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Telefonische Anlaufstelle für einsame Holocaustüberlebende

Hilfe für Holocaustüberlebende in Israel

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Posted on: 
9 Jul 2021
Telefonische Anlaufstelle für einsame Holocaustüberlebende

Für viele Holocaustüberlebende war die einjährige Corona-Krise besonders schwer zu bewältigen. Wegen ihres fortgeschrittenen Alters und Vorerkrankungen besonders gefährdet, mussten sie isoliert zuhause bleiben. Ihre Einsamkeit, Hilflosigkeit und ihre Ängste wuchsen. Um sie zu unterstützen, wurde vor einigen Monaten in Haifa eine telefonische Anlaufstelle für Notfälle ins Leben gerufen.

Foto: Yad Ezer L'Haver, Freiwillige Helfer in der telefonischen Anlaufstelle für Holocaustüberlebende

Einsam in der Krise

Wir sind dankbar, dass wir im Haifa-Heim der ICEJ für Holocaustüberlebende auch während der Corona-Krise jeden Tag gut für unsere betagten Bewohner sorgen konnten. Doch wir stellten auch bei ihnen die negativen Auswirkungen der langen Isolation auf ihre körperliche, psychische und emotionale Gesundheit fest. Umso mehr sorgten wir uns um andere Holocaustüberlebende, die eigenständig zuhause lebten und von der Außenwelt abgeschottet waren. Wir wussten, dass viele von ihnen große Angst davor hatten, ihre Wohnung zu verlassen, um einen Spaziergang zu machen, Medikamente zu besorgen oder einkaufen zu gehen. In häuslicher Isolation und Einsamkeit kamen bei vielen zudem dunkle und qualvolle Erinnerungen hoch, während im Fernsehen unablässig von steigenden Neuinfektionen und Corona-Todesopfern berichtet wurde. All das verstärkte ihre innere Not und ihren emotionalen Stress.

Zuwendung übers Telefon

In Haifa leben mehr Überlebende der Schoah als in irgendeiner anderen Stadt in Israel. Deshalb ist es besonders gut, dass die ICEJ die telefonische Anlaufstelle für Holocaustüberlebende in Haifa unterstützen kann. Sie befindet sich nur wenige hundert Meter vom Haifa-Heim entfernt und wird vor allem von Freiwilligen aus allen Bereichen der israelischen Gesellschaft betrieben, von Soldaten, Polizisten, Studenten, Senioren, Juden und Arabern, die ihre Zeit dafür einsetzen wollen, um hilfsbedürftige ältere Menschen in ihrer Nachbarschaft zu unterstützen. Das Zentrum ist rund um die Uhr geöffnet, die Überlebenden können sich bei Bedarf jederzeit melden. Die Mitarbeiter hören sich ihre spezifischen Anliegen an und sorgen dafür, dass ihnen geholfen wird.

Umfassendes Hilfsangebot

Zudem bringen freiwillige Mitarbeiter des Zentrums den Überlebenden Lebensmittel und warme Mahlzeiten direkt an die Haustür. Einige Motorroller stehen bereit, mit denen schnelle Auslieferungen getätigt und Personen besucht werden können, die dringend Hilfe benötigen. Die älteren Israelis freuen sich sehr, sich bei den wöchentlichen Besuchen oder Anrufen des freiwilligen Teams mit jemandem zu unterhalten, der Interesse an ihnen zeigt. Handwerklich begabte Teams führen auch Reparaturen aus, ersetzen kaputte Glühbirnen, reparieren Rohrleitungen oder tauschen Sicherungen aus. Ein Fahrdienst zu Impfterminen wurde organisiert, andere brauchten einen Gehstock, einen Rollator oder einen Rollstuhl, die vom Zentrum verliehen werden.

Große Dankbarkeit

Die 89-jährige Überlebende Rita erhielt Lebensmittel und Besuche von Freiwilligen sowie einen Rollator, nachdem sie einige Wochen zuvor gestürzt war. „Sie rufen mich an und fragen, wie es mir geht“, erzählt sie. „Sie haben mir auch ihre Nummer gegeben, falls mir – Gott bewahre – etwas passieren sollte. Ich kann mich immer bei ihnen melden. Es gibt mir einen tiefen Frieden, dass ich weiß: Da gibt es jemanden, der sich um mich sorgt und dem ich vertrauen kann.“

Die Auschwitz-Überlebende Tova ist 98 Jahre alt und freut sich sehr über das Zentrum. „Wenn sie mich anrufen, fragen sie immer, ob ich irgendetwas brauche. Gott sei Dank gibt es diese Telefonzentrale, deren Mitarbeiter mich nicht vergessen“, sagt sie.

„Die Isolation und Einsamkeit bringen mich um“, klagt der 80-jährige Yaacov, der seit dem Tod seiner Frau vor einigen Jahren allein lebt. Bei einem Besuch in seiner vor kurzem bezogenen Wohnung sahen wir die kahlen Wände. Das Zuhause wirkte leer, doch unser Besuch und die guten Gespräche, die Yaacov sehr vermisst, bereiteten ihm große Freude.

Erweiterung gewünscht

Durch den schnellen Impffortschritt können die Menschen in Israel nun ihr Leben wieder aufnehmen. Besonders Holocaustüberlebende freuen sich darüber. Nach einem Jahr des Lockdowns möchten sie wieder zurück ins Leben finden, haben aber noch immer mit der langen und herausfordernden Zeit der Einsamkeit zu kämpfen. Auch nach der Corona-Krise werden viele alleinlebende Holocaustüberlebende auf Unterstützung angewiesen sein. Zusätzlich zur telefonischen Anlaufstelle in Haifa gibt es seit Kurzem ein zweites Zentrum im zentralisraelischen Ramle. Weitere Zentren sollen in anderen Teilen des Landes folgen. Wenn genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, wird das nächste Zentrum hoffentlich in Jerusalem eröffnen.

Helfen Sie uns bitte, unseren Hilfsdienst für bedürftige Holocaustüberlebende in Israel auszuweiten. Als Verwendungszweck bitte „Holocaustüberlebende“ angeben. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Zum Spendenportal 

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