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Zweites Altenheimgebäude in Haifa eingeweiht

Ruven Bronsberg erzählt seine Geschichte

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Ende April 2011 konnte das zweite Gebäude des Altenheims für bedürftige Holocaustüberlebende in Haifa feierlich eingeweiht werden. Der Geschäftsführende ICEJ-Direktor Malcolm Hedding richtete seine Ansprache an die bereits im Heim wohnenden Holocaustüberlebenden: „Das ist euer Haus. Ihr habt genug gelitten und wir glauben, dass ihr die Liebe und Fürsorge hier genießen werdet.“ Hedding betonte, es sei bemerkenswert, dass der Großteil der Kosten durch Spenden von Christen aus Deutschland gedeckt wurde.

Ghetto und Partisanen

Zu den Besuchern der Einweihungsfeier gehörte auch Ruven Bronsberg, der Anfang des Jahres schon seine Bar Mitzwa im Altenheim nachfeiern konnte. Er erzählte uns ICEJ-Mitarbeitern von den schwierigen Jahren seiner Kindheit. Als er sechs Jahre alt war, lebte er im Warschauer Ghetto. Ruvens Familie wurde deportiert, und er blieb allein zurück. Es gelang ihm, noch vor dem Aufstand 1943 aus dem Warschauer Ghetto zu fliehen. Ruven wurde von Partisanen in den polnischen Wäldern aufgenommen und bei ihren Aktionen eingesetzt. Die Partisanen wollten einen Bahnhof in die Luft jagen, über den Juden in Konzentrationslager transportiert wurden. Sie banden eine Pistole an Ruvens Hand und fixierten den Finger des Jungen mit Klebeband am Abzug, um sicherzustellen, dass er die Waffe richtig benutzte. Dann wurde Ruven aufgefordert, auf einen ahnungslosen deutschen Soldaten zuzugehen und ihn zu erschießen.

„Ich hob die Waffe, betätigte den Abzug und rannte davon. Ich blieb nicht zurück, um zu sehen, ob ich ihn wirklich erschossen hatte“, sagte Ruven. „Aber ich hörte eine Explosion und das bedeutete, dass es eine Zeit lang keine weiteren Züge geben würde.“ Das alles war zu schwer für den Achtjährigen. So wurde er bei einer Christin im Keller ihres Bauernhofes versteckt. „Ich kostete zum ersten Mal in meinem Leben echte Milch“, erinnerte er sich. „Ohne diese Frau wäre ich gestorben. Ich verdanke ihr und Gott mein Leben.“ Bis Kriegsende lebte er monatelang in dem Keller, zusammen mit Enten und anderen Bauernhoftieren, und schlief auf einem Strohhaufen.

Israel – umkämpftes  Zuhause

Selbst als die Deutschen besiegt waren, spürte Ruven in Polen Feindseligkeit gegenüber jüdischen Flüchtlingen. Mittlerweile elf Jahre alt, verkaufte er Lebensmittel des Joint Distribution Committee (JDC), der größten jüdisch-amerikanischen Wohlfahrtsorganisation, auf dem Schwarzmarkt, um zu überleben. Irgendwie gelang es dem JDC, seine Eltern lebend in einem weit entfernten sowjetischen Lager in Sibirien zu finden und die Familie wieder zusammenzuführen.

Doch Polen war nicht länger sein Zuhause. Von Italien aus nahm Ruven 1948 ein Schiff nach Israel, um in das Land seiner Vorväter zurückzukehren. Als Ruven nach Israel kam, tobten dort noch die Schlachten des Unabhängigkeitskrieges. Nach seiner Ankunft in Israel wurde er sofort bei den  Kämpfen gegen die ägyptische Armee bei Jad Mordechai in der Nähe von Aschdod eingesetzt. Heute ist Ruven 78 Jahre alt und wohnt in der Nähe des Haifa-Heimes. Er kommt jeden Tag zum Essen und um Freunde zu treffen - und hofft, bald einer der neuen Bewohner des zweiten Hauses zu sein.

Für die laufenden Kosten des Heimes werden weitere Spenden benötigt.  Zum Spendenportal. Vielen Dank!

Um die Unterkunfts-, und Verpflegungskosten der Bewohner zu decken, ist Jad Ezer weiterhin auf Spenden angewiesen. Wenn Sie einen Überlebenden im Rahmen einer “Adoption” monatlich unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte per Email an den Deutschen Zweig der ICEJ oder an den Österreichischen Zweig der ICEJ, Tel. 0043(0)7227-21183 oder per E-Mail. Jeder Betrag ist willkommen!

 

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