katastrophe

Wie die übrige ukrainische Bevölkerung sind auch viele Juden vor den herannahenden russischen Truppen geflohen. Andere verharren in ihren Wohnorten oder sitzen fest. Aus vielen Teilen der Ukraine rufen jüdische Gemeinden dringend um Hilfe, um die sich abzeichnende humanitäre Katastrophe abzuwenden. Israel Silberstein,Rabbiner in der Stadt Tschernihiw, nahe der belarussischen Grenze, berichtete, er habe dutzende Gemeindemitglieder im Keller der Synagoge untergebracht. Der Vorrat an Lebensmitteln gehe jedoch zur Neige, außerdem fehle es an grundlegenden Dingen wie Schlafsäcken. „Vor zehn Tagen schon haben wir Lebensmittel angefordert, aber wegen der Kämpfe sind sie nicht mehr rechtzeitig eingetroffen. Es könnte noch Wochen dauern, bis es wieder Lebensmittel in den Läden zu kaufen gibt.“ In Tschernihiw leben Schätzungen zufolge3.500 Juden. „Sehr wenige Juden, die wir kennen, haben die Stadt verlassen“, erklärte Silberstein. „Niemand konnte sich vorstellen, dass so etwas passieren würde. Jetzt kommt niemand mehr weg, die Brücken und alle Ausfallstraßen sind entweder vermint oder wurden gesprengt.“

Putin lehnt Israels Vermittlungsangebot ab

Israels Premierminister Naftali Bennett hat in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Sonntag Jerusalem als Ort der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine vorgeschlagen. Er kam damit einer Bitte des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom Freitag nach, Israel möge zwischen der Ukraine und Russland vermitteln. „Wir glauben, dass Israel der einzige demokratische Staat der Welt ist, der gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland unterhält“, erklärte Jewgen Kornijtschuk,Botschafter der Ukraine in Israel. Medienberichten zufolge soll Putin jedoch kein Interesse an dem Vorschlag der Israelis gezeigt haben.

Nach Kritik: Russland bestellt Israels Botschafter ein

Russlands Außenministerium hat am Freitag den israelischen Botschafter in Moskau einbestellt, um Israels Position im Hinblick auf die Ukraine zu „klären“. Außenminister Jair Lapid hatte am Vortag „den russischen Angriff auf die Ukraine“ als einen „ernsten Verstoß gegen die internationale Ordnung“ bezeichnet. „Israel verurteilt diesen Angriff und ist bereit, den ukrainischen Bürgern humanitäre Hilfe zu leisten.“ Es war die bisher deutlichste Verurteilung seitens der israelischen Regierung. Beobachter gehen davon aus, dass Israel u.a. wegen der rund 165.000 Juden, die weiterhin in Russland leben, darauf bedacht ist, im Ukraine-Krieg öffentlich nicht zu eindeutig Stellung zu beziehen. Ein weiterer Grund zur Vorsicht ist für den jüdischen Staat die Koordination mit Russland bezüglich israelischer Luftangriffe in Syrien. Die israelische Luftwaffe bombardiert immer wieder Stellungen pro-iranischer Milizen im Nachbarland Syrien, wo auch russische Truppen stationiert sind. Israel und Russland unterhalten eine direkte telefonische Verbindung zum Zweck der „Konfliktentschärfung“. Damit soll ein versehentlicher Zusammenstoß zwischen israelischen und russischen Streitkräften verhindert werden. Am Mittwoch, noch vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, hatte Israels Außenministerium erklärt: „Israel teilt die Sorge der internationalen Gemeinschaft angesichts der Schritte, die in der Ostukraine unternommen wurden, und der ernsten Eskalation der Lage.“ Wenige Stunden später sagte der russische UN-Botschafter bei einer regulären Sitzung des UN-Sicherheitsrates, Russland sei „besorgt über die Pläne Tel Avivs, den Siedlungsbau auf den besetzten Golanhöhen auszuweiten“, was als Reaktion auf Israels Kritik gewertet wurde. Russlands Botschafter in Israel erklärte am Freitag, seine Regierung „hofft, dass Israel weiterhin einen weisen diplomatischen Weg“ verfolgen werde und bekräftigte, Russland unterstütze Israels Sicherheitsbedürfnisse, lehne jedoch eine Verletzung der Souveränität Syriens ab.

Tel Aviv: Tausende demonstrieren gegen Ukraine-Krieg

Am Samstag haben tausende Israelis in Tel Aviv gegen die russische Invasion der Ukraine protestiert. Die Demonstranten, viele von ihnen russisch- oder ukrainisch-stämmig, marschierten vom Stadtzentrum in Richtung russische Botschaft. Viele forderten eine deutlichere Verurteilung des Kriegs seitens der israelischen Regierung sowie die Lieferung von Waffen an die Ukraine. „Humanitäre Hilfe ist nett, aber was die Ukraine jetzt braucht sind Verteidigungswaffen“, erklärte einer der Organisatoren der Demonstration. Israel hat angekündigt, in Kürze rund 100 Tonnen humanitäre Hilfsgüter in die Ukraine zu fliegen, einschließlich Wasseraufbereitungssets, medizinische Ausrüstung, Zelte, Decken, Schlafsäcke und andere dringend benötigte Dinge. Bereits am Donnerstag, wenige Stunden nach Beginn des Kriegs, kam es zu Protesten vor der russischen Botschaft. Dabei verbrannten einige Demonstranten ihre russischen Pässe. Rund eine Million Israelis stammen aus der ehemaligen Sowjetunion, vor allem aus Russland, der Ukraine und Belarus. Viele von ihnen sorgen sich um Angehörige, die noch in der Ukraine leben.

Ukraine will Israelis rekrutieren

Die ukrainische Botschaft in Israel hat am Samstag Israelis aufgerufen, sich dem Kampf gegen einmarschierende russische Truppen anzuschließen. In einem inzwischen gelöschten Beitrag auf ihrer Facebook-Seite erklärte die Botschaft auf Ukrainisch, diejenigen, die sich „am Schutz der Ukraine gegen die russische Militäraggression beteiligen wollen“, sollten sich per E-Mail melden und ggf. vorhandene „militärische Fachkenntnisse“ angeben. Schätzungen zufolge haben rund 500.000 Israelis ukrainische Wurzeln. Aufgrund der Wehrpflicht für Männer und Frauen in Israel ist davon auszugehen, dass viele von ihnen militärisch ausgebildet sind. Israelische Medien wiesen darauf hin, dass es israelischen Staatsbürgern untersagt sei, in ausländischen Streitkräften zu dienen, sofern kein entsprechendes bilaterales Abkommen bestehe. Ob ein solches Abkommen mit der Ukraine besteht, ist derzeit nicht bekannt. Auch aus anderen Ländern wurden Rekrutierungsbemühungen durch ukrainische Vertretungen gemeldet.


 

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