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Neuigkeiten aus dem Haifa-Heim

Langfristiges Engagement für das Haifa-Heim gesucht

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Posted on: 
5 Nov 2020
Neuigkeiten aus dem Haifa-Heim

 

In unserem Haifa-Heim für Holocaustüberlebende liegen Freude und Trauer oft nah beieinander. Die Corona-Krise macht den Bewohnern besonders zu schaffen. Durch Isolation und Alleinsein kehren bei ihnen dunkle Erinnerungen an die Zeit des Holocaust zurück.

Foto: ICEJ, Nahum und Klara

Abschied von Nahum

Mitte Juli ist Nahum, der mit seiner Frau Klara zu den ersten Bewohnern des Haifa-Heimes gehörte, im Alter von 91 Jahren gestorben. Nahum und Klara waren 72 Jahre lang glücklich verheiratet und sein Verlust trifft Klara sehr. Auch alle anderen im Haifa-Heim vermissen den freundlichen, hilfsbereiten Mann. „Wir sind alle sehr traurig, denn wir haben einen guten Freund verloren“, sagte Yudit Setz, ICEJ-Koordinatorin im Haifa-Heim. „Immer grüßte er freundlich, auch im letzten Jahr, als sich sein Gesundheitszustand stark verschlechterte. Nahum war ehrlich und direkt, dieser Mann hatte außergewöhnlichen Mut. Sein Leben lang konnte er nicht über die vielen Grausamkeiten sprechen, die er als Jugendlicher im Holocaust erlebte, die Erinnerungen waren zu schmerzlich und überwältigend. Erst nach und nach erzählte er mir einzelne Begebenheiten.“

Nahum wurde in Belarus (Weißrussland) geboren. Als 13-Jähriger musste er sich sechs Monate lang allein in einem dunklen, unterirdischen Bunker verstecken. Dann schloss er sich den Partisanen an. Seine gesamte Familie sah er nie wieder. Mit 16 Jahren floh er nach Rumänien, wo er die Mutter seiner zukünftigen Frau Klara kennenlernte. Trotz seines jugendlichen Alters brachte er 35 Juden über Griechenland nach Palästina. Dort heiratete Nahum seine große Liebe Klara. Nach der Staatsgründung Israels wurde er ein erfolgreicher Bauunternehmer im Großraum Haifa. Nahum und Klara haben zwei Kinder, Enkel und Urenkel.

Corona-Einschränkungen

Nach der langen Zeit des Corona-Lockdowns in Israel freuten sich die Bewohner sehr, dass sie Ende Mai gemeinsam im Speisesaal Schawuot, das Wochenfest, feiern konnten. Festlich gekleidet genossen die Bewohner ein leckeres Essen, doch der größte Segen war es, Zeit miteinander zu verbringen. Als Rivka hereinkam, weinte sie und sagte: „Das sind Freudentränen! Ich bin so glücklich, alle gesund wiederzusehen.“ Mania hatte eigens für den Anlass ein Gedicht verfasst:

Unser Wiedersehen (von Mania)

„Endlich sehen sich die Haifa-Heim-Bewohner wieder,
Das grässliche Coronavirus sperrte sie zu Hause ein.
Gott sei Dank, der „unwillkommene Besuch” kam nicht vorbei.

Mit Gottes Hilfe ging er an uns vorüber.

Wie erfreulich und schön ist es, wieder Freunde zu treffen.
Speise und Worte miteinander zu teilen.
Wir hoffen auf weitere Begegnungen hier und da,

Auf schöne Ereignisse und Feiern.

Unser Wunsch: Jeder sei gesund, guter Laune und habe Perspektive
In guter Atmosphäre werden wir Erfahrungen teilen.

Willkommene Gäste werden uns wieder mit Freude besuchen.

Wir wünschen Schimon und dem ICEJ-Team,
die von Herzen in allen Dingen für uns sorgten,
Gesundheit und ein dienstbereites Herz, jetzt und alle Zeit.”

Leider währte die Freude des Wiedersehens nicht lange. Seit die Corona-Neuinfektionen in Israel vor einigen Wochen anfingen zu steigen, müssen die Holocaustüberlebenden wieder in ihren Wohnungen bleiben und bekommen dort auch ihre Mahlzeiten serviert. Diese zweite Zeit der Isolation ist hart für sie und die Angst vor dem Virus ist groß. Das ICEJ-Team besucht die Bewohner weiterhin treu jeden Tag, kümmert sich um ihr Wohlergehen, nimmt sich Zeit für Gespräche und hilft bei kleinen und großen Anliegen.

Das Leben feiern

Aufmerksamkeit und Liebe sind gerade in diesen schweren Zeiten besonders wichtig und bewirken Wunder. Im neuen Gemeinschaftsraum konnte unser Team bereits mehrere Bewohner mit kleinen Geburtstagsfeiern überraschen - mit Luftballons, Kuchen und Musik. „Ihr macht mir eine Riesenfreude! Ich fühle mich so geliebt und wertgeschätzt, es ist ein besonderer Tag”, wiederholte Rita wieder und wieder, als sie entdeckte, dass es an diesem Tag nicht nur eine Tasse Kaffee gab, sondern eine Party zu ihrem 86. Geburtstag.

Farbenfrohe Kunst

Im Kunstraum erschaffen einige Bewohner farbenfrohe Kunstwerke. Unsere Kunsttherapeutin Claudia, deren eigene Familie ebenfalls vom Holocaust betroffen ist, hilft ihnen ganz wunderbar. Trotz schwindender Sehkraft kommt Bluma jeden Nachmittag in den Kunstraum, um ihre kreativen Ideen umzusetzen: Sie bastelt eine Aufbewahrungsbox für Medikamente oder erstellt eine Vase für die wunderschönen Blumen, die sie von Freunden geschenkt bekam.

Gebetsanliegen: Bitte beten Sie für Klara, die um ihren Ehemann Nahum trauert, und für alle Haifa-Heim-Bewohner um Frieden, Trost und Geduld, die Isolation erneut durchzustehen. Die monatelange Sondersituation in der Corona-Krise mit vielen Extradiensten geht auch an unseren ICEJ-Mitarbeitern nicht spurlos vorüber. Bitte beten Sie für alle für täglich neue Kraft und Erfrischung.


Langfristiges Engagement in den Bereichen Altenpflege und Physiotherapie für das Haifa-Heim gesucht.

Zu den Stellenausschreibungen und dem Bewerbungskontakt.


Bitte helfen Sie uns, die betagten Holocaustüberlebenden im Haifa-Heim liebevoll zu versorgen. Als Verwendungszweck bitte „Haifa-Heim“ angeben, herzlichen Dank!

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