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Schutzmaßnahmen im Haifa-Heim

ICEJ-Team im Einsatz für Holocaustüberlebende

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Posted on: 
10 Jun 2020
Schutzmaßnahmen im Haifa-Heim

„… um dieser Zeit willen ...“ (Ester 4,14) Anfang März hatten wir während des Purim-Festes gerade diesen Vers aus dem Buch Ester gelesen, als die Corona-Krise Israel erfasste. Die Worte klangen in unserem Geist nach und wir spürten, dass Gott uns tatsächlich um dieser Zeit willen berufen hatte.

Foto: ICEJ, Marleen und Naomi freuen sich über die Lockerung der Schutzvorgaben

Vorbereitet

Bevor es offiziell zur Gesundheitsvorschrift wurde, beschlossen wir, öffentliche Orte zu meiden, darunter Einkaufszentren und Läden, und uns auf unsere Wohnungen und die Arbeit zu beschränken. Kurze Zeit später wurden die hochbetagten Bewohner des Haifa-Heimes angewiesen, ihre Wohnungen nicht mehr zu verlassen. Sie durften auch nicht mehr in den Speisesaal kommen, wo sie normalerweise ihre Mahlzeiten gemeinsam einnehmen. Weil wir uns als Team rechtzeitig entschieden hatten, uns freiwillig zu beschränken, waren wir die einzigen, die von Beginn der Corona-Krise an die tägliche Fürsorge für die 70 Holocaustüberlebenden, die im Haifa-Heim leben, übernehmen konnten.

Bleiben und helfen

Zu unserem ICEJ-Team im Haifa-Heim gehören sieben christliche Mitarbeiter und Helfer. Neben meinem Ehemann Will und mir sind das unsere Altenpflegerin Nathalia Ochs, unsere Physiotherapeutin Debora Wanner und drei junge Deutsche, die ein Jahr lang im Haifa-Heim mithelfen. Als sie von der deutschen Regierung wegen der Bedrohung durch das Coronavirus‘  aufgefordert wurden, nach Hause zu kommen, bestanden sie darauf, zu bleiben, um für die Bewohner da zu sein. „Nach Deutschland zurückzugehen war nie eine Option“, sagte Marleen Degen. „Ich bin hier, um den Holocaustüberlebenden zu helfen, besonders in diesen schwierigen Zeiten.“

Täglich im Einsatz

Jeden Tag setzen wir unsere medizinischen Masken auf und ziehen Handschuhe an. Dann besuchen wir jeden Bewohner. Wir unterhalten uns mit ihnen, bringen die Mahlzeiten, führen Pflegemaßnahmen und physiotherapeutische Übungen durch, nehmen kleine Reparaturarbeiten vor, putzen und kümmern uns um das, was sie brauchen. In dieser Zeit konnten wir zu jedem eine tiefere Vertrauensbeziehung aufbauen und ihnen in Liebe begegnen. Die Gemeinschaft ist viel wertvoller für sie, als wir ahnen. Es ist ein wahres Privileg, ihnen auf diese Weise zu dienen!

Mehrmals die Woche prüfen wir Blutdruck und Temperatur der Bewohner. Dankbar können wir berichten, dass alle diese geliebten Holocaustüberlebenden vor einer Virusansteckung bewahrt geblieben und für ihr Alter bei relativ guter Gesundheit sind. „Die letzten Wochen waren wirklich besonders“, sagte Debora. „Ich bin glücklich, dass ich in dieser außergewöhnlichen Zeit hier sein und ihnen so viel wie möglich helfen kann.“

Passahfest ganz anders

Ein traditionelles Passah-Lied fragt: „Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Dieses Jahr war die Feier auch deshalb anders, weil ganz Israel den Sederabend in Isolation feierte. Normalerweise ist das Passahfest ein großes Familienfest. Besonders für ältere Israelis war es nicht leicht, dass sie es dieses Jahr ohne ihre Familie verbringen mussten. Normalerweise feiern einige unserer Bewohner mit ihren Kindern und Enkeln, während die anderen sich im Speisesaal zu einem gemeinschaftlichen Sedermahl treffen. Doch dieses Jahr mussten alle in ihren Wohnungen bleiben. Wir ermöglichten ihnen dennoch ein besonderes Fest, indem wir jeden besuchten, Geschenke und ein Festessen brachten und ihre liebsten Passahlieder sangen.

Isolation weckt dunkle Erinnerungen

Für einige Holocaustüberlebende, besonders für diejenigen, die unter Demenz bzw. Alzheimer leiden, bringt die Zeit, die sie alleine in ihren Räumen verbringen, dunkle Erinnerungen zurück. Wenn wir Miriam (98) besuchen, erzählt sie immer von ihrer grausamen Jugend, die sie in Ghettos und Nazilagern verbrachte, darunter Auschwitz. Versuchen wir, das Thema zu wechseln, hat sie Schwierigkeiten, diese dunkle Zeit zu verlassen. Doch ein christliches Paar aus Finnland hatte die Idee, uns eine Therapiepuppe zu schicken. Unsere Helferin Kerstin nutzt sie, um Miriam mit diesem „Baby“ eine Freude zu machen und mit ihr zu lachen.

Schnelle Hilfe

Jeden Tag klopfen wir an die Türen unserer Bewohner, um uns mit ihnen bei einer Tasse Kaffee zu unterhalten, ein paar Übungen zu machen und uns um das zu kümmern, was sie gerade brauchen. An einem Schabbat fanden wir Schlomo (94) mit Wintermütze im Bett. Er fror, weil sein Heizgerät ausgefallen war. Will holte sofort eine Leiter und brachte den Heizer wieder zum Laufen. Nach ein paar Pralinen und einer kleinen Unterhaltung verließen wir Schlomo - wieder warm und glücklich. Ein anderes Mal entdeckte eine Helferin, dass Schlomos Blutdruckmessgerät nicht funktionierte. Es benötigte neue Batterien, die schnell ausgetauscht waren. „Gott hat dich heute geschickt, um mir zu helfen“, sagte Schlomo dankbar.

Liebevoller Putzdienst

Neben anderen Aufgaben übernehmen es unsere Helferinnen Kerstin und Marleen, in den Wohnungen der Überlebenden zu putzen und sich fröhlich mit ihnen zu unterhalten. Selbst Wäsche falten machen Spaß, wenn die Bewohner mithelfen. Der hingebungsvolle Einsatz der christlichen Helferinnen hat bei vielen Holocaustüberlebenden einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Vor Corona haben wir jeden Abend Karten gespielt, uns zu Tanz und Gymnastik getroffen. Jetzt müssen wir alleine Zuhause sitzen“, erzählte Naomi (86). „Diese Mädchen kommen mit Mundschutz und Handschuhen herein, sitzen ein paar Schritte entfernt und wir haben gute Gespräche. Sie sagen zu mir: ‚Ich liebe dich wie meine Großmutter.‘“

Noch können wir helfen!

Wir haben nicht mehr viel Zeit. Viele Holocaustüberlebende warten darauf, ein liebevolles Zuhause und eine Gemeinschaft wie im Haifa-Heim zu finden. Von Israels Regierung erhalten wir keine Unterstützung. Unser Heim für bedürftige Holocaustüberlebende ist gänzlich auf Spenden angewiesen. Die Bedrohung durch das Coronavirus macht unsere Arbeit noch herausfordernder. Angesichts der wachsenden Bedürfnisse der älter werdenden Bewohner benötigen wir Ihre Hilfe!

Bitte zeigen Sie den hoch geschätzten Holocaustüberlebenden im Haifa-Heim Ihre Liebe durch Ihre Unterstützung. Als Verwendungszweck bitte „Haifa Heim“ angeben, herzlichen Dank!

Zum Spendenportal 

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